Rezension: Erinnerung- Ehrung- Leugnung

20.08.20
KulturKultur, Antifaschismus, TopNews 

 

Von Max Brym

Der in Miesbach lebende Autor Max van Beveren, hat ein wichtiges und interessantes Buch zur jüngsten deutschen Geschichte in Südbayern verfasst. Wie der Titel oben aussagt befasst sich der Autor mit der Erinnerungskultur im bayerischen Oberland. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erinnerungszeremonien bezüglich offen rechter und tödlicher Einheiten. Die Erinnerung an das mörderische „Freikorps Oberland“ ist dafür ein signifikantes Beispiel. Gedacht wird der mörderischen Truppe, seit der Zeit, nach dem 1. Weltkrieg in der Gemeinde Schliersee. Seit 1921 hielten dort offen faschistische Verbände unterschiedliche faschistische Vereine, aber auch die damals noch junge NSDAP, Gedenkfeiern für das Freikorps Oberland, am Weinberg in Schliersee ab. Gedacht wurde der verbrecherischen Tradition dieses Korps. Das Freikorbs Oberland spielte eine barbarische Rolle bei der Niederschlagung der Münchner Räterepublik. Im damaligen Oberschlesien tötete 1921 bei grausamen Gefechten, die Truppe viele einfache Menschen. Das Morden wird bis heute als heldenhafte Schlacht um den oberschlesischen Annaberg mystifiziert. Viele Fememorde gehörten einst zum Markenkern des Freikorbs. Natürlich wurde letzteres nach 1945 verschwiegen. Nach 1945 nahmen an den Gedenkfeierlichkeiten für das Freikorps Oberland neben Politikern aus der so genannten Mitte der Gesellschaft, Personen wie Schwester Pia (Ehrenmitglied der SS), sowie die sehr lange lebende Tochter von Heinrich Himmler teil. Erst 2005- 2006 mussten sich aufgrund der stärker werdenden Proteste, die Altvorderen und ihre jugendlichen Ableger andere zum Teil in der Nähe liegende Örtlichkeiten suchen. Das ändert aber nichts daran, dass an das Freikorps nach wie vor in Form von Gedenktafeln und Steinen in Schliersee erinnert wird.

In einem weiteren sehr wichtigen Kapitel macht der Autor des Buches deutlich, dass in oberbayerischen Gefilden Personen wie der in Nürnberg hingerichteten Kriegsverbrecher Generaloberst Alfred Jodl auf der Fraueninsel mitten im Chiemsee geehrt wird. Dort gibt es ein Familiengrab der Familie Jodl An der Grabstätte ist der Name des 1946 hingerichteten Kriegsverbrechers im Generalstab zentral platziert. Dies obwohl Jodl gar nicht in dem Grab liegt. Die Asche des Mörders wurde 1946 in die Isar geschüttet. Der Münchner Künstler Wolfram Kastner hat vor einiger Zeit mit roter Farbe darauf hingewiesen, an wen auf der Fraueninsel gedacht wird. Das Landgericht Traunstein verurteilte ihn zu 4000 € Geldstrafe. In der Gemeinde Tutzing gibt es eine Riesengrabstätte für den Antisemiten und eigentlichen Chef der obersten Heeresleitung im Ersten Weltkrieg General Erich Ludendorff. Es geht aber noch

weiter, in Tutzing, im Haus der Familie welche lange Zeit von seiner Ehefrau Mathilde Ludendorff bewohnt wurde ist bis heute eine Gedenktafel zu sehen und in dem Gebäude logiert bis zum heutigen Tag, der so genannte „Bund für Gottes Erkenntnis Mathilde Ludendorff“. Die esoterisch germanisch faschistische Vereinigung wurde von Mathilde Ludendorff selbst gegründet und geleitet.. Lange Zeit hatte der Verein mit antisemitischer Grundausrichtung den Status der Gemeinnützigkeit. Bis heute ist das Haus ein Treffpunkt rechter und rechtsextremistischer esoterische Kreise.

Von Mittenwald bis Albanien
Der Verfasser des Buches lässt uns nicht nur tief in die Geschichte, sowie in die bundesdeutsche Realität blicken, er war bezüglich seiner Recherche, was die deutschen Gebirgsjäger angeht, in Griechenland und Albanien unterwegs. Ganz offiziell wird jährlich an die „ruhmreichen Gebirgsjäger“ im malerischen Mittenwald erinnert. An den Gedenkveranstaltungen nehmen und nahmen hohe Offiziere und auch einstige Staatssekretäre aus dem Verteidigungsministerium, wie Peter Tauber teil. Völlig verschwiegen wird bei den Gedenkfeierlichkeiten, die Blutlinie welche die Gebirgsjäger speziell auf dem Balkan hinter sich herzogen. Konkret war der Autor in Griechenland und in Albanien unterwegs um Zeitzeugen der Verbrechen der Gebirgsjäger zu befragen. Im südalbanischen Korca interviewte der Autor Überlebende des Massakers welches zum Beispiel in der Gemeinde Borova stattfand. Die Zeitzeugin Pandora Ndoni überlebte als kleines Mädchen die Vernichtung ihres Dorfes und die Vernichtung ihrer gesamten Familie in Borova. Befragt wurde auch der Nachkomme einer getöteten Familie aus Borova Josif Minga. Herzergreifend ist das

Interview mit den beiden Personen im Buch. Genau ist nachzulesen wie die Gebirgsjäger wüteten. Die Gebirgsjäger standen damals im puncto Grausamkeit in den gebirgigen Regionen der SS um nichts nach. Ganze Dörfer

und Landstriche, Männer, Frauen und Kinder wurden durch die Gebirgsjäger auf die abscheulichste Art und Weise ermordet. Das störte die hohen Herren „Am -hohen Brendten-“ bei Mittenwald auf ihren jährlichen Gedenkfeiern nicht im geringsten. Es findet sich kein kritisches Wort über die Kriegsverbrechen dieser Truppen, speziell am Balkan. Seit Anfang dieses Jahrhunderts finden jedoch immer stärkere Protestaktionen gegen die Gedenkfeiern für die Gebirgsjäger statt. Der Autor nennt aber auch Beispiele wie einfache Soldaten damals Befehle verweigerten. Einige liefen von den Gebirgsjägern zu den antifaschistischen Partisanen über.

Fazit

Das Buch von Max van Beveren ist sehr nützlich, wichtig und gut geschrieben. Es klärt auf und beschreibt auch die Hintergründe, sowie die Entstehung der genannten Verbände. Auch über den heutigen Widerstand gegen das offizielle Erinnern findet sich viel in dem Buch Unbedingt lesen.

Max Brym

Bestellungen unter
https://www.bod.de/buchshop/erinnerung-ehrung-leugnung-max-van-beveren-9783751970488







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz