Neuerscheinungen Garten und Kulinarik

23.09.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Ivana Sanshia Ströde: Südafrika. Das Kochbuch, EMF; Igling 2020, ISBN: 978-3-96093-688-6, 30 EURO (D)

Die südafrikanische Küche spiegelt die bewegte Geschichte des Landes wider. Sie ist eine Mischung aus afrikanischen, europäischen, asiatischen und orientalischen Kochtraditionen, die im Laufe der Jahrhunderte zu einem einzigartigen, vielseitigen Stil verschmolzen sind. Deutsche Einwanderer führten Backwaren und Gebäck ein und verbreiteten Fleischprodukte wie die heute noch angesagte Boerewors (Bauernwurst).

Die in Südafrika geborene Ivana Sanshia Ströde stellt in diesem Buch die kulinarischen Köstlichkeiten Südafrikas vor. Sie erzählt Geschichten zu kulinarischen Traditionen und Entwicklungen von den Jägern und Sammlern der Khoi-San-Bevölkerung bis hin zu modernen Einflüssen und präsentiert 80 authentische Rezepte.

Zu Beginn des Buches präsentiert die Autorin eine kleine Geschichte der südafrikanischen Küche und ein südafrikanisches Wörterbuch mit kulinarischem Schwerpunkt.

Dann folgen die Rezepte: Los geht es mit Appetitanreger wie Mielies Bhajji (Maissnack) oder Salat-Wraps mit Garnelen und frittierter Avocado. Dann werden traditionelle Fleisch und Fischgerichte wie Biltong (südafrikanisches Trockenfleisch) oder Peri-Peri-Garnelen-Spieße vorgestellt. Das Grillen von Fleisch (Braai) über dem offenen Feuer ist ein wichtiger Bestandteil der Kultur und des gemeinsamen Essens. Typische Gerichte sind neben der oben schon erwähnten Boerewors sind Gemsbock-Filet in Rotweinsauce oder Masala-Steak-Gatsby (belegtes Brot mit Pommes und Steak). Weiter geht es mit Kreationen der Durban-Küche wie Hühnchen-Biryani oder Durban-Lamm-Curry.

Die Küche von Kap Malay ist eine Verschmelzung von Kochtraditionen malaysischer, indonesischer und ostafrikanischer Sklaven, die ab dem 17. Jahrhundert nach Kapstadt kamen. Deren Spezialitäten wie traditionelles Bobotie oder Curry-Bohnen vom Bo-Kaap kommen dann zur Sprache. Typische Beilagen wie Chakalaka (würziger Salat) oder Melonen-Salat mit Limette Anschließend geht es um Chutneys, Saucen, Atjars (Sauce aus Fruchtstücken) und Sambals (pikante, scharf gewürzte Salate). Dort kann man Mango-Atjar mit Curry, Sambal mit Tomaten und Zwiebeln, Koriander-Chutney mit Minze oder Relish mit Trauben und Tomaten entdecken. Dessert- und Gebäckkreationen wie Hertzoggies (Törtchen mit Kokosnuss-Meringue) oder Boeber (Milchpudding) folgen anschließend. Babalas (Getränke mit Alkohol) und die alkoholfreien Varianten wie Amarula-Rooibos-Tee oder Gemmerbier (Ingwerbier) runden die Rezepte ab.

Im Anhang findet man noch ein Register und Informationen über die Autorin.

Das Buch ist sehr kenntnisreich geschrieben mit vielen Hintergründen zur kulinarischen Kultur und Traditionen. Vor allem besticht es durch die vielen Farbbilder nicht nur der fertigen Rezepte, die Urlaubsgefühle und Impressionen der Länderküche wecken. Ein kulinarischer Reiseführer der stimmigen und gelungenen Art, einzig ein Literaturverzeichnis zum selbständigen Weiterlesen fehlt leider. 

Buch 2

Wolf-Dieter Storl: Einsichten und Weitblicke. Das Wolf-Dieter Storl Lesebuch, AT Verlag, Aarau/München 2020, ISBN: 978-3-03902-066-9, 25 EURO (D)

In diesem persönlich geschriebenen Buch berichtet Wolf-Dieter Storl von seinem Reisen durch die Welt und den vielfältigen Erfahrungen und Einsichten, die sich zwischen Mystik und Wissenschaft bewegen. Seine Studienreisen und ethnoreligiöse Feldforschung in Bangladesch, Burma, Thailand, China und Japan, Nordindien, Nepal oder bei indigenen Gruppen in den USA. Er stellt dar, wie verschiedene menschliche Kulturen in ihrer natürlichen Umwelt eingebettet sind: „Überall in jeder Kultur, zeigen Pflanzengeister, lichtverbundene Devas, Naturgeister, Elfen, Zwerge und Götter ihr Gesicht. Sie tun das jeweils auf anderer Art und Weise.“ (S. 10)

Seine ethnobotanischen Erforschung von für den Menschen wertvollen Pflanzen und Werkstoffen; aber auch der Ernährung, Gesundheit und anderen lebenswichtigen Bestandteilen des menschlichen Lebens in Bezug auf die Pflanzenwelt werden hier nochmals nacherlebbar.

Für Storl wohnen Kräutern und Pflanzen wohnen erstaunliche Kräfte inne, er führt den Leser  in dieses verborgene Wissen hinein. Als Nutz- oder Arzneipflanzen in der Pflanzenheilkunde und im Brauchtum erzählt er vom rituellen Einsatz der Pflanzen, aber auch von Tiere sowie den soziokulturellen Hintergrund der Benutzung. bei vorindustriellen indigenen Gruppen. In diesem Sinne ist das Buch ein ganzheitlicher Ratgeber.

Das Buch ist aber nicht nur eine Zusammenstellung seiner eigenen Weisheiten: Er setzt sich hier auch mit aktuellen Problemen wie dem Klimawandel und dem Sterben des Waldes auseinander.

Seine Ansicht, dass der Klimawandel ein natürlicher Vorgang sei, da sich die Natur ständig ändere, ist dagegen irreführend. Das menschliche Konsumverhalten, die Abholzung und die industrialisierte Landwirtschaft macht er zwar zu Recht als Indikatoren aus, aber dies sind nur einige unter vielen. Seine Lösungen, die Anlegung von Gärten, das Pflanzen von Bäumen und die Änderung des Konsumverhaltens Garten anlegen, reichen da nicht aus. Auch seine Kritik an Fridays for Future ist in wesentlichen Punkten unzutreffend.

Das Buch ist aber auch eine Art Lebensbericht und vielleicht sogar eine eigene Rückschau auf seine Forschungen und Einsichten, als fühle er, nicht mehr lange zu leben. Das Gefühl kommt auf, dass dies sein letztes längeres Buch ist.

Buch 3

Cihan Anadologlu: Bar Bibel, Callwey, München 2020, ISBN: 978-3-7667-2458-8, 20 EURO (D)

Dies ist eine etwas kürzere und kleinformatigere Version des Buches ebenfalls von Cihan Anadologlu im selben Verlag aus dem Jahre 2017. Anadologlu ist einer der bekanntesten Bartender in der BRD mit einer eigenen Bar in München, dem Hearthouse.

Zunächst wird eine kurze Geschichte des Cocktails erzählt und in einer Grafik beschrieben, um welche Uhrzeit welche Art von Cocktails am besten serviert werden. Es folgen die Rezepte der 200 besten klassischen Cocktail der Welt, die jeder gute Bartender beherrschen sollte. Sie sind zur besseren Orientierung in folgende Gruppen eingeteilt: Gin-Cocktails, Vodka-Cocktails, Whiskey-Cocktails, Tequila-Cocktails, Rum-Cocktails, Cognac- & Brandy-Cocktails, Sake- & Shochu-Cocktails, Pisco- &Cachaca-Cocktails, Champagner-Cocktails und Likör-Cocktails. Jede Sparte wird von einem kleinen Text eingeleitet.

Danach werden 50 Eigenkreationen auf zwei Seiten vorgestellt. Auf einer Seite gibt es eine persönliche Geschichte zum Cocktail, Hinweise zur Zutatenliste, Garnitur und der Art des Glases und Zubereitungsvorgang. Auf der anderen Seite findet man ein Bild des fertigen Cocktails. Präsentiert werden zum Beispiel No red, go ahead, ein fruchtiger und aromatischer Cocktail, Like a Zombie, ein süffiger Cocktail für den Sommer oder Carrot in Kentucky, eine moderne Variante eines Old Fashioned Cocktails.

Anschließend werden verschiedene Food & Cocktail-Pairings behandelt, die Cocktails stammen von Anadologlu und die Speisen von Chefkoch des Hearthouses, Florian Gürster. Es folgen noch Auskünfte über selbst hergestellte Zutaten wie Säfte, Sirups oder Espumas, zur richtigen Ausstattung einer Bar und die einzelnen Arbeitsabläufe beim Mixen eines Cocktails. Im Anhang findet man noch ein Register, ein Literaturverzeichnis fehlt.

In diesem Buch gibt Anadologlu erstmals Einblick in seine Arbeit und präsentiert eigene Cocktail-Kreationen, von der sowohl Anfänger als auch Profis lernen können. Die Schrift ist an manchen Stellen auch zu klein gewählt und daher schwer lesbar, dafür ist dieses Format handlicher und kostengünstiger als die Version von 2017.

Buch 4

Annette Holländer: Mein Biogemüse Garten. Anbau und Vermehrung samenfester Sorten. Das Standardwerk, EMF, Igling 2018, ISBN: 978-3-86355-883-3, 25 EURO (D)

Der Trend, sein eigenes Gemüse anzubauen und frische und gesunde Lebensmittel als Selbstversorger zu ernten, zeigt sich am anhaltenden Interesse am biologischen Gärtnern. Die Expertin Annette Holländer geht in diesem Buch speziell auf den biologischen Anbau und die Vermehrung von samenfreien Gemüsesorten ein. Der drohende Verlust der Kulturpflanzenvielfalt verursacht durch die industrielle Landwirtschaft und die Verwendung organischer Dünger sind dabei Schwerpunkte.

Das Buch ist in drei Teilbereiche gegliedert. Im ersten geht es um das Grundlagenwissen für den Garten. Dabei werden die Ziele des biologisch landwirtschaftlichen Gartens, Humus und Bodenfruchtbarkeit, Bodentypen und ihre Besonderheiten und die Erhaltung und Vermehrung gesunden Gemüses vorgestellt.

Der zweite Teil dreht sich um die Gartenpraxis. Dort geht es um die richtige Ausstattung für die Bodenbearbeitung, Aussaat, Vorkultur und Pflanzung, die Planung eines individuellen Gemüsegartens auch auf Balkon oder Terrasse, die Elemente der Aussaat und Anzucht, verschiedene Methoden der organischen Düngung, Mischkultur und Düngung, die Förderung von Nützlingen, Pflanzenkrankheiten, Pilze, Viren und Bakterien sowie die Ernte im Zyklus der Jahreszeiten und die Geflügelhaltung im Garten.

Der dritte Teilbereich mit den Porträts der einzelnen Sorten nimmt den Hauptteil des Buches ein. Dies geschieht nach folgender Systematik: Herkunft und Wissenswertes, Anbau (Standort, Aussaat und Kultur), Ernte, Vermehrung, manchmal ein Rezept. In der Rubrik „Auf einen Blick“ werden Informationen über Aussaat, Keimdauer, Keimtemperatur und Ernte kurz zusammengefasst.

Im opulenten Anhang findet man noch Bezugsquellen, Literatur, Register und Informationen über die Autorin.

Das Buch zeichnet sich durch genaue Anleitungen zum Anbau und eine Sortenvielfalt aus, was die Experimentierfreude beim Gärtnern weckt. Das Buch ist verständlich geschrieben und bietet auch Neueinsteigern eine fundierte Grundlage des Biogärtnerns. Die Lust zur Selbstversorgung und deren Vorteile werden praxisnah beschrieben, vieles aus dem Erfahrungsschatz der Autorin lässt sich übernehmen. 

Buch 5

Doris Kern: Aromatischer Wald. Selbstgemachtes aus den Schätzen der Natur, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2020, ISBN: 978-3-7025-0989-7, 22 EURO (D)

Doris Kern veröffentlicht auf ihrem Blog „Mit Liebe gemacht“ Rezepte und Anleitungen rund um das Thema Natur. Dieses Buch präsentiert eine Fülle an Ideen, wie man aus den Früchten heimischer Bäume und aus Waldpflanzen Produkte für unsere Gesundheit und unsere Körperpflege herstellen, aber auch schmackhafte Speisen zubereiten kann. Es gibt über 80 Rezepte für den kulinarischen Genuss und über 80 Rezepte für Körper und Seele aus Nadeln, Rinden, Blättern und Früchten verschiedener Bäume und Waldpflanzen. Darüber hinaus bringen Anleitungen für natürliche Dekorationen die Kraft des Waldes ins Zuhause.

Die besten Zeitpunkte zu allen Jahreszeiten für die nachher vorgestellten Bäume und Waldpflanzen werden in einem Sammelkalender quer durch das Jahr vorgestellt.

Danach werden die Bäume und Wildpflanzen in eigenen Kapiteln präsentiert. Zunächst werden in einem einleitenden Text traditionelle Bräuche, Mythen, biologisches und ökologisches Wissen und symbolisches Ansehen vermittelt. Danach folgen die verschiedenen Rezepte für den kulinarischen Genuss und für Körper und Seele.

So kann man von der Birke Birkenblätteröl zur Körperpflege oder Birkenblättertee für die Frühjahrkur nutzen. Herbfruchtiger Vogelbeer-Apfel-Sirup und Aperitif oder Pralinen aus Vogelbeeren lassen sich aus der Eberesche herstellen. Heilende Eichenrindeauflage oder ein Spicy Eichel-Caffe-Latte lassen sich aus Produkten der Eiche machen, die Fichte bietet die Herstellung von Fichtenwipfellikör oder Fichtenpech. Der Schwarze Holunder kann für Apfel-Holunderbeeren-Punsch oder Holundersprudel genutzt werden, die Kiefer für Saunaaufgüsse oder einen Geschenkanhänger aus Kiefernadeln.

Die Mistel ist für Tees oder eine Mistelsalbe geeignet, die Tanne bietet ein Nadelölbad oder Hustenbonbons mit Tannennadeln. Eine Tinktur oder ein Duschgel lässt sich aus der Wacholder herstellen, aus der Walnuss man ein Anti-Mücken-Spray oder Likör gewinnen. Als vegane Wolle für Kräuterkissen oder für Tee kann die Weide genutzt werden. Der Weißdorn als Antistressmittel oder als Essig für die Kopfhaut. Aus der Zirbe lässt sich Honig oder Raumduft herstellen. Der Waldboden bietet die Fertigung von Steinpilz-Butter oder Preiselbeersaft.

In Japan zählt das Waldbaden längst zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge: Die Einladung, in den Wald zu gehen, die Natur auf sich wirken zu lassen, nicht zu denken und die Ruhe und Unaufgeregtheit der Natur zu genießen ist eine Therapie für Körper und Geist. Dies wird danach beschrieben.

Im Anhang findet man noch ein Glossar, einen Index, weitere Literatur, einen Bildnachweis, Informationen und Bezugsquellen sowie Informationen über die Autorin.  

Was überrascht, sind die vielfältigen Anwendungsbereiche von Bäumen oder Waldpflanzen für die eigene Gesundheit und für die Ernährung. Hier finden Menschen, die nachhaltig von und mit der Natur leben wollen, zahlreiche Anregungen und Rezepte, die mit etwas Übung leicht umgesetzt werden können. Von dem großen Erfahrungsschatz der Autorin kann man sicher lernen. Wie man Pflanzenwasser für sich nutzen kann, wird leider nicht erwähnt.

 







<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz