“Kapp Putsch“-Das Buch von Klaus Gietinger ist unverzichtbar

17.11.20
AntifaschismusAntifaschismus, Kultur, TopNews 

 

Rezension von Max Brym

Der Buchautor und Filmregisseur Klaus Gietinger ist sein unermüdlicher literarischer und filmischer Arbeiter. Sein im Schmetterling Verlag erschienenes Buch „Kapp Putsch“ ist für jeden der an der Geschichte der Arbeiterbewegung interessiert ist, eine unverzichtbare Lektüre. Der Autor gibt nicht die offiziell bekannte Geschichtsschreibung über den größten Streik in der deutschen Geschichte und die Abwehr eines reaktionären Putsches im März 1920 wieder, sondern er klärt auf, warum der Widerstand gegen die Putschisten nur bedingt erfolgreich war. Detailgetreue gleichzeitig leserlich schildert der Autor, wie sich die Arbeiter aus allen Parteien in Deutschland, am radikalstem im Ruhrgebiet und den dort starken Syndikalisten gegen den Putsch von Freikorpseinheiten und Teilen der Reichswehr spontan erhoben. Nichts ging mehr, die Putschisten in Berlin waren isoliert, ohne Wasser,ohne Elektrizität und ohne Kommunikationsmöglichkeiten. Nach fünf Tagen scheiterten die Putschisten der vorgeschobene Chef des Putsches Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp (Aufsichtsrat der Deutschen Bank) floh nach Schweden. Aber die Arbeiter speziell im Ruhrgebiet und in den industrialisierten Zonen Mitteldeutschlands wollten weitergehen. Es entstand eine „Rote Ruhr Armee“ denn die Arbeiter streiken nicht nur. Sie wollten der Reaktionen in Gesamtdeutschland eine entscheidende Niederlage beibringen. Das unterstützten die USPD und nach anfänglichem Zögern die KPD. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Carl Legien ( ADGB) forderte eine Arbeiterregierung aus SPD, USPD, KPD, sowie den Gewerkschaften. Die Arbeiter und ihre radikalen Parteien USPD, KPD, sowie die Syndikalisten, forderten die Entwaffnung sämtlicher Freikorpseinheiten, die Ersetzung der Armee durch bewaffnete Arbeiter und die Sozialisierung der Produktion. Im „Bielefelder Abkommen“ machte der Sozialdemokrat Carl Severing den Arbeitern einige letztendlich wertlose schriftliche Zugeständnisse. Statt auf die Forderungen der Arbeiter einzugehen wurden sie von den deutschen Sozialdemokraten neulich verraten und blutig verkauft. Reichswehreinheiten unter General Watter und diverse Freikorpseinheiten nahmen blutige Rache an den Arbeitern, die teilweise den Versprechen Severings im „Bielefelder Abkommen“ geglaubt hatten. Diese Einheiten zogen von Ort zu Ort und massakrierten tausende von Arbeitern. Sie schrecken auch nicht davor zurück Frauen und Kinder in den Arbeitervierteln zu töten. Akribisch sehr genau, gleichzeitig lesefreundlich stellt der Autor die Details des Feldzuges der Reaktion, gegen die bewaffneten und unbewaffneten Arbeiter dar. Die letztendlich siegreichen Konterrevolution hatte wiederum politischen Rückendeckung durch die Sozialdemokratie. Dem Autor des Buches ist das große Verdienst zuzuschreiben, an die Kämpfe von bis zu 80.000 bewaffneten Arbeitern und Arbeiterinnen zu erinnern und gleichzeitig politische Lehren für heute zu vermitteln. Denn wer sich nicht mit Geschichte befasst, welche nichts anderes darstellt als geronnene Erfahrung, kann in der heutigen Zeit nicht erfolgreich politisch agieren. Beeindruckend ist die Materialfülle, welche der Autor dem Leser anbietet. Das Buch räumt auf mit der einfachen Legende, dass es einen erfolgreichen Generalstreik in der deutschen Geschichte gab-was stimmt-sondern es vermittelt die klare Erkenntnis, dass Arbeiter und Arbeiterinnen eine wechselvolle Geschichte von Erfolgen und Niederlagen haben. Der Herr Generallandschaftsdirektor Kapp musste fliehen aber die Freikorpseinheiten und Reichswehr wüteten anschließend gegen die Arbeiterschaft, um die demokratisch sozialistischen Forderungen mit Hakenkreuz am Stahlhelm niederzukämpfen. Die führenden Figuren des Putsches fanden anschließend faktisch politisches Asyl im Lande Bayern. Der Kapitän Leutnant Erhard wurde im Reich gesucht, er verbrachte derweil seine Zeit sehr häufig in der Münchner Polizeidirektion neben seinem Fahndungsplakat im Gespräch mit dem späteren Hauptkriegsverbrecher Wilhelm Frick. Das Buch zeigt auch auf, dass in Bayern der Putsch erfolgreich verlaufen ist. Die sozialdemokratische Regierung Hoffmann wurde abgesetzt und durch die Regierung von Kahr ersetzt. Das brachte letztendlich auch den General Ludendorff nach Bayern. Bayern wurde zur „Ordnungszelle des Reiches“. Das Buch ist auch insofern wichtig um zu lernen, dass sich Arbeiter und Arbeiterinnen nicht mit Halbheiten und obskuren Versprechungen abspeisen lassen dürfen, wenn es darum geht reaktionäre Verhältnisse elementar zu verändern. Arbeiter müssen selbstbewusst und nur im Vertrauen auf sich selbst, die Zustände radikal ändern und nicht daran glauben, dass die Reaktion ihnen irgendetwas verzeihen wird. Also Leute lest das Buch „ Kapp Putsch" von Klaus Gietinger Bestellungen unter http://www.schmetterling-verlag.de/page-5_isbn-3-89657-177-X.htm







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