Feuchtwanger Fellowship für Hadeer El-Mahdawy

29.04.19
KulturKultur, Internationales, Bewegungen, Feminismus, News 

 

Von ROG

Die ägyptische Journalistin Hadeer El-Mahdawy wird vom Verein Villa Aurora & Thomas Mann House und der University of Southern California mit dem Feuchtwanger Stipendium 2019 ausgezeichnet. Das Stipendium wurde nach dem deutsch-jüdischen Schriftsteller Lion Feuchtwanger benannt, der Nazi-Deutschland 1933 verlassen musste und von 1943 bis zu seinem Tod 1958 in der Villa Aurora in Los Angeles lebte.

Das Feuchtwanger Stipendium erlaubt Journalist*innen und Schriftsteller*innen aus Ländern, in denen die Meinungsfreiheit eingeschränkt ist, für sechs Monate im ehemaligen Exildomizil von Lion und Marta Feuchtwanger im US-Bundesstaat Kalifornien zu leben und zu arbeiten. Hadeer El-Mahdawy wurde auf Vorschlag von Reporter ohne Grenzen ausgewählt. Der Verein Villa Aurora & Thomas Mann House vergibt das vom Auswärtigen Amt geförderte Stipendium in Kooperation mit der Feuchtwanger Memorial Library an der University of Southern California im Gedenken an das deutsche Exil in den USA und die anhaltende Unterdrückung der freien Meinungsäußerung in vielen Teilen der Welt.

Hadeer El-Mahdawy arbeitet seit 2006 für verschiedene unabhängige ägyptische Medien. Derzeit ist sie Berichterstatterin für die bilinguale Nachrichten-Website Mada Masr. Sie widmet sich dort innenpolitisch sensiblen Themen, wie politischen Inhaftierungen, Arbeitsrecht, den Rechten von Frauen, Flüchtlingen, Gewalt gegenüber religiösen Minderheiten oder Beschlagnahme privaten Eigentums an Grund und Boden. Dieses menschenrechtliche Engagement rückte Hadeer El-Mahdawy und andere Journalisten und in den Fokus von Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden. Im Jahr 2018 weigerte sich der Journalisten-Verband zunächst, ihr und weiteren unabhängigen Journalist*innen Presseausweise auszustellen. Erst nach gemeinsamen Protesten und einem Hungerstreik konnten sie diese am Sitz der Gewerkschaft erhalten.

In Ägypten müssen Reporter*innen mit Gewalt von Sicherheitskräften und Demonstranten rechnen, häufig werden sie von aufgebrachten Menschenmengen bedrängt. Willkürliche Festnahmen und Folter sind an der Tagesordnung. Selbstzensur ist verbreitet. Viele Medien ergreifen offen Partei für Armee und Regierung, nur wenige ägyptische Journalist*innen wagen Kritik.

Weitere Informationen zur Lage der Pressefreiheit in Ägypten finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/aegypten/

 

Feuchtwanger Fellows bisher:

 

1996/1997           Akinwumi Adesokan, Nigeria

1997/1998           Tin Tin Win, Burma

1998/1999           Kunle Ajibade, Nigeria

1999/2000           Zineb Laouedj, Algerien

2001/2002           Shahid Nadeem, Pakistan

2003/2004           Pierre Mujomba Mumbere, Kongo

2005                      Syl Cheney Coker, Sierra Leone

2006                      Zeynel Abidin Kizilyaprak, Türkei (Kurdistan)

2007                      Mary Ayubi, Afghanistan

2008                      Xu Xing, China

2009                      Galima Bukharbaeva, Usbekistan

2009                      Sanath Balasooriya, Sri Lanka

2010                      Christopher Mlalazi, Simbabwe

2011                       Amir Hassan Cheheltan, Iran

2012                      Hassouna Mosbahi, Tunesien

2013                      Sviatlana Kurs, Belarus/Polen

2014                      Pham Doan Trang, Vietnam

2015                      Yasmine Merei, Syrien

2016                      Diane Nininahazwe, Burundi

2017                      Alida Tota, Albanien

2018                     Onur Burcak Belli, Turkei/Syrien

2019                     Hadeer El-Mahdawy, Ägypten

 

 

Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. fördert als unabhängiger und parteipolitisch ungebundener Mittler der Bundesrepublik Deutschland den geistigen und kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika.

Der Verein vergibt Stipendien in den beiden Residenzen Villa Aurora und Thomas Mann House in Pacific Palisades, einem Stadtteil von Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien, und veranstaltet Kulturprogramme in den Vereinigten Staaten und in Deutschland. Er hält die Erinnerung an die europäische Exilgeschichte in Kalifornien wach, vermittelt ein zeitgemäßes, vielfältiges Deutschlandbild und ermöglicht ein gemeinsames Nachdenken über gesellschaftliche, kulturelle und politische Herausforderungen.

Der Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. wird vom Auswärtigen Amt und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. | www.vatmh.org

 







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