Unternehmen "Barbarossa" (Teil 3)

17.09.16
AntifaschismusAntifaschismus, Internationales, Theorie, TopNews 

 

Von Karl Wild

Der Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion und der Kriegsverlauf 1941-45

III. Auf dem Weg nach Moskau

Prolog

Nach den großen Sommerschlachten – über drei Millionen Sowjetsoldaten gerieten in Gefangenschaft und verreckten zum größten Teil auf freiem Feld, ebenso viele starben im Kampf – standen die Deutschen vor Leningrad, Smolensk und tief in der Ukraine vor der Krim. Die Kesselschlacht um Smolensk eliminierte die erste sowjetische Verteidigungslinie vor Moskau, bei Kiew im September wurden die sowjetischen Südkräfte vernichtet und nach einem raschen Vormarsch durch das Baltikum beschoss deutsche Artillerie am 4. September erstmals Leningrad. Der Herbst kam und mit ihm der Glaube an einen raschen Sieg im Vernichtungskrieg gegen die jüdisch-bolschewistischen Untermenschen, die, wenn sie wie 12 Millionen Zivilisten nicht nach Osten flohen, zur Zwangsarbeit verschleppt oder zu hunderttausenden der Mordmaschine zum Opfer fielen.

1.Der Vormarsch an den Flanken

Sewastopol

Mehr behindert durch den Schlamm auf den unbefestigten Straßen als durch koordinierte Gegenwehhr, erreichte die dt. 11. Armee unter dem späteren berühmt-berüchtigten Feldmarschall Erich von Manstein den Zugang zur Krim und versuchte, gegen den sich versteifenden Widerstand ab dem 30. Oktober die den wichtigsten Marinestützpunkt schützenden Befestigungsanlagen im Sturm zu nehmen. Unterstüzt von der Landwehr der Einwohner verteidigte die Rote Armee, hinter sich nur mehr das Schwarze Meer, mit etwa 50.000 Mann das aus dem Krimkrieg des 19. Jahrhundert symbolisch aufgeladene Sewastopol. (Vgl die Rückübertragung der Krim durch Putins Russland 2014 und die daraus entstehenden nationalen Aufwallungen.)

In einem zweiten verstärkten Anlauf griffen ab 11. November 60.000 dt.-rumänische Kräfte Sewastopol ab, scheiterten zum Erstaunen der Siegestrunkenen erneut und begannen ab 21. November, unterstützt durch ein Fliegerkorps, einen weiteren Versuch der Eroberung. Durch den sowj. Gegenangriff an der Meerenge Kertsch auf der Krim Richtung Asien mussten die Deutschen umgruppieren und konnten erst im Mai 1942 die Halbinsel Kertsch erobern. Dies verweist nun auf eine zukünftige Geschichte.

Leningrad

Die ehemalige Hauptstadt des russischen Reiches, Ort der Oktoberrevolution und nach dessen Anführer in der Sowjetunion benannt, wurde nach der problemlosen Eroberung der baltischen Staaten, die ja erst ein Jahr zur Sowjetunion gehörten, wo die Bevölkerung freudig (wie in der Westukraine) die deutschen Truppen begrüßte und entsetzliche Pogrome gegen die jüdisch-russische Bevölkerung beging, - der Hass saß tief nach der Verschleppung Zehntausender nach Sibirien – auch von Norden durch finnische Truppen schnell engeschnürt. Am 8. September eroberte die Wehrmacht bereits Schlüsselburg am Ostufer des Ladagosees und unterbrach so jegliche Landverbindung zu Leningrad.

Vier sowjetische Armeen zogen sich zur Verteidigung der Stadt zurück und unter dem Vorsitz Andrej Schdanow wurden unter Mobilisierung der Einwohner mehrere Verteidigungsringe angelegt. Stärkere rote Kräfte wurden im Kriegshafen Kronstadt am Finnischen Merbusen seperat eingeschlossen und hielten bis 1944 durch. Ab dem 08. September erfolgten schwere Luftangriffe, u.a. gegen die Rüstungsschmiede Kirow (ex.zaristische Putilow-Werke) und auf Lebensmittelspeicher. Um möglichst schwere Zerstörungen der Lebensgrundlagen der Leingrader*innen zu erzielen, wurden allein bis Ende 1941 66.200 Brand- und 3.499 Sprengbomben über Leningrad abgeworfen.Insgesamt kamen mindestens 16.000 Menschen bei Luftangriffen ums Leben und über 33.000 wurden verletzt. Ziel war die Vernichtung der Einwohner und Verteidiger durch Hunger. Nicht die Eroberung! Allein im ersten Belagerungswinter starben so eine halbe Million Leningrader an Kälte und Hunger, trotz aller Bemühungen des Verteidigungskomitees.

2.Der Angriff auf Moskau

Zwar hatten die Hitlerschen Truppen enorme Verluste erlitten, Verluste, die eher dem Krieg vor Verdun im Ersten Weltkrieg gleichkamen, aber die völlige Vernichtung der ersten Welle der Roten Armee stachelten Hitler gegen den Rat des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) an, das Unmögliche zu wagen - siehe begrenzte Winterausrüstung - und am 02.Okober den Angriff auf die nur mehr 300km entfernte Zitadelle des Weltkommunismus, Moskau; zu befehlen. Hitler wörtlich: Es gelte die größte Gefahr abzuwenden, „die seit den Zeiten der Hunnen und später der Mongolenstürme entsetzlicher nicht mehr über dem Kontinent schwebte“. (wikipedia; Schlagwort Schlacht um Moskau) (!)

Im Deutschen Reich wuchs inzwischen die Euphorie. Und eine gewaltige Armada stand für das vermeintlich letzte Gefecht bereit. Die Heeresgruppe Mitte wurde durch die Panzergruppe 4 erheblich verstärkt, die von Leningrad zur Mittelfront verlegt wurde. Insgesamt verfügten die Deutschen über 14 Panzer-Divisionen, neun motorisierte Divisionen und 56 Infanteriedivisionen, wobei eine dt. Division so groß war wie 21/2 sowjetische. Unterstützung aus der Luft erfolgte durch die Luftflotte 2, verstärkt durch Teile der Luftflotte 4. Die Luftangriffe auf Moskau selbst blieben, bei zunehmend abnehmender Zahl, jedoch wirkungslos.

Und wiederum wurden in Zangenangriffen der Panzerverbände die Verteidiger rasch zerschlagen um zwischen den 14. und 17. Oktober der Doppelkessel von Wyasma und Brjansk gesäubert. Das OKW meldete die Vernichtung von 80 Divisionen; 663.000 Gefangene wurden gezählt, 1242 Panzer und 5412 Geschütze zerstört oder erbeutet. In Moskau brach zwischen dem 16. und 18. Oktober eine Massenpanik aus, der durch NKWD-Truppen des Innern brutal begegnet wurde, nachdem das Ende nahe schien. Umsomehr, da am 16. Oktober das Politbüro, Regierungsstellen und nahezu sämtliche Diplomaten ins entfernte Kujbyschew evakuiert wurden, Zwei Millionen Menschen verließen Moskau, gleichzeitig wurdem über 100.000 neue Soldaten rekrutiert und 500.000 Frauen und Männer zur Schanzarbeit verpflichtet. Stalin selbst blieb in Moskau.. Und Schukow wurde von Stalin mit der Verteidigung beauftragt, deren innerer Kern von Kalinin bis Kaluga reichte. Die einsetzende Schlammperiode bremste den dt. Nachschub und Vormarsch und verhalf Schukow zu einer Atempause. Und der Winter kam 1941 früh! Ab 06. November setzte starker Frost ein und ermöglichte wieder eine begrenzte Vorwärtsbewegung – aber um welchen Preis! Am gleichen Tage hielt Stalin in der Metro eine leidenschaftliche Rede und beschwor die Kampfkraft seiner Soldaten und die Widerstandskraft der sowjetischen Bevölkerung. Tags darauf wurde auf dem Roten Platz trotz der Gefahr von Luftangriffen eine Militärparade zum Gedenken an die Oktoberrevolution zelebriert. Die teilnehmenden Truppen der Roten Armee marschierten anschließend direkt zur Front.

Mit dem letzten Willensakt erorberten die Deutschen am 26. Novemer die Stadt Istra, nur 35km vor Moskau, am 30 November die Orte Krasnaja Poljana und Putschki und kamen dadurch bis auf 18 km an Moskau heran, und am 2. Dezember schließlich gar den Vorort Chimki, acht km vor der Stadtgrenze. Nun ging nichts mehr, der Kälte und dem Gegner geschuldet. Auch den Umzingelungsangriff der Panzergruppe 2 auf Tula konnten die sowjetischen Truppen abwehren. Was nun kam, erschien vielen, geblendet von der dt. Propaganda, als ein Wunder.

3.Blick nach Fernost

Mitte August 1941 funkte der Topagent der SU, Dr. Richard Sorge (2), nach Moskau, dass Japan entschieden hätte, den Kampf gegen die Sowjetunion von Mandschuko aus endgültig einzustellen und seine Kriegsziele auf Südost-Asien auszurichten. Durch diese Sicht kriegsentscheidende Information konnte das sowjetische Oberkommando für den Winterkrieg gut ausgerüstete sibirische Truppen, 700.000 Mann, nach Westen verlegen. Im Dezember 1941 standen diese Kräfte bereit, geführt zum Teil durch aus dem Gulag entlassene erfahrene Offiziere, der durch den Frost gelähmten und durch den anhaltenden sowj. Widerstand dezimierten Wehrmacht eine historische erste Niederlage zu bereiten.

(1) Dass diese Krieg ein ganz und gar besonderer war, zeigt sich an der unmittelbaren Bildung eines zentralen Kommandos für den Krieg hinter der Front. Wie im Krieg Frankreichs gegen Spanien zu frühbürgerlichen Zeiten, machten die Überfälle sowj. Partisanen den Deutschen schwer zu schaffen.

(2) Kurz darauf wurde dieser verhaftet und hingerichtet.







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