Neuerscheinungen Sachbücher

27.09.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Hedwig Richter: Demokratie. Eine deutsche Affäre. Vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart, C.H. Beck, München 2020, ISBN: 978-3-406-75479-1, 26,95 EURO (D)

Hedwig Richter, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr in München, beschreibt die Geschichte der Demokratie in Deutschland in den letzten Jahrhunderten bis heute. Es geht sich um das „normative Projekt der Demokratie, das sich mit der Moderne und in enger Verbindung mit Vorstellungen von Menschenwürde herausgebildet hat.“ (S. 10) Demokratie wird als Projekt von Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit gefasst. Es will auch den Veränderungen nachgehen und untersuchen, welche Geltung die Menschenwürde in sich wandelnden Zeiten hatte: „Denn Demokratie entwickelte sich nicht aus einer Idee, sondern aus einem ungeordneten Konglomerat an Ideen und Projekten, die sich oft genug widersprachen.“ (S. 11)

Sie erzählt dabei die Geschichte der Demokratie in einer nationalen Perspektive heraus: „Wie andere Nationen hat Deutschland seine ganz besondere Geschichte mit der Demokratie.“ (S. 11)

Dies geschieht in fünf Kapiteln. Im ersten Kapitel geht es um die Gleichheitsideen der Aufklärer, die Ächtung der Folter, der Französischen Revolution und seiner unmittelbaren Wirkung. Das zweite Kapitel behandeln die Skandalisierung der Armut und der Weg zu einer „Nation“. Massenpolitisierung, Forderungen nach sozialer Partizipation und Anfänge der Frauenbewegung folgen danach. Weiter geht es mit den demokratischen Aufbrüchen in der Zwischenkriegszeit und dem „Ende der Menschenwürde“ (S. 18) durch das NS-Regime. Das letzte Kapitel beinhaltet die Zeit nach dem 2. Weltkrieg mit positiven Entwicklungen wie die Weiterführung der Frauenemanzipation, verfassungsrechtlichen Menschenwürde und sozialstaatliche Fürsorge, aber auch die Zeit des drohenden Atomkrieges, Stellvertreterkriegen und Menschenrechtsverletzungen.

Dabei stellt sie zu Recht fest, dass „es keine gradlinige Geschichte, deren Ende feststeht. Ganz im Gegenteil. Die Affäre geht weiter. Die nächste Staffel folgt.“ (S. 18) Was auch notwendig ist: Erweiterungsmöglichkeiten der Demokratie in Form von mehr Formen direkter Demokratie.

Die repräsentative Demokratie ist nur eine von zahlreichen Varianten, muss nicht das Endprodukt sein. In der repräsentativen Demokratie werden die Vertreter nur einmal alle Jahre gewählt, dann fehlen wesentliche Einflussmöglichkeiten auf politische Entscheidungsprozesse. Die direkte Demokratie ist Garant für eine Einflussnahme des offiziellen Souveräns auf die Entscheidungsprozesse der parlamentarischen Regierung. Ohne sie sei es nicht realisierbar, dass an der Formulierung von Gesetzentwürfen mehr als nur das Wissen und die Interessen der dafür amtlich Zuständigen bzw. der daran kommerziell interessierten Personen beteiligt ist.

Mit der nationalen Perspektive nimmt Richter in Kauf, dass sich das Sichtfeld verengt, da demokratische Ideen grenzüberschreitend am besten zu fassen sind.

Buch 2

Jan Bürger: Zwischen Himmel und Elbe. Eine Hamburger Kulturgeschichte, C. H. Beck, München 2020, ISBN: 978-3-406-75814-0, 24 EURO (D)

Der gebürtige Hamburger Jan Bürger stellt in diesem Buch eine Kulturgeschichte der Moderne vor. In der Einleitung macht Bürger das Besondere der Stadt deutlich: Während andere Metropolen durch ihre politische Funktion Bedeutung gewannen, wuchs Hamburg allein durch den Handel. Durch die Bedeutung für den Welthandel wurde Hamburg früher als andere deutsche Städte zum Schmelztiegel der Lebensformen und Kultur. Der Große Brand 1842 legte große Teile der Stadt in Schutt und Asche. Das Hamburg der Gegenwart ist vor allem in den vergangenen 150 Jahren danach entstanden. Seit 1871 hat sich Hamburgs Einwohnerzahl mehr als verdreifacht.

Die hier vorgelegte Kulturgeschichte, in der die Künste und Literatur im Mittelpunkt stehen, ist subjektiv geschrieben ohne Anspruch auf Vollständigkeit: „Selbstverständlich ist die vorliegende Kulturgeschichte jener Stadt, in der der Verfasser aufgewachsen ist, in erster Linie ein Spiegel seines Wissens, seiner Interessen und Erfahrungen. Bei aller Vielfalt meiner Ausflüge ins Gedächtnis unserer Stadt werde ich mehr Anstöße geben als Resultate, mehr Erzählungen als Urteile.“ (S. 16)

Das Liniennetz des Hamburger Verkehrsverbundes dient dabei als Mind-Map. Jedes einzelne Kapitel geht von einer der bekannten Haltestellen der S- und U-Bahnen aus: „Geschichte wird also einmal nicht chronologisch erzählt, sondern im Raster der Topografie und damit stets von unserer Gegenwart her.“ (S. 17) Zur besseren Übersicht gibt es in der hinteren Umschlagseite eine aktuelle ÖPNV-Karte.

Zu verschiedenen Haltestellen gibt es eine oder mehrere Geschichten, insgesamt 32 an der Zahl.

So erzählt der Autor anhand der Grabstätte Klopstocks an der Ottensener Christianskirche das Leben des berühmten Lyrikers, die Gründung der Klopstock-Büsch-Lesegesellschaft 1770 im Zeichen der Aufklärung und Bildung und sein Vorbild für Heinrich Heine und Peter Rühmkorf.

Oder vom subkulturellen Leben auf St. Pauli, dem frühen interkulturellen Vergnügen in englischen, italienischen und skandinavischen Bars, dem Ballhaus Cheong Shing, dem Café Indra, wo auch die Beatles in ihren Anfangsjahren ihr erstes Konzert gaben, dem Kaiserkeller an der Großen Freiheit und dem Schmidt Theater am Spielbudenplatz.

Auch über Peter Rühmkorf in Övelgönne, was nicht verwundert, denn Bürger betreut den Nachlass des Schriftstellers. Rühmkorf gilt für ihn als ein Vertreter regionaler Literatur: „Wie kaum jemand vor ihm amalgamiert Rühmkorf die unterschiedlichsten Register der norddeutschen Literatur.“ (S. 264) Ausgehend davon berichtet er auch von der Gründung der linken Zeitschrift konkret, seine Redakteure, Zirkel und Bedeutung.

Im Anhang findet man noch die Anmerkungen, die benutzte Literatur, hundert Bücher zum Weiterlesen, den Bildnachweis und ein Namensregister.

Das Buch bietet interessante Einblicke mit einem Hauch Lokalpatriotismus in das moderne kulturelle Leben der Hansestadt. An einigen Stellen spannt der Autor den Bogen seines großen Wissens zu weit. Auch mehr Farbabbildungen von Gemälden bekannter Künstler hätten dem Buch gut getan, es sind nur einige wenige in der Mitte zu finden. Der Vorteil des Buches liegt darin, dass auch die reiche Subkultur einen würdigen Rahmen erhält. Neben einer Bereicherung zur Kulturgeschichte der Stadt kann das informative Buch auch als alternativer Stadtführer für Kulturtouristen gelten.

Buch 3

Lily King: Writers & Lovers. Roman, C. H. Beck, München 2020, ISBN. 978-3-406-75698-6, 24 EURO (D)

In ihrem neuen Roman geht es um die Protagonistin 31jähige Casey Peabody, die in Boston in den 1990er Jahren lebt. Sie hat einen skurrilen Charakter, zieht anscheinend das Unglück magisch an und findet trotz vieler Ungewissheiten und Rückschritte immer wieder den Mut und die Kraft, Krisen zu meistern.

Casey lebt in Boston in einem alten Blumenschuppen, der nach Schimmel und verfallenden Blättern riecht. Durch den plötzlichen Tod ihrer Mutter und das Ende einer Beziehung ist sie deprimiert. Sie erhält einen Rabatt auf ihre Miete, wenn sie mit dem Hund ihres Vermieters spazieren geht. Sie fährt jeden Tag mit einem alten Bananenrad, das sie auf einer Müllkippe gefunden hat, um als Kellnerin in einem Restaurant zu arbeiten. Sie hat immer noch Schulden vom College abzubezahlen und wird von Angehörigen von Inkassobüros bedrängt. Dies verschärft sich noch als ihre Krankenversicherung gekündigt wird. Halt gibt ihr das Schreiben an ihrem Roman, an dem sie schon seit sechs Jahren arbeitet. Sie lebt für ihren Traum, Autorin zu werden. Männer bringen ihre Gefühlswelt noch weiter durcheinander.

Dabei gibt es autobiografische Parallelen zwischen Casey und Lily King. Am Anfang ihrer Karriere hatte King ebenfalls finanzielle Schwierigkeiten und Probleme, Abnehmer für ihre Manuskripte zu finden. Neben ihrer eigenen Biographie flossen noch Bücher über die Anfangsjahre von erfolgreichen Schriftstellern, die King als Anregung las, mit in den Roman ein.

Ausflüge in die Phantasie oder die Vergangenheit gibt es immer wieder. Casey würde liebend gerne ihre verstorbene Mutter anrufen, um ihr von Dates mit Männern zu erzählen und ihren Rat einzuholen.

Casey verkörpert eher die Anti-Heldin, sie ist kein durchorganisierter und fertiger Charakter, keine Vorzeige-Business-Frau. Stattdessen hat sie einen eigenwilligen und komplexen Charakter, ist verletzlich und bisweilen orientierungslos. Indem Schwächen und innere Kämpfe von King intensiv beschrieben werden, wirkt Casey sympathisch und menschlich. Mit der Zeit lösen sich einige der Probleme in Luft auf, andere bleiben.

Es ist ein spannendes und intimes Drama einer Frau, die mit Schulden, der Liebe und dem Tod ihrer Mutter zu kämpfen hat. Der Leser kann die Weiterentwicklung ihres Charakters selbst nachvollziehen. Nicht aufzugeben lohnt sich also: eine der Botschaften des Romans. Bis dahin gibt es aber viele emotionale Achterbahnfahrten, die auch mit einer Prise Humor und Zynismus beschrieben werden.

 

Buch 4

Philip Norman: Jimi. Die Hendrix-Biografie, Piper, München 2020, ISBN: 978-3-492-05987-9, 24 EURO (D)

Jimi Hendrix war der vielleicht begnadetste Gitarrist aller Zeiten und wurde durch seinen frühen Tod zu einer Rock-Legende. In diesem Buch gibt Philip Norman neue Einblicke in das Leben und Wirken des legendären Stars, dessen verfrühtes Ableben als „sichere Eintrittskarte ins Rock-Walhalla“ gilt. (S. 13)

Die Biografie beschreibt alle Teilbereiche seines zu kurzen Lebens. Als Teenager hatte Hendrix hauptsächlich Blues- und Rock-’n’-Roll-Musiker wie Buddy Guy, Muddy Waters, B.B. King, Chuck Berry und Eddie Cochran als Vorbilder, und er coverte auch später deren Songs. In seinen Jahren als Gitarrist imitierte er nicht nur deren Musik, sondern entwickelte ihren Musikstil und ihre Spielweise weiter. Er prägte dadurch wesentlich die Spiel- und Ausdrucksweisen auf der Rock-Gitarre und demonstrierte insbesondere neue Soundmöglichkeiten und Spielweisen. Auf seine musikalischen Weggefährten jener Zeit wie die Beatles oder Stones, seine Freunde außerhalb der Musikbranche sowie seine Gönner und Förderer wird näher eingegangen. Außerdem wird sein Aufstieg als Begleitmusiker von Stars der damaligen Zeit bis hin zu seinen eigenen Songs und Solo-Auftritten mit einem Schwerpunkt auf legendären Festivals beschrieben. Der Autor geht detailliert auf die Tage und Stunden vor Hendrix 'Tod in London aufgrund einer Überdosis Schlaftabletten ein. Auch die Geschichte einiger Songs wird erzählt.

Seine Beziehungen zu Produzenten, anderen Musikern seiner Zeit, Bassist Noel Redding und Schlagzeuger Mitch Mitchell, Kathy Etchingham und Linda Keith werden ebenso ausgebreitet. Die bittere Zeit der „Rassentrennung“ mit Auswirkungen auf Auftritte und den Menschen Hendrix kommt ebenfalls zur Sprache, ein bislang unterschätzter Faktor in der Sekundärliteratur.

Hendrix‘ als Teil der „Ikonografie der Sechziger“ (S. 15) mit seinen spektakulären Bühnenauftritten und schriller Kleidung war nur die eine Seite des Menschen. Norman stellt dieser die gewöhnliche Seite entgegen, wo er einfach nur ein „netter Kerl von nebenan“ war. Als Sohn alkoholkranker Eltern geboren beschreibt ihn als einen von Armut betroffenen, schüchternen Jugendlichen mit musikalischem Talent, der erst mit  15 Jahren seine erste eigene Gitarre bekam und seitdem sie zu seinem besten Freund wurde. Auch als berühmter Musiker soll er außerhalb der Bühne ein freundlicher junger Mann gewesen sein ohne Attitüden.

Durch die Biografie schimmert immer Normans Begeisterung für Hendrix und seine Musik durch, was das Buch mitreißend macht. Indem er die andere Seite seines Charakters betont, gibt es tatsächlich neue Zugänge zu einem der meistdiskutierten Charaktere der Rockgeschichte. Die Musik als Ausgleich für eine intakte Familie zu sehen, ist dabei eher eine Vermutung oder Interpretation Normans, die nicht unbedingt zutreffen muss. Der spannende Text hätte auch mehr Wirkung erzielt, wenn mehr Farbillustrationen vor allem seiner Live-Acts zu sehen gewesen wären.

Buch 5

Mechthild Schroeter-Rupierer: Für immer anders. Das Hausbuch für Familien in Zeiten der Trauer und des Abschieds. Vollständig überarbeitete & neugestaltete Ausgabe, Patmos Verlag, Ostfildern 2020, ISBN: 978-3-8436-1267-8, 25 EURO (D)

Familien tun sich oft schwer, mit Verlust, Abschied und Tod umzugehen und gemeinsam einen Ausdruck dafür zu finden. Die Familientrauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupierer vermittelt in diesem Buch für Familien aus ihren eigenen Erfahrungen hilfreiches Wissen darüber, wie man damit präventiv, im Ernstfall und über den Verlust hinaus diese Krise bewältigen kann. In dieser zweiten Auflage sind ergänzende Erfahrungen der Autorin eingeflossen.

Im ersten Abschnitt geht es darum, wie man dem Tod begegnet. Dazu wird geschildert, wie man mit Kindern über Abschied, Tod und Vergänglichkeit ins Gespräch kommen, ihnen mit Hoffnungsbildern helfen kann. Passend für jede Altersstufe von unter vier Jahren bis zum Jugendlichen wird danach an vielen Beispielen, wie man Tod erklärt oder einen bevorstehenden Tod mitteilt. Verschiedene Trauerreaktionen von Kindern werden auch durchgegangen. Danach werden die notwendigen Schritte nach einem Todesfall von der Beantragung des Totenscheins bis zum Testament aufgelistet, es gibt Links zu möglichen Kosten und anderen Fragen. Verschiedene Rituale des Trauerns kommen dann zur Sprache und die Möglichkeiten, wenn ein persönlicher Abschied nicht funktioniert. Anschließend werden noch häufig auftretende Fragen rund um den Tod beantwortet.

Wann und wie spreche ich mit meinem Kind über einen bevorstehenden Tod?

Ab welchem Alter kann ich ein Kind mit zur Beerdigung nehmen?

Darf man selbst einen Sarg bemalen?

Wie können wir als Familie die Beerdigung mitgestalten?

Kann ich meinen Kindern zumuten, den Verstorbenen nochmal zu sehen?

Wie können Eltern ihren Kindern mitteilen, dass sie gemeinsam mit ihnen zur Aufbahrung gehen möchten?

Wie kann ich meinem Kind bei Glaubensfragen in der Trauer eine Hilfe sein?

Danach werden verschiedene Traueranlässe angesprochen und Tipps zur Bewältigung gegeben. Dies sind im Einzelnen Tod der Großeltern, Tod eines Geschwisterkindes, Tod eines Elternteils, Totgeburt eines Kindes, Tod durch Suizid, Tod eines Haustieres, Abschied bei einer Scheidung. Anschließend geht es um häufige Trauerreaktionen (Gedanken, Gefühle, Handlungen) bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und wichtige Aspekte, die die Trauerzeit positiv beeinflussen können. Es werden weiterhin für verschiedene Altersstufen gezeigt, wie Kinder ihre Trauer zeigen und Hinweise zur Trauerbegleitung gegeben. Auch der Austausch in Kinder- und Jugendtrauergruppen wird angesprochen. Danach wird aufgezeigt, wie man die eigene Widerstandsfähigkeit, Lebenskrisen wie Tod, Trennung und Trauer stärken kann. Aspekte der geschlechtsspezifischen Trauer und verschiedene Trauertypen runden diesen Abschnitt ab.

Danach gibt es Ideen und Anregungen, wie man lernt, mit der Trauer zu leben. Dies sind die Sammlung von Erinnerungen, Möglichkeiten, Feste im Jahreskreis, kirchliche und weltliche Feiertage in die Trauerzeit, miteinfließen zu lassen oder die Gestaltung von Gedenktagen. Worauf man bei einer neuen Partnerschaft achten sollte und wie Kinder darauf reagieren können, wird dann noch kurz angesprochen.

Im Anhang gibt es eine ausführliche Liste von Literaturhinweisen: Bilderbücher zum Thema Trauer und Abschied, Kindersachbücher zum Thema Trauer, zu den Themen Suizid und Scheidung für Kinder und Erwachsene, Bücher für trauernde Jugendliche, für Eltern und Filme.

Abgesehen vom zu kurzen Abschnitt über neue Partnerschaften bietet das Buch sehr gute Anregungen und Tipps vor allem für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Es ist weitgehend aus weltlicher Sicht und weniger aus religionsspezifischer Sicht geschrieben und schildert viele Beispielsfälle. Ärgerlich sind allein die durcheinandergewürfelten Seitenzahlen. Gut ist: Es besteht die Möglichkeit, via Facebook oder Mail die Autorin, bei Fragen oder Anregungen zu kontaktieren. Die Adressen findet man auf der letzten Seite des Nachwortes.

Buch 6

Ian Mortimer: Shakespeares Welt. So lebten, liebten und litten die Menschen im 16. Jahrhundert, Piper, München 2020, ISBN: 978-3-492-05943-5, 25 EURO (D)

In diesem Buch beschäftigt sich Ian Mortimer mit dem Leben und dem Alltag der Bevölkerung und auch der Krone unter der Herrschaft von Königin Elisabeth I, ein „goldenes Zeitalter“, wie es in der Rückschau genannt wird.

Es gibt damals so viele Details des Lebens, über die man sich heute wundert. Ian Mortimer stellt sie in seinen Zeitreisen über die Menschen, die Religion, das Aussehen einer typischen Stadt, die Art der sozialen Regeln, die man für die damalige Zeit erwarten sollte, die zeitgemäße Kleidung usw. vor und erläutert sie anhand von viel Hintergrundwissen über diese spannende Zeit und seine Vorläufer.

Mythen darüber, dass Wasser alle Arten von Krankheitserregern transportieren könne, die mühselige Wasserversorgung in der Bevölkerung, die Regeln von Badebetrieb, die Etikette der damaligen Zeit und die Art und Weise des Reisens werden zum Beispiel ausgebreitet. Unangenehm wird es dann, wenn sich Mortimer seitenlang über den Kot und der Einstellung der Menschen dazu. Dagegen sind die Ergüsse über die Erweiterung der Naturphilosophie durch Bacon oder die kartografischen oder ökologischen Erkenntnisse über Ozeane spannender zu lesen. Auch die Tatsache, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern von nur 28 in den frühen 1560er Jahren auf 41 in den frühen 1580er Jahren stieg, ist erwähnenswert. Musik ist überall zugegen: Die meisten Menschen spielen ein Instrument oder können wenigstens singen. In den Wirtshäusern ist der Dudelsack das gängigste Instrument. Das wird verbunden mit aller Sorte von Volkstänzen: der Soldatentanz, der Kindertanz, der Schottische Tanz oder der Heutanz. Ein großer Teil der höfischen Musik wird für Tänze komponiert. Die Religion prägte das Leben der meisten Menschen, von daher ist es nicht verwunderlich, wenn Mortimer auch darauf ausführlich eingeht.

Dies ist ein sehr informatives Sachbuch und ein schöner Rückblick auf die späten 1500er Jahre während der Herrschaft von Elisabeth I. in England. Dabei listet Mortimer nicht nur die Sitten und Bräuche auf, sondern erklärt vor allem, warum die Menschen sie hatten oder daran glaubten.

 







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