Der Fall Temme: die fehlenden Sekunden


Bildmontage: HF

19.05.17
AntifaschismusAntifaschismus, Köln, NRW 

 

Von Tribunal ‘NSU-Komplex auflösen’

Forensic Architecture präsentiert neue Ergebnisse zum ehemaligen Verfassungs­­schutzmitarbeiter Andreas Temme auf dem Tribunal

Heute wird das Tribunal bei den Betroffenen und den Familien der Opfer eine Schuld einlösen. Neue Beweismittel, die in dem NSU-Verfahren einen Raum hätten haben sollen, ihn dort aber nicht gefunden haben, bekommen ihn nun auf dem Tribunal.

Beauftragt durch das Tribunal, wird das an der Londoner Goldsmiths University ansässige Institut Forensic Architecture weitere Ergebnisse der von ihnen angestellten Untersuchung vorstellen. Untersucht wurde das Zeugnis des früheren Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme zu seiner Anwesenheit während des Mords an Halit Yozgat in Kassel am 6. April.

Seiner Untersuchung hat Forensic Architecture Computer Login Daten, Zeugenaussagen material- und raumbezogene Beweismittel, die öffentlich zugänglich sind, zugrunde gelegt. 

In dieser neuen Phase ihrer Untersuchung wird Forensic Architecture demonstrieren, warum das Szenario, dass Andreas Temme das Internetcafé bereits zum Tatzeitpunkt verlassen hatte, unmöglich ist. Über diese Möglichkeit wurde  u.a. von verschiedenen Politikern und den Medien spekuliert. Die 41 Sekunden, die dabei erwähnt werden, sind nun als mögliches Zeitfenster ausgeschlossen.

Mit dem Ausschluss aller anderen Geschehensabläufe ist es jetzt klar, dass Andreas Temme im Internetcafé zur Zeit des Mordes anwesend war und dass er entweder ein Zeuge des Mords oder aber selbst in den Mord involviert war.

 In seiner Rede zum Jahrestag des Todes seines Sohnes am 6. April 2016 sagte Ismail Yozgat:

"Ich selbst habe vor einem Jahr am Oberlandesgericht München bei Herrn Götzl und dem Senat beantragt, dass sie selbst sich das Internet-Café, in dem mein Sohn Halit ermordet wurde, vor Ort anschauen sollten. Sie sollten sich die örtlichen Gegebenheiten ansehen und dass die Rekonstruktionen mit der Realität nicht viel gemeinsam haben. Allerdings ist nun ein Jahr vergangen und es hat keine Vor-Ort-Besichtigung stattgefunden. Dies muss unbedingt nachgeholt werden.

Denn Temme lügt. Temme hat entweder meinen Sohn erschossen oder die Mörder gesehen. (...)

Sollte es keine Vor-Ort-Besichtigung geben und die Ungereimtheiten von dem damaligen Mitarbeiter des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz nicht aufgeklärt werden, weil der Senat Temme glaubt, ist für uns das gesprochene Urteil bei Beendigung des Prozesses vor Gericht nichtig.

Wir werden das Urteil nicht anerkennen. Ich wiederhole, der Verfassungsschützer der Regierung hat meinen Sohn entweder getötet oder hat die Mörder gesehen."

Der laute Klang der Schüsse, die Andreas Temme angibt, nicht gehört zu haben, werden jetzt auch vom juristischen Apparat nicht angehört. So wie die Zeugenaussagen - besonders die des Vaters - in den letzten elf Jahren nicht gehört wurden. So wie der Schalldämpfer der Tatwaffe, der ?eska-Pistole, die Lautstärke der Schüsse nicht wirklich unhörbar gemacht haben, wird der wahre Ablauf der Ereignisse schließlich gehört werden.

Das Tribunal fordert den Staat und die Öffentlichkeit auf, diese Schüsse zu hören.

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Tribunal ‘NSU-Komplex auflösen’ / Tribunal ‚Unraveling NSU-Complex‘

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