Arbeiterbewegung und Naziterror


Bildmontage: HF

01.06.11
AntifaschismusAntifaschismus, Baden-Württemberg, Arbeiterbewegung, TopNews 

 

von ver.di

Verdi bat zur ersten gewerkschaftlichen Stadtführung.

Auf die Spuren der Arbeiterbewegung in Offenburg haben sich rund 20 Interessierte auf Einladung der Gewerkschaft Verdi begeben:
Der langjährige Gewerkschaftssekretär der IG Metall, Hans-Peter Goergens, machte an acht Stationen Halt und gab Einblick in die wechselvolle Geschichte._ Auch Verfolgung und Widerstand während des Nationalsozialismus wurden thematisiert, insbesondere das Schicksal der Zwangsarbeiter.

"Wir wollen wieder politischer werden", sagte der Vorsitzende der Offenburger Verdi-Ortsgruppe, Hubert Funk. Daher wurde diese etwas andere Stadtführung angeboten - und falls die Nachfrage groß genug ist, soll das Angebot am Samstag, 4. Juni, wiederholt werden.

Mit Goergens konnte ein profunder Kenner gewonnen werden, der mit vielen Details aufwartete und für spannende zwei Stunden sorgte. Start war am Gewerkschaftshaus in der Okenstraße, von dort ging es die Hauptstraße entlang Richtung Bahnhof.

Im Eckgebäude Richtung Unionbrücke war nach dem Verbot der Gewerkschaften 1933 die Deutsche Arbeitsfront (DAF) untergebracht, der Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Nazizeit.
Die ersten Gewerkschaften tauchten laut Goergens relativ spät in Offenburg auf: 1877 taten sich sieben Hutmacher zusammen, später folgten Schlosser und Schmiede.
Die abhängig Beschäftigten waren zunächst in Gewerken organisiert; später, als sich mehrere Branchen zusammen taten, nach politischen Richtungen.
Als Verwaltungszentrum hatte Offenburg überdurchschnittlich viele Beamte und Angestellte, was sich auf die gewerkschaftliche Entwicklung "nicht positiv" auswirkte, so Goergens.

Ein "wichtiger Schub" kam mit dem Bau der Eisenbahn und des Ausbesserungswerks: So waren vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs bei der Eisenbahn 1700 Offenburger beschäftigt, 310 im Ausbesserungswerk. Goergens machte vor dem Bahnhof Halt, direkt vor dem inzwischen leer stehenden ehemaligen DGB-Gebäude.

An der Wand hängt dort ein Fahrplan nach Auschwitz, der an die Deportation der Sinti aus Kippenheim erinnert. "Jeder, der deportiert wurde, musste seine Fahrkarte selbst zahlen", führte Goergens aus. Bislang weigert sich die Bahn, diesen Fahrplan an ihrem eigenen Gebäude anzubringen.

Auf der Unionbrücke zeigte Goergens Richtung Norden zum ehemaligen Ausbesserungswerk, wo während des Zweiten Weltkrieges mindestens 371 Zwangsarbeiter beschäftigt waren; mindestens sechs von ihnen starben bei einem Bombenangriff, da sie nicht in die Schutzräume durften. Auf dem La Horie-Gelände stand die Artilleriekaserne, dahinter befand sich ein Lager mit 33 Häftlingen aus dem KZ Natzweiler im Elsass.
Richtung Süden an der Zauberflötenbrücke standen im letzten Kriegswinter zwei KZ-Züge. Dabei handelte es sich um Zwangsarbeiter in Güterwaggons, die Bombenschäden ausbessern mussten. Die 750 Häftlinge stammten aus dem KZ Flossenbürg, 23 wurden von der SS erschossen. Die Leichen fand man im Gleisbett. An der Ostseite der Südunterführung des Bahnhofs ist ein Gedenkstein für sie angebracht.

Auf dem Waldbachfriedhof wurde der ermordeten Zwangsarbeiter gedacht

Der Schillerplatz diente früher als Versammlungsort für die Beschäftigten der Fabriken im Umkreis; wichtiger Produktionszweig war die Reklameindustrie, die es 1930 auf 1500 Beschäftigte brachte.

Auf dem Waldbachfriedhof wurde am Mahnmal für die in der Ihlenfeldkaserne ermordeten sowjetischen Zwangsarbeiter Halt gemacht und an das Geschehen vom 4. Mai 1945 erinnert:
Gut zwei Wochen nach dem Kriegsende in Offenburg sorgte eine Zeitzünderbombe der Nazischergen dafür, dass 114 Zwangsarbeiter sterben und in Folge der Explosion weitere 54 Menschen ihr Leben lassen mussten. Weiter ging es über das Kulturforum bis zum Salmen, wo der bürgerlichen Revolution und der 13 Forderungen des Volkes von 1847 gedacht wurde.


VON: VER.DI






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