Rezension „ Kosovo Geschichte und Gegenwart eines Parastaates“ von Thomas Schmidinger


16.06.19
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Von Max Brym

Ein neues Buch unter dem Titel „ Kosovo-Geschichte und Gegenwart eines Parastaates“ ist im Verlag bahoe- books in Wien erschienen. Der Autor der linksstehende Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger lehrt an der Universität Wien, sowie an verschiedenen Fachhochschulen in Vorarlberg und Oberösterreich. Mit dem Buch zu Kosova ist

dem Autor ist ein ziemlich guter und lesenswerter Beitrag zur Geschichte und Gegenwart Kosovas gelungen. Das Buch hat eine historische Einleitung und räumt mit vielen Legenden und Mythen auf. Schon seit langer Zeit stellen die Albaner die Mehrheit der Bevölkerung dar. Schmidinger zitiert u.a. länger aus den Schriften von Leo Trotzki zu den Balkankriegen kurz vor Beginn des 1. Weltkrieges. Trotzki und andere Autoren beschrieben eindrucksvoll die Massenmorde welche damals von den serbischen Nationalisten und Tschetniks in Kosova begangen wurden. Der Autor berichtet auch breit über die großserbische Unterdrückung in Kosova in der Zwischenkriegszeit. Im Buch finden sich viele Beispiele für Maßnahmen, um in Kosova die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung zu verändern. Die serbische Kolonisierungspolitik wird nachgezeichnet. Bis hin zur Denkschrift von Prof. Dr. Vasa Cubrilovic „DIE VERTREIBUNG DER ALBANER Denkschrift, vorgelegt am 7 März 1937 in Belgrad“. Nach Cubrilovic reichte die Kolonialisierung Kosovas nicht aus, sondern die Albaner müssten systematisch vertrieben werden. Das hat der Autor sehr anschaulich einem deutschen Lesepublikum zugänglich gemacht.

Teile und herrsche


Nach der Besetzung Jugoslawiens 1941 versuchten die deutschen und italienischen Faschisten sich als „Befreiungsbesatzer“ aufzuspielen. Genau beschreibt der Autor wie die albanische Sprache legalisiert wurde und es plötzlich Schulen für Albaner in Kosova gab. Dadurch war der Widerstand in Kosova gegen den Faschismus im Vergleich zu Albanien anfangs relativ gering. Es gelang den Besatzern sogar eine SS Division Skanderbeg mit knapp 8.000 Mitgliedern aufzustellen. Viele faschistische Kollaborateure in Regierungsfunktionen wie Rexhep Mitrovica oder Xhaver Deva in Albanien kamen aus Kosova. Leider versäumt der Autor die Konferenz von Bujan im Gjakova Gebirge zum Jahresende 1943 zu erwähnen. Dort wurde den Albanern das Selbstbestimmungsrecht zugesichert wenn sie sich am antifaschistischen Widerstand beteiligten. Das Dokument u.a. unterschrieben von Fadil Hoxha und Miladin Popovic führte auch in Kosova zu einer starken Partisanentätigkeit. Gegen Ende des Krieges gab es in Kosova wesentlich mehr Partisanen als Kollaborateure.

Geschichte

Thomas Schmiedinger beschreibt die Benachteiligung der Albaner und Albanerinnen im alten „Tito Jugoslawien“. Er benennt zutreffend unterschiedliche Phasen dieser Unterdrückung. Von der Ära Rankovic bis hin zum autonomen Status Kosovas zwischen 1974 bis 1989. Ganz wesentlich ist für Schmiedinger, um den Konflikt zu verstehen, die Aufhebung der Autonomie Kosovas. In dem Buch wird besonders der Widerstand der Arbeiter in Trepca und generell der Arbeiterwiderstand gegen Milosevic gewürdigt. Die LDK wird korrekt als „ friedliche Partei“ der alten Funktionsträger des Regimes mit der Aushängefigur Rugova beschrieben. Für Schmidinger war die Gründung der UCK eine notwendige Folge der gescheiterten Politik von Rugova. Etwas zu einfach macht es sich der Autor mit der Orientierung der UCK. Nach Schmidinger war die UCK die „ erste Guerilla welche auf eine ausländische Intervention setzte.“ Das entspricht nicht ganz der Wahrheit. Der Kommandant Fehmi Ladrovci gab dem Sender BBC im Jahr 1996 ein Interview, indem er „ Europa eine alte Hure“ nannte. Auch Adem Demaci ( bis 1999 politischer Sprecher der UCK) und sein damaliger Sekretär Albin Kurti, wurden bewusst von der Konferenz in Rambouillet ferngehalten. Sie galten als eigenständige Köpfe. Statt dessen tauchte der bis dahin weitgehend unbekannte Hashim Thaci als Verhandlungsführer in Rambouillet auf. Wahr ist hingegen die Feststellung des Autors, dass bis 1999 der entschiedenste Widerstand von links her gegen Milosevic ( als Enverismus Anlehnung an Enver Hoxha) in Kosova kam.

Aktualität

Der Buchautor stellt immer wieder die UN Resolution 1244 welche Kosova als Bestandteil Jugoslawiens bis heute definiert zur Disposition. Der Autor ist gegen die ethnische Teilung Kosovas und für die gleichen Rechte aller Personen unabhängig von ihrer Nationalität. Er lehnt den Athisaari Plan welcher nach Schmidinger die „ethnische Teilung Kosovas vertieft“ ab. Mit guten Argumenten wendet er sich gegen die Instrumentalisierung der Serben in Kosova durch den serbischen Staat. Genau wird in dem Buch die faktische ethnische Teilung Kosovas am Beispiel Nord Kosova und der geteilten Stadt Mitrovica dargelegt. Der Autor beschreibt das Schicksal der Roma und anderer Minderheiten „um die sich keine staatliche Macht kümmert“

Schmidinger kritisiert EULEX und die UNMIK


Den internationalen Strukturen UNMIK und EULEX stellt Schmiedinger in dem Buch ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Teilweise betrachtet er diese Missionen als Teil des Problems. Die Ökonomie Kosovas wird nach Schmidinger von einer“ kriminellen Mafia“ welche oftmals identisch mit den politischen Funktionären ist beherrscht. Er beschreibt diese Mafia- Ökonomie als „ Weg zur Marktwirtschaft“ wie in vielen anderen Ländern Osteuropas. Dabei wird in dem Buch aufgezeigt wie „ gut sich die albanische Mafia mit der serbischen Mafia versteht“. Schmidinger benennt die Massenarmut in Kosova. Die Privatisierungswelle wird vom Autor kritisiert. Sie führte u.a dazu Kohlevorkommen, an die Firma eines ehemaligen NATO Generals zu verhökern. Als wirkliche Hoffnung für die breite Masse des Volkes benennt Schmidinger die „Bewegung für Selbstbestimmung“ VV und ihren „ charismatischen Anführer Albin Kurti“. Er meint dass nur durch eine durchgreifende Umwandlung der Strukturen wie sie im Programm von VV vorkommen „ die Lage zu meistern sei“. Ansonsten befürchtet der Autor die -hinwendung zur Türkei oder gar zum islamischen Fundamentalismus. Schmidinger zeichnet genau nach wie viel Geld religiöse und wahabitische Einrichtungen in Kosova investierten. Den islamischen Fundamentalismus benennt Schmidinger als Gefahr obwohl in Kosova die Islamisten um Ramiz Kelmendi nur 1% der Stimmen bei der letzten Wahl erhielten. Dennoch wenn die Lage sozial dermaßen desaströs bleibt ist das eine reale negative Option


Das Buch ist sehr lesenswert geschrieben und mit vielen Fakten unterlegt Unbedingt besorgen. http://www.bahoebooks.net/start_de.php?action=201&id=96








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