Kritik an der entpolitisierenden und unwissenschaftlichen Extremismusformel

05.01.12
AntifaschismusAntifaschismus, TopNews 

 

von Wolfgang Huste

Es ist aus meiner Sicht eine Frechheit, wenn nicht gar ein Verbrechen, mittels der Extremismusformel linkes, internationales, antifaschistisches und damit auch antirassistisches Engagement zu diskreditieren!

In den Konzentrationslagern der damaligen Nazis wurden bekanntlich auch (!) “Linke” im weitesten Sinne ermordet, in den Gefängnissen der Gestapo gefoltert, ins Exil genötigt usw.  Am 02. Mai 1933 wurden von den arbeiterfeindlichen (!) Nazis alle Gewerkschaftshäuser geschlossen und zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre zwangsweise in sogenannte “Schutzhaft” genommen (teilweise erhielten sie hohe Haftstrafen oder wurden gar ermordet, viele wurden ins Exil genötigt).

Schon vor 1956 duldete die BRD zahlreiche faschistische und faschistoide Gruppen/Organisationen. Die KPD wurde dagegen im selben Jahr verboten (und im selben Jahr wurde die Bundeswehr offiziell “geöffnet”). Einige KPD – Funktionäre, die sehr großes Glück im Unglück hatten, wurden von den Alliierten damals aus den KZs und den Gefängissen der Gestapo befreit- und kamen dann, unter der Regierung der “kalten Krieger”, wiederum – nur wegen ihrer politischen, antifaschistischen Gesinnung! – ins “Zuchthaus”, wie es damals in der BRD noch hieß, teilweise für viele Jahre!

Dagegen fand man noch bis tief in die 70er Jahre des vorherigen Jahrhunderts über Tausend hohe Staatsfunktionäre und Richter, die vormals Mitglied in der NSDAP waren. Der erste Nachkriegsgeheimdienst in Deutschland wurde von Reinhard Gehlen, einem ehemaligen NSDAP-Mitglied gegründet, der recht schnell wiederum zahlreiche ehemalige Nazis als enge Mitarbeiter um sich scharte. Und heute arbeitet der Verfassungsschutz nicht nur eng mit “kriminellen Elementen”, angeblich aus “taktischen Gründen”, zusammen, sondern es finden sich sogar in seinen eigenen Reihen Menschen, die mit den Nazis (aktuell mit der NSU -Terrorgruppe) “gemeinsame Sache” machten, angeblich(!) unwissentlich. Antikommunismus hat insbesondere in Deutschland eine lange Tradition, auch viele “AnhängerInnen”.

Antifaschismus dagegen leider nicht (da haben die pro kapitalistischen Medien, die konservativen Parteien, die “herrschenden Eliten”, in vielen Jahrzehnten “ganze Arbeit” geleistet). Die staatliche Aufgabe des Verfassungsschutzes ist es – sicherlich nicht nur aus meiner Sicht – primär gegen Kommunisten (und die man dafür hält), gegen Antifaschisten, Antikapitalisten und Antimilitaristen, entschieden, das heißt: rigide, vorzugehen.

Die sogenannte “Freiheitlich-demokratische – Grundordnung” wird im weitesten Sinne mit dem Kapitalismus, oftmals als “soziale Marktwirtschaft” verbrämt, verniedlicht, nahezu gleichgesetzt. Dagegen wurden und werden Menschen als “staatsfeindlich” diffamiert, die sozialistische Ziele verfolgen, eine sozialistische Demokratie anstreben, im Sinne der Formel: “Wir wollen nicht den Krümel vom Kuchen, auch nicht nur den Kuchen- sondern die gesamte Bäckerei (bildlich gesprochen). Wir wollen die “Bäckerei” (den Staat) unter eine demokratische, gesellschaftliche und selbstbestimmte Kontrolle der Produzenten (der “abhängig” Beschäftigten) bringen!”. 

Die herrschenden Eliten, die vielen Ackermänner, Zumwinckels und Sarrazins, verstehen unter Freiheit und Demokratie in der Regel was völlig anderes als ein Hartz IV- Bezieher, als eine alleinerziehende Mutter mit einem schlecht bezahlten Mini-Job, als ein verarmter Rentner, als ein Student, der Studiengebühren zahlen muß – aber keine reichen Eltern hat. Und es darf nicht sein, dass diejenigen, die zivilen, antifaschistischen Widerstand leisten, sich gegen Rassismus, Ausbeutung, Unterdrückung und entschieden gegen die allgemeine Umverteilung von “unten nach oben” wenden, mit ihren Peiningern, den “Rechtsextremen”, in den selben “Extremismustopf” geworfen werden. 

Das ist eine Beleidigung, auch eine Verhöhnung, wenn nicht gar ein Verbrechen gegenüber allen Menschen, die damals als Antifaschisten, als Linke, in den zahlreichen KZs und Gestapo-Gefängnissen durch deutsche Faschisten und Rassisten emordet wurden. Und nun müssen (?) wir wiederum miterleben, wie blind auf dem rechten Auge die “geheimen Dienste” und viele Richter oftmals noch immer, traditionell, sind.

Sorgen wir  gemeinsam dafür, dass es zukünftig anders und auch besser wird- in einem demokratischen, antifaschistischen und antirassistischen Sinne! “Wer gegenüber dem Bösen tolerant ist, ist selber böse!” sagte einmal Heinrich Böll und Rosa Luxemburg gab uns die Losung auf den Weg: “Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit!”.

wolfgang-huste-ahrweiler.de/2012/01/05/kritik-an-der-entpolitisierenden-extremismusformel-von-wolfgang-huste/

 

 

 

 


VON: WOLFGANG HUSTE






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