Freikorps und Faschismus-Rezension

14.04.22
AntifaschismusAntifaschismus, Kultur, TopNews 

 

Von Max Brym

Kürzlich erschien im Schmetterling Verlag das Buch“ Freikorps und Faschismus-Lexikon der Vernichtungskrieger“ von Klaus Gietinger und Norbert Kozichki. Das Lesen des Buches ist für jeden historisch interessierten ein absolutes Muss. Detailliert und genau wird die Blutlinie nachgezeichnet, vom imperialistischen Deutschland mit seinen Massakern in den Kolonien, über die Kriegsverbrechen in Belgien, im Ersten Weltkrieg hin zu den Freikorps, welche ab 1918 bis Anfang der Zwanzigerjahre, die soziale Aufstandsbewegung in Deutschland niederschlugen. Deutlich wird in dem Buch, welche Massaker die Freikorps unter dem Oberbefehl des Sozialdemokraten Gustav Noske, gegen den linkeren Teil der deutschen Arbeiterbewegung veranstalteten. Neben den von Noske abgesegneten Morden an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, wird deutlich gezeigt, dass Tausende von deutschen Arbeitern von den rund 200.000 Freikorpskämpfern getötet wurden. Es wird in die kollektive Erinnerung gerufen, dass unter dem „Kreuzbuben der Konterrevolution“ dem Hauptmann Waldemar Pabst (Chef der Karde Kavallerie Schützendivision) zum ersten Mal in deutschen Städten, beispielsweise im März 1920 in Berlin Artillerie und Flugzeuge gegen Arbeiter und Wohnviertel eingesetzt worden sind. Gustav Noske ging sogar so weit den vielen Freikorps zu erlauben, die sofortige Liquidierung von Menschen mit welche mit Waffen angetroffen wurden oder sonst wie verdächtig waren umgehend zu ermorden. Das ging weit über die alte deutsch- preußische Rechtsprechung hinaus. Es fanden nicht einmal mehr Kriegsgerichtsverfahren statt, es konnte einfach gemordet werden. Die Freikorps Truppen vergingen sich u.a. an den streikenden schlesischen Bergarbeitern im Frühjahr 1919, es ging gegen die Arbeiter in Berlin, gegen die Kämpfer der Roten Ruhrarmee welche sich im Rahmen des Widerstandes gegen den Kapp Putsch bildeten, sowie natürlich gegen die Kämpfer der Münchner Räterepublik ab April -Mai 1919. Es ist überhaupt kein Wunder, das wird besonders im Lexikonteil des Buches sehr deutlich, dass die Masse der späteren Vernichtungskrieger des NS-Regimes und die hohen Nazifunktionäre fast alle-nach Geburtsjahr geteilt- entweder eine Kombination aus Weltkriegs Barbarei beziehungsweise eine Freikorpstradition aufwiesen. Meist hatten sie sogar beides bis -auf die jüngeren Jahrgänge- welche um 1900 geboren wurden zu bieten. Es gab so gut wie keine Gauleiter des Naziregimes, welche nicht ihr tödliches Handwerk in den Freikorps erlernten. Nazistische Bestien wie Rudolf Höß, Martin Bormann und andere sozialisierten sich in den Freikorbs. In dem Buch wird deutlich, dass an der Bahre von Liebknecht und Luxemburg, die Wiege Adolf Hitlers stand. Es ist das Verdienst der Autoren nachgewiesen zu haben, wie sehr der Kampf gegen die deutsche Arbeiterbewegung von 1918 bis1921 letztendlich die faschistischen Kader formte. Dabei wird kurz auf die Bedeutung des Nibelungen Films von 1924 eingegangen, in dem die Hunnen gegen den tapferen Hagen von Tronje als de facto Untermenschen ankämpfen. Zitiert wird auch der Autor des Buches „In Stahlgewittern“ Ernst Jünger, mit seinem Motto: „Leben heißt töten“. Das umfangreiche Lexikon belegt nicht nur wie stark die Freikorps Kämpfer im NS.

Vernichtungskrieg tätig waren, sondern es zeigt anhand eines umfangreichen Personenregisters wie viele von ihnen auch nach 1945 wieder wichtige oder weniger wichtige Funktionen in der Bundesrepublik Deutschland einnahmen. Dazu ein kleineres Beispiel neben viel größeren Nachkriegs-Karieren: Der Autor dieser Zeilen lebte eine Zeit lang im Landkreis Mühldorf in Oberbayern. Das Lexikon führt den Namen Hans Gollwitzer auf. In Mühldorf am Inn gibt es bis heute eine Hans Gollwitzer Straße. Dieser 1896 geborene Mann war ab 1919 im größten antisemitischen Verband, dem "Deutsch- Völkischen Bund“, sowie im Freikorps Epp, nebenbei war er evangelischer Seelsorger. Im Jahr 1929 gründete er die NSDAP Ortsgruppe in Mühldorf. Zwischen 1933 und 35 war Gollwitzer im nationalsozialistischen „Evangelischen Pfarrer Bund“ zuständig für die Gleichschaltung der Evangelischen Kirche in Altbayern. Von 1933 bis 1945 war Gollwitzer Bürgermeister in der Kreisstadt Mühldorf am Inn. Aus anderen Quellen ist zu erfahren, dass

Gollwitzer der eigentliche Chefideologe der NS Bewegung im genannten Landkreis war. Er beriet den berüchtigten  NSDAP Kreisleiter von Mühldorf, den Mörder Fritz Schwägerl. Eigentlich war Gollwitzer der Spiritus Rector der Nazibewegung in dem genannten Gebiet. Nach 1945 wurde er kurzzeitig interniert und es wurde ihm die Ehrenbürgerwürde der Stadt Mühldorf entzogen. 1952 wurde Gollwitzer wieder zum Bürgermeister von Mühldorf am Inn gewählt. Das Amt hatte er für die Freien Wähler bis 1971 inne. Auch die Ehrenbürgerschaft von Gollwitzer wurde wiederhergestellt. Vor einigen Jahren lehnte der Stadtrat in Mühldorf mehrheitlich eine Umbenennung der Hans Gollwitzer Strasse ab. Viele solche Dinge sind in dem Buch nachzulesen oder man kann es örtlich durch das Lexikon konkretisieren. Das Namensregister zu erstellen muss eine Heidenarbeit und Recherche gewesen sein.

Bestellen und lesen überall erhältlich oder direkt beim Verlag

https://schmetterling-verlag.de/page-5_isbn-3-89657-044-7.htm








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