Neuerscheinungen Tier und Natur


Bildmontage: HF

03.05.20
KulturKultur, Umwelt, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Ulrich Kaiser (Hrsg.) Richard Zorn: Verzeichnis aller in Deutschland angebauten Kernobstsorten. Kommentierte Erstveröffentlichung seines Hauptwerkes (1896-1944), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2019, ISBN: 978-3494017655, 148 EURO (D)

Der deutsche Pomologe und Heimatforscher Richard Zorn (1860 – 1945) war der Erste in Deutschland, der sich an den Anbau von Tafelobst wagte. Richard Zorn war seit 1885 Mitglied im Pomologen-Verein und später ab 1919 nach dessen Auflösung und Umbenennung in der Deutschen Obstbau-Gesellschaft. Dort war er auch zeitweise im Vorstand tätig und als Sortenkenner zur Bestimmung derselben auf Obstausstellungen tätig.

Sein Hauptwerk war sein lange verschollenes Verzeichnis aller in Deutschland angebauten Kernobstsorten. Aus Kostengründen kam es nie zur Veröffentlichung dieser von Zorn nicht ganz vollendeten Arbeit.

Eigens dafür hat Zorn über 1.500 detailgetreue Mini-Aquarelle von überwiegend Apfelsorten sowie Birnensorten und Speierlingen angefertigt, erläutert und auf 123 nach dem äußeren Erscheinungsbild der Früchte aufgebauten Farbtafeln zusammengefasst. Zudem hat er für ca. 600 Apfelsorten ausführliche Textbeschreibungen verfasst und mit Durchschnittsskizzen ergänzt. Nachdem sie fast 50 Jahre im Archiv der Forschungsanstalt Geisenheim, wo sie als Schenkung archiviert war, unentdeckt lag wurde sie in den 1990er Jahren wiederentdeckt. Dieses einmalige und für Pomologen, Gärtner und Naturfreunde bedeutsame Lebenswerk von Richard Zorn wird nunmehr der interessierten Öffentlichkeit erstmals zugänglich gemacht. Die von Ulrich Kaiser herausgegebene und kommentierte Erstveröffentlichung vereinigt die reproduzierten Farbtafeln der Früchte mit den originalen, aus der Sütterlinschrift transkribierten Sortenbeschreibungen – ergänzt um das jeweilige Einzelaquarell der Sorte sowie die Durchschnittszeichnungen der Frucht.

Im Zentrum der Arbeiten stehen die 123 Tafelsorten mit Aquarellen. Berücksichtigt wurden zudem alle Sortenbeschreibungen, die eindeutig einer Sorte zugeordnet sind. Beschreibungen, die keiner Sorte zuzuordnen waren, wurden nicht erwähnt. Insgesamt sind das 574 Sortenbeschreibungen, die 467 Sorten zuzuordnen sind. Einzelne Sorten wurden von Zorn mehrfach beschrieben. Sorten, die Zorn nicht bestimmen oder einordnen konnte, wurden von ihm mit einem Sortennahmen versehen.

Die Texte Zorns wurden weitgehend an die heutige Rechtschreibung angepasst und der besseren Lesbarkeit wegen Abkürzungen aufgelöst und ausgeschrieben.

Steffen Kahl stellt zunächst Leben und Werk Richard Zorns vor. Ulrich Kaiser geht dann auf das unveröffentlichte Werk Richard Zorns in Gelsenheim ein. Derselbe Autor skizziert dann die Bearbeitungsgrundzüge von Zorns Werk. Dann folgen Tafelband Apfelsorten Band I und Band II und der Tafelband Birnensorten. Die alphabetisch geordneten Sortenporträts, die den Schwerpunkt des Werkes bilden, werden dann vorgestellt. Dies geschieht nach einer einheitlichen Systematik: Mehrere Zeichnungen und Abbildung pro Sorte und ein dazugehöriger Text mit den Schwerpunkten Heimat und Vorkommen, Gestalt und Größe, Kelch, Stiel, Schale, Fleisch, Kernhaus, Reife und Nutzung findet man dort. Manchmal gibt es noch eine Bemerkung und immer das Datum der Bearbeitung.

Im Anhang gibt es noch ein Register zum Nachschlagen.

Hier wird das pomologisch bedeutende monumentale Werk Richard Zorns erstmals für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht. Die Abbildungen von Querschnitten sind sehr gut und detailliert geworden, ebenso die Aquarelle der Sorte. Auch die Art und Weise der Edition des Werkes überzeugt. Es hat nicht nur wissenschaftlichen Wert, sondern ist für Liebhaber alter Obstsorten und die Wiederentdeckung solcher geeignet.

 

Buch 2

Lebrecht Jeschke/Hans Dieter Knapp: Nationalpark Jasmund. Weltnaturerbe auf Rügen, Natur + Text Verlag, Rangsdorf 2019, ISBN: 978-3-942062-21-3, 24,90 EURO (D)

Die Kreideküste von Jasmund auf Rügen hat schon viele Künstler und Intellektuelle inspiriert. Tausende Jahre alte Buchenwälder wachsen bis an die Küste und reichen bis an den Strand hinein: „Eingebettet in die Kulisse der südlichen Ostsee mit ihren auf dem Festland einst herrschenden Buchenwäldern, in enger Verzahnung der Kreideküste mit Meer und Land ist dieser Naturraum von atemberaubender Schönheit und großer Lebensfülle.“ (S. 8f) Die Hangwälder der Kreideküste wurden 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Seit 2017 sind sie Teil einer aus 78 Teilflächen in zwölf Ländern bestehenden Welterbestätte europäischer Buchenwälder.

Lebrecht Jeschke und Hans Dieter Knapp sind Experten des Nationalparks Jasmund auf Rügen und der Landschaftsgeschichte der Insel und stellen in diesem Buch das Weltnaturerbe vor.

Der Nationalpark Jasmund zeichnet sich durch den bewussten Verzicht auf Nutzung und das Zulassen von Wildnis aus: „Wildnis ist eine Alternative zur zunehmend urbanisierten Welt. In einer Zeit wachsender Orientierungslosigkeit und Entwurzelung können wir im Erleben unverletzlicher ‚heiler‘ Natur zu geistig-seelischem Wohlbefinden, zu künstlerischer Inspiration, zu Hoffnung, aber auch zu neuer Ehrfurcht vor der Natur, zu neuer Spiritualität und zu Bescheidenheit gelangen.“ (S. 9)

In der vorderen Innenseite des Buches findet man zwei historische Karten, in der hinteren Innenseite eine geographische Wanderkarte des Nationalparks Jasmund aus dem Jahre 2013.

Nach einem Vorwort wird die Geschichte der Kreideküste bis zum UNESCO-Weltnaturerbe in Grundzügen erzählt.

Die Kreideküste steht zusammen mit den anschließenden Wäldern der Stubnitz seit 1929 unter Naturschutz. 1990 wurde das Naturschutzgebiet erweitert und zum Nationalpark erklärt. 2011 wurde ein Teil des Nationalparks mit vier anderen Buchenwäldern in der BRD als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.

Die Kreidefelsen und die Buchenwälder von Jasmund wurden durch die Schriften des Pastors Gotthart Ludwig Kosegarten (1758-1818), die Bilder von Caspar David Friedrich (1774-1840) und Berichte von Besuchern und Künstlern bekannt. Dies wird im zweiten Kapitel ausgebreitet. Die Entwicklung vom Naturdenkmal Kreideküste von 1929 bis hin zum Nationalpark der Gegenwart wird dann behandelt.

Anschließend geht es um archäologische Funde aus der Frühgeschichte im Nationalpark wie Hünengräber und Burgwälle. Waldnutzung und Siedlungsgeschichte vom Mittelalter über die Schwedenzeit bis zur preußischen Forstwirtschaft kommt dann zur Sprache. Weiter geht es mit der Entwicklung von einer einfachen Köhlerhütte bis zum  Besucherzentrum Königsstuhl für den Nationalpark und das Welterbeforum Waldhalle. Geologische und biologische Einzelheiten werden dann vermittelt: Kreide und Geschiebe, die Geomorphologie, Klima und Wasserhaushalt, die Pflanzen- und Tierwelt, der Buchenwald als Ökosystem.

In einem Ausblick wird gefordert, dass die letzten Reste von Urwäldern und alten Wäldern von jeglicher Nutzung freizustellen sind und ihre Entwicklung als Naturwälder zu sichern. Zwischen den einzelnen Kapiteln finden sich noch fünf Fachtafeln.

Der Anhang besteht aus den Anmerkungen, einem Literaturverzeichnis, einer Zeittafel mit den wichtigsten Daten und Fakten, einem Glossar der wichtigsten Fachbegriffe, Informationen zu den Autoren und einem Abbildungsnachweis.

Das Buch stellt den Nationalpark Jasmund, die frühere Entwicklungsprozesse, Siedlungsgeschichte, die künstlerische Rezeption sowie geologische, biologische und ökologische Faktoren ausführlich vor. Neben dem informativen Text besticht das gelungene Buch durch die vielen farblichen Aufnahmen der Kreideküste und der Umgebung. Es ist auch ein Plädoyer für die Erhaltung und Schutz wilder Natur ohne Nutzung, nicht nur auf Rügen.

 

Buch 3

Volkmar Wirth / Ulrich Kirschbaum: Flechten einfach bestimmen. Ein zuverlässiger Führer zu den häufigsten Arten Mitteleuropas, 2., aktualisierte Auflage, Quelle & Meyer, Wiebelsheim ISBN 978-3-494-01644-3, 24,95 EURO (D)

Dieses Buch wählt aus ca. 4.000 in Mitteleuropa vorkommenden Flechten ca. 400 der wichtigsten Arten aus. Neben Merkmalen zur Bestimmung liefert das Buch Informationen zu Verbreitung, Ökologie und den vielfältigen Zeigerfunktionen.

Es beginnt mit Grundlagen, wie Flechten definiert werden, wie deren biologische Beschaffenheit aussieht und wie die Nutzung durch den Menschen aussieht. Außerdem werden die Lebensräume anhand von geografischen Karten gezeigt.

Die Bestimmungsmerkmale und der dazugehörige Schlüssel leiten sich von der engen Anbindung der Flechten an bestimmte Lebensräume und Substrate ab. Dazu werden 11 verschiedene Lebensräume in Text und Bild behandelt. Dies sind Laubbäume, Bäume im Freiland, Wälder im Tiefland, Wälder im Bergland, Standorte auf Felsen, Blöcken und Steinen aus Silikat- oder Karbonatgestein, Standorte auf anthropogenen Substraten, auf Holz oder Baumstümpfen und andere. Für jeden dieser Lebensräume haben die Autoren einen separaten Bestimmungsschlüssel entwickelt. Mit Hilfe von Vergrößerungsgläsern und ihre Reaktion auf bestimmte Reagenzien können Flechten in der Natur relativ sicher bestimmt werden. Wie dies im Einzelnen passiert, wird ebenfalls ausführlich erläutert.

Nach diesen Vorerläuterungen folgen die Artporträts. Im Text wird systematisch auf deren Namen, biologische und ökologische Merkmale, mögliche Verwechslungen mit anderen Arten, die Reaktion auf die Reagenzien, Verbreitungsgebiete mitsamt der Nennung von Literatur eingegangen. Jedes Artporträt enthält mindestens ein Farbbild, teils sind dies Makroaufnahmen.

Im Anhang findet man noch ein Literaturverzeichnis und ein Register.

Die Bestimmungsschlüssel sind verständlich und erlauben auch anhand der Ausführungen über die Reaktion auf bestimmte Reagenzien in der Praxis eine gute Bestimmung. Eine Lupe oder ähnliches sollte man immer bei sich führen. Das Buch enthält 476 farbige Abbildungen, dazu bestimmt vier Fünftel zu den einzelnen Arten. Die Bilder sind hochwertig und lassen alle Details erkennen. Etwas mehr Informationen über Schutzmaßnahmen oder gefährdete Arten wären wünschenswert gewesen.

 

Buch 4

Wolfgang Fiedler: Die Vögel Mitteleuropas sicher bestimmen: Art – Alter – Geschlecht, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2015, ISBN: 978-3-494-01593-4, 39,95 EURO (D)

Wolfgang Fiedler legt hier ein Werk vor, dass die systematische und unmittelbare Bestimmung aller 660 in Mitteleuropa vorkommenden Vogelarten nach Alter und Geschlecht ermöglichen will, Dies ist ein Set bestehend aus zwei Bänden.

Im ersten Band werden fünf ausführliche Bestimmungsschlüssel vorgestellt: einer nach  Ordnungen und einigen Familien, der zweite nach Familien, der dritte nach Gattungen, der vierte nach Arten und der letzte nach unterschiedlichen Kleidern. Nach Alter, Geschlecht und Jahreszeit soll so eine Bestimmung alle mitteleuropäischen Vogelarten und auch Irrgäste vor allem aus Amerika erreicht werden. Die Benutzung der Bestimmungsschlüssel wird vorher ausführlich erklärt. Außerdem enthält der Band zahlreiche Detailzeichnungen zur weiteren Hilfe.

Der zweite Band ist ein Bildatlas, der aufgrund erkennbarer Merkmale zu einer praktischen Bestimmung bietet. Dies geschieht nach einem simpel strukturierten Schlüssel. Pro Art gibt es abhängig von der Schwierigkeit der Bestimmung mindestens zwei Farbbilder. Diejenigen Arten, die sich im Flugverhalten ähneln oder stärker abweichende Jahreskleider der Geschlechter und Altersstadien haben, werden auf bis zu fünf Bildern gezeigt. Außerdem werden die deutschen Artnamen und Hinweise zu Körperlänge und Spannweite vorgestellt. Am Ende des Buches findet man ein Literaturverzeichnis und ein Register mit den deutschen Namen und eines mit den wissenschaftlichen Namen.

Das vorliegende Werk richtet sich an erfahrene Vogelkundler, die einzelne Arten im Gelände unterscheiden wollen und nicht so oft vorkommende Arten bzw. Irrgäste im Gelände bestimmen wollen. Für Anfänger empfehlen sich andere Bände mit einem Glossar. Die beiden Bände beziehen sich zwar aufeinander, können aber auch in der Praxis getrennt voneinander eingesetzt werden. Die hier gezeigten Bilder und Zeichnungen sind sehr präzise, was das Bestimmen erleichtert. Dies ist aber ein reines Bestimmungsbuch: wahrscheinlich aus Platzmangel findet man wenige geografischen Karten zu Verbreitung, Hinweise, welche Arten besonders gefährdet sind oder biologische Zusammenhänge.

 

Buch 5

Andreas Kieling: Kielings kleine Waldschule. Vom Leben in der Natur, Malik, München 2020, ISBN: 978-3-89029-516-9, 18 EURO (D)

Andreas Kielings Videoblog »Kleine Waldschule« wird auf Facebook millionenfach aufgerufen und tausendfach geteilt. Der bekannte Dokumentarfilmer und Vortragsreferent diskutiert darin aktuelle Fragen vom Leben in der Natur. Jetzt versammelt er die spannendsten Themen erstmals in einem Buch. Basierend auf jahrzehntelanger Erfahrung regt er an, sich mit der Natur neu auseinanderzusetzen.

In den ersten Kapiteln geht es auf das Problem der Lebensmittelverschwendung ein und regt an weniger Essen zu kaufen, aber dafür von guter Qualität und einen adäquaten Preis dafür zu bezahlen. Außerdem prangert er an, dass noch zu wenig für den Umwelt- und Naturschutz getan wird und die Abholzung von Regenwäldern für die Produktion von Palmöl geschieht. Er stellt in einzelnen Kapiteln Tiere und ihre besonderen Merkmale wie Ameisen, Damwild oder Wisente vor. Er setzt sich mit Früchten und Pilzen im Wald auseinander und beschreibt, welche von diesen giftig sind und welche essbar sind. Ebenso geht er auf Aspekte der Wildtierrettung (Rehkitze), gibt Tipps zur Tierbeobachtung und regt an, einem Vogelzug zuzuschauen. Er stellt auch dar, dass die Monokultur im Wald überwunden werden muss und wie eine nachhaltige Waldwirtschaft aussehen könnte, die den Bedarf an Holz decken würde und gleichzeitig ökologisch ist. Die ökologische Funktion des Waldes als größter Kohlenstoffspeicher der Erde und als natürlicher Lebensraum für Tiere wird ebenfalls erläutert.

Im Anhang gibt es noch ein Stichwortregister, allerdings fehlt ein Literaturverzeichnis zum Weiterlesen.

Das Buch enthält spannende Geschichten und Aspekte aus der heimischen Natur, die in verständlicher Art erzählt werden mit einigen Bildern in der Mitte des Buches. Der Autor gibt vielfältige Anregungen, wie man mit der Natur lebt und auch im Umgang mit Tieren, vor allem mit Wildtieren, die langsam nach Mitteleuropa zurückkehren, wie Wolf, Luchs und Bär, aber auch über den Umgang mit gefährdeten Arten.

 

 







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