Neuerscheinungen Kunst und Fotografie


Bildmontage: HF

05.04.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Peter Lindbergh/Felix Krämer/Wim Wenders: Untold Stories, Taschen, Köln 2020, ISBN: 9783836579919, 60 EURO (D)

Die Ausstellung „Untold Stories“ ist die erste vom weltbekannten Fotografen selbst kuratierte Werkschau. Seine Zusammenstellung von 140 Arbeiten aus den frühen 1980er Jahren bis heute wollen bisher unerzählte Geschichten aus dem Verborgenen holen und ist zugleich als eigene Retrospektive auf seine Karriere zu verstehen. Ein großer Teil der Aufnahmen wurde noch nicht in Ausstellungen gezeigt. Andere wurden von internationalen Zeitschriften in Auftrag gegeben und veröffentlicht. Lindberghs jäher Tod im Herbst 2019 macht die Ausstellung zu einer Besonderen.

Die Ausstellung ist vom 5. Februar bis zum 1. Juni 2020 im Düsseldorfer Kunstpalast, vom 20. Juni bis 1. November im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, vom 4. Dezember bis 7. März 2021 im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt und im Frühjahr 2021 im Madre in Neapel zu sehen.

Dies ist der offizielle Katalog der Ausstellung, der gleichzeitig in Deutsch, Englisch, Französisch erscheint. Aufnahmen von bekannten Models wie Nicole Kidman, Uma Thurman, Robin Wright, Jessica Chastain, Jeanne Moreau, Naomi Campbell, Charlotte Rampling sind dort zu sehen.Uma Thurman in liegender Pose im Halbschatten, Noami Campbell auf Ibiza oder eine ungeschminkte Claudia Schiffer Ende der 1990er Jahren werden zum Beispiel gezeigt. Aber auch nächtliche Straßenszenen und atmosphärische Schilderungen von verschiedenen (verlassenen) Orten und Gegenden werden vorgestellt.

Die Bilder sind großformatig und meist in schwarz-weiß gehalten. Außerdem wird ein Interview des Direktors des Düsseldorfer Kunstpalastes, Felix Krämer, mit Peter Lindbergh über seine Arbeit und die Konzeption der Ausstellung abgedruckt. In einer Hommage drückt der Regisseur Wim Wenders die Vorzüge seiner Fotografie und des Menschen Peter Lindbergh aus.

Die Bilder der Models betonen körperliche Kraft, Anmut, Persönlichkeit oft in komplexen Kombinationen. Es ist eine Hommage an die Vielfalt, die verschiedenen Gesichter der Schönheit und das Einfangen von Individualität. Zum Stil, wie Lindbergh fotografiert hat, und Art der Inszenierung wird nicht extra ausführlich eingegangen; dies ist auch nicht schlimm, da es schon bekannt sein sollte. Die Laudatio von Wenders ist sehr persönlich gehalten und enthält einen guten Einblick in den Privatmann Lindbergh.

Buch 2

Fantastische Frauen: Surreale Welten von Meret Oppenheimer bis Frida Kahlo, Hirmer, München 2020, ISBN: 978-3-7774-3413-1, 49,90 EURO (D)

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert erstmals in einer großen Themenausstellung (13.02.2020 - 24.05.2020) Exponate des weiblichen Beitrag zum Surrealismus. Was die Künstlerinnen des Surrealismus von ihren männlichen Kollegen vor allem unterscheidet, ist die Umkehr der Perspektive: Oft durch Befragung des eigenen Spiegelbilds oder das Einnehmen unterschiedlicher Rollen sind sie auf der Suche nach einem (neuen) weiblichen Identitätsmodell. Auch das politische Zeitgeschehen, die Literatur sowie außereuropäische Mythen und Religionen sind Themen, mit denen sich die Surrealistinnen in ihren Werken auseinandersetzen.

In der Ausstellung werden rund 260 Gemälden, Papierarbeiten, Skulpturen, Fotografien und Filmen von 34 internationalen Künstlerinnen aus Europa, den USA und Mexiko gezeigt. Bekannte Künstlerinnen wie Louise Bourgeois, Jacqueline Lamba, Claude Cahun, Leonora Carrington, Frida Kahlo, Meret Oppenheim, Dorothea Tanning sind dort vertreten, aber auch viele unbekannte Frauen aus mehr als drei Jahrzehnten surrealistischer Kunst. Die Ausstellung konzentriert sich bewusst auf Künstlerinnen, die „noch ganz direkt mit der surrealistischen Bewegung verbunden oder mit der Leitfigur Breton persönlich bekannt waren oder die mit der Gruppe ausstellten.“ (S. 17) Von diesen wird eine repräsentative Auswahl ihrer Arbeiten gezeigt. Zusätzlich zu den Werken werden auch das Netz aus Freundschaften und den Beziehungen der Künstlerinnen untereinander in den verschiedenen Ländern behandelt.

Dies ist das Begleitbuch zur Ausstellung.

Das Buch wird durch eine grundlegende Einführung über surrealistische Künstlerinnen in Europa, den USA und Mexiko von Ingrid Pfeiffer eingeleitet. Danach wechseln sich Essays zu Schwerpunkten oder Künstlerpersönlichkeiten wie Meret Oppenheim, Louise Bourgeois, Maya Deren oder Dorothea Tanning mit der Schau der Werke und Exponate wie Zeitungen, Briefe usw. aus der Zeit ab. Abschließend werden die einzelnen Biografien der Künstlerinnen noch vorgestellt. Im Anhang gibt es eine ausgewählte Bibliografie, ein Verzeichnis der ausgestellten Werke und einen Bildnachweis.

Traumhaftes, Unbewusstes, Absurdes und Phantastisches und eine Sprengung von althergebrachten Konventionen kennzeichnen alle hier vorgestellten Werke. Ein neues Kapitel des Surrealismus wird hier aufgeschlagen, verbunden mit Leihgaben aus bedeutenden Galerien und Museen. Am besten lässt sich das Neue und den Reiz der Ausstellung und des Katalogs mit den Worten von Karin Wolff, Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain zusammenfassen: „(…) fehlte bislang immer noch die umfassende Erkenntnis, dass Frauen und ihre Körper nicht nur die beliebtesten Objekte surrealistischer Kunst waren, sondern dass sie selbst als Subjekte, als künstlerische Persönlichkeiten, die Gedanken- und Bildwelt jener aufregenden und auch sehr politischen Bewegung entscheidend mitgeprägt haben.“ (Siehe Vorwort)

In dem Katalog wird viel Hintergrundwissen vermittelt, wobei eine gewisse Kenntnis über Surrealismus vorausgesetzt wird. Exemplarisch werden Künstlerinnen näher beleuchtet und ihre wechselseitigen Beziehungen untereinander. Zahlreiche Werke sind doppelseitig mit allen Einzelheiten zu bestaunen.

Buch 3

Julia Watson. Lo—TEK. Design by Radical Indigenism, Taschen Verlag, Köln 2019, ISBN 978-3-8365-7818-9, 40 EURO (D)

Lo—TEK ist eine Design-Bewegung, die traditionelles, ökologisches Wissen wiederbelebt und Know-how, Praktiken und Überzeugungen aus mehreren Generationen sowie unterschiedlichen Kulturen sammelt. Sie baut auf komplexe Ökosysteme und deren nachhaltige Wirkung. Es wirkt der Vorstellung entgegen, dass indigene Innovation aus westlicher-technologischer Sicht primitiv ist und isoliert von Technologie existiert. Im Gegenteil: Sie haben einen hohen Entwicklungsstand und sind darauf ausgelegt, nachhaltig mit komplexen Ökosystemen zu arbeiten.

Julia Watsons Buch, das ausschließlich in englischer Sprache erscheint, beinhaltet tausende von Jahren menschlicher Weisheit und Einfallsreichtum aus 20 Ländern, darunter Peru, die Philippinen, Tansania, Kenia, Iran, Indien und Indonesien. Es ist nach Ökosystemen unterteilt (Berge, Wälder, Wüsten und Feuchtgebiete), was die Verbindung zwischen den Technologien und den Umgebungen und Gemeinschaften unterstreicht, aus denen sie hervorgegangen sind.

So werden die lebenden Wurzelbrücken und Leitern des Khasi-Bergstamms in Nordindien vorgestellt. Dies ist eine jahrtausendealte Praxis, nach der die Khasi aus Kautschukfeigenbäume Brücken und Leitern bauen , die es ihnen ermöglichen, während der Monsunzeit steile Schluchten und überflutete Flussübergänge zu befahren. Diese haben sich als die einzigen Bauwerke erwiesen, die nachhaltig und auf längere Sicht gesehen dem  Monsunregen standhalten können. Oder der Einfallsreichtum der Tofinu, die im afrikanischen Benin in Feuchtgebieten leben. Sie bauten eine Stadt auf Stelzen, umgeben von 12.000 künstlichen Aquakulturstiften.

Durch den Blick auf mehrere indigene Gemeinschaften in vier wichtigen Lebensräumen veranschaulicht Julia Watson die Bedeutung dieser integrierten Systeme, indem sie die Art und Weise erforscht, wie jede dieser Gemeinschaften mit ihren Umgebungen arbeiten. Hier wird deutlich, wie diese Gemeinschaften seit Jahrtausenden überlebt haben. Julia Watson zeigt hier verschiedene Möglichkeiten der Architektur und des Designs auf, einheimische Technologien zu integrieren und neu zu kontextualisieren. Neben tollen Bildern bietet das Buch zahlreiche geografische Karten, Diagramme und sonstigen Hintergrundwissen.

Buch 4

Verrückt nach Angelika Kauffmann. Katalog zur Ausstellung im Museum Kunstpalast Düsseldorf, Hirmer, München 2020, ISBN: 978-3-7774-3459-9, 45 EURO (D)

Angelika Kauffmann (1741-1807) gilt als erste Künstlerin von europäischem Rang. International anerkannt, gebildet und bestens vernetzt, durchlief sie eine beispiellose Karriere als Historienmalerin, modemachende Porträtistin und eines von nur zwei weiblichen Mitgliedern der Royal Academy of Arts bei deren Gründung 1768. Sie wurde von Goethe und Herder bewundert und erhielt Aufträge von Königinnen und Kaisern aus ganz Europa. Sie hinterließ ein thematisch breit gefächertes Werk von etwa 800 Ölgemälden auf Leinwand und Kupfer, rund 400 Zeichnungen, 40 Radierungen, eine Freskoserie und wenige Pastelle. Ihr außergewöhnliches Leben und Werk wird in rund 100 ihrer besten Gemälde und Zeichnungen in einer Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast vom 30.1. bis zum 24.5.2020 präsentiert. Die Ausstellung wird in Kooperation mit der Royal Academy of Arts, London, organisiert, wo sie im Anschluss zu sehen sein wird. Sie profitiert vor allem von den Forschungsergebnissen des Angelika Kauffmanns Research Projekts, das von Bettina Baumgärtel ins Leben gerufen wurde.

Das Buch beginnt einem Essay von Bettina Baumgärtel mit einer grundlegenden Einführung zu Leben und Werk Kauffmanns. 100 Jahre bis zur offiziellen Erlaubnis des Besuches von Frauen einer Kunstakademie bewies Angelika Kauffmann, „dass es Frauen mit Talent und Bildung selbst im 18. Jahrhundert zu außergewöhnlichem Ruhm und Reichtum bringen konnten. Dabei hatte sie das hohe Ziel einer humanistischen Bildung und eines tugendhaften Charakters, eben das Ideal einer ‚schönen Seele‘ vor Augen.“ (S. 11)

Danach stellt Helen Valentine die vier ovalen Deckengemälde mit den Allegorien Erfindung, Farbe, Zeichnung und Komposition vor, die Kauffmann für die Royal Academy of Art in deren „Musentempel“ Somerset House angefertigt hat. Johannes Myssok beschäftigt sich dann mit der Künstlerfreundschaft zwischen Kauffmann und Antonio Canova. Inken Maria Holubec konzentriert sich in ihrem Essay auf die Analyse der beiden Gemälde „Agrippina trauert über der Urne des Gemanicus“ von 1793 und „Bildnis der Stehgreifvirtuosin Teresa Bandettini Landucci“ von 1794. Auf der Grundlage von technologischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen wird der mal- und materialtechnische Aufbau der beiden Werke dargestellt.

Danach folgt der Katalog, der den Hauptteil des Buches ausmacht und von Bettina Baumgärtel bearbeitet wurde. Folgende Kategorien wurden dabei gewählt: Selbstinszenierungen, Ausbildung in Italien, die Historienmalerei: Homer- und Shakespeare-Renaissance, das Gründungsmitglied der Royal Academy of Arts, die Porträtmalerin als Modemacherin, neue Heldinnen, schöne Jünglinge als beau idéal, der Parnass der Musen – Maskerade und Rollenspiel, Rom, Residenz der Künste, und internationale Auftraggeber. Diese werden jeweils von einer Überblicksdarstellung eingeleitet, dann folgen einzelne Werke mit einer Beschreibung.

Im Anhang findet man noch Abkürzungs- und Bearbeitungshinweise, ein Literaturverzeichnis und einen Abbildungsnachweis.

Der Katalog orientiert sich eng am Lebenslauf der Künstlerin, deren vielfältiges Schaffen hier in guter Qualität präsentiert wird. Bei den Essays fehlt allerdings eine skizzenhafte Abhandlung über die Rezeption ihrer Person und Werke.

Es ist erstaunlich, dass erst jetzt eine Ausstellung über die Künstlerin und auch Geschäftsfrau zu sehen ist. Diesem Beispiel sollten weitere folgen: angefangen von Hildegard von Bingen bis heute gibt es im deutschsprachigen Raum genügend im Schatten stehende Künstlerinnen.

Buch 5

Karl Fieger: Kirchenkunst um Augsburg, Wißner Verlag, Augsburg 2019, ISBN: 978-3-95786-222-8, 24,80 EURO (D)

Hier werden bekannte und unbekannte Höhepunkte der Kirchenkunst um Augsburg herum vorgestellt. Das Buch enthält Kirchenbauten von der Gotik bis zur Neogotik gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Den Schwerpunkt bilden aber Barock und Rokoko. Insgesamt wurden 74 Kirchen in einem Radius von 35 km um Augsburg ausgewählt. Es sind durchgängig katholische, da die Gebiete außerhalb von Augsburg bis ins 19. Jahrhundert hinein rein katholisch waren. Dieses Buch möchte dazu motivieren, auf Entdeckungstour zu gehen und sich die Kirchen anzuschauen. Dazu gibt es sechs Karten, die Öffnungszeiten der Kirchen sind im Anhang aufgelistet.

Im Einleitungskapitel werden Hintergründe zur Kunst vorgestellt. Der Barock in Gotteshäusern, die Kirchenkunst im 19. Jahrhundert, die Bewahrung von Altem und die Hinzufügung von Neuem durch die Jahrhunderte und die Stilentwicklung von Kirchtürmen, Fenstern und Ornamenten mit bildlichen Beispielen werden dort behandelt.

Danach folgt der Hauptteil mit den 74 Kirchen, die geographisch in sechs Kapitel eingeteilt werden. Jedes Kapitel hat eine Karte am Anfang, wo die jeweiligen Kirchen eingezeichnet sind.

Dies beginnt mit den Kirchen im Norden. Dort kann man zum Beispiel die Wallfahrtskirche St. Jakobus in Biberbach bewundern, die ein Gnadenbild eines Kruzifixes, die Statue der St. Anna, 20 Figuren für die Wände vom Bildhauer Joseph Höchstetter und Rokokoprunk an den Choremporen zu bieten hat.

Weiter geht es mit den Kirchen im Westen. Die Pfarrkirche Mariä Verkündigung in Welden birgt eine Fülle von Kunstwerken aus verschiedenen Zeiten, viele Epitaphien, die Ausstattung der Kuppel von Matthäus Günther, vier Heiligenfresken an der Zwickel der Kuppel und einen Kreuzweg.

Die Stauden mit ihren Kirchen bieten zum Beispiel die Kirche Mariä Himmelfahrt in Oberschönenfeld mit ihrer üppigen Rokokoausstattung mit Altären, Stuck und Fresken und dem linke Seitenaltar mit dem Gemälde „Im Auszug“,

Anschließend werden Kirchen im Süden vorgestellt. Darunter die Pfarrkirche St. Nikolaus in Großaitingen, die einen Turm mit glasierten Ziegeln, Fialen und einen Bogenfriesen zu bieten hat. Das Langhaus wurde von Franz Kleinhans im Rokokostil gestaltet, die Deckenfresken stammen von Balthasar Riepp. Hier stehen ein Rokokoaltar und ein klassizistischer Altar der Laurentiusbruderschaft nebeneinander.

Danach geht es in den Südosten, wo die Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg ist ein gutes Beispiel für die Aneinanderreihung verschiedener Baustile. Die Ausstattungsarbeiten zogen sich drei Jahrzehnte hin. Die Fresken stammen von Cosmas Damian Asam und von Matthäus Günther, die phantasievollen Rokokostuckaturen von Franz Feichtmayr d. Ä und Verwandten.

Den Abschluss bildet der Nordosten, wo die Kirche St. Martin in Dasing heraussticht. In den Jahren 1753-1756 wurde das einheitliche Rokokobild geschaffen. Dort ist das Fresko „Sieg über die Türken“ zu sehen, wo christliche Schiffe die türkischen zerstörten. Unten sind die Allegorien der vier Erdteile Europa, Amerika, Afrika und Asien, die Maria verehren, zu sehen. Außerdem ist noch ein Pieta mit sieben Schwertern und das Fresko „Pauli Bekehrung“ sehenswert.

Im umfangreichen Anhang findet man noch die Kirchenöffnungszeiten, ein Ortsregister, ein Glossar, eine kurze Künstlerbiografie mit Seitenzahlen, ein Motivregister mit Seitenzahl, ein Literaturverzeichnis unterteilt in Kunstführer, Kirchenführer, sonstige Literatur und Internetquellen sowie einen Bildnachweis.

Hier wird katholische Kirchenkunst aus verschiedenen Jahrhunderten anhand von 74 reich ausgestatteten Objekten dargeboten, von denen bestimmt viele unberechtigterweise ein Schattendasein fristen. Neben dem Prunk des Barocks werden auch andere Objekte des Augsburger Rokokos außerhalb der bekannten Fürstbischöflichen Residenz mit dem Rokokosaal, deren geistlicher Amtsbereich das Bistum Augsburg und deren weltliches Herrschaftsterritorium das Hochstift Augsburg war. Das Buch lebt von den tollen Bildern, die eine hohe Qualität haben und alle Details sichtbar machen. Hervorzuheben ist auch das opulente Register mit Motiven, Künstlerbiografie und Ortsregister zum Nachschlagen.

Buch 6

Talent kennt kein Geschlecht. Malerinnen und Maler der Romantik auf Augenhöhe, Hirmer Verlag, München 2020, ISBN: 978-3-7774-3508-4, 34, 90 EURO (D)

Eine augenblicklich leider unterbrochene Ausstellung im Schweinfurter Georg Schäfer Museum stellt zum ersten Mal Meisterwerke der Romantik aus Frauenhand den Arbeiten ihrer männlichen Zeitgenossen gegenüber. Der geplante Zeitraum der Ausstellung war eigentlich vom 16. Februar bis 10. Mai 2020.Während in den Jahrhunderten zuvor Künstlerinnen im Bereich der Tafelmalerei allenfalls der Status von Ausnahmetalenten und Einzelgängerinnen zuerkannt wurde, erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland ihr Aufbruch als eine sich durch Briefkontakte vernetzende Gruppe. Dieser Aufbruch, ausgehend von wenigen den Frauen offenstehenden Akademien, traf auf erhebliche Vorurteile seitens der männlichen Kollegen.

Für die Ausstellung wurden insgesamt 40 Arbeiten, hauptsächlich Gemälde, aus 23 Museen, Kirchen und privaten Sammlungen geliehen und mit 50 Arbeiten aus dem Museum Georg Schäfer vereint. Viele Werke waren noch nie öffentlich zu sehen, neu ist auch die Kombination der Werke anhand vergleichbarer Themen und Techniken.

In der Gegenüberstellung von Werken von 16 Malerinnen und 20 Malern der Romantik stellt der Band die Frage nach dem weiblichen und männlichen Blick und nimmt das Rollenspiel der Geschlechter unter die Lupe. Nach vier einleitenden Essays werden in verschiedenen Sektoren durch eine Gegenüberstellung mit Werken von männlichen Zeitgenossen Vergleiche hinsichtlich der Themenbehandlung, der Qualität wie auch der Bildtraditionen von ca. 1770 bis 1840 gezogen. Dies sind Pictura, Stillleben, höfisches Porträt, die Heroin Angelika Kaufmann, Porträtmalerei von Bürgern und Bauern, Selbstbildnis von Künstlerinnen, Familie und Geselligkeit, Louise Seidler und Maria Ellenrieder, Raffael, Italien und die Nazarener, Alter. Diese sind durch eine kurze Einleitung versehen. Im Anhang gibt es noch ein Literaturverzeichnis und eine Liste von Künstlerinnen und Künstlern.

Der Band zeigt, dass sich Künstlerinnen in einer männlich dominierten Kunstszene mit anderen Voraussetzungen als heute durchsetzen mussten und Anerkennung nicht alltäglich war- Marie Ellenrieder, Louise Seidler, Angelika Kauffmann werden „wiederentdeckt“, auch ein positiver Nebeneffekt dieser in dieser Form nicht alltäglichen Ausstellung. Der Band bereitet gut auf die Ausstellung vor, wenn sie dann mal wieder gezeigt werden darf.

 







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