Heisszeit-Rebellion für das Leben 3

24.09.20
KulturKultur, Umwelt, TopNews 

 

Songtexte und Gedichte zum Globalen Klimastreik

von Jürgen Tallig

Rouge ou Noir, Dunkelheit, Heiß, Prolog zur Tragödie, Utopia, nur Dialektik, Dann, Nichts war genug

…Die Wüsten wachsen außen wie innen. Wir führen einen Zweifrontenkrieg gegen das Leben und sind dabei ihn zu gewinnen…

Rouge ou Noir

Die Wüsten wachsen

außen wie innen

Wir führen einen Zweifrontenkrieg

gegen das Leben

Und sind dabei ihn zu gewinnen.

Aus Paradiesen werden Höllen

Wir verdursten über unerschöpflichen Quellen

und wissen nicht mehr was wahr ist

und was war       

Die Sonne, das Leben, die Liebe

Sind unerschöpflich

und wunder- und erneuerbar.

Wir haben die Wahl:

Leben oder Tod

Kopf oder Zahl

Schwarz oder Rot 

Rouge ou Noir.

 

Jürgen Tallig 2017

 

Dunkelheit

 

Der Erleuchtete erscheint manchmal düster.

Verdunkelnd das Glitzern der Welt,

Erhellt er Dunkles,

verschlingende Tiefen der Nacht

macht drohende Abgründe sichtbar,

Erleuchtet die Finsternis

Verdunkelt das Blendwerk der Macht

Dass noch sehend werde

Wer verblendet ist und blind

zeigt Wege zum rettenden Ufer,

dass die Narrenschar wieder nach Hause find.

Refrain:

Laut und glitzernd fährt die Zeit

Taub und blind in die Dunkelheit.

Verblendet und zu allem bereit.

 

Hell erleuchtet fährt unsre Titanic,

volle Kraft voraus immer weiter hinaus

längst ist kein Land mehr in Sicht

die Maschinen laufen heiß

am Steuerrad da kichert der Tod

dieser Kurs hat seinen Preis.

Durch die Sanduhr rieselt das Leben

Man heizt mit gestundeter Zeit

und mit Geld 

Es wird keine Wiederkehr geben

es geht weiter als weit

es geht bis ans Ende der Welt.

 

Keiner der sieht und keiner der hört,

das Brechen von Eisen und Eis

von Herzen und von Knochen,

es flattert voraus das blaue Band

der Sieg ist uns versprochen.

Man tanzt und lacht

Laut klingen Gläser und Musik

durch die Nacht,

übertönen die Schreie.

 

Laut und glitzernd fährt die Zeit

Taub und blind viel zu weit

Am Ende der Reise ist Dunkelheit

Keiner mehr sieht

keiner mehr hört

dass niemand mehr schreit.

 

Jürgen Tallig    2017

 

Heiß

Ich bin heiß, du bist heiß

Wir sind heiß

Es rinnt der Schweiß

Bei unserm heißen Tanz

Auf dünnem Eis

Wir bringen die Welt aus der Balance

Überkommt uns die Hitze

Entflammt die Glut

Wir schmelzen das Eis

Denn der Preis ist heiß

Wir wollen den Drachen reiten

Es kommen heiße Zeiten.

 

Refrain:

Ich bin heiß, du bist heiß

Wir sind heiß

Es rinnt der Schweiß

Bei unserm heißen Tanz

Auf dünnem Eis

Der Preis ist heiß.

 

Wir leben auf Kredit

Bei unserm heißen Ritt

Geht es um die ganze Welt

Mit geborgtem Geld

Unser Tanz ist mächtig laut

Doch es gewinnt nur, wer sich traut

Mal eben Fliegen

Schnell noch was kriegen

Schnell noch mal siegen

Es zählt das hier und jetzt allein

Etwas mehr kann’s schon noch sein.

 

Wasser und Eis werden knapp

Doch wir machen nicht schlapp

Wir sind heiß auf den Sieg

Wir haben Spaß, gib noch mal Gas

Lass die Motoren heulen

Und verlier nicht die Balance

Bei unserm heißen Tanz

Wir sind so heiß auf den Preis

Deshalb  rinnt  der Schweiß

Der Preis ist heiß.

Wir drehen uns viel zu schnell

In unserm goldenen Kettenkarussell

Das kommt nie mehr zum stehen

Es muss sich immer weiter drehen

Wir werden uns selbst überrunden

Uns ist schon schwindlig und es läuft heiß

Doch der Preis ist heiß.

Lasst uns nochmal alles geben

Wir gewinnen mit etwas Glück

und starten dann von der Poolposition

zu einmal Hölle und zurück.

 

Der Preis für den Sieg

ist nicht nur heiß, er ist auch hoch

 denn er kostet das Leben

 er  wird nur einmal vergeben.

Wir sind so heiß, dass die Welt verbrennt

Wenn wir nach ihr fassen

Überkommt sie die Hitze

Entflammt die Glut

Sie kann es nicht mehr lassen

Die Erde  wird immer heißer

Verbrennt alle Wälder, schmilzt alles Eis

Die Erde wird heiß, das ist der Preis!

Wir wollten den Drachen reiten

Nun kommen heiße Zeiten.

Wird uns die Sache endlich zu heiß

Dann zahlen wir schon den vollen Preis

ist die Erde längst außer Rand und Band

Dann haben wir uns ein letztes Mal

die Finger verbrannt.

Lernen kann, wer Schmerzen kennt

Vom Feuer das im Herzen brennt,

wir waren innen kalt wie Eis,

nicht heiß

nun ist es vorbei:

Feuer frei!

 

Ich bin heiß…

 

Jürgen Tallig    X- 2017

 

Prolog zur Tragödie „Nemesis. Das Jüngste Gericht“

 

Wir zeigen das eigentliche Drama unserer Zeit

was Erde und Menschheit entzweit.

Es geht auf Leben und Tod,

um Macht und Reichtum,

trotz Meeresfluten und Hungersnot

es geht um Muttermord, den vergifteten Vater,

das ganze große Welttheater,

den erschlagenen Sohn, den verhungerten Bruder,

um die Tochter, dieses Luder

das getötete, noch ungeborene Kind,

-alle Missetaten hier versammelt sind.

Nemesis ist die Tragödie der Gerechtigkeit,

das große Versagen unserer Zeit,

der Konflikt zwischen heute und morgen

Norden und Süden, Schwarzen und Roten,

hier spielen die Lebenden gegen die Toten.

Das hier ist der letzte Akt

der menschlichen Tragödie

die Menschheit ist aus dem Takt

und der Erde ist längst alles zu viel

Hier ist die Wahrheit,

die Welt torkelt ins Ziel

Es ist ein wahres Trauerspiel.

Bald werden die Helden ruhn,

denn sie wissen nicht was sie tun.

Die Welt geht in`n Arsch

Und wir sind dabei gewesen

doch kaum einer hat`s gemerkt,

man konnte es manchmal in der Zeitung lesen.

Doch hier im Saale

erfährt man die Wahrheit

völlig ungeschminkt, blutig und nackt,

drum  Vorhang auf zum globalen Finale,

zwischen Erde und Anthropozän.

Das ist die letzte Vorstellung

Das muss man sehn.

Das kommt nicht wieder

Das ist einmalig, unwiederbringlich,

die letzte Chance vorm Untergehn

Der Mensch meint, er habe gewonnen

ohne die Regeln des Spiels  zu verstehn.

Er meint, er schreibe jetzt Erdgeschichte,

ohne die Zeichen an den Wänden zu sehn

Gewogen und zu schwer befunden.

„Mene Tekel  Upharsin“

So geht die verbliebene Zeit und das Leben dahin 

Der Mensch und noch so allerlei

Verschwindet von der Erde Angesicht,

bald ist es mit der Herrlichkeit vorbei.

Nur ein Gott kann uns noch retten

Ein erleuchtendes Licht

Wir brauchen eine neue Erde

Gerechtigkeit, das Jüngste Gericht.

 

Jürgen Tallig       2018

 

Utopia

oder ins Offene gehet eine Sehnsucht

(Erinnerung an eine Revolution, 1989 und 2019)

 

War es ein Traum, den ich träumte

war nicht längst alles zu spät,

waren nicht Schaum unsre Nächte und  Tage

war nicht das Gold des Sommers,

der Glanz in den Augen

längst schon vom Herbstwind verweht?

 

War es ein Traum, den wir träumten

in jenen letzten Tagen

als es zum Träumen längst zu spät

als es zu spät war, die Wahrheit zu sagen

war der Weg schon zu Ende

bevor wir ihn gegangen sind

die überwundene Mauer

war der Eingang ins Labyrinth.

 

Doch wir haben das Ziel gesehen

wir behalten es im Blick

wir schaun vorwärts beim Rückwärtsgehen

wo ist die Zukunft, wer kann sie sehn…

Vorwärts Genossen, wir müssen zurück!

 

Was war dieser Wind in den Straßen

diese Bewegung, dieser Gesang?

Wir haben das Ziel noch vor Augen

wie einst, bevor es begann,

-da ist eine ungestillte Sehnsucht

die ins Offne gehet

nach irgendwo und irgendwann…

 

Jürgen Tallig  1990/2019 

 

nur dialektik

 

kalk rieselt aus wänden

und nickenden köpfen,

beim vorwärtsgehn

fallen die fassaden stückchenweise,

gib acht wenn du anklopfst!

die gestrigen leichen,

scheintot nur

oder längst nachgezogen

öffnen die türen ins morgen,

unentbehrlich und immer schon da.

es ist zum gruseln

und nur dialektik:

zurück um vorwärts zu kommen

die spirale

als achterbahn zu denken ...

einige begreifen es nie!

 die ewig morgigen können heute schwer leben.

 

J.Tallig 88

 

Dann

 

Warten. daß etwas beginnt.

warten. daß etwas vergeht.

Zeit. die sanft verrinnt.

plötzlich ist es schon spät.

 

Immer zu einem Ende,

zu einem Anfang hin.

Immer steile Wände.

und MORGEN der Beginn.

 

Dann wird alles ganz anders,

dann mach ich alles wahr,

dann bin ich endlich ich selber.

dann leb ich ganz unmittelbar.

 

Dann wird alles ganz anders

Dann wird alles gut

Denn was lange währt

Das wird endlich Wut!

 

Dann werd ich ganz intensiv,

dann mach ich mich endlich frei

Bloß noch etwas Geduld

?dann ist das Leben vorbei.

 

Jürgen Tallig 1986/2017

 

Nichts war genug

 

Wir hatten nichts

doch das war so viel wert

Nichts war uns genug

wir lebten völlig unbeschwert

so leicht, als könnten wir fliegen.

 

Wir hatten so wenig

doch davon genug

es war genug, um zu lieben

wir fühlten uns gut

wir waren so leicht

uns war, als könnten wir fliegen.

 

Nichts war uns genug

wir wollten alles

und das sofort

Wissen und Leben und Lieben

wir waren voll Kraft

wir waren so leicht

uns war, als könnten wir fliegen.

 

Der Tisch war selten reichlich gedeckt

doch stets mit Liebe

und da wir Hunger hatten

hat alles herrlich geschmeckt

es ist nie etwas übrig geblieben

wir waren so leicht

uns war, als könnten wir fliegen.

 

Es schmeckte anders, das Leben

damals, vor dem großen Fressen,

das war noch ein Nehmen und Geben,

das haben wir nicht vergessen.

Es wurde Unmögliches aufgetrieben 

wir waren so leicht

uns war, als könnten wir fliegen.

Es war alles so leicht,  wie ein Tanz

es war nie zu schwer und zuviel

Wir  waren  in der Balance

es war wie ein Spiel.

Nichts war uns genug

denn froh zu sein bedarf es wenig

leichten Herzens waren wir König.

 

Wir waren unbeschwert

von der Last der Zeit

von Sorgen um Sicherheit

indem wir uns die Freiheit nahmen

haben wir sie gegeben

wir hielten nichts allzu sehr  fest

so wurde es nicht zu schwer

so blieb es, - ein leichtes Leben.

 

Es war wie es war

unschuldig und unmittelbar

uns gehörte der Raum

zwischen Heute und Morgen

der war noch nicht besetzt

das war unser Reich der Freiheit

da waren wir noch und auch schon

im  Niemandsland, im Jetzt.

 

Uns gehörte die Zukunft

der Tag und die Nacht

wir waren das Neue, das erwacht

wir brannten völlig rückstandsfrei

wir  wurden und waren nicht satt

morgen würde wunderbar sein

und fand immer schon heute statt.

 

Nichts war genug

das war so viel wert

es war genug, um zu lieben

wir lebten völlig unbeschwert

wir waren so leicht,

uns war, als könnten wir fliegen.   

 

 







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