Düsseldorf: Erinnerung an jüdische Friedhöfe unerwünscht


Der jüdische Friedhof im bürgerlichen Obergerresheim hat eine versteckte Gedenktafel am verschlossenen Eingang an der Mansfeldstraße.


An den jüdischen Friedhof an der Quadenhofstraße im proletarischen

28.01.08
AntifaschismusAntifaschismus, Düsseldorf, News 

 

CDU sperrt sich gegen öffentliche Hinweise

Mehrfach forderte die CDU den DKP-Bezirksvertreter im Gerresheimer Rathaus auf, seine Anträge zur Erinnerung an die jüdischen Friedhöfe zurückzuziehen. Uwe Koopmann ist allerdings nach wie vor nicht bereit, auf seine kulturhistorischen Forderungen zu verzichten. Er kann sich dabei sogar auf den Bundesinnenminister stützen.

Der Antrag "Würdigung des Jüdischen Friedhofes an der Quadenhofstraße" steht daher am 26. Februar erneut auf der Tagesordnung im Gerresheimer Rathaus. Darin wird die Verwaltung gebeten, "Gespräche mit der Jüdischen Gemeinde mit dem Ziel aufzunehmen, den Jüdischen Friedhof an der Quadenhofstraße auf eine angemessene und würdige Weise in das gesellschaftliche und historische Bewusstsein der Gerresheimer Bevölkerung zu integrieren."

Zur Begründung heißt es: "Der Jüdische Friedhof an der Quadenhofstraße ist auch 62 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus im Gegensatz zur ehemaligen Gerresheimer Synagoge aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgeblendet.

Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble (CDU) führte dazu am 21. Juni 2007 aus: "Die Pflege der Friedhöfe der während der Zeit des Nationalsozialismus vernichteten jüdischen Gemeinden ist Ausdruck der bleibenden Erinnerung an den Völkermord an den Juden und der Trauer über das Leid, das vom nationalsozialistischen Deutschland angerichtet wurde."

Die jüdische Publikation "Zukunft" (hg. v. Zentralrat der Juden in Deutschland) 7. Jahrgang Nr. 10 / 26. Oktober 2007 - 14. Cheshwan 5768 schreibt: "’Das ist ein Warnzeichen’, Zentralrat der Juden empört über Ergebnisse der neuesten Forsa-Umfrage zur NS-Zeit. ‚Das Ergebnis der aktuellen Umfrage ist hässlich, desaströs und macht mich traurig und wütend’, so reagierte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, auf die jüngste Umfrage des Forsa-Instituts, nach der jeder vierte Bundesbürger dem Nationalsozialismus auch gute Seiten abgewinnen kann."

Zwischen 2002 und 2006 gab es 237 polizeilich registrierte Schändungen jüdischer Friedhöfe. Die Gerresheimer CDU vertritt daher die Auffassung, dass auch die jüdische Gemeinde in Düsseldorf eigentlich gegen öffentlich Hinweise auf ihren Friedhof sei. Sie ergänzt ihre Bedenken damit, dass mit öffentlichen Hinweisen auf die Friedhöfe die Grabstätten durch Neonazis gefährdet seien. Deshalb sei es besser, die Friedhöfe nicht ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

In einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden von CDU, FDP, SPD und Grünen erinnert Koopmann daran, dass die Vereinbarungen zur Pflege jüdischer Friedhöfe vom 21.06. 1957 und 31.08.1956 nicht gegenstandslos geworden seien.


VON: GERRY KUSS






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