68 und mehr als flüssig …

04.01.18
KulturKultur, TopNews 

 

Kurzrezension von Richard Albrecht

Der Titel 68. Täterkinder und Rebellen ließ aufhorchen. Und machte mich besonders wegen des Untertitels Familienroman einer Revolte gespannt. Als ich das Buch durchsah, fühlte ich mich getäuscht: Das Buch hat mit einem Roman wenig(er als wenig) zu tun. Das könnte auch die Autorin (*1945) des Bands als Bielefelder Gymnasial- und Universitätslehrerin wissen. Auch wenn sie relevante deutschsprachige Familienromane wie zuletzt etwa Sabine Friedrichs Familiensiber (2005), Michael Köhlmeiers Abendland (Hanser 2007), Robert Steigerwalds sozialistische Familienchronik Das Haus am Sandberg (Neue Impulse 2008) oder Wilma Ruth Albrechts ÜBER LEBEN. Roman des Kurzen Jahrhunderts (bisher drei Bände in der Edition Spinosa 2016/17) nicht kennt.

Wenn das Buch nun kein Familienroman ist, mag es sich um was auch immer handeln, das feuilletonisches Material, vierzig Jahre nach der Revolte, interviewisch als Ich-Dokumente (der Verfasserin eingeschlossen) unterm Generationenaspekt vor allem Väter und Söhne (nicht aber Väter-Töchter, Mütter-Söhne, Mütter-Töchter) präsentiert und sich der inzwischen 70 plus als Ex-Achtundsechziger-Aktive in sieben Großkapiteln nebst Einleitung und Schlußbetrachtung sowie Bildnachweisen und Verzeichnissen von 2007/09 insgesamt 21 Interviewten und Gelesenem annimmt.

Wetteraus 68er-Buch, vorgriffig veröffentlicht mit Blick auf 2018 als 50-Jahre-nach-der-Revolte-Jahr, möge im Orkus der nächst zu erwartenden Bücherflut wie viele weitere ungelesen verschwinden. Wen´s freilich wirklich interessiert, was 68 kulturell für Beteiligte auch als subjektive Befreiung wirklich bedeutete, kann´s im 68-seitigen Erinnerungsbändchen des weiland in Freiburg (Breisgau) aktiven SDS-Genossen Klaus Theweleit, 1990 im Jos-Fritz-Verlag erschienen, nachlesen: … ein Aspirin von der Größe der Sonne.

 

Karin Wetterau: 68 – Täterkinder und Rebellen. Familienroman einer Revolte. Bielefeld: AisthesisVerlag, 326 S., 28 €

 

 

Dr. Richard Albrecht, Sozialwissenschaftler mit Arbeitsschwerpunkten Kultur & Bildung, Freier Autor & Wissenschaftsjournalist in Bad Münstereifel, Kolumnist des Fachmagazin soziologie heute.







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