„Kampf der Kulturen“ in NRW?

11.05.12
AntifaschismusAntifaschismus, NRW, Köln, TopNews 

 

von Antifaschistische Koordination Köln & Umland (AKKU)

„Pro NRW“ inszeniert sich als Verteidiger des Abendlands

Die Auseinandersetzungen zwischen der Wahlkampftruppe der rechtspopulistischen Partei „Pro NRW“ und Gegendemonstranten aus dem salafistischen Umfeld haben in den vergangenen Tagen eben jene Schlagzeilen verursacht, die "Pro NRW“ mit ihren Aktionen hervorrufen wollte.

Seit Wochen schon hatten die Rechtspopulisten im Rahmen des NRW-Landtagwahlkampfs eine „Moscheentour“ angekündigt, die von der plumpen Provokation lebte. Dass sie mit dem Zeigen von Mohammed-Karikaturen in direkter räumlicher Nähe von Moscheen heftige Reaktionen auslösen würden, war keineswegs überraschend. Während sich auf der einen Seite die „Pros“ als die Verteidiger des "christlichen Abendlandes" gegen den Islam darstellen, machen sich auf der anderen Seite die Salafisten für die angebliche Verteidigung des Islams gegen die „Ungläubigen“ stark.

Beide Gruppen vertreten ein extrem reaktionäres Weltbild. Für Pro sind alle Menschen aus muslimisch geprägten Ländern schlichtweg rückständige Islamisten. Für die Salafisten sind alle Menschen, die nicht ihrer radikalen Auslegung des Islams folgen, minderwertige "Ungläubige". Anhand von ethnischen und/oder religiösen Zugehörigkeiten schreiben beide Strömungen Menschen bestimmte – zumeist negative – Eigenschaften zu. Sowohl der „Islam“ als auch der westliche Kulturraum werden als homogene Gebilde begriffen, die grundlegend verschieden seien. Dass es „Pro“ nicht darum geht, einzelne Strömungen des politischen Islamismus, etwa den Salafismus, zu kritisieren, zeigen ihre Aktivitäten der letzten Jahre, die sich pauschal gegen den Bau von Moscheen oder die vermeintliche „Überfremdung“ einzelner Viertel in nordrhein-westfälischen Städten richteten.

Die allgemeine Empörung über die Salafisten, die sich nun auch auf Regierungsseite breit macht, wird angesichts der Beziehungen zwischen Deutschland und Saudi-Arabien zur Farce. In Saudi-Arabien ist der Wahhabismus herrschende Staatsreligion – eine Strömung des Salafismus. Erst vor wenigen Monaten genehmigte die deutsche Regierung den Verkauf von deutschen Panzern an Saudi-Arabien. Hinderungsgründe waren damals weder die Tatsache, dass saudi-arabische Panzer im Frühjahr 2011 Aufstände im benachbarten Bahrain niederwalzten, noch dass das saudi-arabische Königreich Salafisten auch in Deutschland finanziert.

Thorsten Marten, Sprecher der „Antifaschistischen Koordination Köln und Umland“ (AKKU) zu den jüngsten Vorfällen: „Es ist selbstverständlich, dass wir als AntifaschistInnen nicht gemeinsam mit Anhängern reaktionärer Strömungen gegen Rechts demonstrieren - schon gar nicht mit religiösen Fundamentalisten wie den Salafisten. Allerdings gelten derzeit Menschen, die gegen „Pro“ auf die Straße gehen und optisch dem Bild eines Moslems entsprechen, pauschal als „Salafisten“. Platzverweise für  "muslimisch" aussehende Menschen, betende Muslime, die die Medien als Salafisten darstellen und eine erregte Diskussion über „hunderte von gewaltbereiten Salafisten“, die angeblich am 8. Mai nach Köln gekommen seien, können keine adäquate Antwort auf die rassistische Kulturkampf-Demagogie von „Pro“ sein.“


VON: ANTIFASCHISTISCHE KOORDINATION KÖLN & UMLAND (AKKU)






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