Kundgebung vor dem Refugee Protest Camp am 19.08.13

15.08.13
AntifaschismusAntifaschismus, Bewegungen, Sachsen-Anhalt, News 

 

von Refugee Protest Camp Bitterfeld

diesen Freitag wollen wir hier auf dem Platz (Walther-Rathenau-Straße/ An der grünen Lunge) vor dem Refugee Protest Camp in Bitterfeld eine Kundgebung veranstalten, um den Flüchtlingen hier eine etwas größere Plattform zu geben und etwas mehr Interesse für den Protest und seine Ziele in der Bitterfelder Bevölkerung zu wecken.

Bis jetzt gibt es leider immer noch nur sehr wenige Menschen, die hier stehen bleiben, und sich tatsächlich informieren und/oder uns unterstützen möchten (und nicht nur mit rassistischen Pöbeleien zu dienen haben). Dazu wollen wir am Freitag Nachmittag ab 14: 00 Uhr hier mit Redebeiträgen und Musik auf uns aufmerksam machen.

Die Flüchtlinge werden dabei von ihrer Situation und ihren Forderungen berichten. Das Ganze wird musikalisch begleitet werden (u.a. von Sayes aus Leipzig). Am gleichen Tag abends um 20:30 Uhr werden wir dann hier auch Open Air den Film „Residenzpflicht“ zeigen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr euch dafür ein paar Stunden Zeit nehmen könntet, um hier unsere Solidarität mit dem Kampf der Flüchtlinge zu zeigen, sie aktiv zu unterstützen, und diesen Platz hier ein wenig zu beleben.

Teilt die Info mit euren FreundInnen und Netzwerken, so dass wir hier zahlreich ein starkes Zeichen setzen können!

Bis Freitag dann hoffentlich!

Gegendarstellung zu den Stellungnahmen von Innenministerium und Landkreis vom 13.8.2013


In der Stellungnahme des Landkreises vom 13.8. 2013 hieß es u.a. „Die Gemeinschaftsunterkünfte in Friedersdorf und Marke befinden sich in einem normalen Zustand“, „Grundsätzliche Mängel wurden bisher nicht festgestellt“, „Regelmäßig gibt es Hygienekontrollen“.

Dazu möchten wir im Folgenden Stellung nehmen, indem wir uns konkret auf das Beispiel Friedersdorf beziehen. Ähnliche Zustände herrschen aber auch in Marke und anderen Gemeinschaftsunterkünften.

Uns stellt sich konkret die Frage, was denn unter „normalen Zuständen“ verstanden wird? Hier leben viele Menschen dicht gedrängt auf engstem Raum. Es gibt kleine Zimmer (ca. 15 qm) für 5 Personen. Die Menschen schlafen in Doppelstockbetten, es gibt einen Tisch, 5 Stühle, 1 kleiner Kühlschrank und 2 Schränke. Es bleibt kaum Platz, um sich auch nur um die eigene Achse zu drehen. In Friedersdorf gibt es 5 Duschen für ca. 100 Personen, von denen 2 ständig defekt sind. Es gibt 5 Toiletten, von denen 3 immer geschlossen sind. Die Privatsphäre ist gleich null. Es gibt Ameisen, Mäuse, Ratten und Kakerlaken. Das Gebäude wurde früher als reines Sommerferienlager genutzt, weswegen es keine Kälteisolierung gibt.

Das dünne Dach ist an vielen Stellen undicht, repariert wird nichts. Im Winter herrscht in den Räumen eine Temperatur von unter 8°C. Es gibt zwar Heizkörper, aber einige sind defekt, andere werden vom Hausmeister gar nicht oder nur nach mehrfachem Nachfragen (welches Ausmaße bis zu um Wärme betteln annehmen kann) eingeschaltet.

Auch die angesprochenen „regelmäßigen Kontrollen“ entsprechen nicht der Realität. Zwar gibt es tatsächlich Kontrollen, diese werden aber Wochen im Vorfeld angekündigt, genug Zeit für Heimleitung und Hausmeister verschiedene Räume ordnungsgemäß herzurichten. Teilweise werden dafür sogar Räume neu gestrichen, bzw. gefliest. Echte Wohnräume bekommen diese Kontrollen nicht zu Gesicht. Auch gibt es ein extra Bad, das normalerweise immer geschlossen ist und nur bei den Kontrollen geöffnet und vorgezeigt wird.

Die Kontrolleure schauen sich also nur diese wenigen extra vorbereiteten Zimmer an, und können dementsprechend gar keine realistische Angaben zu den Zuständen vor Ort machen. Wir fordern dementsprechend Landkreis und Innenministerium auf, unangekündigt hier vorbeizukommen, um sich persönlich ein Bild von den Lagern zu machen.

Aber nicht nur die „materiellen“ Zustände hier sind kritisierbar, auch der Einfluss der Gemeinschaftsunterkünfte auf die Psyche der Menschen, die hier leben, ist katastrophal. Nicht nur, dass es hier faktisch keine Privatsphäre gibt, auch die Isolierung von der Außenwelt (die meisten Lager befinden sich abgeschieden mitten im Wald, oft einige Kilometer vom nächsten Ort entfernt) macht vielen hier zu schaffen.

Öffentliche Verkehrsmittel fahren nur selten und unregelmäßig, nachts und am Wochenende gibt es oft gar keine Möglichkeit die Unterkunft zu erreichen oder zu verlassen. Der Kontakt zum Großteil der Bevölkerung bleibt unmöglich, stattdessen lebt man hier komplett isoliert, abgeschottet und wie in einer Blase, die vom Rest der Gesellschaft keine Beachtung findet. Da der Handy- und Internetempfang sehr schlecht ist, können die Menschen nicht einmal dadurch Kontakte pflegen oder aufbauen.

Außerdem haben Hausmeister und Heimleitung eine unglaubliche Machtposition gegenüber den Flüchtlingen. Diese wird leider viel zu oft auch ausgenutzt. So gibt es Fälle, wo der Hausmeister Post mit einem Negativ-Bescheid des Asylantrags (gegen den man nur 8,  bzw. 14 Tage nach Eingang Einspruch erheben kann) erst nach über einem Monat nach Zustellung dem Bewohner übergeben hat.

Aufgrund des schlechten, bis nicht vorhandenen Handyempfangs und oftmals sehr schlechten Deutschkenntnissen, muss der Hausmeister bei Notfällen kontaktiert werden, damit er die Polizei oder den Krankenwagen ruft. Nun passiert es leider viel zu häufig, dass der Hausmeister diese Machtposition ausnutzt, indem er entscheidet, ob ein Fall wirklich ein Notfall ist oder nicht. Dies geschieht ohne medizinische Vorkenntnisse und oft genug nach willkürlichen Maßstäben.

Die Flüchtlinge befinden sich also häufig da in der Position, dass sie um grundsätzliche Hilfe oder Unterstützung betteln müssen. Todesfälle in den Lagern (wie nun z.B. auch in Leipzig) zeigen, dass die Flüchtlinge oft genug nicht ernst genommen werden. Die meisten Angestellte der Gemeinschaftsunterkünfte sprechen auch nur Deutsch und sind in interkultureller Kommunikation überhaupt nicht geschult.

All diese Faktoren führen dazu, dass wir an unserer Forderung nach Abschaffung der Lager festhalten werden!

Wir sind der Meinung, dass die Wohnungen für 80 Menschen, nur eine sowieso notwendige Maßnahme des Landkreises für die, wie auch bestätigte, „vermehrte Zuweisung von Asylsuchenden“ ist, und keineswegs ein Zuspruch an unsere Forderung.

Wir fordern, die Verantwortlichen auf, jetzt zu handeln, mit uns in Diskussion zu treten und Wohnungen für alle Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen!
Kontakt: 0178-4556190


VON: REFUGEE PROTEST CAMP BITTERFELD






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