Ein IOC-Ehrenpräsident und der Franco-Faschismus

16.08.09
AntifaschismusAntifaschismus, Kultur, Internationales, TopNews 

 

Von Ak Tero

Pünktlich zu Beginn der Leichtathletik WM 2009 sorgte eine 35 Jahre alte schwarz-weiß Fotografie diese Woche in Großbritannien für Empörung und überschattete sogleich die Vorstand-Sitzung des internationalen Olympischen Komitees in Berlin.

Das 1974 entstandene Bild zeigt den langjährigen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch im Kreis älterer Damen und Herren während einer Jahresfeier in Spanien. Pikantes Detail: Die Feierlichkeiten stehen im Zusammenhang mit dem 38. Jahrestag des Militär-Putsches von General Franco im Jahr 1936, welcher zum spanischen Bürgerkrieg führte und drei Jahre später in einem faschistischen Regime mündete. Auch das der IOC-Sportfunktionär Samaranch auf der nun bekannt gewordenen Fotografie den Arm zum faschistischen Gruß erhob, dürfte nicht zur Erbauung des Olympischen Komitees beigetragen haben.

Das verräterische Bild erschien Anfang August in einer Ausgabe des „Sapiens-Magazin“, einer kleinen Zeitschrift mit historischer Themenpalette und sorgte prompt für Empörung. Kritiker forderten umgehend den Rücktritt von Juan Antonio Samaranch, dem derzeitigen Ehrenpräsidenten des „Internationalen Olympischen Komitees“ (IOC). Das faschistische Spanien unter der Franco-Diktatur sei nicht kompatibel mit den „demokratischen und brüderlichen Idealen des Sportes“, so einer der Vorwürfe. Die Überraschung über die nun bekannt gewordene Fotografie dürfte sich indes in Grenzen halten. Seit Jahren trifft der Umgang, des gebürtigen Spaniers mit der Zeit des spanischen Faschismus auf harsche Kritik. Als der „Generalisimo“ wie Francisco Franco von seinen Anhänger_innen huldvoll genannt wurde, im Jahr 1975 verstarb, machte Samaranch aus seiner Bewunderung für den Diktator kein Geheimnis. Dessen Regierungszeit bezeichnete das damaliges IOC-Mitglied als „längste Periode des Wohlstand und des Friedens in unserem Land seit Jahrhunderten“. Fünf Jahre später wurde Juan Antonio Samaranch dann zum 7. Präsidenten in der Geschichte des „Internationalen Olympischen Komitees“ gewählt. Entsprechende Qualifikationen sammelte er bereits in Spanien. Dort diente Samaranch als Sport-Staatssekretär und damit heimlicher Sportminister unter Franco. Filmsequenzen aus spanischen Archiven zeigen Samaranch 1954 in weißer Uniform der Falange, den faschistischen Parteigängern Francos.

Die Filmsequenzen wurden 1990 vom britischen Journalisten Andrew Jennings für ein Buchprojekt ans Licht geholt. Dessen Enthüllungen sorgten Anfang der 90er Jahre für sport-politische Turbulenzen. Auch die Fotografie, welche nun für Aufsehen sorgt, wurde von Jennings bereits 1992 erstmalig veröffentlicht. 1994 strebten dann mehrere IOC-Führungsfunktionäre eine Verleumdungsklage gegen Jennings und seinen Co-Autoren Vyv Simons an. In Lausanne, wo sich auch der Sitz des „Internationalen Olympischen Komitees befindet, entschied schließlich ein dubioses Polizeigericht zu Gunsten der Ankläger und verurteilte die beiden Journalisten zu jeweils fünf Tagen Haft auf drei Jahren Bewährung. Erst 1999 wurde das Urteil zu Gunsten Andrew Jennings revidiert. Zwei Jahre später schien dann die Ära Juan Antonio Samaranchs an der Spitze der wohl mächtigsten Sportorganisation der Welt beendet. Der durch öffentlichen Druck und Korruptionsaffären geschwächte IOC-Präsident verzichtete auf eine erneute Kandidatur um das höchste Amt des Olympiakonzerns.

Der aufgrund seines Führungsstils, von Kritikern als autokratischer Herrscher bezeichnete Samaranch stand 21 Jahre lang an der Spitze der Sportorganisation. Sein Name steht stellvertretend für eine zunehmende Kommerzialisierung der Olympischen Spiele. Still wurde es um den umtriebigen Sportfunktionär dennoch nicht. Nach seinem Ausscheiden berief das IOC ihren einstigen Spitzenmann sogleich zum Ehrenpräsidenten. Eine Funktion, die dem heute 89jährigen auch weiterhin Einfluss sicherte und ihn als machtvollen Strippenzieher hinter den Kulissen des IOCs erscheinen lassen. Samaranchs Wort hat Gewicht und seine personellen Empfehlungen lassen Karrieren entstehen und vergehen. So auch bei Thomas Bach, dem derzeitig stellvertretendem IOC-Vorsitzenden, dem Samaranch im letzten Jahr mehrfach als zukünftigen Präsidenten der Organisation ins Spiel brachte. Derzeit betreibt der IOC-Ehrenpräsident umfangreiche Lobbyarbeit für die Kandidatur Madrids als Austragungsstätte der Olympischen Spiele im Jahr 2016.

Die nun aufgetauchte Fotogafie des einst aktiven Faschisten Samaranch bricht alte Wunden auf. Bislang hält sich das IOC allerdings mit offiziellen Stellungnahmen zurück. Anders als Tony Strubell vor der Kampagne „Demokratie und Würde im Sport“. Gegenüber der englischen Times zeigte sich Strubell erzürnt. Seinen Ausführungen folgend habe das IOC während der 50er Jahre die faschistischen Diktaturen Hitlers und Mussolinis verurteilt, doch angesichts der Rolle Samaranchs in den Führungsgremien der Organisation habe das IOC „keinerlei Glaubwürdigkeit“ mehr. Tony Strubbel trifft damit einen wunden Punkt. Eine entsprechende Verurteilung des verbrecherischen Franco-Regimes durch das IOC sucht man in den Erklärungen des Olympiakonzerns vergebens. Das Ansehen und die Einflussspähre des umtriebigen Sportfunktionärs Samaranchs scheint hingegen ungebrochen. Erst im vergangenen Jahr bewilligten die Delegierten des IOC die Umbenennung des Olympischen Museums in Lausanne. Der neue Name lautet „Samaranch Museum“.

 Der Artikel wurde von der Seite der recherche-nord übernommen: www.recherche-nord.com







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