Antifa-Berlin: Keine Ruhe für Maria Fank


Maria Fank ist Landesvorsitzende der NPD-Frauenorganisation RFN (Ring Nationaler Frauen); Bild: Antifa-Berlin

11.12.13
AntifaschismusAntifaschismus, Berlin, TopNews 

 

von Recherche & Aktion - antifa-Berlin-info

Ethik-Kodex Sozialer Arbeit und Neo­nazis passen nicht zusammen. Fazit und wei­tere Aktionen gegen Geis­tige BrandstifterInnen der NPD

Ras­sis­ti­sche Ein­stel­lungs– und Hand­lungs­muster sind bis in die Mitte der deut­schen Gesell­schaft hinein ver­treten. Aktuell wird das ver­stärkt sichtbar im Zuge der Debatte um die Auf­nahme von Flücht­lingen, die in Deutsch­land vor Krieg und Ver­fol­gung Schutz suchen.

Vor allem in den Regionen, wo bereits Flücht­lings­un­ter­künfte ein­ge­richtet wurden oder zumin­dest vor­ge­sehen sind, ver­breiten Neo­nazis zur Zeit ver­stärkt ihre ras­sis­ti­sche Hetze und schüren in der Bevöl­ke­rung eine regel­rechte Pogrom­stim­mung. Sieben Brand­an­schläge, die laut einer Chronik der Ber­liner MBR (Mobile Bera­tung gegen Rechts­ex­tre­mismus) allein seit August diesen Jahres, sowohl auf zukünf­tige als auch auf bereits vor­han­dene Flücht­lings­un­ter­künfte und von MigrantInnen bewohnte Häuser verübt wurden, stellen dabei nur die Spitze des Eis­berges dar.

FunktionärInnen der NPD (Natio­nal­de­mo­kra­ti­sche Partei Deutsch­land) und ihrer Jugend­or­ga­ni­sa­tion JN (Junge Natio­nal­de­mo­kraten) stehen dabei aktuell an der Spitze des ras­sis­ti­schen Mobs. Eine beson­dere Rolle in Berlin und Umge­bung nimmt dabei die Lan­des­vor­sit­zende der NPD-Frauenorganisation RNF (Ring Natio­naler Frauen) Maria Fank ein. Wenn man die Äuße­rungen genauer betrachtet, die sie bei ihren regel­mä­ßigen Reden auf neo­na­zis­ti­schen Ver­an­stal­tungen tätigt, kommt man unwei­ger­lich zu dem Schluss, dass sie eine geis­tige Brand­stif­terin ist.

Dass Maria Fank sich dieser Rolle gewahr ist und in vollem Bewusst­sein mög­li­cher Folgen gegen Flücht­linge und MigrantInnen hetzt, belegt sie mit fol­gendem Zitat auf ihrem Facebook-Profil: „Ein guter Freund sagte mir ‚Ein funk­tio­nie­render Daumen ist aus­rei­chend, um ein Feuer zu ent­zünden.’ Auch wenn ich lieber ver­bale Feuer ent­fache, muss ich doch relativ oft an diesen Satz denken“

Neo­nazis in sozialen Berufen

Seit Juni 2013 ist bekannt, dass Maria Fank in Berlin-Mitte, auf der Aka­demie für beruf­liche Bil­dung gGmbH (AFBB), einer Aus­bil­dung zur Sozi­al­as­sis­tentin nach­geht. Die Schul­lei­tung wurde seither bereits auf ver­schie­denen Wegen auf die Akti­vi­täten der RNF-Funktionärin hin­ge­wiesen, zeigte jedoch auch nach drei Monaten kei­nerlei wahr­nehm­bare Reak­tion. Um diesen Umstand zu skan­da­li­sieren und gegen die ras­sis­ti­sche Hetze Maria Fanks eine klare Posi­tio­nie­rung durch die Aus­bil­dungs­stätte ein­zu­for­dern, orga­ni­sierten unab­hän­gige AntifaschistInnen am 14. Oktober 2013 eine Kund­ge­bung vor der AFBB in Berlin-Mitte.

Anstelle sich der Kritik zu stellen, rea­gierte Schul­leiter Roland Schmidt auf die ange­kün­digte Kund­ge­bung, indem er die Aus­bil­dungs­stätte an diesem Tag kur­zer­hand schließen ließ. Er begrün­dete diesen Schritt mit einem dif­fusen Bedro­hungs­sze­nario und dem angeb­li­chen Schutz seiner Schüler_innen vor einer ver­meint­li­chen „Groß­de­mons­tra­tion”. Die Kund­ge­bung fand somit vor ver­schlos­senen Türen statt. Trotzdem infor­mierten rund 50 Teilnehmer_innen das Umfeld der Schule über die Unver­ein­bar­keit völkisch-rassistischer Posi­tionen mit der Ethik sozialer Berufe. Offenbar erst nachdem auch in der Ber­liner Tages­presse , über die Pro­teste und die Aus­bil­dungs­stätte von Maria Fank, berichtet (1,< a href=„http://www.recherche-und-aktion.net/extern/protest-gegen-funktionaerin-npd/“>2‚3) wurde, bestellte die Schul­lei­tung die RNF-Funktionärin kur­zer­hand zum Gespräch ein. Man offe­rierte ihr einen Auf­he­bungs­ver­trag und drohte andern­falls mit einer Kün­di­gung des Aus­bil­dungs­ver­hält­nisses. Mit der Begrün­dung, „sie störe den Schul­ab­lauf“, wurde ihr noch in der selben Woche eine münd­liche Kün­di­gung aus­ge­spro­chen, die jedoch wenige Tage darauf wieder zurück­ge­nommen wurde. Zu einer klaren Posi­tio­nie­rung gegen völkisch-rassistische Ein­stel­lungen in der Sozialen Arbeit und der Tat­sache, dass Maria Fank in der Öffent­lich­keit gegen Flücht­linge und MigrantInnen hetzt, sah sich die Aus­bil­dungs­aka­demie bis­lang nicht genö­tigt.

Von der Ethik der Sozialen Arbeit

Da sich die Soziale Arbeit jedoch in einem poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Kon­text bewegt und damit mehr als eine x-beliebige Dienst­leis­tung ist, wollen wir der Schul­lei­tung der AFBB gGmbH unter Ver­weis auf die Grund­prin­zi­pien der IFSW (Inter­na­tional Fede­ra­tion of Social Workers), dem auch der DBSH (Deut­scher Berufs­ver­band für Soziale Arbeit e.V.) ange­hört, in Bezug auf die heu­tige Ethik sozialer Berufe ein wenig „auf die Sprünge helfen“.

Im Oktober 2004 wurde auf der Gene­ral­ver­samm­lung der IFSW und des IASSW (Inter­na­tional Asso­cia­tion of Schools of Social Work) das Doku­ment „Ethik in der Sozialen Arbeit – Erklä­rung der Prin­zi­pien“ ver­ab­schiedet, in dem u. a. Fol­gendes defi­niert ist :

„Die Pro­fes­sion Soziale Arbeit för­dert den sozialen Wandel, Pro­blem­lö­sungen in mensch­li­chen Bezie­hungen und die Stär­kung und Befreiung von Men­schen, um das Wohl­be­finden zu stärken. Gestützt auf Theo­rien über mensch­li­chen Ver­hal­tens und sozialer Sys­teme greift soziale Arbeit an den Stellen ein, wo Men­schen mit ihrer Umwelt in Wech­sel­wir­kung stehen. Die Grund­lagen von Men­schen­rechten und sozialer Gerech­tig­keit sind für die soziale Arbeit wesent­lich“. In diesem Sinne bekennt man sich in dem Doku­ment selbst­ver­ständ­lich gegen jede „Form von Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung“.

In der Kon­se­quenz der heu­tigen Ethik Sozialer Arbeit kommt man daher auch unwei­ger­lich zu dem Schluss, dass Per­sonen, die ras­sis­ti­sche Posi­tionen ver­treten und ihr poli­ti­sches Welt­bild aus dem his­to­ri­schen Natio­nal­so­zia­lismus speisen, die Tätig­keit in sozialen Berufen zu ver­wehren ist. Maria Fank lie­fert immer wieder Belege dafür, dass sie nicht bereit ist, die im sozialen Bereich übliche Für­sor­ge­pflicht gegen­über allen Men­schen zu über­nehmen, die diese bean­spru­chen, unge­achtet von deren Her­kunft, Haut­farbe, sexu­eller Ori­en­tie­rung oder Behin­de­rung.

Geistige Nähe zur NS-Ideologie

Maria Fanks Begriff einer Sozialen Arbeit weist viel­mehr deut­liche Über­schnei­dungen mit jenem der „NS-Volkswohlfahrt“ zwi­schen 1933 und 1945 auf. So spricht sie sich bei­spiels­weise gegen das Recht von Men­schen mit Behin­de­rung aus, Kinder zu gebären und knüpft damit an den Gedanken der Ver­nich­tung „lebens­un­werten Lebens“ im NS-Staat an:

„Wer aus der Pflege, spe­ziell aus dem Bereich der kör­per­lich sowie geistig erkrankten Men­schen kommt, ver­steht viel­leicht, wenn ich sage, nicht jeder Mensch sollte Kinder in die Welt setzen können! Gerade dann nicht, wenn diese nicht in der Ver­fas­sung sind, sich um diese selb­ständig küm­mern zu können!“ Ähn­lich­keiten zu einer For­mu­lie­rung aus Hit­lers „Mein Kampf“ lassen sich nicht über­sehen: „Wer kör­per­lich und geistig nicht gesund und würdig sei, dürfe sein Leid nicht im Körper seines Kindes ver­ewigen.“

Sozialarbeit nur für Deutsche?

Das Maria Fank den heutigen Ethik-Kodex der Profession Soziale Arbeit nicht begriffen hat bzw. nicht begreifen will zeigt eine weitere Äußerung, die sie auf ihrem Facebook-Profil gemacht hat „Es ist wirklich absurd! Wir setzen uns für die sozialen Bereiche ein, wollen bessere Verhältnisse für unser Volk und dann muss man sich anhören, für solch einen Beruf nicht geeignet zu sein! Wenn ich mir so manchen Schüler dort ansehe wird mir übel!“ (Sie meint damit SchülerInnen u. a. aus ihrer Klasse in der AFBB gGmbH)

Das proklamierte Streben nach „bessere[n] Verhältnissen[n] für unser Volk“ bezieht sich keinesfalls auf alle hier lebenden Menschen. Bei den Reden, die sie regelmäßig auf Veranstaltungen der Neonaziszene hält, macht sie dies ein aufs andere mal klar. Besagtes „Volk“ konstituiert sich erst durch Abgrenzung nach der völkisch-rassistischen „Blut-und Bodenideologie“ als „deutsches“ und steht damit in der bruchlosen Tradition des historischen Nationalsozialismus. Durch rhetorische Abgrenzung, aber auch durch oftmals unverhohlene Abwertung und Hetze betont Maria Fank stets, dass vor allem MigrantInnen darin keinen Platz finden.

Neben rassistischen Hetzreden, die sie im Mai und Juli auf Kundgebungen der Berliner NPD hielt, wird in der www.recherche-und-aktion.net/extern/nazis-schueren-pogromstimmung...“Analyse eines Interviews, das sie kurz nach dem Outing auf ihrer Schule gegenüber dem neonazistischen Internetportal „FSN-TV“ gab deutlich, dass sie auch in der Berufsausübung nicht vor praktischer Ungleichbehandlung aus rassistischen Motiven zurückschreckt.

Ungebrochene Identifikation mit der Neonaziszene

Maria Fank will ihren Ausbildungsplatz nicht kampflos aufgeben. Auf sozialen Netzwerken im Internet und in Teilen der Neonaziszene erfährt sie Zuspruch und wird als Opfer von „Menschenjagd“ und „Moderner Inquisition“ dargestellt. Dass Maria Fank nicht im Begriff ist, sich von ihrer neonazistischen Weltanschauung abzuwenden, macht die Aktualität ihrer Äußerungen im Internet klar. Auch ihre Präsenz mit rassistischen Redebeiträgen auf neonazistischen Veranstaltungen setzt sie nahtlos fort, wie jüngst bei einem Aufmarsch der Berliner JN am 23. November von Berlin-Schöneweide nach Rudow.

Die ungebrochene Identifikation mit der militanten Neonaziszene wird dieser Tage auch vor Gericht deutlich: Im Zusammenhang mit einem am 13. November eröffneten Prozess wegen Volksverhetzung gegen ihren Lebenspartner Sebastian Schmidtke, den aktuellen Landesvorsitzenden der Berliner NPD, erstattete sie drei Tage vor Prozessbeginn Selbstanzeige.

In dem Verfahren geht es um einen Koffer mit indizierten Tonträgern der im März 2012 bei einer Razzia unter dem Ladentisch von Schmidtkes Outdoor-Geschäft „Hexogen“ von der Polizei beschlagnahmt wurde. Die Tonträger enthalten Liedtexte, in denen „Juden, Schwulen oder Schwarzen der Tod gewünscht“ wird. Auch „das Abbrennen von Asylantenheimen“ und die Lobpreisung des Nationalsozialismus seien Inhalt dieser CDs.

Laut Fanks spontanem Bekenntnis handele es sich dabei nun um ihren Privatbesitz. Mit der Selbstanzeige habe sie nach eigenen Angaben derart lange gewartet, wegen des Trubels um ihre Ausbildung. Es ist naheliegend, dass Maria Fank mit dieser Selbstanzeige ihren Lebenspartner entlasten wollte. Die Vorsitzende Richterin folgte diesem plumpen Täuschungsmanöver jedoch nicht und Sebastian Schmidtke wurde zu einer Haftstrafe von 8 Monaten auf 3 Jahre Bewährung verurteilt. Schmidtke kündigte an gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Als Reaktion auf das Urteil schlägt Maria Fank im Internet verbal um sich und spricht Drohungen gegen ihre politischen GegnerInnen aus:

„Nicht zu wissen, wann die gerechte Strafe kommt, aber zu wissen, dass diese kommen wird, muss für einige ein unangenehmes Gefühl sein! Dieses Gefühl, verbunden mit der Unsicherheit, wird einige Menschen sicher den ganzen Tag verfolgen! Und das zu wissen, reicht mir, bis dieser Tag kommen wird, für diesen Moment vollkommen aus!“

Um Maria Fank keine Ruhe zu lassen, werden AntifaschistInnen sie und das Thema Neonazis in sozialen Berufen weiterhin in den Fokus der Öffentlichkeit stellen. Aus diesem Grunde wird es an ihrer Ausbildungsstätte schon in Kürze weitere Kundgebungen und Demonstrationen geben.

Termine sind:

Kundgebung gegen Rassismus

Mittwoch, 11. Dezember 2013 | 12:00 Uhr | AFBB
(Alte Jakobstraße 83, 10179 Berlin)
Vorabtreffpunkt: 11.30 Uhr | U-Bhf. Moritzplatz

Antifaschistische Demonstration:
Keine Zusammenarbeit mit Nazis — Zum Henker dichtmachen, Maria Fank rausschmeisen, VS auflösen!

Freitag, 13. Dezember 2013 | 18:00 Uhr | Mehringplatz / U-Hallersches Tor

Erstveröffentlichung auf Recherche&Aktion am 9. Dezember 2013

www.antifa-berlin.info/news/435-keine-ruhe-fr-maria-fank


VON: RECHERCHE & AKTION - ANTIFA-BERLIN-INFO






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