Mentalisieren: Anmerkungen zur Gestaltung des Innenlebens (4. Teil)


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12.12.16
KulturKultur, Debatte, TopNews 

 

Von Franz Witsch

Operieren mit „gefühlten Wahrheiten“

1. Zur Wahrheitsfähigkeit sozialer Beziehungen

Bisherigen Texten zufolge (vgl. T01-T03, BB125-BB127), die sich unter anderem mit der Systemtheorie von Niklas Luhmann sowie – kontrafaktisch zu Luhmann – subjektzentriert mit dem Phänomen der Borderline-Persönlichkeitsstörung beschäftigen (BPS), sind Wahrnehmungsstörungen allgegenwärtig im Sinne von „normal“, wenn man davon ausgeht, dass dem Zeichen eine eindeutige Bedeutung nicht zukommt – immer vorausgesetzt, es wird nicht trivial (der Tisch ist rund) verwendet.

Das heißt indes nur, wie in (DP3 S, 118-192) eingehender beschrieben, dass „Zeichen“ bzw. „Zeichenketten“ ihre Bedeutung, also die Fähigkeit, einen umfassenderen sozialen Sachverhalt zu repräsentieren, immer wieder neu erlangen müssen, „eine beständige Aufgabe (…), verbunden mit Gefühlsschwankungen bzw. positiven wie negativen Gefühlen“ (T01, S. 3).

Das schließt ferner ein, dass wir die Realität nicht ein für allemal sehen wie sie „tatsächlich“ ist, sondern so, wie sie unser Gehirn in unserer Vorstellung erzeugt oder zusammensetzt. Oder anders herum: wir sehen sie ein für allemal wie sie angeblich ist, auf uns zugeschnitten, noch während sie sich unter unseren Augen ändert, wir beständig – z.T. zu unserem Leidwesen – mit Veränderungen bzw. Prozessen umgehen (müssen), die in tatsachenfixierenden Momentaufnahmen nicht aufgehen. Das schließt allerdings ein: Realitätsverluste beim Beschreiben von Realität sind „normal“, vorausgesetzt, sie spitzen sich nicht gleichsam wie im Wahn zu.

Menschen werden nicht „im Wahn“ geboren. Massive Realitätsverluste beginnen unscheinbar, wie gesagt „normal“, und geben sich in ihrer Zuspitzung auch so: „normal“. Dazu ein Beispiel aus der Alltagserfahrung: Der Satiriker Dieter Nuhr macht sich (im ARD-Fernsehen) hin und wieder lustig über Kapitalismus-Kritiker mit Argumenten (immer weniger Menschen sterben an Hunger), die heute den Tatsachen entsprechen, die ihrerseits sich freilich anderntags in Luft auflösen könnten. Das ist „Realität“, wie sie uns jeden Tag begegnet: Menschen, die heute etwas zu essen haben, hungern morgen oder übermorgen.

Oftmals wird in der Tat schlichtweg verdrängt und/oder geleugnet, dass Tatsachen nicht bleiben, was sie sind. Nun muss man allerdings von einem halbwegs intelligenten Menschen wie Dieter Nuhr erwarten, dass er weiß und ggf. lernt, mit Realitätsverlusten im Hinblick auf die Beschreibung der Realität und ihren Veränderungen umzugehen, nicht zuletzt um Realitätsverluste nicht so unnötig wie „bewusstlos“ auf die Spitze zu treiben, z.B. indem sich weigert, die These zu diskutieren, dass es in der sozial-ökonomischen Realität des Kapitalismus’ soziale Sicherheit möglicherweise und unabhängig von der moralischen Qualität der Menschen nicht hergestellt werden kann – ungeachtet dessen, dass es Zeiten gibt, in denen weniger Menschen hungern oder in denen Renten ausbezahlt oder Menschen von Ärzten (in Krankenhäusern) auch mal behandelt werden.

Fakt ist: Was heute Fakt ist, kann sich morgen in Luft auflösen. Das macht es erforderlich, das Faktum in einem umfassenden Kontext zu analysieren, bevor man Schlüsse aus ihm zieht. John L. Austin spricht in einem vergleichbaren Zusammenhang von einem auf Fakten basierenden „deskriptiven Fehlschluss“: Man beschreibt etwas, als würde dieses Etwas sich aus Tatsachen in einer bestimmten Weise zusammensetzen, als würden Zusammensetzungen nicht beständig variieren können, wiewohl sie zunächst dem Augenschein nach invariant erscheinen. Kleinste Variationen können entscheidend sein. So wissen wir, dass der Sinn eines Satzes zur Beschreibung von Realität zuweilen von der Platzierung eines Kommas abhängen kann.

In (AuJ) heißt es analog im Hinblick auf performative Äußerungen: „Manche Äußerungen haben zwar die grammatische Form von Tatsachenfeststellungen, aber man beschreibt/berichtet oder stellt mit ihnen keine Tatsachen fest, sondern schafft vielmehr Tatsachen durch den Vollzug einer Handlung.“ Das bedeutet: Der performative Akt einer Beschreibung von „Realität“ gehört zur Realität bzw. fügt ihr etwas hinzu, das sie verändert, z.B. wenn ein Maler einen Menschen porträtiert (beschreibt); dann verändert er seine Sichtweise auf den Menschen (Differenz), den er malt, bzw. der spätere Betrachter verändert seine Sichtweise, möglicherweise hinter seinem Rücken, ohne dass er merken muss, dass er einen sozialen Sachverhalt kritisiert und deshalb ein „Anderer“ wird oder geworden ist.

Beschreibung und Kritik sozialer Sachverhalte beziehen sich natürlich ganz unvermeidlich auf jene Menschen, die jene sozialen Sachverhalte repräsentieren, sind also immer auch persönlicher Natur. Strukturen lassen sich nicht trennen von Personen, die sie repräsentieren. Damit werden wir Menschen tagtäglich – „(selbst?)kritisch“ – konfrontiert; das kann arg zu schaffen machen; etwa wenn Beschreibungen, Veränderungen, Kritik an Strukturen uns nicht gut zu Gesicht stehen, weil wir zu ihnen gehören und wir uns dann zuweilen massiv kritisiert fühlen; dann wollen wir Beschreibungen, Kritik, Veränderungen nicht wahr haben oder reagieren (mehr oder weniger nachhaltig) enttäuscht, aggressiv, unversöhnlich, tauchen weg, schweigen tot, etc.

Nur dass der Kritisierte vergisst, dass die Entstehung, Ausbildung und Entwicklung sozialer Strukturen Kritik, auch massive, voraussetzt. Ohne Kritik dünnen Beziehungen oder soziale Strukturen aus, z.B. die Westbindung von BRD und EU, wenn ihre Repräsentanten es ängstlich unterlassen, die USA öffentlich zu kritisieren oder sie nur hinter vorgehaltener Hand in irgendwelchen Hinterzimmern kritisieren. Der Kritisierte verdrängt, dass Kritik soziale Strukturen oder Beziehungen erst wahrheitsfähig macht. Das nicht zu sehen oder „leben“ zu können, hat tiefergehend wachsende Realitätsverluste zur Folge bis zu einem Punkt, ab dem soziale Strukturen mit den in ihnen agierenden Subjekte in ihrer Existenz bedroht sind. Gehen sie zugrunde, hängen sie den Überbringer der schlechten Nachricht bzw. denjenigen, der jene (zugrunde gehende) soziale Struktur beschreibt.

Man kann vielleicht sagen, dass wir Realitätsverluste nicht nur (unnötig) erzeugen, indem wir Fakten leugnen (vgl. Q01, Q02, Q03, Q04), sondern wir erzeugen Realitätsverluste auch, indem wir auf Fakten verweisen – „jeden Tag, ohne uns viel dabei zu denken“ (MVS, S. 203f); weil Tatsachen in Analysen natürlich eine Rolle spielen; wie sollten sie nicht? Sie sind Ausgangspunkt der Analyse, stoßen sie an, um dann allerdings in einer Analyse von Substanz in einem umfassenderen Kontext eingelassen (beschrieben) zu werden. Geschieht das nicht, werden Realitätsverluste „gedankenlos“ verstärkt; so verfahren sogenannte Qualitätsmedien, gleichwohl sie sich explizit der Beschreibung einer „komplexen Welt“ verpflichtet fühlen; freilich ohne „klare“ Kriterien zu reflektieren, an denen sich der Grad oder die Qualität einer komplexen Beschreibung bemisst. Die herablassende Feststellung, dass die Welt komplex sei, muss reichen. Damit gibt man sich für gewöhnlich – ohne den Gestus selbstzufriedener Herablassung zu bemerken – schichtübergreifend zufrieden (vgl. auch Q28).

Man kann sagen, dass sogenannte Qualitätsmedien sich bewusst einer Sprache bedienen, die die Welt vage beschreibt und damit auch unvermeidlich kommentiert oder bewertet (bloße Feststellung von Komplexität), zumal selbstgefällig (vgl. Q28), in zuweilen „glänzenden“ Formulierungen, die zum Genuss einladen, in denen sich Substanzlosigkeit hervorragend zu verbergen vermag. Der Begriff „Postfaktisches Zeitalter“ ist so ein schöner Ausdruck, der tiefergehende Analyse vortäuscht, dafür aber der Neigung einer wenig aufwendigen, impulsgesteuerten, um nicht zu sagen „gedankenlosen“ Betrachtung von Realität entgegenkommt (vgl. Q01, Q28). Darüber hat sich übrigens der renommierte Kunst- und Literaturkritiker Karl Kraus (†1936) schon aufgeregt. „In der Sprache ging es ihm nicht“, so Paul Schick, „um ästhetische Vollkommenheit (…) Nie hat er sich über den unbeholfenen Ausdruck des einfachen Menschen lustig gemacht“ (vgl. KrK, S. 80).

Hannah Arendt spricht in ihrer Berichterstattung über den Prozess gegen Nazi-Massenmörder Eichmann von „Weltverlust“ oder „Weltlosigkeit“ im Sinne von „Gedankenlosigkeit“ des Massenmörders – von der „Banalität des Böse“ (vgl. DP3, S. 8): Menschen leben in „ihrem“ Soziotop, in dem alles in der Ordnung ist, alternativlos („habe einen Eid auf den Führer geleistet“), freilich isoliert, sich selbst isolierend von einer anderen „wirklichen“, freilich allzu fremden Welt, dieses totschweigend, abgeschottet, um sich nicht verunsichern zu lassen – ganz wie Finanzspekulant Parker in „seiner überlange[n] Luxuslimousine“ vor sich hinvegetiert (DP2, S. 26), die ihm zur schützenden zweiten Haut geworden ist: er ist von der wirklichen Welt, „aber auch von sich selbst, seinen Gefühlen, isoliert“ (ebd). In seinem Soziotop gelten Tatsachen, denen er vertraut, die in Computerprogramme eingehen, um Gewinne auszuspucken, wiewohl er mit ihnen urplötzlich und gegen alle Regeln – Katastrophe, Zusammenbruch (von Innen wie Außen) – die Hälfte seines Reichtums in den Sand setzt (aaO, S. 21). Das macht ihn „zur tickenden Zeitbombe“ (aaO, S. 30).

Menschen glauben an Tatsachen wie an Gott. Sie sind eingemauert in ihrem quasi-göttlichen Soziotop, das sie identifizieren mit ihrer imaginären Welt, Teil der realen Welt, wiewohl von dieser streng abgeschirmt, wiewohl (ihr) Gott – plötzlich ist alles anders: Hiob landet im Dreck! – sich für (ihre) Tatsachen in welchem abgeschirmten Kontext auch immer nicht interessiert. „Populisten“ leugnen und orientieren sich je nachdem, wie es ihnen in den Kram passt, an Tatsachen, um ihre Politik kurzschlüssig zu begründen: so seht doch, wie brutal sie sind; wir brauchen ein härteres Jugendstrafrecht“ (DPB, S. 47).

Auf Tatsachen zu schauen wäre nicht dramatisch, wenn man sie, wie gesagt, in einem umfassenderen, mithin zu Ende gedachten Kontext analysierte, diesen also zusammen mit den Tatsachen nicht tatsachenfetischisierend verabsolutieren würde (vgl. DPB, S. 42ff), z.B. indem man jenen umfassenderen Kontext – im Einklang mit dem eigenen Soziotop – eingrenzt, wie es gerade auch Linke machen (vgl. Q28), als wäre jener Kontext identisch mit dem eigenen Soziotop; oder, was auf dasselbe hinausläuft, man denkt nicht zu Ende, was es bedeutet, in einem umfassenderen Kontext zu denken, zu sprechen, zu agieren. Wir erleben es jeden Tag: Da verwendet einer das von Goebbels verwendete Wort „Lügen-“ oder „Systempresse“, redet mit Rechtspopulisten wie Jürgen Elsässer oder findet die Vorträge von Daniele Ganser interessant, – und schon gehört er im Kurzschlussverfahren zur „Querfront“ (vgl. B135, S. 101f) oder gilt als „Verschwörungstheoretiker“ (vgl. BB100, S. 3).

2. Gefühlte Wahrheiten auf der Basis „projektiver Identifizierung“ (BuF)

Der Tatsachenfetischist begründet Urteile ausschließlich impulsiv, operiert ausschließlich mit „gefühlten Wahrheiten“, die sekundenschnell in der Vorstellung entstehen, um kurzschlüssig in der Vorstellung zu enden; dann scheitert der Innen-Außen-Bezug bzw. die Externalisierung des Gefühls nachhaltig (vgl. DP4, S. 30-34, 45, Klappentext). „Am Ende heißt es nur noch: ich fühle, also bin ich“ (aaO, S. 100). Man liebt die Fähigkeit zu fühlen, nicht die Fähigkeit, das Fremde, Differenzielle, möglicherweise Ungeratene, Unbeholfene in die eigene Gefühlswelt einzubeziehen (aaO, S. 59ff), „dem eigenen Leben zu assimilieren“ (vgl. DP2, S. 11), selbst den populistischen Internet-Trolli. Das gelingt nur über Kritik am Trolli, die auch mal weh tut. Viele Wissenschaftler transportieren auf diese Weise mentale und wissenschaftliche Defizite, die sich möglicherweise, so eine wesentliche Hypothese meiner Bücher und Texte, in ihren Arbeiten auffinden lassen.

Ich möchte den eben beschrieben sozialen Sachverhalt mit einem Begriff von Bateman und Fonagy (BuF) wie folgt ausdrücken, um zu illustrieren, wie „ernst“ es um uns steht: der Tatsachenfetischist denkt, spricht und handelt im Modus „projektiver Identifizierung“, eine Eigenschaft des Innenlebens, die BuF zufolge Menschen aufweisen, die unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) leiden, was nicht heißt, dass alle, die projektiv identifizieren, unter einer BPS leiden müssen, wiewohl sie gefährdet sein könnten, wenn ihre äußeren Umstände sich (zu ihrem Leidwesen) ändern (vgl. T01, S. 2, T02, S. 11f, T03, S. 19ff). Mit zuweilen schrecklichen Folgen: Plötzlich liefen die Menschen wie im Rausch in den Ersten Weltkrieg; harmlose Dichter hetzten während des Krieges in ihren Gedichten für den Krieg, nachdem viele sich zuvor nicht so recht vorstellen konnten, dass es Krieg geben könnte. Nach dem Krieg mutierten dieselben Menschen zu Pazifisten, so Karl Kraus über seinen Intimfeind „Alfred Kerr, der im Krieg Hetzgedichte verfasste und im Frieden sich dem Pazifismus als dem besseren Geschäft zuwandte, ohne sich von der Vergangenheit zu distanzieren“ (KrK, S. 112) – wie es z.B. Thomas Mann vermochte.

Dieter Nuhr leidet mit seiner Kurzschluss-Satire gegen Kapitalismus-Kritiker gewiss nicht unter einer BPS, auch nicht unter auffälligen Kommunikationsstörungen, zumal nicht unter seinesgleichen, von denen er sich, der Erfolg gibt ihm recht, bestätigt sieht. Gleichwohl zieht er ziemlich naiv, richtiggehend „weltfremd“ über Kapitalismuskritiker her. Er lebt in einem sozialen Milieu, das Informationen und Interpretationen abwehrt, die den Bestand des Milieus, „seines“ Soziotops, gefährden könnten, oftmals lediglich in der Vorstellung ihrer Mitglieder oder Repräsentanten; de facto würden abgewehrte Infos oder Interpretationen das Milieu vielleicht nicht gefährden, vielleicht sogar den Horizont der Mitglieder erweitern, ihr Soziotop entwickeln, wachsen lassen. Diese Möglichkeit wird mono-perspektivisch abgewehrt, als wolle man nicht wachsen, erwachsen werden, ich nehme an, weil die Vorstellung zwanghaft an der vorgestellten, mithin vertrauten Realität klebt, den „kleinen“ Kindern, die von ihren Eltern nicht ins Erwachsenendasein entlassen werden. Jene vertraute, imaginäre Realität wird in die „wirkliche“, fremde Realität projiziert bzw. mit ihr in eins gesetzt wird – aus Angst vor negativen Gefühlen aufgrund von Differenzen, die der projektiv Identifizierende fürchtet und deshalb nicht wahrhaben will oder verleugnet. Das passiert nicht böswillig, aber nicht selten deshalb, weil man von der Wahrnehmung des „Fremden“, „Unbekannten“, „Andersartigen“ psychisch überfordert ist. Die Tatsache, dass so etwas in den Sozialwissenschaften nicht ausreichend – auch auf die eigene Person hin – reflektiert wird, zeigt, so Paul Mattick bezogen auf verleugnete Marxsche Wahrheiten, „dass die Sozialwissenschaften halt vor allem sozial und weniger eine Wissenschaft sind“ (zit. n. DP2, S. 17).

Übrigens, unbenommen davon, dass Dieter Nuhr sich in seinem Kurzschluss-Satiren bestätigt „fühlen“ könnte, darf man sich über jeden zusätzlichen Menschen freuen, der es vom Krieg im syrischen Aleppo nach Deutschland geschafft hat, der im Kapitalismus nicht hungern und frieren muss, und sei es auch nur temporär; auch dann, wenn uns der Kapitalismus eines Tages das „Schlaraffenland“ bescheren sollte. Das tut er bislang nicht.

Man darf ferner erleichtert sein über jeden Krieg, der im Kapitalismus nicht stattfindet oder beendet wird, selbst wenn der zukünftige US-Präsident Trump ihn beenden sollte. Aber es gibt eben auch Gründe für die These, dass der Kapitalismus immer mehr Menschen ins Elend stürzt, resp. „tiefergehend“ für immer mehr Kriege, Flüchtlinge (vgl. MIG, S. 5–11), kurzum Verelendung, dazu für eine wachsende „Militarisierung sozialer und ökonomischer Strukturen“ verantwortlich ist (vgl. MVS, S. 203-214); mit oder ohne Trump, der gerade dabei ist, sich mit Wahlstreet zu versöhnen (vgl. Q05), übrigens wie schon zuvor Obama, nachdem er 2008 zum US-Präsidenten gewählt wurde (vgl. Q06).

Es gibt in der Tat sogar gute Gründe anzunehmen, dass im Kapitalismus die absolute Verelendung fortschreitet, v.a. aber unabhängig von der moralischen Qualität der Menschen. Diese steht ggf. zur Disposition, sobald institutionalisierte (staatliche) Herrschaftsinteressen des Kapitals berührt werden, ein sozialer Sachverhalt, der ungebremst von oben nach unten in vollkommen unbedeutende politische Institutionen transportiert wird, wie am Fall „Jürgen Voges“ (vgl. BB135) illustriert werden kann, als müsse von v.a. jungen Wissenschaftlern in unbedeutenden Institutionen wie der NGfP brav eingeübt werden, was es ggf. oben im Interesse des Kapitals zu beherrschen gilt. Wir erleben es immer wieder. Viele junge engagierte Pazifisten mutieren, wenn sie älter und „seriös“ werden, zu Kriegshetzern. Das ist gewiss kein Zufall. Joschka Fischer, Katrin Göring-Eckart, Claudia Roth etc. sind keine Einzelfälle (vgl. Q25), sondern repräsentieren ein Massenphänomen. Von dorther ist es naheliegend, die jährlichen Kongresse der NGfP auf Seminaren inhaltlich vorzubereiten, um es eben nicht dem Zufall zu überlassen, was man auf den Kongressen zu hören bekommt (vgl. BB135, S. 96). Das kürzlich mir zugesandte Programm für den NGfP-Kongress 2017 lässt befürchten, dass sämtliche Referenten ganz im Sinne der Partei „Die Linke“ ausgewählt worden sind.

Warum auch nicht? Schließlich findet der Kongress in den Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt (die der Partei „Die Linke“ nahesteht), vermutlich kostenlos für die NGfP. Allerdings sind auch schon auf ihren vorherigen Kongressen kaum Vorträge von Substanz gegen den Kapitalismus zu hören, bzw. in Sammelbänden zu lesen gewesen, und wenn, wurden nur scheinheilig kritisch (im Sinne der Partei „Die Linke“) solche Referenten eingeladen (wie ich da reingeraten bin, zeugt von einem Missverständnis, das sich allerdings nunmehr aufgelöst hat), die – wie Habermas – den Kapitalismus für zivilisierbar halten. Davon sind insbesondere Linke überzeugt, die oben – in Parlamenten und Regierungen – ein bisschen mitspielen wollen oder solche Linke, die es „noch nicht geschafft“ haben, aber es in ihren Träumen von einer „guten“ Macht gegen „böse“ Kapitalisten gerne schaffen würden. Nun, und wenn sie es institutionell abgesichert geschafft, ihre Rolle eingeübt haben, sind sie kaum mehr zu erreichen. Dann geht’s um imaginäre Machtpositionen, Ehre und guten Ruf (Habermas als zitierfähiger Staatsphilosoph), all dies es zu wahren gilt.

Dass der Kapitalismus zivilisierbar ist, gilt als Tatsache, „gefühlt richtig“, weil es angeblich genügend „Geld“ zu verteilen gibt, wenn man (Super-)Reiche nur ausreichend besteuern, die Finanzindustrie nur gehörig regulieren würde, und, last not least, weil wir eine Verfassung haben und schließlich Verfassungspatrioten anstatt Nationalpatrioten sein könnten – mit einer entsprechenden („Volks“-) Erziehung, versteht sich, als wäre der Patriotismus als solcher – das bloß „gefühlte Verhältnis“ zu was auch immer, das Leben ausschließlich in der Imagination, das man für real hält – nicht schon das Problem, kurzum: die Distanzlosigkeit, mit der man an einer Sache klebt.

Distanzlosigkeit deutet auf ein methodisches Problem (in den Sozialwissenschaften) hin, ein solches der Form bzw. formgerechter Analyse, nicht des Inhalts, der Beschreibung schmerzhafter Symptome der Verelendung. Auf Letzteres beschränkt sich „Die Linke“, z.B. Rügemer oder Butterwegge, die auf dem nächsten NGfP-Kongress zu hören sein werden. Einfach unerträglich, wenn es zu diesen Referenten keine Referenten gibt, die sie zu kritisieren verstehen. Ist vermutlich auch nicht mehr erwünscht – nunmehr, in den Veranstaltungs-Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Kurzum: Jürgen Voges, geschäftsführender Vorstand der NGfP, darf sich freuen, dass er und seine Freunde mich los sind (vgl. BB135).

Mit Zivilisierbarkeit meint man den Zusammenhalt der Gesellschaft im Kapitalismus; den sieht Habermas, so Peter Nick, allerdings gesichert über „einen wertesubstanziellen Wertekonsens“ (NiP, S. 103), dafür aber ziemlich vage mithin rechtspositivistisch durch einen, so Habermas wörtlich, „Konsens über das Verfahren legitimer Rechtsetzung und Machtausübung“ (zit. n. NiP, ebd.); zumal gesichert durch „die Loyalität der Staatsbürger gegenüber der gemeinsamen politischen Kultur, die in den Verfassungsprinzipien wurzelt“ (zit. n. ebd). Das „bezeichnet Jürgen Habermas mit dem Begriff „Verfassungspatriotismus“. Er sichere den „notwendigen Zusammenhalt in einer pluralen Gesellschaft“ (zit. n. ebd). In meinen Augen ist das purer Voluntarismus: Habermas setzt eine Loyalität zu einem Verfassungstext voraus, den es in der Realität seit Ewigkeiten nicht mehr gibt, außer vielleicht in seiner Phantasie (vgl. Q17).

Es ist schlimmer: grundlegende Verfassungsrechte (die Würde ist unantastbar) sind auf verfassungskonformem Weg – mit Zweidrittelmehrheiten in Bundesrat und Bundestag – längst abgeschafft worden. Nicht für Jürgen Habermas, aber z.B. für Hartz-IV-Bezieher, ?Aufstocker, Obdachlose, Rentner oder Geringverdiener. Man muss schon ziemlich blind in der Welt herumlaufen, um nicht zu bemerken, dass Rechtssetzungen allein nicht weiterhelfen? Welch ein Realitätsverlust auf der Basis imaginärer oder nur gefühlter Wahrheiten! Schon gemerkt? Der Westen scheißt auf Rechtssetzungen (z.B. gegen das Führen von Angriffskriegen), wenn sie dem eigenen „guten“ Gefühl widersprechen. Dann mutieren moralisch integre Menschen urplötzlich – siehe Obama, nachdem sie gewählt worden sind – zu Wahlbetrüger (vgl. Q05, Q06, BB093,) und schließlich zu Verbrechern (vgl. BB047, Q18, Q19, MVS, S. 203)

3. Der Kapitalismus – nur gefühlt zivilisierbar?

Es spricht einiges dafür, dass wir es auch mit einer noch so guten moralischen und gesetzestreuen Einstellung aller Bürger „allein dadurch, dass wir im Kapitalismus leben, (…) mit Prozessen absoluter ökonomischer und psychischer Verelendung“ zu tun bekommen (DP2, S. 12), in der dann die moralische Qualität aller Menschen zur Disposition steht, ihre (Schreibtisch-) Gewaltbereitschaft bis hin zu Mord und Totschlag wächst. Das deutet sich im Vorfeld, noch bevor z.B. Grüne zu Kriegshetzer mutierten (vgl. Q25), dadurch an, dass man denkt, auf einen Plan B als Alternative zum Kapitalismus verzichten zu können, weil es doch Rechtssetzungen gebe. Selbst Linke, ich kenne eigentlich nur solche, glauben daran, von den Rechten, die Flüchtlinge als das Grundübel sehen, ganz zu schweigen; das zeigt, dass sie mit all ihren noch so radikalen, leider nur pseudo-anti-kapitalistischen Sprüchen ohne die leiseste Ahnung sind, wie „Kapitalismus funktioniert“ bzw. in welcher Gesellschaft sie leben. Und wenn sie es wissen, schweigen sie sich aus Macht- und Geldgier darüber aus, wie ein Plan B aussehen könnte. Uneingestanden im Interesse des Kapitals glauben sie brav, mit Hilfe von Finanz- und Steuerpolitik könne man den Kapitalismus aus der Welt schaffen oder zivilisieren. Regierungsgeile Linke glauben an die anti-kapitalistischen Verheißungen einer gehörigen Besteuerung von Reichen und Superreichen.

Richtig ist, dass den gigantischen Papiervermögen schon lange keine „realen“ Güter mehr gegenüber, die genug Menschen ausreichend zu ernähren vermögen. Das heißt, die Finanzsphäre (bei Marx: Zirkulationssphäre) berührt die Realwirtschaft nicht mehr, wie das idealtypisch im 19. Jahrhundert der Fall war, als die Goldbindung noch existierte, mit der es bekanntlich in die Weltwirtschaftskrise 1929/1933 ging, die man heute durch exorbitant wachsende Schulden seit 25 Jahren hinauszögert. Nunmehr druckt man Geld „aus dem Nichts“, schaut so ungerührt wie ahnungslos zu, wie es sich in wertloses Papiervermögen verwandelt, das sich aus sich selbst vermehren kann, inflationsneutral, weil dafür gesorgt wird, dass es die reale Wirtschaft nicht zu berühren vermag; es sei denn der Staat nimmt Schulden auf, die sich die freie Wirtschaft nicht leisten kann oder will, um in die Infrastruktur zu investieren oder „Pyramiden“ (Keynes, vgl. MIG, S. 10, Anm.) zu bauen. Statt Pyramiden spreche ich in meinen Büchern und Texten von „Unsinns-Produktionen“, die uns nicht ernähren, dafür aber die Finanzsphäre immer mehr aufblähen, bist zu einem Punkt, von dem ab sich in Marx Worten das „Wertgesetz“ in der Realwirtschaft mit einem Schlag durchsetzt – nachdem die Blase geplatzt ist. Man fragt sich, warum Finanzmarkt-Experten wie Ernst Wolff es an Klarheit vermissen lassen. Sie sprechen von der „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“ gegen den Bürger, so der verbalradikale Titel seines Bestsellers, und begreifen z.B. nicht, dass es eine Hyper-Inflation, nachdem die Blase geplatzt ist, nicht geben wird. Originalton Wolff: „Weiteres Gelddrucken wird die Blasen an den Märkten platzen lassen und dazu in eine Hyperinflation führen“ (Q26).

Allein die Aussage, dass „Geld gedruckt wird“, ist irreführend. Man schafft wertloses Papiervermögen, kein (Zentralbank-) Geld (gesetztliches Zahlungsmittel), das einen „inneren“ Wert aufwiese. Das heißt, man kann mit dem gigantischen Papiervermögen keine Lebensmittel kaufen; dazu muss man sein Papiervermögen erst in gesetzliches Zahlungsmittel eintauschen, das einen entsprechenden „inneren Wert“ für den Einkauf aufweist, und das, solange es nicht angefordert wird, bei der Zentralbank liegt – unerreichbar für Bürger, Konsum und Investitionen der freien Wirtschaft. Exakt das ist der Grund, warum die Blase platzt. Weil plötzlich zu viele Menschen ihr wertloses Papiervermögen in gesetzliches Zahlungsmittel eintauschen wollen, von dem es bei weitem nicht genug gibt und der Staat es auch nicht schöpfen kann (Fiat-Währung), es sei denn indirekt, indem er Kredite nachfragt, um zu investieren und damit die Blase noch ein wenig hinauszuzögern. Im Dritten Reich unter den Nazis alles schon erlebt. Mein Gott Wolff…!?

Hier tun sich unbequeme Fragen auf, die, wenn sie sich zu sehr aufdrängen und kaum mehr geleugnet werden können, das Innenleben zuweilen massiv in Anspruch nehmen. Dann knallen intelligente Menschen auch schon mal durch (vgl. BB085, S.32), wie man es bei BPS-Patienten beobachten kann, wenn ihre gefühlten Wahrheiten nicht ankommen. Oben erwähnten wir, dass Menschen, die „projektiv identifizieren“ (ohne gleich unter einer BPS zu leiden), nicht daran denken, (ihnen) unbequeme Fragen zu stellen, namentlich eine Vermögenssteuer auf „wert“-loses Papiervermögen kritisch zu hinterfragen, das ja offenkundig nur noch bedient werden kann mit Hilfe exorbitant wachsender Schulden; nicht zuletzt um die Wertlosigkeit des Papiervermögens zu verschleiern.

Es ist doch so: Ein Reicher erträgt es nicht, wenn man ihm sagt: Dein Vermögen ist nichts wert; also weg damit; man kann es enteignen, was es sich ohnehin irgendwann in Luft auflöst, nachdem die Blase geplatzt ist. Richtig: der Finanzsektor hat es so weit gebracht, dass es dem Augenschein, also „faktisch“ richtig ist zu sagen: nur ein ganz und gar toter (privatwirtschaftlicher oder gewinnorientierter) Finanzsektor ist ein guter Finanzsektor. Nicht nur überflüssig wie ein Kropf, sondern für die Realproduktion brandgefährlich!

Solche möglichen Zusammenhänge werden allerdings parteiübergreifend und im Einklang mit der veröffentlichten Meinung abgeblockt; mithilfe „gefühlter Wahrheiten“, mit denen auch Linke wie Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht operieren (vgl. BB136). Warum sollte die nicht auch, wie schon vorher die Grünen, in Regierungsverantwortung zu Kriegshetzern mutieren.

Schon jetzt gibt es keine wirkliche Alternative zu den sogenannten Qualitätsmedien. Die „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ (DWN) glauben, sie seien alternativ und möchten sich für diesen Wahn auch noch bezahlen lassen (vgl. Q20). Um Spenden bitten ist ok, alles andere ganz schön frech. Die DWN sprechen zwar verbalradikal von „einer schonungslosen Abrechnung mit Merkel“ durch Frau Wagenknecht im Bundestag, wovon allerdings nicht die Spur die Rede sein kann. Auch wenn ihre Rede die abwertenden Zwischenrufe aus der SPD -Fraktion nicht verdient hat; schließlich transportieren ihre wirtschaftspolitischen Vorschläge nur das übliche SPD-Gewäsch, nämlich kreditfinanzierte Staatsinvestitionen zur Belebung der Konjunktur, also „Keynes pur“ (vgl. Q07); nichts als „gefühlte Wahrheiten“, mit denen man uns seit 1966 nervt, ohne dass bis heute auch nur das Geringste zum Wohle der Bürgers passiert wäre. Es wurde, im Gegenteil, trotz kreditfinanziertem Wachstum „alles“ schlimmer. Noch einmal: die Finanzkrise haben wir den wachsenden Schulden zu verdanken, um nicht zu sagen, den Bemühungen den Sozialstaat im Kapitalismus erst aufzubauen (Adenauer-Zeit), um ihn heute mit wachsenden Schulden zu retten. Das wird einfach ausgeblendet.

Man will ferner nicht sehen, dass Keynes heute nur noch funktioniert in Verbindung mit protektionistischen Maßnahmen, die Trump im Interesse des US-Kapitals gegen den Rest der Welt, v.a. gegen China, Russland und EU, einführen wird, und zwar um die konjunkturbelebende Wirkung seines kreditfinanzierten 1000-Milliarden-Dollar-Infrastruktur-Programms abzusichern (vgl. Q21). Dabei lässt sich Trump von „Gary Cohn, dem Präsidenten von Goldman Sachs“ beraten, mit dem er Gespräche „um einen möglichen Job für den Banker“ geführt haben soll, „der dann die Wall Street mitten in Trumps Team bringen würde“ (vgl. Q05), um, absurd aber wahr, ein Wahlversprechen einzulösen: „American first“.

Ob all das der US-Wirtschaft hilft, ist keineswegs sicher (vgl. Q22). Dennoch sind Keynes und Frau Wagenknecht mit den Interessen der Finanzwirtschaft bestens vereinbar, die strategisch schon lange Keynes für sich entdeckt haben; es geht um den vergeblichen, im Grunde verzweifelten Versuch, über die wachsende Kreditnachfrage des Staates (die von der Privatwirtschaft nicht zureichend kommt, z.T. vom Staat bewusst wegreguliert) die exorbitant wachsenden faulen Anlagen der Finanzwirtschaft noch eine Zeitlang am Leben zu erhalten.

Ja und Frau Wagenknecht hat ganz offensichtlich keine Ahnung, dass sie im Bundestag als kleines Licht weltweiter Finanzinteressen agiert, wenn sie mit Keynes auf den Lippen mit Frau Merkel schonungslos abrechnet. Tatsächlich braucht Keynes, um in den Grenzen eines Landes zu funktionieren, einen wachsenden Protektionismus (verhindern von Importen), um das Kapital mit steigendem Wert des Dollar gegenüber anderen Währungen, und d.h. bei drohenden Handelsbilanzdefiziten im Land zu halten. Kurzum, der Protektionismus könnte einmal mehr dazu führen, dass die Welt wie schon 1929/33 zu einem Pulverfass mutiert – mit oder ohne Trump.

Es steht zu befürchten, dass Frau Wagenknecht nicht begreift, in welcher Welt sie lebt, weil auch sie in einer inneren Welt lebt, die sie mit der äußeren Welt identifiziert bzw. ausschließlich mit „gefühlten Wahrheiten“ operiert; diese bestimmen die Politik ganz generell. Das gleiche gilt im Sinne eines Übungs- und Tummelplatzes für „höhere politische Aufgaben“ auch für einen vergleichsweise unbedeutenden politischen Verein wie die „Neue Gesellschaft für Psychologie“ (NGfP).

Wobei „gefühlte Wahrheiten“ als solche nicht das Problem sind; wir operieren ständig mit ihnen; fragt sich nur, welchen Stellenwert sie genießen bzw. wie sie verwendet werden – entweder struktur-affirmativ oder struktur-kritisch.

4. Subjektzentriert analysieren (und malen: Paula Modersohn-Becker)

Die Mehrheit der Bürger spürt mittlerweile, dass die Repräsentanten großer politischer Institutionen wie Parteien (ihre) gefühlten Wahrheiten unkritisch gegen sich selbst sowie herrschende sozial-ökonomische Strukturen verwenden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie das tun, wächst in dem Maße wie sie von jenen Strukturen seelisch und/oder materiell abhängig sind bzw. ernährt werden. Repräsentanten entwickeln, wenn sie ihren Job (nicht den Bürger) „ernst nehmen“, ein symbiotisches Verhältnis zur Struktur, die sie repräsentieren.

Das Seelische ist oftmals viel wirksamer als die Bezahlung; diese wird eher als Trostpflaster empfunden, z.B. wenn der Politiker am Ende seiner politischen Karriere von der freien Wirtschaft mit einem hochdotierten Job belohnt wird, nachdem er dieser als Politiker zu Diensten stand. Ex-Kanzler Schröder ist so ein Typ. Seelisch gesehen weniger als Merkel, die eher eine Gesinnungstäterin ist. Ihre gefühlte Wahrheit: sie ist als ehemalige FDJ-Drohne mit Leib und Seele Putin-Feindin. Schlimmer: sie richtet ihre Politik danach aus. Vielleicht weil sie sich von Russland und der DDR um eine in sich stimmige Biografie betrogen fühlt? Könnte sein. Denn vermutlich war sie in ihren jüngeren Jahren nicht weniger mit Leib und Seele für die DDR und Russland da wie heute für die USA.

Merkel gehört mehr noch als Schröder zu den Menschen, die (ihre) gefühlten Wahrheiten so verwenden, dass sich jene Strukturen bis hin zum umfassenden gesellschaftliche Kontext auf eben jene gefühlten Wahrheiten reduziert sehen, so in der Art „l’état, c’est moi“: subjektivistisch gegen das Subjekt gerichtet, das sich gegen seine Interessen von noch so unbedeutenden politischen Institutionen instrumentalisiert sieht; je unbedeutender, desto schmerzhafter für das noch unbedeutendere Subjekt. Wiewohl man erwarten könnte, dass kleine unbedeutende Institutionen wie die NGfP, die ein wenig an der öffentlichen Meinungsbildung mitstricken wollen, es nicht nötig haben sollten, das Subjekt als Ressource institutionalisierter Interessen zu verbrauchen. Dennoch passiert es auf die erbärmlichste Weise, so mir in der NGfP, wie der Fall „Jürgen Voges“ (vgl. BB135) innerhalb der NGfP zeigt.

Mein Freund Klaus-Jürgen Bruder ist an dieser institutionalisierten Instrumentalisierung nicht ganz unbeteiligt. Vermutlich ist er das seiner Position als 1. Vorsitzender der NGfP schuldig. Er sei von mir enttäuscht; „traurig bin ich, weil unsere Freundschaft nicht getragen hat, was ich von ihr erwartet hatte.“ Doch was hat er erwartet? Dass ich den Fall „Jürgen Voges“ ausschließlich als NGfP-interne Angelegenheit betrachte (vgl. BB135, S. 98)? Dabei geht mich der Fall natürlich etwas an: Demütigungen resp. Verletzungen (gefühlte Wahrheiten) gehören versprachlicht (analysiert), in einen umfassenderen sozialen Kontext eingeordnet, nicht zuletzt um private Beziehungen bzw. Menschen nicht ungebührlich zu belasten, die für jene Demütigungen nicht verantwortlich sind.

Die Wahrheit ist immer konkret (Hegel), sie bedarf der Adressierung. Ross und Reiter müssen auch mal genannt werden dürfen, wie Karl Kraus es in seinem Drama „Die letzten Tage der Menschheit“ praktizierte, in dem er sich kritisch über den Ersten Weltkrieg äußerte. Indes „alle“, so Paul Schick in seiner Kraus-Biografie, „die da [im Drama] auftreten, obwohl mit Namen genannt, haben schon längst aufgehört, ihre eigene Person zu vertreten, sind Typen geworden“ (KrK, S. 95). Karl Kraus wörtlich: „Ich habe ihnen das Fleisch abgezogen! Aber den Gedanken ihrer Dummheit, den Gefühlen ihrer Bosheit (…) gab ich die Körper und lasse sie sich bewegen“ (ebd).

Mit dieser Art hat sich Karl Kraus viele Feinde geschaffen. Die gesamte Presse fiel immer wieder über ihn her, die „mit ihrer Hurerei die Welt verdarb! Nicht dass die Presse die Maschinen des Todes in Bewegung setzte – aber dass sie unser Herz ausgehöhlt hat, uns nicht mehr vorstellen zu können, wie das wäre: das ist ihre Kriegsschuld“ (aaO, S. 96). Heute ist das Subjekt, dank Internet, in der Lage, über eigene Angelegenheiten, z.B. über Demütigungen, selbst sich zu äußern; das muss nicht mehr delegiert werden an Menschen, die wie Butterwegge und Rügemer (Referenten auf dem NGfP-Kongress 2017) glauben, das Subjekt (z.B. Wohnungslose, Hartz-IV-Bezieher) repräsentieren zu müssen. Das lassen sich immer mehr Bürger immer weniger gefallen und knallen aus diesem Grunde auch schon mal durch. Schließlich hat das Recht, sich unrepräsentiert zu äußern, für das Subjekt noch immer nicht nachhaltig durchgesetzt, auch wenn es immer wieder Anläufe gegeben hat, dieses Recht durchzusetzen.

Gefühlte Wahrheiten des Subjekts in die Analyse einzubeziehen, war bislang der Kunst, z.B. der Malerei, vorbehalten, indes nicht vorbehaltlos, wie Übergänge von einer Kunstrichtung zur anderen immer wieder zeigten, z.B. der Übergang vom Impressionismus zum Expressionismus: Im Film „Paula“ von Christian Schwochow (bundesweiter Kinostart: 15.12.16) fühlt die sehr junge angehende Malerin Paula Modersohn-Becker (1876-1907) zu ihrem Leidwesen, „dass ich mich mehr und mehr vom Geschmack des Publikums entfernen werde. Ich fühle, dass ich noch mehr Ärger erregen werde.“ Und zwar allein dadurch, dass sie gegen herrschende Konventionen der Malerei malte, und sich dazu auch äußerte (vgl. MoB, S. 43); indem sie ihre je eigene, sehr eigensinnige Sichtweise in ihre Bilder einbrachte; zum Ärger von Menschen, die es „gut“ (mit ihr) meinten, am Ende auch zum Ärger ihres Ehemannes, von dem sie sich immer weniger verstanden fühlte und deshalb die Trennung von ihm herbeiführen wollte. Demütigungen könne sie nicht ertragen; sie war indes nach „Zeiten der Niedergeschlagenheit“ immer wieder von Zuversicht und Selbstvertrauen durchdrungen, „bewunderte den Riesenmenschen [Nietzsches Zarathustra], der kein Tabu scheute, und empfand ihn als Bringer einer Wahrheit“ (aaO, S. 39).

Als frühe Expressionistin ging es ihr nicht nur um ihr Innenleben, sondern um das der Menschen, die sie malte, das, zuweilen kontrafaktisch zum „Gesetz des Schönen“, hässliche Seiten (den „Verlierer in sich“, vgl. DP3, S. 92-99) kannte, die sich im Bild zu naiver Schönheit wandelten, wie um es dem Betrachter leichter zu machen, dem Hässlichen eine wesentliche Funktion im sozialen Leben einzuräumen.

Anders als im philosophischen Diskurs, wurde das Subjekt in der Kunst also erhört, wenn auch begrenzt durch die Kunst nur repräsentiert, herablassend, also nicht uneingeschränkt selbst bei den Künstlern, die dem Expressionismus nahestanden. Das machte sie bald „gesellschaftsfähig“, selbst bei Faschisten, die im Gestus des Expressiven versuchten zu überzeugen, gegen das Subjekt agierten, in der Absicht, die Rechte eines Einzelnen hervorzuheben gegen einzelne Menschen und Gruppen, die dann ausgegrenzt werden durften (vgl. dazu die Heidegger-Kritik in DP4, S. 126-136).

Es ist generell fragwürdig, von Größe und Schönheit ergriffen zu sein, um in sie Zukunftsverheißungen aller Art zu projizieren, die sich wiederum in große Führer projizieren lassen, welche die Zukunft des menschlichen, mithin reinrassigen Geschlechts – der Schöpfung – verheißen, für das dann bald kein Opfer mehr zu groß ist – bis hin zum Völkermord (an den Juden). Bis heute hat im Namen expressionistischen Ausdrucks (einzelner Menschen, die große Reden schwingen) das Subjekt seine Schnauze zu halten, zumal wenn es sich gedemütigt fühlt. Missbräuchliche Fehlentwicklungen  waren für die frühen Expressionisten natürlich nicht absehbar, nicht für Modersohn-Becker, als wüsste sie – wie viele andere bis heute – nicht, in welcher Welt sie lebt.

Über Demütigungen, Verletzungen muss man reden; wenn das nicht geht, wenigstens darüber schreiben, in den wissenschaftlichen Diskurs einbringen – obwohl der Schreibende die Perspektive seines imaginären Gesprächspartners nur begrenzt einnehmen kann. Das gelingt besser im unmittelbaren Dialog, den Platon für unabdingbar für den Erkenntnisfortschritt in der Philosophie erkannte. Ohne Dialog keine Wahrheitsfähigkeit (sozialer Beziehungen). Als ich den Wunsch gegenüber meinem Freund Klaus-Jürgen Bruder äußerte, mit ihm über den Fall „Jürgen Voges“ (vgl. BB135) zu reden, Sichtweisen auszutauschen, tauchte er weg – bis heute. Schließlich vertröstete er mich (per EMail) auf den Kongress im März 2017. Dort „können wir reden“.

Eine solche indifferent-vage Haltung ist sehr verbreitet, freilich mit einem subjektzentrierten, zumal „wissenschaftlichen Ansatz“ analytischer Bemühungen unvereinbar, der sich nicht selten in einem herablassenden Ton wissenschaftlicher Texte und Dialoge  widerspiegelt, den ich bei Klaus-Jürgen Bruder eigentlich gar nicht kenne, einen herablassenden Ton, wie er in der Bemerkung Dort“können wir reden“ anklingt. Ich glaube, er fühlt sich (mir gegenüber) überfordert und sehr wahrscheinlich nicht wohl.

Der Fall „Jürgen Voges“ illustriert in gewisser Weise, dass Psychologen, Therapeuten und Analytiker oftmals (wie damals die Expressionisten, die es „gut meinten“) nicht „wirkliche“ Experten des Innenlebens sind, sodass sie dann auch nicht wissen, in welcher Welt sie leben, sprich: was das ist: subjektzentriert zu analysieren (malen, beschreiben). Das bedeutet, wie der US-Soziologe A. Gouldner in seinem umfangreichen Werk „Die westliche Soziologie in der Krise“ meint, „tief in das tägliche Leben des Soziologen einzudringen, da dieser mitreflektieren müsse, ‚dass Wissen über die Welt nicht unabhängig vom Wissen des Soziologen über sich selbst erlangt werden kann’.” (GOA, S. 574, vgl. DP3, S. 79f, 90). Es geht darum, auch sich selbst in die Analyse einzubeziehen und zwar an Ort und Stelle, unmittelbar dort, wo Fehlleistungen auftreten, wenn sie noch „warm sind“; und nicht erst, nachdem Erinnerungen verblasst sind, ein Erinnerungs-Vakuum sich ausbildet, um subjekt-feindlichen Interessen Platz zu machen.

Indes spielt „Subjektzentrierung“ in der therapeutischen Praxis gewöhnlich keine Rolle oder doch nur dem Wort nach eine Rolle. Wird’s für den Therapeuten ungemütlich, z.B. wenn der zu Therapierende darauf aufmerksam macht, dass sein Therapeut eigene Fehlleistungen in den zu Therapierenden projiziert, bricht der Therapeut die Therapie oder die Analyse auch schon mal fadenscheinig ab. Etwas gegen den Therapeuten zu äußern gehört sich nicht, bzw. es gehört allenfalls in die Supervision, nicht in eine Therapie; dort gehe es schließlich um den zu Therapierenden, nicht um den Therapeuten. Irrtum. Denn auf diese Weise sind Sitzungsthemen reduziert auf die Analyse der „eingeschränkten Welt“ des zu Therapierenden, er ist ausschließlich Objekt, nicht Subjekt mit zu gestaltender Innen-Außen-Beziehung, was so manche Analyse möglicherweise in eine „unendliche Analyse“– mit ungewissen Erfolgsaussichten – führt (Freud, vgl. FrS).

Subjektzentriert bedeutet oder setzt voraus: in einer Analyse/Therapie gehört alles auf den Tisch, selbst das Hässliche, das Therapeut oder zu Therapierender in die Therapie hineintragen. Das würde das Selbstbewusstsein bzw. die analytischen Fähigkeiten des zu Therapierenden stärken, ihm vielleicht helfen, jene Fähigkeiten in seinen Alltag und – ganz wichtig! – in die Politik hineinzutragen. Schließlich gibt es Gründe, die im Innenleben von Bürgern und Politikern angesiedelt sind, etwa warum Politiker ohne jedes Verhältnis zum Bürger grundsätzlich Politik gegen den (einzelnen) Bürger betreiben; warum sie keine Ahnung haben, es sie auch nicht interessiert, was Bürger bewegt. Diese Gründe (im Politiker wie im Bürger) gehen angeblich keinen etwas an, weil sie im Innenleben allzu privat angesiedelt sind; wiewohl Politiker unentwegt ins Innenleben der Bürger eingreifen, z.B. viele Bürger mit den Hartz-IV-Gesetzen unerträglich traumatisieren. Dazu dürfen wir nicht schweigen. Reden über Prekäres will allerdings gelernt sein, unter anderem in einer Therapie (aber nicht nur dort) unter kritischer Einbeziehung des ver-institutionalisierten Therapeuten/Analytikers.

5. Gefühlte Wahrheiten als unproblematisches Hintergrundwissen (Habermas)

„Subjektzentrierung“ bedeutet allerdings nicht, dass sich soziale Strukturen bis hin zum gesamtgesellschaftlichen Kontext von gefühlten Wahrheiten des Subjekts tyrannisieren lassen müssen, im Gegenteil. Aber vom Subjekt und seinen gefühlten Wahrheiten geht zunächst „alles“ aus; dazu gehören auch rechtspopulistische Hass-Mails im Internet oder von Jürgen Voges (vgl. BB135) an mich. Denn „ungeachtet dessen, dass die äußeren“ sozialen Strukturen primär sind und gerade im Kapitalismus der Kritik bedürfen, ist jede Kritik, ob sie will oder nicht, zunächst „aus dem Innenleben heraus“, also gefühlsgesteuert motiviert: „hier stimmt was nicht, mir geht’s schlecht; hier muss was geschehen. Doch was und wie? Fragen über Fragen“ (vgl. DPB, S. 20f).

Habermas spricht nicht von gefühlten Wahrheiten, die sieht er in der Kunst entsorgt (vgl. DPB, S. 55ff), aber dennoch in einem vergleichbaren Zusammenhang – weniger gefühlsbetont – von einem „unproblematischen Hintergrundwissen“ (vgl. DP4, S. 20, 124, TK2, S. 589ff), das Teilnehmer einer Kommunikationsgemeinschaft intuitiv, also doch „gefühlt“ und hinter ihrem Rücken (mehr oder weniger bewusst), in Verstehens- und Verständigungsbemühungen einbringen, das Gefühlte verabsolutierend, solange sie in ihren angestammten sozialen Strukturen zurechtkommen; ist das der Fall, sind sie nicht geneigt, vielleicht um „in der Sache“ weiterzukommen, jenes intuitive Wissen in einem problematischen Kontext zu diskutieren. Strukturblind, wenn man so will. Dabei ist wiederum, wie in (DP4) dargestellt, das Intuitive als solches nicht das Problem, denn

„es wird immer ein Wissen geben, das als Hintergrundwissen hinter dem Rücken der Menschen in ihre Verständigungsbemühungen einfließt, das wir nicht in jeder Sekunde unserer Verständigungsbemühungen immerzu mitreflektieren können; das würde unsere Verständigung zeitraubend aufblähen, geradezu verunmöglichen; jenes mehr oder weniger bewusste Wissen muss freilich der Analyse jederzeit zugänglich gemacht werden können. Genau damit kommen Strukturrepräsentanten nicht zurecht, etwa wenn sie sich in ihren Gefühlen, ihrer Ehre, verletzt fühlen, wenn Bedeutungen und damit sie selbst – sprich: ihre Legitimitätsbasis, Strukturen uneingeschränkt zu repräsentieren – ins Wanken geraten, weil plötzlich ein Wissen über sie selbst ins Spiel kommt, von dem sie zuvor nicht einmal geträumt oder vielleicht immer nur geträumt haben; für dieses ungebetene, ihre Gefühle oder Ehre verletzendes Wissen machen sie Bürger verantwortlich, die für ihre Rechte auf die Straße gehen. Sie sind unfähig, mit Menschen, die sie für Bedeutungsverluste, den Verlust ihrer Ehre, die Verletzung ihrer Gefühle, verantwortlich machen, auf Augenhöhe sich auseinander zu setzen“ (DP4, S. 20f).

Ja und Repräsentanten denken und agieren in eher unbedeutenden quasi-familiären Institutionen, wie sie z.B. die NGfP darstellt (vgl. BB135), nicht so viel anders als Repräsentanten in großen politischen Parteien oder anderen großen Institutionen politischer Meinungsbildung, sprich: auch sie denken und agieren ganz massiv im Tunnelblick „gefühlter Wahrheiten“, wiewohl diese von jenen quasi-familiären Institutionen unentwegt kritisiert werden, etwa weil politische Parteien Probleme in der Tat verleugnen und verdrängen, nicht wissen, in welcher Welt sie Politik machen.

Das, jedenfalls, stellt der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz im ARD-Talk „Anne Will“ fest (vgl. Q08, Q09, Q10); nicht gern, denn so etwas schmerzt. Der Schmerz entsteht, weil in quasi-familiären, und das heißt in weniger Meinungs- gebundenen Institutionen man ein eher souveränes kommunikatives Handeln erwartet, zumal dort Menschen deutlich unmittelbarer miteinander umgehen und Verdienstmöglichkeiten keine Rolle spielen, jedenfalls nicht davon abhängen, wie tief man irgendwelchen Lobby-Gruppen in den Arsch kriecht. Man muss vielleicht davon ausgehen, dass es in unbedeutenden Institutionen Belohnungen gibt, die nicht in Mark und Pfenning ausgedrückt werden; seelische Belohnungen, die noch viel mehr wirken: dort gilt es Ehre und Ruf oder noch so unbedeutende Machtpositionen zu wahren.

Will sagen: auch in kleinen quasi-familiären Institutionen werden kommunikative Defizite verhehlt oder verdrängt, selbst wenn sie auf der Hand liegen – gegen Persönlichkeitsrechte des Subjekts, unangenehme Fragen zu stellen, die in einem intimeren Kontext, z.B. in einem unpolitischen Tennisverein oder einer wirklichen Familie, weit mehr Gehör finden, wie Maaz im ARD-Talk zutreffend feststellte (vgl. Q08). Hingegen in politisch motivierten Institutionen, sie mögen noch so unbedeutend sein, werden schmerzhafte Fragen gewöhnlich ausgegrenzt, d.h. Gefühle entsorgt, sollten sich diese öffentlich allzu vorlaut aufdrängen. Eine derartige Geisteshaltung findet sich unmittelbar in die Philosophie von Habermas eingelassen, die einen klaren – wiewohl recht vage begründeten – begrifflichen Schnitt zwischen Philosophie und Kunst postuliert (PdM, S. 219-247) – aus der Not (mit gefühlten Wahrheiten nicht umgehen zu können) eine Tugend machend (vgl. DPB, S. 55-61).

Selbst Psychologen grenzen unangenehme Fragen zu problematischen sozialen Sachverhalten aus, indem sie diese in einem „psychologisierenden“ Kontext diskutieren und damit isolieren bzw. de-kontextualisieren, und setzen dadurch jene Fragen zusammen mit ihren möglichen Antworten von vornherein ins Unrecht, wie gesagt, noch bevor jene problematischen Sachverhalte in einem umfassenderen sozialen Kontext der Analyse zugänglich gemacht werden können. Das geschieht ganz unauffällig, dafür umso wirksamer in etwa mit folgender Aussage: „Du ärgerst Dich doch nur, weil Du Deinen Vortrag nicht halten darfst“ (BB135, S. 99) oder: ob Du deine Bedeutung nicht überschätzen würdest?

Das mag ja alles sein; nur hängt davon die Wahrheit oder Stichhaltigkeit von Argumenten nicht ab, davon, ob sich jemand als Verlierer oder überempfindlich ausgegrenzt fühlt. Dafür legen jene Sätze nahe, dass es kaum Menschen gibt, die die zwei Ebenen „gefühlter Wahrheiten“ zum einen und die Entwicklung von Argumenten auf Basis eben dieser gefühlten Wahrheiten zum anderen zu analytischen Zwecken auseinanderhalten können, jedenfalls nicht dann, wenn Position, Ruf und Ehre – und sei es auch nur vermeintlich – auf dem Spiel stehen; also eigene Bestandsregungen in Gefahr geraten und ggf. negative Gefühle zu verarbeiten sind; dann wird in Auseinandersetzungen rechthaberisch psychologisiert, was das Zeug hält: man weigert sich, Argumente in den Vordergrund zu rücken, auf die man eingehen kann; man opfert sie auf dem Altar gefühlter Wahrheiten, als sei die Richtigkeit von Argumenten von ihrer Herkunft abhängig bzw. davon, wer sie aus welchen zunächst nur „gefühlten Wahrheiten“ resp. ursprünglichen(Gefühls-) Impulsen (Schmerz oder Verletzung) heraus formuliert hat.

Eine solche dialogische Vorgehensweise ist, um es freundlich zu sagen, unwissenschaftlich. Man verkennt, dass Argumente im Anschluss an „gefühlten Wahrheiten“ die Funktion haben, dem Tunnelblick gefühlter Wahrheiten bzw. eigener Bestandsregungen zu entrinnen und sich anderen Perspektiven zu öffnen, die sich allerdings verschließen oder abgewehrt werden, indem man – mit Hilfe obiger Sätze (Du ärgerst Dich doch nur…) – psychologisiert (individualisiert) und damit den Gesprächspartner in seiner gefühlten Wahrheit – in seinem Schmerz – einmauert, und er sich dann auf diesen Schmerz reduziert sieht; er hat sich mit dem Gesicht zur Wand in die Ecke zu verkriechen, um dort seine Wunden zu lecken und ansonsten seine Schnauze zu halten, um nicht zum Verräter an der „guten Sache“ zu werden; sodass er nicht dazu kommt, in einem sprachgestützten intersubjektiven Kontext „zwischen Impuls (Gefühl) und Urteil (Moral)“ eine Argumentationskette zu entwickeln, „in der verschiedene Perspektiven zusammen kommen und Gehör finden“ können und „impulsive (Vor-)Urteile möglicherweise nicht das blieben, was sie ursprünglich waren“(vgl. BB135, S. 99).

Weiter heißt es (in BB135) an gleicher Stelle: „Bleiben impulsive Urteile ‚grundsätzlich‘ das, was sie sind (Klappe geht runter, wenn das Wort ‚Lügenpresse‘ fällt), weist das auf eine menschliche Eigenschaft hin, die Bateman und Fonagy in ihrer Studie über Borderline-Persönlichkeitsstörungen (BPS) als ‚projektive Identifizierung“ (…) beschreiben“ (vgl. ergänzend T03, S. 19-25).

Es steht zu befürchten, dass auf diese Weise Realitätsverluste, wie von Maaz im „Anne-Will“-Talk am Beispiel von Angela Merkel beschrieben (vgl. Q08), auf die Spitze getrieben werden können; Realitätsverluste mögen „normal“ sein, jedoch krank, wenn sie monoperspektivisch auf die Spitze getrieben werden. Das beginnt schon, wenn in einem Gesprächsversuch Angesprochene wegtauchen, um nicht spontan oder allzu ungeschützt auf unangenehme Fragen eingehen zu müssen. Überhaupt wegtauchen zu können, Antworten zu verweigern, ohne zu ersticken, ist „krank“ und „krankmachend“. Es gibt Menschen, die können mit ungelösten Problemen leben, so lange, bis es diese für sie am Ende nicht mehr gibt. Dann heilt die Zeit alle Wunden und nicht ihre intersubjektiv-sprachgestützte Verarbeitung.

6. Gefühlte Wahrheiten – verborgen hinter berechenbar inszenierten Realitätsverlusten?

Wer will und nicht gänzlich ohne Empathie ist, jedenfalls Empathie nicht nur in rührseligen Momenten verspürt, kann indes wie Maaz im „Anne Will“-Talk (Q08) sehen, dass so manches im „kommunikativen Handeln“ (Habermas) schief läuft, und wie dabei die argumentative und moralische Qualität bei Politikern, aber auch immer mehr Menschen – mittlerweile massenhaft – in dem Maße sinkt, wie Verunsicherungen aufgrund wachsender Verelendung oder sozialer Spaltung fortschreiten. Das geht einher mit wachsenden Realitätsverlusten (durch Denkverbote, Psychologisierung etc.), die „normal“ und der Verarbeitung zugänglich wären, wenn sie nur nicht systematisch, sehenden Auges, oftmals – siehe Dieter Nuhr – satirisch befestigt würden.

Bisweilen möchte man mit den besten Absichten Bürger nicht verwirren oder verunsichern. Dann argumentieren selbst Wissenschaftler nicht mehr, sondern beschwören, z.B. die Westbindung Deutschlands oder der EU; als sei diese gefährdet, wenn wir den Amis obrigkeitshörig nicht permanent in den Arsch kriechen würden. Die Westbindung dürfe, so der renommierte Professor und Historiker August Winkler im Bundestag unerträglich salbungsvoll, unter keinen Umständen in Frage stehen (vgl. BB093, S. 15). Doch was heißt „unter keinen Umständen“? Dass massive Kritik nicht mehr erlaubt ist? Selbst wenn die Welt sich auflöst?

Richtig ist: die Westintegration wird von den USA nicht erst durch die zukünftige Regierung Trump massiv gefährdet und zwar unabhängig davon, ob unsere Politiker sie wollen oder nicht. Mein Gott Winkler; er ist sicher kein schlechter Mensch, dafür aber mit seinen gefühlten Wahrheiten (Beschwörung der Westbindung unter allen Umständen) ohne analytische Substanz. Oder sagen wir einmal so: er versteht schlicht und naiv, was alle (gefälligst) verstehen (sollen), also nichts; plappert zudem ziemlich devot alles nach, was „sogenannte Qualitätsmedien“ (Daniele Ganser) so hergeben.

Winkler verbirgt seine Beschwörungen hinter einer Analyse des Stückwerks; als könne man die Westbindung für sich betrachten, als existiere sie nicht in einem umfassenden sozialen (moralischen) und (technisch-)ökonomischen Kontext. Und begreift deshalb nicht, dass nicht nur die Westbindung gefährdet ist, sondern ökonomische Strukturen, die uns ernähren, was wiederum Bindungs- und Beziehungs-un-fähigkeiten von immer mehr Menschen einschließt, mithin die Wahrscheinlichkeit psychischer Erkrankungen, und zwar weil die Angst vor ökonomischem Absturz immer mehr Menschen systematisch traumatisiert und sie deshalb in wachsendem Maße in zum Teil bewusst inszenierte, von oben nach unten durchgereichte, z.T. offen aggressiv aufgenötigte Realitätsverluste geraten und darunter leiden (vgl. T03, S. 11ff), und schließlich im Tunnelblick ihrer gefühlten Wahrheiten vor sich hinvegetieren, wie man dies bei Patienten, die medizinisch indiziert unter einer BPS leiden, beobachten kann, wobei ihre Wahrheiten sich anders als bei Menschen, die noch nicht unter einer BPS leiden, dadurch auszeichnen, dass sie stark stimmungsabhängig sind, ihre Stimmungen sich unberechenbar von Tag zu Tag, ja von Minute zu Minute ändern, bisweilen in ihr Gegenteil verkehren können, zumal oftmals extrem cholerisch. Das macht ein Leben mit BPS-Patienten schier unmöglich. Trump ist gar nicht so anders gestrickt: heute mit Putin, morgen gegen ihn. Eine Friedenstaube ist er ganz sicher nicht. Zumindest im Wahlkampf zeigte er sich hochgradig affektgestört mit kaum verhehlter Cholerik. Die Kriege dürften mit ihm also keineswegs aus der Welt sein (vgl. Q27).

Dabei stellen die Trumps und die Clintons nur die Spitze des Eisbergs dar; dass sie gewählt werden, zeigt allerdings, dass massive Realitätsverluste auch bei Menschen verbreitet sind, die nicht unmittelbar unter einer BPS leiden, also sich noch berechenbar äußern: gleich macht sich Satiriker Dieter Nuhr wieder lustig über Kapitalismus-Kritiker. Könnte es aber nicht möglich sein, dass systematisch, mithin berechenbar inszenierte Realitätsverluste, von oben nach unten aufgenötigt, die Wahrscheinlichkeit offen ausbrechender Persönlichkeitsstörungen (welcher Art auch immer) bei immer mehr Menschen erhöhen? – vielleicht bis zu einem Grad, wo Kommunikations- bzw. Bindungs- und Beziehungsfähigkeiten, die nicht zuletzt von analytisch-argumentativen Fähigkeiten abhängen, so massenhaft wie ganz und gar auf dem Spiel stehen? Frau Merkel muss sich über „Trolls“ oder Wut-Bürger im Internet gar nicht beschweren. Ihre so systematisch wie eigensinnig transportierten Realitätsverluste („Den Menschen in Deutschland ging es noch nie so gut“, vgl. Q15) erzeugen genau jene Shit-Storm-Phänomene, über die sie sich beschwert, und die ihrer Meinung zufolge nun einer Überwachung bedürfen (vgl. Q16).

Das grenzt schon an kaum mehr zu verhehlende Panik bei Politikern und Meinungsmachern, die Definitionshoheit darüber, was wahr und was falsch ist, zu verlieren, so Michael Schetsche in einem lesenswerten Aufsatz: „Die Zeiten der primär massenmedial bestimmten Wirklichkeitskonstruktion scheinen vorbei. Abweichende Wissensbestände, alternative Weltdeutungen können nicht mehr so ohne weiteres aus den öffentlichen Debatten ausgeschlossen werden. Die Netzwerkwerkmedien verfügen über ihre ganz eigene Ökonomie der Aufmerksamkeit und bieten manchen – allerdings bei weitem nicht allen – Heterodoxien Verbreitungsmöglichkeiten, wie sie im vordigitalen Zeitalter nur den orthodoxen Gewissheiten zur Verfügung standen (vgl. Q041).“

Natürlich sind viele Bürger überfordert, mit ihrer Meinung in der Öffentlichkeit durchzudringen. Klar, dass deshalb nicht nur Merkel die besinnungslose Wut vieler Bürger befeuert und damit die Wahrscheinlichkeit einer BPS von immer mehr Bürgern erhöht. Man darf gespannt sein, wie weit unsere Eliten und die veröffentlichte Meinung dieses gefährliche Spiel treiben. Fast möchte man meinen, dass bewusst inszenierte, u.a. von August Winkler wissenschaftlich abgesicherte Realitätsverluste wesentlicher Teil öffentlicher Auseinandersetzungen sind, zumal nach unten in den privaten Alltag durchgereicht, bis sie – wie früher schon die Nazi-Ideologie unter Hitler – in jeder Pore der Gesellschaft präsent sind, auch wie vor dem Ersten Weltkrieg, in den die Menschen massenhaft und buchstäblich wie im Wahn gerannt sind.

Heute werden Realitätsverluste im Gestus „kalter Vernunft“ von oben nach unten transportiert, etwa wenn der einfältige Claus Kleber im Heute-Journal unbefangen und locker vom Großmachtstreben Putins spricht, gegen das noch nicht einmal die USA ankämen. Nunmehr, nachdem Trump zum US-Präsidenten gewählt worden ist und sich mit Russen und Chinesen verständigen möchte, rudert man vielleicht kopflos zurück und morgen wieder in die andere Richtung, nachdem Trump es sich wieder anders überlegt hat, so in der Art, zusammen mit Trump in den Untergang, Hauptsache, die Westbindung bleibt gewahrt.

Wie gesagt ist durchaus nicht sicher, dass es mit der Kriegshetze unter Trump nicht munter weitergeht; die Neocons spielen unter ihm weiterhin eine große Rolle. Zudem verbirgt Kriegshetze sich bisweilen in unscheinbaren Kleinigkeiten. Karl Kraus (1874-1936) sieht sie in der Weimarer Republik feinsinnig in Sprache und Aussagen sogenannter Pazifisten versteckt, weil er in der Sprache lebte, in sie hineinschaute, als habe sie ein Innenleben. Deshalb war Kraus zu einer Kulturkritik in der Lage, die ins Herz (der Angegriffenen) traf, aber in seinen Vorlesungen auch das Herz seiner Zuhörer zu berühren (vgl. KrK, S. 7f). Es beginnt ganz harmlos mit „normalen“ Realitätsverlusten, die sich, weil beständig von oben nach unten durchgereicht und bewusst verstärkt, so urplötzlich wie massenhaft zuspitzen können, weil die Mehrheit der Bürger es nicht schafft, sich nachhaltig von denen da oben nicht nur cholerisch abzugrenzen; sodass sie v.a. nicht lernen zu argumentieren, in und mit ihren gefühlten Wahrheiten konstruktiv umzugehen, mithin stimmungsabhängig sind. Wie auch nicht? Schließlich fühlen immer mehr Menschen ihre nackte Existenz gefährdet; selbst Politiker kämpfen um ihr Überleben; deshalb verwandeln sich ehemals pazifistische Grüne auch schon mal in ausgewachsene Kriegshetzer.

Das ist alles nicht neu. Auch Karl Kraus traute den pazifistischen Wendemanövern nach dem Ersten Weltkrieg nicht über den Weg, zurecht, wie sich im Nachhinein zeigen sollte, z.B. seinem Intimfeind Alfred Kerr, der vor dem Krieg vom Dichter für den Krieg zum Pazifisten nach dem Krieg mutierte. „So wie niemand vor dem Ersten Weltkrieg seine [Karl Kraus] apokalyptischen Visionen ernst nahm, so blieben nachher wiederum seine Voraussagen des kommenden Untergangs unbeachtet. Wie Kierkegaard konnte er seiner Zeit nur sagen, dass sie untergeht“ (KrK, S. 8).

Die veröffentlichte Meinung der Weimarer Republik versuchte Kraus totzuschweigen, lehnte es durchgehend ab, sich seinen „gefühlten Wahrheiten“ zu öffnen, so wie sie – umgekehrt – eigene gefühlte Wahrheiten wie Tatsachen behandelte, als seien sie einer überprüfenden bzw. analytischen Versprachlichung nicht bedürftig. So werden Realitätsverluste systematisch verstärkt – ungerührt bis in den Untergang.

(wird fortgesetzt)

 

Quellen:

AuJ: Textproseminar: John L. Austin – „Performative Äußerungen“ (Der deskriptive Fehlschluss)

https://tu-dresden.de/gsw/phil/iphil/theor/ressourcen/dateien/braeuer/lehre/austin_SS2013/austin_2013?lang=de

BB047: Franz Witsch, Lizenz zum Töten – wie Israel seine Feinde liquidiert

http://film-und-politik.de/Politik/BB-bis100.pdf (S. 107f)

BB085: Franz Witsch, Gefühle dürfen in Debatten keine alles beherrschende Rolle spielen

http://film-und-politik.de/Politik/BB-bis100.pdf (S. 30-33)

BB093: Franz Witsch, Es gibt keinen Anti-Amerikanismus, aber massive Kritik an den USA, http://film-und-politik.de/Politik/BB-bis100.pdf (S. 15f)

BB125: Franz Witsch, Spielt der Mensch in der Sozialtheorie eine Rolle?

http://film-und-politik.de/Politik/BB-bis100.pdf (S. 64-71)

BB126: Franz Witsch, Egomanie: die Realität hat sich vor dem Denker zu verbeugen. Zum Gesellschafts- und Subjektbegriff bei Niklas Luhmann

http://film-und-politik.de/Politik/BB-bis100.pdf (S. 72-77)

BB127: Franz Witsch, Philosophie ohne Gegenstand: Zur Systemtheorie Luhmanns

http://film-und-politik.de/Politik/BB-bis100.pdf (S. 78-83)

BB135: Franz Witsch, Die NGfP – ein Verein wie jeder andere?

http://film-und-politik.de/Politik/BB-bis200.pdf (S. 96-102)

BB136: Franz Witsch, Auch Oskar Lafontaine will „da oben“ nur mitlabern

http://film-und-politik.de/Politik/BB-bis200.pdf (S. 103f)

BuF: Anthony W. Bateman, Peter Fonagy, Psychotherapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). Ein mentalisierungsgestütztes Behandlungskonzept. Gießen 2008, zit. nach 2014

DPB: Franz Witsch, Die Politisierung des Bürgers, 1. Teil: Zum Begriff der Teilhabe. Norderstedt 2015 (1. Auflage 2009)

DP2: Franz Witsch, Die Politisierung des Bürgers. 2. Teil: Mehrwert und Moral, Norderstedt 2012

DP3: Franz Witsch, Die Politisierung des Bürgers. 3. Teil: Vom Gefühl zur Moral, Norderstedt 2013

DP4: Franz Witsch, Die Politisierung des Bürgers. 4. Teil: Theorie der Gefühle, Norderstedt 2012 (zit. n. 2015)

FrS: Sigmund Freud, Die endliche und die unendliche Analyse

http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-endliche-und-die-unendliche-analyse-920/1

GOA: Alvin W. Gouldner, Die westliche Soziologie in der Krise, Hamburg 1974

KrK: Paul Schick, Karl Kraus, Hamburg 1965, rowohlts Monographien.

KuK: Klaus-Jürgen Bruder, Christoph Bialluch, Benjamin Lemke (Hg.): Krieg um die Köpfe. Der Diskurs der Verantwortungsübernahme - psychologische, sozialwissenschaftliche und medienkritische Betrachtungen. Gießen 2016 (Psychosozial-Verlag)

MER: Psychoanalyse – Ein Interview mit Wolfgang Mertens

http://blog.kohlhammer.de/psychoanalyse/psychoanalyse_mertens/

MIG: Franz Witsch, Erzeugt der Kapitalismus das Flüchtlingsproblem?

http://film-und-politik.de/Politik/WIF-MIG.pdf

MP1: Franz Witsch, Materialien zur Politisierung des Bürgers, Bd.1: Ökonomische und moralische Voraussetzungen einer sozialverträglichen Gesellschaft, Norderstedt 2015

MoB: Liselotte v. Reinken, Paula Modersohn-Becker, rowohlts Monographien: Hamburg 1983

MVS: Franz Witsch, Mentale Voraussetzungen einer Militarisierung sozial-ökonomischer Strukturen. Vortrag auf der Jahrestagung der NGfP (Neue Gesellschaft für Psychologie) in Berlin vom 05. bis 08. März 2015, in KuK, S. 203-214. Siehe auch unter dem Link http://film-und-politik.de/Politik/NGFP-MVS.pdf

NiP: Peter Nick, Ohne Angst verschieden sein. Differenzerfahrungen und Identitätskonstruktionen in der multikulturellen Gesellschaft, Frankf./Main 2003.

PdM: Jürgen Habermas, Der philosophische Diskurs der Moderne, Frankf./M.

1988, 1.Auflage 1983

Q01: Von der „Lügenpresse“ zum Kampf gegen Fake-News. Zum erklärten „postfaktischen Zeitalter“ passend fürchten traditionelle Instanzen der Wahrheit die neue Medienöffentlichkeit,

Telepolis vom 28.11.2016

http://www.heise.de/tp/features/Von-der-Luegenpresse-zum-Kampf-gegen-Fake-News-3505990.html

Q02:Postfaktisches Zeitalter – Darauf einen Bommerlunder

20. November 2016  Marcus Klöckner

https://www.heise.de/tp/features/Postfaktisches-Zeitalter-Darauf-einen-Bommerlunder-3468993.html

Q03: Lügen: Die Erde ist eine Scheibe. Stimmt nicht? Ist doch egal.

Die Zeit Nr. 36/2016, 25. August 2016 u. Zeit Online vom 28. August 2016

http://www.zeit.de/2016/36/luegen-politik-donald-trump-rudy-giuliani-thomas-de-maiziere-gefuehlte-wahrheit/komplettansicht

Q04: Das Zeitalter der Fakten ist vorbei.

Zeit Online vom 2. Juli 2016

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/populismus-brexit-donald-trump-afd-fakten

Q041: Michael Schetsche, Wider die Rede vom „Postfaktischen“

Telepolis vom 10.12.2016 

https://www.heise.de/tp/features/Wider-die-Rede-vom-Postfaktischen-3562756.html

Q05: Trump als verlängerter Arm von Goldman Sachs?

30. November 2016

http://www.heise.de/tp/features/Trump-als-verlaengerter-Arm-von-Goldman-Sachs-3514554.html

Q06: Wikileaks-Enthüllung räumt letzte Zweifel aus

16. Oktober 2016

https://www.heise.de/tp/features/Wikileaks-Enthuellung-raeumt-letzte-Zweifel-aus-3354040.html

Q07: Sahra Wagenknecht, Schonungslose Abrechnung mit Merkel im Bundestag

DWN vom 24.11.2016

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/11/24/sahra-wagenknecht-schonungslose-abrechnung-mit-merkel-im-bundestag/

Q08: Hans-Joachim Maaz bei Anne Will: „Wenn es so weiter geht kann es nur schlimmer werden“, youtube, veröffentlicht am 20.11.2016

https://www.youtube.com/watch?v=dBAP2GhH5Qo

ganze Sendung: https://www.youtube.com/watch?v=EcmbQLMIpbY

Q09: Anne Will: Herr Maaz und Merkels „narzisstische Störung“

SZ vom 21.11.2016

http://www.sueddeutsche.de/medien/talkshow-anne-will-herr-maaz-und-merkels-narzisstische-stoerung-1.3256884

Q10: Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz: „Angela Merkel handelt vollkommen irrational“, Huffington Post vom 24.01.2016

http://www.huffingtonpost.de/2016/01/24/psychoanalytiker-hans-joachim-maaz-angela-merkel-_n_9064278.html

Q12: Mutige Demokratin drängt Donald Trump zur Beendigung der US-Kriege

Deutsche Wirtschafts Nachrichten  |  Veröffentlicht: 23.11.16

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/11/23/mutige-demokratin-draengt-donald-trump-zur-beendigung-der-us-kriege/

Q13: Trumps Sicherheitsberater Flynn: Hardliner mit Putin-Connection

Spiegel Online vom 18.11.2016

http://www.spiegel.de/politik/ausland/michael-flynn-hardliner-mit-putin-connection-a-1121913.html

Q14: USA – ein Imperium und eine Oligarchie. Daniele Ganser gestern in Landau: Die westlichen Medien und die Politik in Berlin verweigern den Blick auf diese Realität. NachDenkSeiten vom 21.11.2016

http://www.nachdenkseiten.de/?p=35925

Q15: Merkel in Haushaltsdebatte: „Den Menschen in Deutschland ging es noch nie so gut“, Tagesspiegel vom 23.11.2016

http://www.tagesspiegel.de/politik/merkel-in-haushaltsdebatte-den-menschen-in-deutschland-ging-es-noch-nie-so-gut/14881374.html

Q16: Angela Merkel will Inhalte im Internet regulieren

DWN vom 23.11.2016

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/11/23/angela-merkel-will-inhalte-im-internet-regulieren/

Q17: Gefährliche EU-Richtlinie: Jeder kritische Bürger kann ein Terrorist sein

DWN vom 02.12.2016

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/02/gefaehrliche-eu-richtlinie-jeder-kritische-buerger-kann-ein-terrorist-sein/

Q18: Bundesregierung räumt Wissen über Drohnenkrieg ein

Telepolis vom 01.12.2016

https://www.heise.de/tp/features/Bundesregierung-raeumt-Wissen-ueber-Drohnenkrieg-ein-3527925.html

Q19: Zur Tötung vorgeschlagen. German-foreign-policy.com vom 06.01.2015

Q20: Sichern Sie (sich) die Zukunft der Deutschen Wirtschafts Nachrichten!

DWN vom 15.09.2016

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/09/15/sichern-sie-sich-die-zukunft-der-deutschen-wirtschafts-nachrichten/

Q21: Der neue US-Handelskrieg: Mit Dollar und Militär gegen den Rest der Welt

DWN vom 04.12.2016

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/04/der-neue-us-handelskrieg-mit-dollar-und-militaer-gegen-den-rest-der-welt/

Q22: Der Ölpreis und die Leitzinsen

Telepolis vom 05.12.2016

https://www.heise.de/tp/features/Die-Trump-Gefahr-fuer-die-US-Wirtschaft-3549754.html?seite=2

Q23: Euro-Gruppe erwägt Abschied von der Austeritäts-Politik

DWN vom 06.12.2016

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/06/euro-gruppe-erwaegt-abschied-von-der-austeritaets-politik/

Q24: Eine Zeitbombe,

german-foreign-policy vom 06.12.2016

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59497

Q25: Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen: Rede zur Ukraine Krise von Johannes Steen und Rebecca Harms (MdEP)

youtube.com vom 25.11.2014

https://www.youtube.com/watch?v=9UNM6Ul1yK0&feature=youtu.be&ab_channel=JohannesSteen

Q26: Ernst Wolff, Notfall-Plan: Wie der IWF einen Crash der USA verhindern kann, DWN vom 06.12.2016

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/06/notfall-plan-wie-der-iwf-einen-crash-der-usa-verhindern-kann/

Q27: Trump ist keine Friedenstaube: Die Militärmacht USA rüstet auf

DWN vom 10.12.2016

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/10/trump-ist-keine-friedenstaube-die-militaermacht-usa-ruestet-auf/

Q28: Hans-Dieter Rieveler, Wer uns nicht versteht, ist dumm

Telepolis vom 11.12.2016

https://www.heise.de/tp/features/Wer-uns-nicht-versteht-ist-dumm-3528037.html

T01: Franz Witsch, Störfall oder das Zeichen will nichts mehr bedeuten

http://film-und-politik.de/Politik/K14.pdf (S. 2-7)

T02: Franz Witsch, Begreifen, was man sagt

http://film-und-politik.de/Politik/K14.pdf (S. 8-18)

T03: Franz Witsch, „Projektive Identifizierung“ oder unreflektiert existiert das Zeichen im Einklang mit dem Gefühl

http://film-und-politik.de/Politik/K14.pdf (S. 19-27)







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