Neuerscheinungen Tiere

16.08.20
KulturKultur, Umwelt, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Rainer Wohlfahrt/Bettina Mutschler: Praxis der hundegestützten Therapie. Grundlagen und Anleitung, 3. Auflage, Reinhardt Verlag, München 2020, ISBN: 978-3-497-02915-0, 33 EURO (D)

Inzwischen werden Hunde bei der Therapie, Betreuung und Behandlung in Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Psychotherapie, Sozialarbeit und Pflege eingesetzt. Die Autoren zeigen hier praxisorientiert den aktuellen Stand der tiergestützten Therapie mit Hunden auf. Sie liefern Grundlagen zur Mensch-Hund-Beziehung und beschreiben, warum der Einsatz von Hunden in der Therapie positive Wirkungen erzielen kann. Zusätzlich können Online-Materialien auf einer im Buch befindlichen Adresse heruntergeladen werden.

Für die dritte Auflage gab es detaillierte Veränderungen und die Sammlung der zusätzlichen Online-Materialien wurde erweitert.

Das Buch beginnt mit einer Geschichte tiergestützter Therapie mit Hunden. Weiter geht es mit Begriffen und Definitionen sowie den wichtigsten Merkmalen tiergestützter Therapie und deren Interaktionsformen. Die Erfahrungswelt des Hundes und die Elemente der Beziehung zwischen Mensch und Hund werden dann vorgestellt. Die verschiedenen Wirkfaktoren und Wirkungen tiergestützter Therapie kommen dann zur Sprache, bevor Tierschutz und Tierethik behandelt werden. Die Grundvoraussetzungen beim Menschen und beim Hund für ein funktionierendes Mensch-Tier-Team und Kriterien für die Auswahl des Hundes und dessen Sozialisierung folgen danach. Die Aus- und Weiterbildung des Menschen wird dann vorgestellt. Die Voraussetzungen und die elf Bausteine auf dem Weg der Ausbildung des Mensch-Hund-Teams werden dann präsentiert. Die verschiedenen Konzepte tiergestützter Therapie folgen dann: Dies sind die Interaktion in der Triade, Nähe-Distanz, Form der Interaktion, Aktivität (passiv-aktiv) und die Funktion wie zum Beispiel Projektion, Bindung, Kommunikation oder sozialer Katalysator. Planung, vorbereitende Fortbildungen, Organisation, Durchführung und Evaluation hundegestützter Therapie sind dann Thema. Weiter geht es mit einer Zusammenstellung von Büchern, die Beispiele für Übungen für, über und mit dem Hund enthalten. Leitlinien des Qualitätsmanagements mit Checklisten und rechtliche Grundlagen runden das Buch ab. In einem Ausblick wird noch einmal darauf hingewiesen, dass die Voraussetzung für den Einsatz hundegestützter Therapie neben der fachlichen Qualifikation des Therapeuten und der Eignung des Hundes eine konstante und partnerschaftliche Beziehung zwischen Hund und Bezugsperson vorliegt. Es ist wichtig, eine Haltung gegenüber Hunden im Spezifischen und tiergestützter Therapie im Allgemeinen zu entwickeln.

Im Anhang findet man noch ein Literaturverzeichnis, ein Bildnachweis und ein Sachregister.

Dieses Buch speist aus den praktischen Erfahrungen der Autoren durch Mitarbeit an Projekten, Fortbildungen und Supervisionen. Jedes Kapitel enthält Praxistipps und am Ende weiterführende Literatur. Die rechtlichen Grundlagen hätten anstatt ans Ende besser hinter dem Kapitel Begriffe und Definitionen gepasst. Insgesamt gesehen ist dies ein auf den aktuellen Stand gebrachte führende Standardwerk über die praktische Anwendung der hundegestützten Therapie.

 

Buch 2

Stefan Zaenker/Klaus Bogon/Alexander Weigand: Die Höhlentiere Deutschlands. Finden –Erkennen – Bestimmen, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2020, ISBN: 978-3-494-01831-7, 29,95 EURO (D)

In diesem Naturführer werden alle in der BRD in Höhlen vorkommenden Tiere vorgestellt, dies sind insgesamt 748 bekannte Tierarten. Dies sind verschiedene Tierarten, die dauerhaft in Höhlen leben oder diese zeitweise gezielt aufsuchen. Wissenschaftler und Artexperten haben in Zusammenarbeit mit und Zuarbeit an zuständige Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen, dieses Pionierwerk hervorgebracht.

Zunächst werden allgemeine Grundlagen wie die Höhlenforschung, die Aktion „Höhlentier des Jahres“, der Schutz der Höhlen als Lebensraum und Biotop, der Nahrungskreislauf der Höhlenfauna, die verschiedenen Lichtregionen und die Anpassung der Höhlentiere, ökologische Klassifizierung und diverse Methoden der Bestimmung. Zum Schnelleinstieg zur Bestimmung werden danach Höhlentiere in Großgruppen eingeteilt und vorgestellt.

Danach folgt der Hauptteil, die Artsteckbriefe der Höhlentiere mit dem Schwerpunkt auf Bestimmung. Dies geschieht auf einer Doppelseite durch einen Text und Farbbilder. In der einheitlichen Systematik wird wissenschaftliche Namen, auf die Körpergröße, die Fundregion in einer Höhle, die Bestimmungsmerkmale, die Ökologie und die Verbreitung der jeweiligen Art ein. Mittels eines Piktogramms werden Kurzübersicht über Lebensweise, ökologische Klassifikation und jahreszeitliches Vorkommen dem Leser nähergebracht. Ähnliche Arten werden zum Verwechslungsausschluss bei der Bestimmung auch immer aufgeführt und wichtige Unterscheidungsmerkmale genannt.

Der Anhang ist umfangreich mit einem Tiernamen- und Literaturverzeichnis, Abbildungs- und Fotohinweisen und die Vorstellung der Autoren.

Dieser Naturführer fasst die Arbeit von professionellen Forschern, Institutionen und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern zu einer detaillierten Überblicksdarstellung zusammen. Es ist daher mehr als ein Bestimmungsbuch, sondern auch ein Kompendium der deutschen Höhlenfauna auf neuestem wissenschaftlichem Stand. Lebensweise, Aussehen, Fundregion und ähnliche Arten werden ausführlich präsentiert. Die Farbabbildungen sind Naturaufnahmen und bieten eine detailreiche Visualisierung.

 

Buch 3

Wolfgang Rohe/Lars Schwarz/Denis Ekarius: Die Eichenprozessionsspinner. Vorkommen – Gefahr – Bekämpfung, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2020, ISBN: 978-3-494-01827-0, 19,95 EURO (D)

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter, für den in der BRD starke Populationen und Massenvermehrung gemeldet werden. Gerade die Forstwirtschaft ist in Aufruhr: Die Raupen ernähren sich von den Blättern ihrer Wirtsbäume. Sie fressen die gesamte Gewebefläche der Blattspreite und verschmähen dabei lediglich die Mittelrippe und stärkere Seitenrippen des Blattes. Sie gelten als Schadensverursacher, da sie Lichtungs- oder Kahlfraß verursachen. Bei mehrjährigem starkem Auftreten kann der Baum direkt oder durch Folgeerscheinungen geschädigt werden.

Maßnahmen zur Regulierung der Populationen sind die folgenden: Es werden große Flächen vom Hubschrauber aus oder Einzelbäume vom Boden aus mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Das Abflammen der Nester des Eichenprozessionsspinners oder die Fixierung der Nester mittels chemischer Bindemittel werden ebenfalls angewendet. Ein weiterer Bekämpfungsansatz ist das großflächige Aufbringen einer mit einem Bakterium versetzten Spritzbrühe auf die Blattoberflächen der befallenen Bäume. Diese Maßnahmen sind jedoch aus ökologischer Sicht problematisch und werden von verschiedenen Naturschutzverbänden kritisiert.

In diesem Buch stellen die Autoren den Eichenprozessionsspinner anhand seiner Biologie, dem Vorkommen, der Verbreitung und seinen typischen Merkmalen vor. Außerdem wird ein von ihnen entwickeltes Verfahren für die Beseitigung der gefährlichen Raupen ohne den Einsatz von Gift präsentiert, das im urbanen Raum eingesetzt werden kann (EPS-SOLVE-Verfahren). Es will in zwei Schritten die Raupen-Vorkommen ohne die Kontamination der Umgebung mit Brennhaaren entfernen. Dabei kommt eine Kombination aus einem Heißschaum- und einem Heißwasserinfiltrationsverfahren zum Einsatz. Weiterhin werden geeignete Präventivmaßnahmen geschildert.

Das spannende an dem Buch ist das neuartige Verfahren, das ökologischer ausgerichtet ist als die gängigen. Ob sich dies in der Praxis bewährt, wird sich zeigen. Die biologischen Grundlagen dienen als Grundwissen für die Bekämpfung des Lichtungs- oder Kahlfraßes. Gut ist auch der Fokus auf die Präventionsmaßnahmen, die immer besser sind als Akutmaßnahmen. Arbeiter, Behörden und sonstige Verantwortliche in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau, Waldbesitzer, Hersteller von Schutzausrüstung und die interessierte Öffentlichkeit werden wohl an diesem gut strukturierten Werk und um eine Auseinandersetzung mit dem neuen Verfahren kaum herumkommen.

Buch 4

Waldemar Seunig: Von der Koppel bis zur Kapriole. Die Ausbildung des Reitpferds. Mit einem Vorwort zur Neuauflage von Georg W. Seunig, Olms, Hildesheim/Zürich/New York 2019, ISBN: 978-3-487-08348-3, 24,80 EURO (D)

Waldemar Seunig war einer gleichzeitig ein Theoretiker und Praktiker der klassischen Reitlehre. 1921 und 1922 war Seunig Gast an der französischen Kavallerieschule Saumur und übernahm im Anschluss daran von 1922 bis 1932 das Amt des Hofstallmeisters am Königshof in Belgrad. Er nahm an zahlreichen internationalen Turnieren teil und war 1924 Mitglied der jugoslawischen Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Paris. 1926 und 1927 war er Schüler der Spanischen Hofreitschule in Wien und absolvierte im Laufe der Jahre Studienaufenthalte in England, Schweden, Italien und Finnland. Auf eigenen Wunsch verließ er 1932 den jugoslawischen Königshof und betrieb von 1933 bis 1941 einen Reitstall in Laibach (Ljubljana). Daneben veröffentlichte er zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften. Sein Hauptwerk „Von der Koppel bis zur Kapriole“, eine detaillierte Anleitung zur Ausbildung eines jungen Pferdes bis hin zur hohen Schule aus dem Jahre 1943, wurde nun neu aufgelegt.  

Sein Sohn Georg W. Seurig schreibt dazu im Vorwort: „Es war sein Anliegen, die Zusammenhänge zwischen den Elementen der Ausbildungsarbeit aufzuzeigen und die Kenntnis von Ursache und Wirkung in der logischen Abfolge dieser Elemente zu vermitteln. Immer wieder auch betonte er, dass die Grundlagenausbildung für jedes Reitpferd dieselbe sein müsste, gleich, in welcher Disziplin es später eingesetzt würde. Die in diesem Werk enthaltenen Anregungen und Gedanken sollten gerade in der heutigen Zeit, da die deutsche Sportreiterei am Scheideweg steht, man viele Fehler in der Ausbildung von Pferden durch Unkenntnis der genannten Zusammenhänge verursacht und das junge Pferd schon oft von Anfang an auf eine bestimmte Disziplin festgelegt wird, den Reitern und Ausbildern unserer Tage wieder ins Bewusstsein gerufen wird.“

In dem Werk selbst gibt es alles zu lesen, was er in seinem Leben über Pferde und Arbeit mit den Pferden an Wissen erlangt hat. Hier werden sowohl Reiter als auch Ausbilder angesprochen und es wurde ab Mitte des 20. Jahrhunderts als Standardwerk genutzt. Es betont das harmonische Verhältnis zwischen Reiter und Pferd, stellt die verschiedenen Komponenten der Hilfen durch den Reiter und die Auswirkungen auf das Pferd dar und nach welchen Kriterien man ein Pferd auswählt. Die verschiedenen Stufen der Ausbildung werden veranschaulicht, einzelne Reitstunden und Übungen werden detailliert dargelegt und Probleme angesprochen.

Vieles kann sicherlich noch auf die heutige Zeit der Pferdeausbildung angewandt werden, einige Dinge scheinen eher antiquiert. Das Verhältnis des Reiters zum Pferd hat auf jeden Fall aktuellen Charakter. Die damalige Sprache ist nicht immer leicht zu lesen, da sollte man sich genügend Zeit nehmen.

Buch 5

Dagmar Ciolek/Kerstin Gerhardt/Diane Bliessen: 135 Mythen der Reitlehre, Olms, Hildesheim/Zürich/New York 2020, ISBN: 978-3-487-08616-3, 19,80 EURO (D)

Dagmar Ciolek leitet die Facebook-Gruppen „Dressurpassion – DIe deutsche Reitlehre“ und „Reiten lernen – Basiswissen“, wo sie reiterliche Problem der Mitglieder mit Ratschlägen löst. In diesem Zusammenhang stießen sie und ihr Team auf „unzählige Irrtümer und Missverständnisse rund ums Reiten, die sich oft zu regelrechten Mythen verfestigt haben.“ Um den „riesigen Beratungs- und Erklärungsbedarf“ zu decken, hat Ciolek nun ihre Texte in Buchform herausgebracht. Die fachlichen Belange der Texte wurden mit der Ausbilderin Kerstin Gerhardt besprochen und diskutiert. Diane Bliessen ist für die Illustrationen verantwortlich.

Grundlage für die Thesen des Buches ist die klassische Deutsche Reitlehre, die auf den Werken von Gustav Steinbrechts „Das Gymnasium des Pferdes“ und Waldemar Seunigs Hauptwerk „Von der Koppel bis zur Kapriole“ fußt.

Im Folgenden werden 135 Aussagen, die für die Autorinnen als „teilweise abenteuerliche Auslegungen“ der Deutschen Reitlehre und verschiedenen Abweichungen von dieser Lehre, die schnell auf Abwege führen“ widerlegt bzw. richtig gestellt. Diese Mythen werden in einem kurzen Satz zusammengefasst, dahinter folgen die Erläuterungen. Diese einzelnen Kapitel werden noch nach Sinnabschnitten gegliedert. Dabei werden von der Reitkunst, der Ausbildung, die Behandlung und Ernährung von Pferden, über die Beziehung zwischen Mensch und Pferd bis hin zu wertenden Aussagen über Dressursport alle Bereiche angesprochen.

Im Anhang gibt es noch einen kleinen Leitfaden der dressurmäßigen Ausbildung des jungen Rennpferds und einen kleinen Leitfaden zur Basisspring- und Geländeausbildung des jungen Reitpferdes sowie benutzte Quellen und Literatur.

Das Buch zeigt erstmal die Krise in der deutschen Dressurausbildung im Hinblick auf theoretisches Wissen und der heftig umstrittenen Frage nach artgerechtem Umgang mit Pferden. Der Bedarf nach Hintergrundwissen in allen Bereichen scheint vorhanden zu sein.

Einerseits gibt das Buch Orientierung über Fragen der Reitlehre, das besonders für Hobbyreiter und erfahrene Ausbilder geeignet ist.

Andererseits ist es auch ein weiterer Beitrag zur Diskussion um die richtige dressurmäßige Ausbildung, die bei solchen auf Kritik stoßen wird, die die Grundlagen von Seunig und Steinbrecht nicht mehr für zeitgemäß halten oder ablehnen.







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz