Auf nach Frankfurt am Main...


Bildmontage: HF

03.11.13
KulturKultur, Feminismus, TopNews 

 

von Klaus Horn

aber vergiß nicht, ‘Dona Carmen e.V.’, die Redezeit von sich meldenden, großen Literaten über das Recht auf freie Berufsausübung zu begrenzen. Denn es könnten sehr, sehr viele eingeladen werden wollen.

Ich schlage vor das Wort zu erteilen zunächst dem Erich Kästner mit auszugsweise seinem:

Chor der Fräuleins:

Wir hämmern auf die Schreibmaschinen
Das ist genau, als spielten wir Klavier.
Wer Geld besitzt, braucht keines zu verdienen.
Wir haben keins. Drum hämmern wir.

Wir winden keine Jungfernkränze mehr.
Wir überwanden sie mit Vergnügen.
Zwar gibt es Herren, die stört das sehr.
Die müssen wir belügen.

Zweimal pro Woche wird die Nacht
mit Liebelei und heißem Mund,
als wär man Mann und Frau, verbracht.
Das ist so schön! und außerdem gesund.

Es wäre nicht besser, wenn es anders wäre.
Uns braucht kein innrer Missionar zu retten!
Wer murmelt düster von verlorner Ehre?
Seid nur so treu wie wir, in euren Betten!

Ihm folgt, fast von mir nicht anders zu erwarten, Kurtchen Tucholskys:

Eine feile Dirne?:

„In der charlottenburger Stadtverordnetenversammlung hat ein Redner in der Hitze des Gefechts die bürgerliche Presse ´eine feile Dirne´ genannt. Darob gab es ein Hallo, und die angegriffenen Blätter durften feststellen, dass sich eine solche Rempelei von selber richte. …

Nein, sie ist keine feile Dirne, die man sich für ein paar Mark kaufen kann. Sie ist etwas viel Gefährlicheres….Sie ist unberechenbar: sie schenkt heute diesem ihre Gunst und morgen jenem, verlangt von einem viel, vom ande- ren alles, vom dritten nichts…“

Dona Carmen, Ihr könntet auch die neuen Koalitionäre, die Christlichen plus die Sozis einladen. Sie streiten sich immer noch – allerdings schon kompromissbereit  und passend zur freien Berufsausübung – um den Mindestlohn.

Gruß
Klaus Horn

Chor der Fräuleins

Wir hämmern auf die Schreibmaschinen
Das ist genau, als spielten wir Klavier.
Wer Geld besitzt, braucht keines zu verdienen.
Wir haben keins. Drum hämmern wir.

Wir winden keine Jungfernkränze mehr.
Wir überwanden sie mit Vergnügen.
Zwar gibt es Herren, die stört das sehr.
Die müssen wir belügen.

Zweimal pro Woche wird die Nacht
mit Liebelei und heißem Mund,
als wär man Mann und Frau, verbracht.
Das ist so schön! und außerdem gesund.

Es wäre nicht besser, wenn es anders wäre.
Uns braucht kein innrer Missionar zu retten!
Wer murmelt düster von verlorner Ehre?
Seid nur so treu wie wir, in euren Betten!

Nur wenn wir Kinder sehn, die lustig spielen
und Bälle fangen mit Geschrei
und weinen, wenn sie auf die Nase fielen -
dann sind wir traurig. Doch das geht vorbei.

http://thesoulsmirror.insomnialuder.de/ErichKastner/erichkastner.html

Eine feile Dirne?

In der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung hat ein Redner in der Hitze des Gefechts die bürgerliche Presse »eine feile Dirne« genannt. Darob gab es ein Hallo, und die angegriffenen Blätter durften feststellen, dass sich eine solche Rempelei von selber richte.

Ich weiß doch nicht recht. Ist die bürgerliche Presse wirklich mit einem Straßenmäd- chen zu vergleichen? Nein. Leider nein. Die deutsche Bürgerpresse ist nicht in dieser Weise korrupt. Ihr Wesen ist nicht zu treffen durch den Hinweis auf kleine Bestechungen und Käuflichkeiten, die mit dem Inseratengeschäft und der Kunstkritik zusammenhängen. Sie ist keine feile Dirne, die man sich für ein paar Mark kaufen kann. Sie ist etwas viel Gefährlicheres. Verglichen kann sie vielleicht werden mit einer großen Kokotte, die ein gutes Herz hat und, wenn sie nicht gerade Grafen und Barone rupft, wohl auch einmal einen Tee für Minderbemittelte einlegt. Sie ist unberechenbar: sie schenkt heute diesem ihre Gunst und morgen jenem, verlangt von einem viel, vom anderen alles, vom dritten nichts. Sie hat ihre Lieblinge, und sie hat ihre Feinde, und in ihrem Frauengehirn spiegelt sich die Welt auf wunderbare Weise. Sie hat viel zu tun, um alle die komplizierten Verknüpfungen auseinanderzuhalten, die feinen Fäden, die vom einen zum anderen gehen, die Beziehungen, die kleinen Abneigungen, die kleinen Freundschaften. Es kann vorkommen, dass der Liebhaber – und sie hat eine Menge, die um sie buhlen – durch den Vordereingang stelzt und von einem höhnischen Lakaien heruntergeworfen wird, und es kann passieren, dass einer über die Hintertreppe kommt und die Tür zum Boudoir offen findet.

Es ist irgendwo Geld im Spiel, aber leider nicht offen und eindeutig. Man weiß meist nicht, wo und wie, und sie küßt heute, dem sie gestern die Augen ausgekratzt hat. Sie ist viel zu fein, um sich bloß Geld auf den Nachttisch legen zu lassen, sie nimmt mehr, viel mehr, sie nimmt alles. Also kein Straßenmädchen, sondern das, was der Franzose eine ›grande cocotte‹ zu nennen pflegt.

anonym - Vorwärts, 29.04.1914.
www.textlog.de/tucholsky-feile-dirne.html


VON: KLAUS HORN


Schwarzers „Appell gegen Prostitution“ - 02-11-13 20:58




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