Nationalsozialistische Propagandaschriften


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05.11.16
AntifaschismusAntifaschismus, Kultur, Theorie, TopNews 

 

Von Michael Lausberg

Im Rahmen der „Gleichschaltung“ wurden Schriftstellerorganisationen verboten bzw. in der im Oktober 1933 die gegründeten Reichsschrifttumskammer zusammengefasst. Um Mitglied zu werden, musste man einen „Ariernachweis“ vorlegen. Ein Ausschluss bedeutete Berufsverbot. Aus dem deutschen PEN-Zentrum ging 1934 besonders auf Betreiben von Hanns Johst und Gottfried Benn die Union nationaler Schriftsteller hervor.

Am 10. Mai 1933 fanden in fast allen deutschen Universitätsstädten von der Deutschen Studentenschaft organisierte Bücherverbrennungen unliebsamer Autoren statt. Unter anderem gingen Werke von Sigmund Freud, Erich Kästner, Karl Marx, Heinrich Mann, Klaus Mann, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque und Kurt Tucholsky in Flammen auf.

Nach der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 begann wenige Monate nach der Machtübernahme eine „geistige Erneuerung“ der deutschen Kunst und Kultur, die von den Nationalsoziallisten geprägt wurde.[1] An die Stelle des „undeutschen Geistes“ sollte ab 1933 die NS- Literatur rücken. Im Vordergrunde der nationalsozialistischen Literatur stand die Idealisierung von Bauerntum, von der Volksgemeinschaft, die Blut- und Bodenideologie, die Herauskristallisierung des Krieges und des soldatischen Heldentums im Vordergrund.
Es entstand zum einen die Literatur, die weder überzeugende Fragen und Antworten zu den neuen Problemen aufwarfen noch Widerstand oder Zustimmung literarisch ausformulierten. Zum anderen gab es die Widerstandsliteratur, die jedoch nur illegal verbreitet werden konnte und durch die die Autoren ihr Leben aufs Spiel setzten. Einige wählten wegen der politischen Verfolgung den Freitod, wie Jochen Klepper. Autoren, wie zum Beispiel Erich Kästner, die nicht für den Nationalsozialismus schreiben wollten, jedoch im Lande blieben, versuchten unterzutauchen oder sich auf irgendeine Weise im Deutschen Reich durchzuschlagen. Es gibt daher neben der „äußeren“ Emigration auch die „innere“.[2]

Trotz literarischem Widerstand, der oft auch zwischen den Zeilen deutlich wurde, schien die Literatur im Deutschen Reich doch eher ohne Perspektive zu sein, ratlos und verzweifelt. Am 22. September 1933 folgte nach der Bücherverbrennung das Reichskulturkammergesetz, durch das alle Kulturäußerungen unter die Zensur des Staates gesetzt wurden. Um künstlerisch tätig zu sein, musste man Mitglied in der Reichskulturkammer sein. Das bedeutete für alle Juden und politische Gegner Berufsverbot. 1936 wurde die Kritik an Kunstwerken verboten. An die Stelle des Kunstkritikers wurde der Kunstschriftleiter gestellt, der Begriff der Kritik wurde abgelöst durch den Begriff des Kunstbegriffs. Hierin sollte nicht gewertet werden, sondern eine Darstellung des Textes und somit eine Würdigung geschaffen werden. Die Sprache, die den Nationalsozialismus untermauern sollte, nannte man sarkastisch Lingua Tertii Imperii.[3]

 

Merkmale der politischen Rhetorik in nationalsozialistischer Literatur

Nach dem Ende des Dritten Reiches begannen in Öffentlichkeit und Wissenschaft Diskussionen und Ursachenforschung, wie der Aufstieg der Nationalsozialisten, deren scheinbar demokratische Machtübernahme, der von den Machthabern Deutschlands der Jahre 1933-1945 begonnene Zweite Weltkrieg und schließlich Zusammenbruch und Zerstörung Deutschlands überhaupt möglich wurde. Neben den politischen Gegebenheiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere in den Jahren nach 1918, dem Ende des Ersten Weltkriegs und der darauf folgenden Weimarer Republik (1919-1933), war das Interesse der Forschung unter anderem auf die Rhetorik der Nationalsozialisten gerichtet. Der Schwerpunkt der Untersuchungen war die Analyse von Lexik, Stilistik und Rhetorik, wobei sich die Schwerpunkte der Forschungen in den Jahrzehnten von 1950 bis heute verlagerten.

Die Nationalsozialisten selbst maßen der Rede als Mittel zur propagandistischen Massenbeeinflussung nach Hitlers „Mein Kampf“ große Bedeutung bei.[4] Vor allem Adolf Hitler und Joseph Goebbels  setzten die Rede als Form der öffentlichen Manipulation ein. Dabei setzten die Redner ihre Rhetorik bewusst der Aufklärung entgegen. Während in der Aufklärung durch Denken und Reflexion geistiges Neuland erschlossen werden sollte, wird der Nationalsozialismus auf rhetorischer Ebene als Gegenaufklärung gesehen. Die Welt wurde durch Unterscheidung in Gut und Böse stark vereinfacht dargestellt, maßgebliche Werte waren Gehorsam und Patriotismus, wo Argumente fehlten, wurde das Recht des Stärkeren propagiert, was die Anwendung von Gewalt legitimierte.

Bei der ersten Betrachtung von politisch geprägten Texten aus der NS-Zeit fällt zunächst auf, dass diese Texte auf den Leser stark emotionalisierend wirken.[5] Diese Emotionen decken jedoch nicht das ganze Spektrum möglicher Gefühle ab, sondern beschränken sich auf Empfindungen wie Patriotismus, Erregung von Unzufriedenheit und Ängsten. Weiterhin fühlt sich der Leser von Texten und Reden Adolf Hitlers und denen anderer nationalsozialistischer Rhetorikern oftmals persönlich angesprochen, obwohl meist keine direkte Anrede vorliegt.

Durch welche linguistischen Merkmale werden diese Effekte erreicht? Bei genauerer Analyse der verwendeten Sprachmerkmale ist auffällig, dass Verben vermehrt im Indikativ stehen, der Konjunktiv fehlt meist völlig. Folgendes Beispiel aus der Rede Adolf Hitlers „Aus Bauern, Bürgern und Arbeitern muß wieder werden ein deutsches Volk“, die am 21. März 1933 in der Garnisonkirche zu Potsdam gehalten wurde, ist charakteristisch dafür: „Der Welt gegenüber aber wollen wir, die Opfer des Krieges von einst ermessend, aufrichtige Freunde sein eines Friedens, der endlich die Wunden heilen soll, unter denen alle leiden. Die Regierung der nationalen Erhebung ist entschlossen, ihre vor dem deutschen Volke übernommene Aufgabe zu erfüllen. Sie tritt daher heute hin vor den Deutschen Reichstag mit dem heißen Wunsch, in ihm eine Stütze zu finden für die Durchführung ihrer Mission. Mögen Sie, meine Männer und Frauen, als gewählte Vertreter des Volkes den Sinn der Zeit erkennen, um mitzuhelfen am großen Werk der nationalen Wiedererhebung.“[6]

Allein der Slogan „Blut und Boden“ und die Überschriften diverser propagandistischer Artikel und Buchkapitel wie „Notwehr als Recht“ und „Rassenkunde des deutschen Volkes“  bewirken, dass der Leser, ohne den folgenden Text gelesen zu haben, eine ablehnende Haltung gegenüber angeblichen „Fremden“ einnimmt. Die Formulierungen sind hier bewusst kurz gehalten, was der Einprägsamkeit dient, „Blut und Boden“ ist einerseits anschaulich durch die verwendete Alliteration, andererseits verknüpft sie den Begriff der persönlichen Körperlichkeit, das „Blut“, das für jeden Menschen die Grundlage von Leben bedeutet, und den Begriff „Boden“, der die Grundlage jeden Staatswesens ist, miteinander, so dass klar wird, dass Ausdrücke untrennbar miteinander verbunden sind und der eine den anderen bedingt: Beides benötigt man nach dieser Darstellung zum Leben, das „Blut“ und den „Boden“.[7] Letzteren wird man verteidigen müssen oder, um ein besseres Leben zu erhalten, neuen erwerben müssen, was in der internationalen Politik meist durch Kriege zu erreichen versucht wird. So ist dem Leser allein anhand dieser Überschrift schon nahegelegt, Einflüsse von außen misstrauisch zu beobachten und einem Krieg, der um die Erhaltung des Grundbesitzes wegen geführt wird, zuzustimmen und ihn zu unterstützen.

Ähnlich verhält es sich mit der Überschrift „Notwehr als Recht“, den Adolf Hitler zum Titel des 15. Kapitel des zweiten Bandes von „Mein Kampf“ wählte. Dadurch wird dem Leser schon in der Überschrift, besonders in Verbindung mit dem in der Zeit des Nationalsozialismus allgegenwärtigen „Blut und Boden“ suggeriert, dass die Erhaltung und Ausweitung des deutschen Bodens „Notwehr“ ist. So wird durch die Umdeutung der Vokabel „Notwehr“ der Angriffskrieg Deutschlands legitimiert, da nicht zu bestreiten ist, dass Notwehr in allen Kulturen ein selbstverständliches Recht ist.[8]

Das Ausdrücken von scheinbaren Selbstverständlichkeiten durch Umdeuten bestehender Begriffe ist eine Methode, die die Nationalsozialisten mehrfach zur Erreichung ihrer Ziele verwendeten. So fordert Adolf Hitler in „Mein Kampf“ die „gewaltsame Erringung und Sicherung der bedingungslosen Souveränität eines angestrebten nationalsozialistischen germanischen Rassenstaates“.[9] Die Vokabel „Souveränität“ wird hier jedoch nicht in ihrem eigentlichen Sinn gebraucht. Laut Definition ist „Souveränität“ „die höchste unabhängige Herrschafts- und Entscheidungsgewalt eines Staates, die dessen oberste Hoheitsgewalt auf seinem Territorium sowie dessen Recht einschließt, seine Gesellschafts- und Staatsordnung, sein Verfassungs- und Rechtssystem frei und unabhängig zu gestalten sowie die Richtlinien seiner Innen- und Außenpolitik selbst zu bestimmen.“. Die Nationalsozialisten verwendeten „Souveränität“ jedoch in einem etwas anderen Sinn, indem sie diesem Begriff „einseitige Bedingungslosigkeit“ und „Ewigkeitsanspruch“ hinzufügten.[10]

Insgesamt bleibt festzustellen, dass die wichtigen lexikalischen und stilistischen Merkmale der angesprochen Texte militärische und religiöse Formulierungen sind, übertrieben wertende Formulierungen wie „Methode des individuellen und Massenterrors“ für „Marxismus“ und Superlative wie „heiligste Überzeugung“ und „heiligste innere Überzeugung“ vorliegen. Weiterhin sind die Formelhaftigkeit und die gehäufte Verwendung von Imperativen auffällig.

 

Übernahme der Rhetorik anderer Bereiche durch den Nationalsozialismus am Beispiel der Literatur der christlichen Kirche

Weiteres Merkmal der nationalsozialistischen Propaganda ist die Verwendung christlich-religiösen Vokabulars. Damit untermauerten die Nazis ihre Argumente in ihrer vom christlichen Glauben geprägten Leser- und Hörerschaft. Beispiele hierfür sind unter anderem die Begründungen der Übergriffe und der angestrebten Vernichtung des Judentums. Hier orientierten die Nazis sich an christlichen Theologen von den alten Kirchenvätern bis hin zu Theologen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Zum Beispiel ist bei Kirchenvater Johannes Chrysostomus  zu lesen, dass Juden als Verbrecher und Mörder seien. In seinem Text „Adversus Judaeos“ schreibt er: „Wenn einer den Herrn Jesus Christus nicht liebt, so soll er verflucht sein. Was aber gäbe es für einen größeren Beweis dafür, dass einer den Herrn nicht liebt, als wenn er gemeinsam mit seinen Mördern das Fest feiert? (…) Im Gegensatz zu den Juden hätten die Märtyrer Christus geliebt. Deshalb seien sie auch erfreut, wenn er gegen die Juden predige.“[11]

Bischof Ambrosius von Mailand (339-397) forderte Amnestie für Christen, die eine jüdische Synagoge in Brand steckten, und in schrieb in einem Brief an Kaiser Theodosius (347-395), dass er „befohlen habe, (…) den Ort zu beseitigen, an dem Christus geleugnet wird.“ Er argumentiert auf gleiche Weise, wie die Nationalsozialisten es Jahrhunderte später taten, indem er die Juden als Ausbeuter der Christen darstellt: „Soll denn der Ort des jüdischen Unglaubens aus der bei den Christen gemachten Beute erbaut werden, soll das dank Christi Wohlwollen gesammelte Geld in den Besitz der Ungläubigen überführt werden?“

Sogar die Vernichtung der Juden und die Zerstörungen jüdischer Glaubenssymbole wird hier von kirchlicher Seite gefordert, indem Bischof Ambrosius schreibt: “Mit dem Ungläubigen (den Juden, M.L.) müssen auch die Bezeugungen des Unglaubens ausgerottet werden.”.[12] Diese Ausdrucksweise erinnert sehr stark an Reden der Nationalsozialisten, die gegenüber der christlich geprägten deutschen Bevölkerung mit gleicher Argumentationsweise leicht überzeugen konnten. Diese antijüdische Argumentation zog sich durch alle Jahrhunderte der christlichen Kirche. Selbst Martin Luther (1483-1546) forderte, dass man ihre (der Juden, M.L.) Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben ebendasselbige darinnen, das sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall tun, wie die Zigeuner, auf dass sie wissen, sie seien nicht Herrn in unserm Lande, wie sie rühmen, sondern im Elend und gefangen, wie sie ohn Unterlass vor Gott über uns Zeter schreien und klagen.“[13]

Weiterhin kommentierte Luther die Karikatur „Die Judensau“  aus dem 15. Jahrhunderts mit folgenden Worten: „Dass etwa ein gelehrter und ehrlicher Mann solch Bild hat angeben und abzeichnen lassen, der den unflätigen Lügen der Juden feind gewesen ist.“.[14]

Die Nationalsozialisten konnten sich also in ihrer Argumentation zur Vernichtung der Juden auf knapp zwei Jahrtausende christlich-kirchliche antijüdische Tradition beziehen.[15] Selbst die Bildung von Gettos und Errichtung von Konzentrationslagern konnte so durch Zitate Martin Luthers belegt werden. Die Nationalsozialisten bedienten sich also häufig an bestehendem Gedankengut, sie erfanden den Judenhass nicht neu, sondern radikalisierten ihn nur.

 

Illusion eines großen „Volkskörpers“

Der Appell an Gefühle und Emotionen bildete ein wesentliches Element nationalsozialistischer Propaganda.[16] Dabei machte man sich existenzielle Ängste und geheime Sehnsüchte nach einer charismatischen Führergestalt zunutze, die das Volk aus der durch den verlorenen 1. Weltkrieg erlittenen Schmach zu neuer nationaler Größe führen sollte. Die nationalsozialistischen Machthaber bedienten sich eines raffiniert zusammengestellten Inventars subtiler Beeinflussungstechniken, durch die unerwünschte Realitätsanteile ausgeblendet und durch künstlich geschaffene Mythen und Legenden ersetzt wurden. Sie konstruierten ein Weltbild, das den kritischen Verstand des Einzelnen außer Kraft setzen sollte und erzeugten die Illusion eines großen „Volkskörpers“, mit dem das Individuum verwurzelt und verwachsen war.[17] Die Mythologisierung der deutschen Bevölkerung entzog sich einer rationalen Analyse und wurde durch ein großartiges Aufgebot medial gesteuerter Propaganda zu einem Religionsersatz aufgebauscht, dessen suggestive Wirkung sich als geradezu überwältigend erwies.

Seit der Antike bestehen zwischen Mythos und Literatur enge Verbindungslinien. Viele Autoren haben im Laufe der Jahrhunderte und verschiedener Epochen literarisierte Mythen wie Homers "Odyssee" immer wieder aufgegriffen und als Quelle der Inspiration benutzt. Im Nationalsozialismus hatte die Tendenz zur Mythenbildung großen Einfluss auf die zeitgenössische Literatur. Viele linientreue Schriftsteller des Dritten Reiches ließen sich davon vereinnahmen und trugen zur Verherrlichung von historischen Ereignissen, bestimmten Ländern oder heldenhaften Gestalten bei. Dazu kann man zum Beispiel den Mythos von einer „nordischen Herrenrasse“, den „Blut-und-Boden-Mythos“, den Mythos vom „Volk ohne Raum“, der auf die Expansion nach Osten ausgerichtet war, und den Mythos vom tapferen Soldaten zählen.[18]

Bereits 1920 hatte Ernst Jünger in seinem Kriegstagebuch „In Stahlgewittern" den Frontsoldaten des ersten Weltkriegs zu einer heldenhaften Gestalt emporstilisiert, für die der Krieg zur existenziellen Bewährungsprobe schlechthin geworden war.[19] Schon vor der Gründung der NSDAP im Februar 1920 gab es in weiten Kreisen der bürgerlichen Bevölkerung ausgesprochene Bewunderung für die Frontsoldaten, die sich „so tapfer für das Vaterland geschlagen hatten und denen nur wenig Dank zuteil geworden war“.[20] Diese Tendenz hatte ihre Wurzeln in der allgemeinen Hochschätzung des Militärs im Kaiserreich, die Karl Zuckmayer mit seinem Drama "Der Hauptmann von Köpenick" (1930) parodierte. Sie fand ihren konkreten Ausdruck in Legenden wie die von „Langemarck“, wo sich im November 1914 junge, unerfahrene Kriegsfreiwillige mit „Deutschland, Deutschland über alles“-Gesängen todesmutig ins Schlachtengetümmel gestürzt hatten und zu Zehntausenden gefallen waren.[21] Besonders das nationale Lager verbreitete und von General Ludendorf und dem späteren Reichspräsidenten von Hindenburg unterstützte These von der „Dolchstoßlegende“. Diese hatte sich tief ins nationale Bewusstsein eingegraben. Danach hatten nicht die tapfer vor Ort kämpfenden deutschen Truppen den Krieg verloren, sondern Sozialisten, Kommunisten, Pazifisten und Juden des Heimatlandes waren ihnen in den Rücken gefallen und trugen daher die Verantwortung für ihre Niederlage.

Militärkult und Kameradschaft

Die nationalistische Stimmungslage und das revanchistische Denken warenr nach 1918 in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung keineswegs abgeebbt, sondern bestand nach wie vor fort. Das zeigte sich zum Beispiel in Frontkämpfer-Verbänden wie dem 1918 gegründeten, national ausgerichteten und die Weimarer Republik ab Ende der zwanziger Jahre offen bekämpfenden „Stahlhelm: Bund der Frontsoldaten“.[22] Überdies schürten zahlreiche Kriegsromane oder Kriegstagebücher wie das von Ernst Jünger verfasste und bereits erwähnte „In Stahlgewittern“ die Stimmung weiter und hielten die Legende von den im Felde angeblich unbesiegten deutschen Truppen am Leben. Der in der Bevölkerung fortlebende Militärkult würdigte ausdrücklich das Vorbild des einfachen Frontsoldaten und feierte die Mitglieder der kämpfenden Truppe als verschworene Gemeinschaft Gleichgesinnter, deren Zusammengehörigkeitsgefühl sich in dem mit starker symbolischer Bedeutung aufgeladenen Signalwort „Kamerad“ ausdrückte. Auch wenn die Generalität und das Offizierskorps sich von diesem Kult distanzierte und Hindenburg verächtlich vom Kriegsteilnehmer Adolf Hitler als dem „böhmischen Gefreiten“ sprach, war man sich im Prinzip über die hervorragende Bedeutung des Militärs einig.[23] Der Begriff der „Kameradschaft“ behielt im Denken ehemaliger Frontsoldaten seinen besonderen Klang, und die Erinnerung an gemeinsame Kämpfe bildete in ihren Gesprächen ein zentrales Thema.

„Volksgemeinschaft“ und Sehnsucht nach dem „Führer“

Die später von den Nationalsozialisten beschworene „Volksgemeinschaft“ wurde als entscheidende Voraussetzung für die Erringung neuer „nationaler Größe“ angesehen.[24] Um dieses Ziel zu erreichen, bedurfte es einer starken Führerfigur. Das Führerprinzip bildete einen wesentlichen Bestandteil der nationalsozialistischen Eroberungsideologie. Die parlamentarische Demokratie musste zerschlagen werden, weil sie nur hinderlich auf dem Wege zum angestrebten Ziel sein konnte. Dabei orientierte man sich an Vorläufern und Vorbildern aus dem Kaiserreich. Zwar war im öffentlichen Bewusstsein das Bild vom heroischen Kaiser Wilhelm II verblasst, der mit der imperialistischen Phrase, „am deutschen Wesen müsse die Welt genesen“, Deutschland in den ersten Weltkrieg geführt hatte. An seine Stelle war aber der Reichsgründer Otto von Bismarck getreten, an dessen Bedeutung für die Einheit des Deutschen Reiches kein Zweifel bestand und der nach wie vor weithin verehrt wurde.[25] In großen Teilen der Bevölkerung bestand der Wunsch nach einem starken Mann, der Deutschland aus den Trümmern des Krieges und den „Demütigungen“ durch Friedensverträge und Reparationszahlungen zur „verdienten Größe“ führen und die erlittene „Schmach“ tilgen würde.[26] Das Misstrauen am parlamentarischen System und an der Wirksamkeit demokratischer Parteien war daher weit verbreitet.

 

Gottfried Benn, Benno von Wiese und der Nationalsozialismus

Schon frühzeitig bekannten sich zahlreiche Intellektuelle zum Nationalsozialismus. Gottfried Benn ergriff 1933 ausdrücklich Partei für „den neuen Staat“ und attackierte die literarischen „Emigranten“.[27]

Das Verhältnis Benns zum Nationalsozialismus wird häufig allzu schematisch als zwei scharf voneinander getrennten Phasen von Zustimmung und anschließender Ablehnung beschrieben. In Wirklichkeit war seine Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus durchaus differenziert. Die Dialektik im Wesen und Denken Benns schwankte zwischen leidenschaftlichem Engagement und resignierend beleidigter Abkehr von der Politik in rein ästhetische Bereiche, was aber den künstlerischen Rang seines Werkes nicht berührte.] Nur in Vorträgen und Abhandlungen bekannte er sich zeitweise zu dem, was er für die NS-Ideologie hielt, in seinem lyrischen Werk hingegen finden sich keine eindeutigen Hinweise auf das entsprechende Gedankengut. Benn war zudem niemals – wie so viele andere Dichter – in einem der damals beliebten literarisch-weltanschaulichen Kreise (George-Kreis) bzw. in einer der vielen reaktionären politischen Gruppierungen der Zeit nach 1918 aktiv.[28]

In den 1920er-Jahren zog Benn zunächst der italienische Faschismus an, wie er z. B. durch die Kunstprogrammatik des Futuristen Marinetti verkörpert wurde. Auch ist eine gewisse geistige Nähe Benns zu Themen und Vorstellungen von Denkern der Konservativen Revolution evident.[29] Nach Veröffentlichung der Gesammelten Gedichte 1927 trat die lyrische Produktion Benns zeitweilig stark hinter weltanschauliche Aufsätze und die publizistische Auseinandersetzung mit Intellektuellen des politisch linken Spektrums zurück. Doch noch in der Kontroverse mit Johannes R. Becher lehnt Benn 1930 jedes politische Engagement und die Beschäftigung mit sozialreformerischen Fragen als eines wahren Dichters unwürdig ab. 1932 rückte Benn dann aber durch die Wahl in die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste stärker in den Fokus des öffentlichen kulturpolitischen Interesses.[30]

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde er als Nachfolger Heinrich Manns kommissarischer Vorsitzender der Sektion. Am 13. März, kurz nach der Reichstagswahl März 1933, verfasste er zusammen mit Max von Schillings eine Loyalitätsbekundung für Hitler, die den Mitgliedern eine nicht-nationalsozialistische politische Betätigung verbot:“ Sind Sie bereit unter Anerkennung der veränderten geschichtlichen Lage weiter Ihre Person der Preußischen Akademie der Künste zur Verfügung zu stellen? Eine Bejahung dieser Frage schließt die öffentliche politische Betätigung gegen die Reichsregierung aus und verpflichtet Sie zu einer loyalen Mitarbeit an den satzungsgemäß der Akademie zufallenden nationalen kulturellen Aufgaben im Sinne der veränderten geschichtlichen Lage.[31] Die Mitglieder mussten bei Drohung ihres Ausschlusses unterschreiben. Thomas Mann und Ricarda Huch traten aus; Gerhart Hauptmann, Oskar Loerke und Alfred Döblin, der dennoch als Jude seinen Austritt erklärte, und viele andere unterschrieben. Ausgeschlossen wurden z. B. Franz Werfel und Leonhard Frank.

Doch im Aufsatz Expressionismus von 1933 sah sich Benn zu einer Verteidigung dieser Kunstbewegung gegen nationalsozialistische Angriffe und zu einer Rechtfertigung seiner eigenen Position als einer ihrer literarischen Begründer genötigt.[32] Benn, dem von Börries Freiherr von Münchhausen zudem unterstellt wurde, jüdischer Abstammung zu sein, reagierte überrascht und fassungslos auf die Ablehnung, die seinem künstlerischen Werk von Seiten des neuen Regimes entgegenschlug. Die Willkür und Rechtslosigkeit des Judenboykotts – speziell auch in Bezug auf fünf in seinem Haus praktizierende ärztliche Kollegen – ließen in ihm zudem schon im Verlauf des Jahres 1933 Zweifel am neuen Staat aufkommen. Von Anfang 1933 bis zum sogenannten Röhm-Putsch (1934) setzte Benn sich dennoch durch essayistische Schriften für den Nationalsozialismus ein. Benn hatte sich in seinen frühen Aufsätzen von 1933 zwar deutlich für den neuen Staat, jedoch nicht explizit für dessen Führung durch eine Partei wie die NSDAP ausgesprochen. Schon damals wurde ihm langsam klar, dass er falsche Hoffnungen auf die politische Praxis der neuen Regierung gesetzt hatte. Dennoch trug er am 29. April 1933 die Akademie-Rede vor und unterschrieb das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler, das am 26. Oktober 1933 gedruckt wurde. Bald danach stellte Benn seine Bemühungen ein, sich einen staatlich sanktionierten Platz im nationalsozialistischen Literaturbetrieb zu sichern. Benns Werke nach 1934 sind dann verstärkt distanziert bis kritisch gegenüber dem NS-Regime.[33]

Der Germanist Benno von Wiese trat bereits im Mai 1933 der NSDAP bei. Er wurde am 1. Juli 1933 Mitglied im Nationalsozialistischen Lehrerbund, im Jahr darauf auch im NS-Dozentenbund.[34] Seit dem 1. Juli 1937 übte er in der NSDAP das Amt des Blockleiters aus. Von Wiese war Autor in Goebbels' Renommierblatt Das Reich und ab 1936 als Lektor in Alfred Rosenbergs Schrifttumskommission im Hauptlektorat Deutsche Literaturgeschichte tätig. Am 1. Februar 1943 wurde von Wiese zur Wehrmacht einberufen, aber 1944 durch den Führererlass „Sonderelbe“ und „Sonderelbe Wissenschaft“ für unabkömmlich („UK“) erklärt, so dass es zu keinem Fronteinsatz kam. Zu Beginn der NS-Zeit verfasste er apologetische Stellungnahmen zur Germanistik im Nationalsozialismus.

 

„Blut und Boden“-Literatur

Exemplarisch sei hierfür die „Ostexpansion“ als Ziel des Nationalsozialismus aufgegriffen, ihr politisch-weltanschaulicher Hintergrund kurz dargestellt und die literarische Umsetzung dieser Ideologie innerhalb einiger systemkonformer Werke nachgewiesen. Hierbei ist zu beachten, dass die Ostexpansion des NS-Regimes nicht in allen dargestellten Werken explizit thematisiert wird. „Verdienst“ der nationalsozialistischen Propaganda ist es jedoch, die Thesen Adolf Hitlers subtil zu unterbreiten (hier meist durch das stereotype Aufgreifen des Konzepts von „Blut und Boden“), ohne den zu vermittelnden Gegenstand beim Namen zu nennen.[35]

Vor der Betrachtung der Verwendung der Blut-und-Boden-Ideologie in der NS-Ideologie ist es notwendig, den Begriff „Blut und Boden“ zu klären. Hierbei handelt es sich um ein Konzept innerhalb des nationalsozialistischen Weltbilds, das sich besonders auf die Agrarpolitik des Dritten Reichs bezog und somit elementar zur Forderung nach „Lebensraum“ beitrug. Grundgedanke dieses Konzepts ist es, eine ausreichende Ernährung für das wachsende deutsche Volk sicherzustellen, wozu eine genügend große Grundfläche benötigt wird. Dieser Gedanke findet sich besonders in der deutschen Politik der Ostexpansion zur Zeit der NS-Herrschaft, die die Fläche Deutschlands zu Lasten Polens und Russlands vergrößern wollte.

In der Literatur des Nationalsozialismus spielt der Terminus „Blut und Boden“ eine große Rolle, nicht nur bezogen auf die deutsche Aggression gegen Osteuropa.[36] Dargestellt wird oftmals ein idealisiertes siedelndes Bauerntum in patriarchalischer Gesellschaft, in der die Aufgabe der Frau die Erziehung der Kinder ist und das durch seine Einfachheit und Bodenständigkeit gekennzeichnet sind. Eine weitere in der Literatur dargestellte Personengruppe ist das „tapfere Soldatentum“, das deutsches Land verteidigt und neuen Boden erobert. Diese Menschen sind organisch mit ihrem Boden verbunden, die Grenze der Symbolik und Mystik wird oftmals überschritten und eine tatsächliche Symbiose von Blut und Boden propagiert. Der Zweck der Blut-und-Boden-Literatur war propagandistischer Art und diente der Rechtfertigung des Angriffskriegs vorwiegend gegen die osteuropäischen Staaten.

In der Blut-und Boden-Literatur sind die handelnden Personen meist sehr eindimensional gezeichnet und stellen Typen dar, die äußerlich zumeist nach ihrer Funktion gekennzeichnet sind. Negative Charaktere sind schmutzig und dunkel dargestellt (die Polen bei Ucicky), körperliche Beeinträchtigungen verweisen auf schlechte Eigenschaften (der gehbehinderte Sozialist Wessel bei Grimm, uneheliche Sippe bei Berens-Totenohl), während die positiven Charaktere helle Haare und Haut und ein körperlich zumeist makelloses Erscheinungsbild aufweisen (Käthchen Timm bei Schauwecker).

Die Handlung von Blut-und-Boden-Werken findet zumeist in einem von Natur geprägten Umfeld statt, manchmal ist dieses als Kontrast zur negativen städtischen Umgebung gezeigt (z. B. Götz). Auch durch die Literaturgattung selbst wird die Verbindung von „Blut und Boden“ beschworen. Das nationalsozialistische Thingspiel wird als Blut-und-Boden-Gericht bezeichnet: „Daß dem Blut die Ehre werde wie dem Boden, der es schluckte, wird Gerichtstag abgehalten.“[37]

Dargestellt wird die Blut-und-Boden-Symbiose oftmals durch gegenseitiges Zuschreiben von Eigenschaften; diese Metaphorik wird ausgedrückt durch Wendungen wie „Erde wie ein Witwenschoß verdorrt“[38] oder „In Seligkeit das Herz der Erde klopft.“[39]

Die Ideale der „Blut-und-Boden“-Literatur sind somit der Bauer als Ernährer der Bevölkerung, der Soldat als Eroberer von „Lebensraum“ und die Frau als zur „Gebärmaschine“ degradierte Mutter.[40] Nach vollbrachtem Werk wird deren toter Körper von der Erde aufgenommen, aus ihm entsteht neues Leben. Der daraus folgende Gedankengang ist, dass selbst im Tod der Mensch noch „Dienst“ für sein Land leistet, indem er ihm zu Fruchtbarkeit verhilft.

In Ucickys „Heimkehr“ wird dieses Konzept von „Blut und Boden“ verdeutlicht durch die Lehrerin, die Wortführerin der von Polen internierten Bewohner des deutschen Dorfes, die die Heimkehr auf deutsches Reichsgebiet beschwört: „Wir werden mitten darinnen sein im Herzen von Deutschland. (…)  Aus der guten alten warmen Erde Deutschlands werden wir geboren. (…) Uns wird es ganz wunderlich sein ums Herz, dass die Krume des Ackers und das Stück Lehm und der Feldstein und das Zittergras und der schwankende Halm und der Haselnussstrauch und die Bäume, dass das alles deutsch ist, wie wir selber, zugehörig zu uns, weil’s ja gewachsen ist aus den Millionen Herzen der Deutschen, die eingegangen sind in die Erde und zur deutschen Erde geworden sind. Denn wir leben nicht nur ein deutsches Leben, wir sterben auch einen deutschen Tod. Und tot bleiben wir auch deutsch. Und wir sind ein ganzes Stück von Deutschland, eine Krume des Ackers für das Korn der Enkel. Und aus unserem Herzen, da wächst der Rebstock empor in die Sonne.“[41]

 

Die Programmschrift des Nationalsozialismus: Hitlers „Mein Kampf“

„Mein Kampf“, die Programmschrift des Nationalsozialismus, erschien in zwei Bänden in den Jahren 1925 und 1926, begonnen wurde sie von Adolf Hitler nach dem missglückten Putsch 1923 in der Festungshaft in Landsberg.[42] Die kritische Auseinandersetzung mit den Thesen und Zielen Hitlers in „Mein Kampf“ wurde spätestens nach der „Machtergreifung“ nicht geduldet, weshalb das Werk in oppositionellen Kreisen teilweise auch als „Hakenkreuzbibel“ bezeichnet wurde[43] ; wegen seiner Unantastbarkeit gilt es auch als das „Glaubensbekenntnis Hitlers“.[44] In zum Teil stark ineinander verschachtelten Gedankengängen handelt Hitler auf knapp 800 Seiten neben Rassentheorien und seinen Schlussfolgerungen aus geschichtlichen Ereignissen auch die Notwendigkeit einer deutschen Ostexpansion ab. Eine weitere heranzuziehende Quelle, die die Politik Hitlers verdeutlicht, ist ein 1928 entstandenes Manuskript ohne Titel[45], das als dritter Band von „Mein Kampf“ konzipiert war.[46] Zu beachten bei der Benutzung dieses nach 1945 zunächst verschollenen Manuskriptes ist, dass sich Hitler gegen eine Veröffentlichung entschied und somit die wissenschaftlich aufbereitete Erstveröffentlichung posthum 1961 erfolgte. Die Autoren der hier besprochenen Werke hatten somit keine Kenntnis von der Existenz des Manuskripts, der Inhalt der darin enthaltenen Ausführungen kann deshalb nur ergänzend zu Hitlers veröffentlichten Thesen genutzt werden.

In der deutschen Bevölkerung fand die Idee einer „Re-Germanisierung“ der vormals deutschen Ostgebiete (Westpreußen, Memelland, etc.) eine breite Zustimmung.[47] Darüber hinaus war an eine Vergrößerung des deutschen Reichsgebiets bis in Teile Russlands und der Ukraine geplant.[48] Umgesetzt wurde die Vertreibung der ansässigen Bevölkerung und Ansiedlung von Deutschen („Umvolkung“[49]) im Zuge des Zweiten Weltkriegs unter Heinrich Himmler. Die Maßgabe war, ein neues „Bodenrecht“ im Osten zu schaffen. Die SS war hierbei als Monopolistin vorgesehen, die „germanische“ Siedler auf sogenannten Siedlungsmarken und in 36 Siedlungsstützpunkten (kleine bis mittelgroße Städte) belehnt.[50] Da das Konzept Generalplan Ost außerhalb dieser Siedlungsstützpunkte keine größeren Städte vorsah, war unter anderem die Entvölkerung und anschließende Vernichtung von Leningrad und Kiew geplant.[51]

Die angeführten Gründe für eine Ostexpansionspolitik Deutschlands waren folgende: Ausgehend von einer großen jährlichen Bevölkerungszunahme Deutschlands – er beziffert diese ohne Angabe einer Quelle auf 900000 Personen  – schließt Hitler auf zu erwartende Ernährungsschwierigkeiten durch Nahrungsmittelknappheit, die „einmal bei einer Katastrophe enden, falls eben nicht Mittel und Wege gefunden werden, noch rechtzeitig der Gefahr dieser Hungerverelendung vorzubeugen.“[52]. Um dem zu entgehen, gebe es vier Möglichkeiten, die Hitler folgendermaßen skizziert: Der erste Weg zur Ernährung des deutschen Volkes bestehe in der künstlichen Einschränkung der Geburtenzahl, wie die Natur dies in Notzeiten praktiziere. Dies stellt für Hitler jedoch keine Option dar, da die Natur schließlich nicht wahllos die Zahl der Zeugungen, sondern den Fortbestand des Gezeugten durch natürliche Auslese dezimiere. Der erfolgte Überlebenskampf bewirke die Stärkung der Rasse. Solche Prüfungen lägen jedoch außerhalb menschlicher Fähigkeiten.[53] Eine zweite Möglichkeit zur Lösung des Ernährungsproblems sei eine „innere Kolonisation“, womit die Erhöhung der Ertragsfähigkeit der deutschen Ackerböden bis ans Maximum gemeint ist. Da diese Methode jedoch sehr begrenzt sei, wird sie ebenso abgelehnt. Für diese Grenze, „die durch den Boden dann selber gezogen wird“ und ihre Folgen, findet Hitler drastische Worte: „Der Hunger wird zunächst von Zeit zu Zeit, wenn Mißernten usw. kommen, sich wieder einstellen. Er wird dies mit steigender Volkszahl immer öfter tun, so daß er endlich nur dann nicht mehr auftritt, wenn seltene reichste Jahre die Speicher füllen.“[54]. Die innere Kolonisation werde auch dazu führen, dass sich das deutsche Volk in einer Zeit, in der sich andere Völker noch vermehren, in seiner Ernährung und Vermehrung beschränke, was zur außenpolitischen Schwächung und schlussendlich zur Vernichtung des Volkes führe .

Diesen beiden grundsätzlich abzulehnenden Optionen zur künftigen Ernährung stellt Hitler zwei seiner Meinung nach zu diskutierende Lösungswege des Problems gegenüber: Einerseits könne Deutschland „neuen Boden erwerben, um die überschüssigen Millionen jährlich abzuschieben“[55], andererseits gebe es die Chance, durch Ex- und Import den gestiegenen Bedarf zu decken und so als Handelsnation in Konkurrenz zu England zu treten.

Hitler reduziert das von ihm skizzierte Problem der zukünftigen Volksernährung auf die Formel „entweder Boden- oder Kolonial- und Handelspolitik“[56], um das Ziel „Freiheit und Brot“ zu erreichen. Nach Hitlers Auffassung ist der letzte dieser beiden Wege in der deutschen Wirtschafts- und Handelspolitik gegangen worden, was jedoch ein Fehler gewesen sei. Der „gesündere Weg“ wäre jedoch der erste gewesen, wie Hitler im Programm der NSDAP aufzeigt: „Das deutsche Volk deckt einen erheblichen Teil seines Lebensunterhaltes durch Einfuhr ausländischer Lebensmittel. (…)  Diese Möglichkeit hat uns der Ausgang des Weltkrieges versperrt.“[57] Durch eine Schwächung der deutschen Handelspolitik musste Deutschland Kredite aufnehmen, durch seine Verschuldung geriet es in die Fänge der „Schuldknechtschaft der kreditgebenden internationalen Hochfinanz“.[58]

Für nationalsozialistische Propagandaschriften ist dies eine typische Formulierung. Stereotyp werden in der NS-Ideologie negativ besetzte Begriffe wie „international“ und „Hochfinanz“ wiederholt und schließlich auf den gemeinsamen Nenner Jude(ntum) als Urheber der „deutschen Not“ gebracht. Dies war die Universalbegründung von nationalsozialistischen Politikern. In einer frühen Schrift Gottfried Feders, der das bereits am 24.2.1920 von Hitler im Münchener Hofbräuhaus offiziell vorgestellte Programm der NSDAP verfasste, wird dies besonders deutlich: „Die Hauptkraftquelle des Mammonismus ist der mühe- und endlose Güterzufluß, der durch den Zins geschaffen wird. Aus dem durch und durch unsittlichen Leihzinsgedanken ist die goldene Internationale geboren.“[59]

Unter diesem „Mammonismus“ versteht Feder die „internationalen übergewaltigen Geldmächte, (…) das internationale Großkapital“[60], oder er definiert die angeprangerte „Zinsknechtschaft“ als „(d)en Zustand der Völker, die unter der Geld- oder Zinsherrschaft der alljüdischen Hochfinanz stehen.“[61] Ohne den Versuch einer wissenschaftlichen Begründung zu liefern, ist somit die „Überlebensstrategie“ für das deutsche Volk in nationalsozialistischer Logik eine antisemitische, womit die Vernichtung jüdischer Menschen im Zuge der Ostexpansion gerechtfertigt wurde.

Die Lösung dieses Problems und somit die Sicherstellung der Ernährung des deutschen Volkes ist folgende: Eine Befreiung von der „Zinsknechtschaft“ ist nur möglich, wenn die deutsche Bevölkerung sich im Wesentlichen von eigenem Grund und Boden ernähren kann. Die Steigerung der Leistung der heimischen Landwirtschaft ist deshalb eine Lebensfrage für das deutsche Volk geworden: „Wir erkennen nicht nur die überragende Bedeutung des Nährstandes für unser Volk, sondern sehen im Landvolke auch den Hauptträger volklicher Erbgesundheit, den Jungbrunnen des Volkes und das Rückgrat der Wehrkraft.[62]

Mit der „Steigerung der Leistung der heimischen Landwirtschaft“ kann keine Erhöhung des Ertrages pro Fläche gemeint sein. Dies würde „innere Kolonisation“ bedeuten und das Problem des knappen Lebensraumes bei zunehmender Bevölkerungszahl nur zeitlich verschieben, wie Hitler bereits in „Mein Kampf“ darstellte. Somit zeigt Hitler die „Bodenpolitik“[63] – die deutsche Ostexpansion also – als einzigen für das deutsche Volk gangbaren Weg auf, wenn es seine Zukunft sichern will. Dass dies Krieg mit Deutschlands Nachbarnationen bedeutet, ist Bestandteil des Plans: „(W)as der Güte verweigert wird, hat eben die Faust sich zu nehmen.“[64]. Die Absicht zur Umsetzung seiner Theorie in die Praxis wurde ebenfalls bereits 1930 formuliert: „Ernährungs- und Siedlungsraum im großen für das wachsende deutsche Volk zu schaffen, ist Aufgabe der deutschen Außenpolitik.“[65]

Die in den Thesen in Hitlers „Mein Kampf“ schon 1924 formulierte Notwendigkeit zur Ostexpansion ging inhaltlich unmodifiziert in das Parteiprogramm der NSDAP ein: „Wir fordern Land und Boden (Kolonien) zur Ernährung unseres Volkes und Ansiedlung unseres Bevölkerungs-Überschusses.“ Festzuhalten bleibt, dass im offiziellen Parteiprogramm noch nicht explizit von Ostexpansion gesprochen wird, sondern lediglich von „Kolonien“, was in „Mein Kampf“ und in Hitlers Manuskript seines zweiten Buchs bereits insofern verdeutlicht war, als dass es sich bei „neuerworbenem“ Boden zur Ernährung des Volkes nicht um überseeische Kolonien, sondern nur um Boden in Europa handeln könne.[66] Konkretisiert wird diese Position auch in den Erläuterungen zu den Programmpunkten der NSDAP. So wird die „Aufrichtung eines geschlossenen Nationalstaates, der alle deutschen Stämme umfaßt“[67], gefordert mit dem Ziel, dass alle Deutschen, die „außerhalb der deutschen Staatsgrenzen in geschlossenen Siedlungsgebieten (leben), im Hinblick auf (ihre) volkstümliche Zugehörigkeit zum Deutschen Reich“[68], auch in den politischen Grenzen eines deutschen Reiches leben. Daraus ergibt sich entweder die Ostexpansion des Deutschen Reiches oder das „Heimholen“ deutscher Siedler in Osteuropa.

Zugleich diskutierte Hitler den Umfang der Ostexpansion. Er lehnte es entschieden ab, die deutschen Ostgrenzen von 1914 wiederherzustellen, was von vielen konservativen Kreisen in der Weimarer Republik gefordert wurde; er sah dies als Anachronismus.[69] Für den Nationalsozialismus und seine territorialen Ziele im europäischen Osten war dies jedoch bei weitem nicht ausreichend: „Die Forderung nach Wiederherstellung der Grenzen von 1914 ist ein politischer Unsinn von Ausmaßen und Folgen, die ihn als Verbrechen erscheinen lassen.“[70].

Hitler verneint solche Gedankenspiele mit der Begründung, dass auch die Grenzen des Kaiserreiches vor 1914 „alles andere eher als logische waren. (..) Sie waren nicht das Ergebnis eines überlegten politischen Handelns, sondern Augenblicksgrenzen eines in keinerlei Weise abgeschlossenen politischen Ringens“.[71]

Stattdessen war die Zielvorgabe der Nationalsozialismus, nach dem Wiederanschluss Ostpreußens an das deutsche Reichsgebiet durch Rückeroberung des polnischen Korridors und der unter Verwaltung des Völkerbundes stehenden Stadt Danzig die deutsche Reichsgrenze möglichst weit nach Osten auszudehnen, damit sich die Bevölkerung eigenständig um seine Ernährung kümmern könne. Hitler definierte hierfür in „Mein Kampf“ keine klare Grenzlinie, in den erhaltenen Dokumenten zum „Generalplan Ost“ wurde die Ausdehnung der zu besiedelnden Gebiete mehrmals strategischen Überlegungen und Erwägungen zur Durchführbarkeit unterzogen. So stand zum Beispiel der von Himmler beauftragte Stab 1941 schnell vor dem Problem, dass zur Besiedlung des eroberten und entvölkerten Polens nicht genug deutschstämmige Siedlungswillige zur Verfügung standen.[72] Das propagierte Problem „Volk ohne Raum“ wurde somit zur Frage der Bevölkerung des Raums.

Die Eroberung von „Lebensraum im Osten“ bis zum Ural, nach Möglichkeit auch noch weiter nach Osten vorstoßend, wird als Aufbruch in eine neue Epoche gesehen, mit der die „Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung (der) Vorkriegszeit“  ziehen wollen. Hitler stellt den geplanten Polen- und Russlandfeldzug in die Tradition der Völkerwanderung: „Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten.“[73]

Er versucht somit, durch einen außenpolitischen Schnitt in der Gegenwart, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden. Diese von ihm konstruierte Kontinuität sieht er in der Beendigung der „Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit“ und dem Übergang zur „Bodenpolitik der Zukunft“.[74] Mit dem Terminus der „Bodenpolitik“ plant Hitler den Angriffskrieg gegen Russland, denn „(w)enn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken, womit der Krieg gegen Polen und die Tschechoslowakei gleich mit inbegriffen ist. Das Erobern von „Lebensraum“ hatte dann auch oberste Priorität: Selbst während der sich anbahnenden Niederlage der 6. Armee der Wehrmacht in Stalingrad, wurden die Siedlungspläne ungebremst fortgeführt.[75]

Neben der Notwendigkeit genügend vorhandenen Raumes stellt Hitler gleichzeitig auch das Erfordernis heraus, dass „erbgesunde“ Bauern die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen. Zur Bewirtschaftung des Raums sind hier – zumindest in Planung und Propaganda – „heimgekehrte“ Volksdeutsche vorgesehen, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert nach Wolhynien, Galizien und in andere osteuropäische Regionen auswanderten und dort Kolonien bildeten. Für Hitler und die NS-Propaganda waren diese Bauern deshalb so interessant, da sie einerseits sich nicht in die einheimische Bevölkerung integriert hatten, sondern relativ abgeschottet in ihren Kolonien lebten – nach der Rassenlehre sich also „arisches Blut“ bewahrten[76] – und andererseits als „einfache Bevölkerung vom Land“ angesehen werden konnten, da sie einen einfachen Lebensstandard pflegten und so dem von Hitler propagierten idealen völkisch-germanischen Bauerntum entsprachen. Die ausgewanderten Siedler wurden „rassenbiologisch“ als besonders wertvoll angesehen, da „(f)ast ein Jahrtausend lang“ eine „Auslese tüchtiger und unternehmungslustiger Menschen aus allen deutschen Stämmen“ nach Osten abgewandert sei. Diese „Wanderungsauslese“ sei jedoch mittlerweile so weit fortgeschritten, dass der „deutsche Osten durch Wanderungsauslese seine Rassentüchtigkeit zu verlieren droht.“[77]

Neben wirtschafts- und ernährungspolitischen Theorien wurde im Nationalsozialismus auch mit Schlagworten, die die unzureichende Ernährungsmöglichkeiten für das deutsche Volk bzw. die „germanische Rasse“ und den dadurch gefährdeten Fortbestand des „Ariers“ verdeutlichen sollten, Propaganda betrieben. Unter anderem der Romantitel von Hans Grimm „Volk ohne Raum“ bot sich hierfür an. Die öffentliche Meinung wurde mit Propaganda und dem Schüren von Ängsten auf den geplanten Angriffskrieg gegen die Nachbarländer vorbereitet. Der Angriff „des deutschen Volkes“ gegen die es umgebenden „feindlich gesinnten Völker“, deren Verhalten nach dem „Versailler Diktat einem Aushungern der Deutschen“ gleichkomme, sei ein „legitimer Befreiungsschlag.“[78]

 

Der Roman als Propagandainstrument des NS-Regimes: Hans Grimms „Volk ohne Raum“

Der Autor Hans Grimm wurde 1875 in Wiesbaden geboren und verstarb vierundachtzigjährig in Lippoldsberg. In jungen Jahren arbeitete er als Kaufmann und Presseberichterstatter in Südwestafrika. Nach seiner Teilnahme als Kanonier im Ersten Weltkrieg lebte er ab 1918 als Schriftsteller. Er bekannte sich – obwohl er kein Mitglied der NSDAP war – während des NS-Regimes und auch nach 1945 offen zum Nationalsozialismus. Unter der Hitlerregierung zog er sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück, was vor allem an seinem gespannten Verhältnis zu Joseph Goebbels lag.[79] Daraus resultiert, dass das Hauptwerk Grimms vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten erschien, während er zwischen 1933 und 1945 kaum publizierte.

Bekannt wurde Hans Grimm in erster Linie durch seinen Roman „Volk ohne Raum“[80], dessen Titel zum Schlagwort innerhalb der NS-Ideologie wurde; das annähernd 1300 Seiten umfassende Werk erschien in Erstauflage 1926. Die vier Bände des Romans sind mit „Heimat und Enge“, „Fremder Raum und Irregang“, „Deutscher Raum“ und schließlich „Volk ohne Raum“ überschrieben. Der Roman „Volk ohne Raum“ ist neben „Mein Kampf“ vor 1933 erschienen, wodurch keine Einflussnahme des totalitären NS-Regimes auf den Autor erfolgt sein kann. Dies steht jedoch der Untersuchung des Romans nach Überschneidungen mit Adolf Hitlers Thesen – im Speziellen bezüglich der Expansion Deutschlands – nicht entgegen.

Hans Grimm beschreibt in seinem Roman das Leben Cornelius Friebotts, der, aus einfachen ländlichen Verhältnissen stammend, seinen Lebensunterhalt als Arbeiter verdient und versucht, sich immer mehr einem Leben anzunähern, das dem bäuerlichen Ideal seines Heimatortes entspricht. Der Mensch könne zwar sein Zuhause verlassen und in der Fremde ein Handwerk erlernen, „Sinn und Seele nähren sich weiter aus dem Wurzelboden der Heimat“[81]. Der Autor zeigt somit unzweifelhaft auf, dass es zwischen Mensch und Boden eine enge Verknüpfung gibt, die man nicht auf Dauer trennen kann.

Bereits als junger Mann wird Cornelius Friebott die „räumliche Enge“ der deutschen Bevölkerung in den Grenzen des Deutschen Reiches durch die Aussage seines Vaters Görge bewusst, der dieses Problem als „größte und schwerste deutsche Frage“[82] bezeichnet. Diese „Raumnot“ steht nationalem Denken nach entgegen der „Entwicklung der Völker und ist somit unnatürlich“. Grimm erklärt die Notwendigkeit des Raumes sehr wortgewaltig: „Die aus freien Männern bestehenden Stämme wurden zu Völkern und „griffen hinein in die leere Welt und errafften sich Fläche und Raum, darauf und darin ihre Kinder und Kindeskinder sich frei bewegen und frei leben und frei atmen könnten, ohne bei jeder Armbewegung an den Nachbarn anzustoßen.“[83].

Genauso wie der „Griff in die leere Welt“ natürlich ist, folgt jedoch nach Grimms Logik darauf die „Enge“, betreibt ein „gesunder Volkskörper“ keine Expansionspolitik: „Kinder werden geboren, und das Werk (das ihm zur Ernährung verfügbare Fläche, M.L.) kann er nicht kleiner als klein zerschneiden, und bis es keinem mehr nützt.“[84].

Nachdem Cornelius Friebott seine Heimat verlassen hat, dient er als Marinesoldat, wo er sich mit dem Sozialisten Martin Wessel anfreundet und dessen Gedankengut adaptiert. Durch einen Marineeinsatz gelangt Friebott zum ersten Mal in die damalige Kolonie Südwestafrika und beteiligt sich am Burenkrieg gegen englische Truppen. Seine Rückkehr nach Deutschland steht unter dem Eindruck des Gegensatzes zwischen der Weite des afrikanischen Landes und der dichten Besiedlung Deutschlands, was als räumliche Enge dargestellt wird. Friebott lässt sich als Arbeiter in einem Kohlebergwerk in Bochum anstellen, wo er wegen seiner sozialistischen Einstellung aneckt und auch zeitweise wegen Verbreitung aufrührerischen Gedankenguts in Haft kommt. Nach mehreren beruflichen und privaten Misserfolgen wandert Friebott schließlich nach Südafrika aus.

Nachdem er zusammen mit dem Sozialisten Wessel wiederum als Teil einer deutschen Truppe im Burenkrieg gegen England gekämpft hat, scheitert er bei dem Versuch, eine Anstellung als Handwerker zu bekommen, mehrfach daran, dass er „Deutscher“ sei.

Er nimmt aus nationalen Motiven heraus an einer kriegerischen Auseinandersetzung teil – dieses Mal gegen einen „Hottentottenstamm“. In der Folge kauft Friebott zusammen mit seinem ebenfalls nach Südafrika ausgewanderten Vetter George eine Farm, wo dieser mit seiner Frau sesshaft wird. Eine zwischenzeitliche Episode als Diamantenschürfer bleibt erfolglos. Während George weiter die südafrikanische Farm bewirtschaftet, kehrt Cornelius Friebott wiederum nach Deutschland zurück.

In Deutschland macht er auf einem sozialdemokratischen Parteitag die Erfahrung, dass die Sozialdemokratie seinem Weltbild entgegensteht. Besonders seine Forderung nach Siedlungsraum für das deutsche Volk stößt auf Unverständnis und offene Anfeindungen. Er kehrt zurück nach Afrika, wo er den Ausbruch des Ersten Weltkriegs miterlebt. In den durch den verlorenen Krieg bedingten Wirren gerät Friebott in englische Gefangenschaft, aus der er flieht. Nach mehrfachen Misserfolgen gelingt ihm über die damalige portugiesische Kolonie Angola die Rückkehr nach Deutschland, wo er als sozialistischer „Wanderredner“[85]  auftritt. Seine Thesen, die sich um die Enge Deutschlands und das Problem der Gebietserweiterung zur Sicherstellung der Ernährung des „deutschen Volkes“ drehen, stoßen auf Ablehnung, so dass er schließlich ermordet wird.

Der Gedankengang Grimms, der sich aus der Handlung von „Volk ohne Raum“ und den zwischengeschalteten politischen Betrachtungen ergibt, ist folgender: Das „deutsche Volk“, das schon immer ein „Bauernvolk“ war, wächst. Da die Grundfläche Deutschlands konstant blieb, bzw. sich als Folge der Bestimmungen des Versailler Vertrags noch verringerte, ergab sich zwangsläufig das Problem, dass der Raum knapp wurde und „der deutsche Boden sein Volk nicht mehr ernähren konnte“.[86]

Um diesem Dilemma zu entgehen, musste in Deutschland die Industrialisierung Einzug halten, wodurch eine neue Klasse entstand: das Proletariat. Die Schlussfolgerung, die sich für Grimm aus seinen Überlegungen ergibt, ist, dass wegen des Landmangels besitzlose Leute in Deutschland überwiegen. Dieses Problem sei durch die Vergrößerung des Lebensraums zu lösen, da in der Welt noch kein Landmangel herrsche. Der Sieg über die „Enge“ sei somit die Lösung der wirtschaftlichen, politischen und geistigen Probleme, die der Autor des Romans als „Sklavennot der Enge“ und „übervölkerte Heimat“[87] im „eingekeilte(n) Deutschland“[88]  stilisiert. Grimm propagiert somit einen nationalen Sozialismus. Die Unzulänglichkeit eines internationalen und die Vorteile eines nationalen Sozialismus arbeitet er anhand eines Dialogs seines Protagonisten Friebott mit dessen Freund Wessel heraus: Der internationale Sozialismus habe den (durch Wessels körperliche Behinderung versinnbildlichten) Makel, dass er die Völker zu wenig achte.[89] Als Grund hierfür gibt er an, dass dessen Begründer Marx ein Jude gewesen sei. Aber nur unter völkischen Voraussetzungen könne der Sozialismus bestehen, da die „Arbeiter jeden Volkes“ unterschiedliche Voraussetzungen hätten, die ihrer „Volkszugehörigkeit“ geschuldet seien. Somit funktioniere der Sozialismus nur auf nationaler Ebene. Im weiteren Handlungsverlauf nimmt Grimm Stellung zur „nationalen Identität“, die nur dadurch gesichert sei, dass „Deutsche auf deutschem Boden“ leben: „Ich will freilich, dass die Menschen die Freiheit ihrer Herkunft und Sprache behalten, und daß nicht einer aus lauter wirtschaftlichem Erschrecken sich selber auslöschen muß, damit die Kinder in Gottes Namen fremde Art gewinnen und sich leichter tun.“[90].

Grimm zeigt dieses Scheitern des Internationalismus am Beispiel Cornelius Friebotts auf: Dessen Leben findet wechselweise an Schauplätzen in Deutschland und Südwestafrika statt. In seiner „beengten Heimat“ Deutschland muss er, der ein Leben als Bauer anstrebt, seinen Lebensunterhalt als Arbeiter verdienen. In den Lebensabschnitten in dem scheinbar unbegrenzten Raum Afrikas kommt er seinem Ziel näher, allerdings nur, solange er dort unter deutscher Herrschaft lebt. Auf eine einfache Formel bringt Grimm die Notwendigkeit eines nationalen Sozialismus, wenn er den Verlust der deutschen Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg mit „Unsere Kolonien hatten bisher zweierlei Unglück, daß nämlich das deutsche Kapital und der deutsche Sozialismus international dachten“[91]  beklagt.

Ein ähnlicher Gedankengang führt bei Adolf Hitlers „Mein Kampf“ zum Ziel, die einzige Möglichkeit zur „Erhaltung des deutschen Volkes“ sei die „Vergrößerung des Lebensraumes“, auf dem „deutsche Volkszugehörige“ leben: „Durch die rasende Vermehrung der deutschen Volkszahl vor dem Kriege trat die Frage der Schaffung des nötigen täglichen Brotes in immer schärfer werdender Weise in den Vordergrund alles politischen und wirtschaftlichen Denkens und Handelns. (…) Der Verzicht auf die Gewinnung neuen Bodens und ihr Ersatz durch den Wahn einer weltwirtschaftlichen Eroberung mußte am Ende zu einer ebenso schrankenlosen wie schädlichen Industrialisierung führen.“[92]

Bei Hans Grimm wird dieser Aspekt noch weiter gedacht, die „Unnatürlichkeit“ der Industrialisierung lasse das „deutsche Volk“ verhungern: „Als Deutschland zu klein zu werden begann, baute es die Fabriken hin und baute immerfort Fabriken zu, Fabriken für richtiges Werkzeug und Spielzeug auch Lumperei, dabei Verrat geschieht an Menschenarbeit. Aber von Schloten und Kesseln und Treibriemen und Rädern und auch vom starken Arm kann noch keiner leben, und nicht einmal das Lohngeld selbst kann einer essen. (…) Denn so wenig Raum wie wir hatte nie ein anderes Volk“.[93].

Wie in „Mein Kampf“ wird auch in „Volk ohne Raum“ als scheinbare Alternative die Möglichkeit einer optimierten Bewirtschaftung von Ackerflächen diskutiert. Hitler stellt diese Option, „innere Kolonisation“ genannt, als zwar „gut gemeint“, aber geeignet, „den denkbar größten Schaden anzurichten“, dar.[94] Grimm zeigt an diesen Überlegungen den Unterschied zwischen der Landbevölkerung mit Bezug zum Ackerboden und dem Bildungsbürgertum – hier repräsentiert durch die überzeichnete Figur eines besserwisserischen „Hauptlehrers“ –, das ungeeignete Theorien zur Lösung des deutschen Ernährungsproblems in Kombination mit Industrialisierung entwirft: „Da ergriff der Hauptlehrer die Gelegenheit, klug und erzieherisch zu reden: „(…) Im Vordergrunde stehen vielmehr die Möglichkeiten zu Versuchen und zu Beispielen einer zeitgemäßen Bewirtschaftung, die durch die staatlichen Domänen mit gewährleistet sind. Im Vordergrund steht endlich, daß allein die großen Betriebe als Versorger unserer wachsenden Städte anzusehen sind.“[95]

Dem als Vertreter der Wissenschaft dargestellten „Hauptlehrer“ entgegnet der Bauer, der den Typ der einfachen Landbevölkerung verkörpert, dass die geforderte „zeitgemäße Bewirtschaftung“ nur ein Vorwand für Verpachtung von Boden sei und somit in die Verschuldung – im NS-Jargon „Zinsknechtschaft“ – der ehemals freien Bauern führe: „Und die zeitgemäße Bewirtschaftung kennen wir letztens. (…) (W)enn nämlich der Pächter weiß, daß die Pacht zu Ende geht, und wenn das Land einem verhungerten, räudigen Hunde zu gleichen beginnt.“[96] (S. 140).

Grimm wendet sich hiermit auch gleich gegen die vom Nationalsozialismus abgelehnte Verpachtung deutschen Bodens (Forderung nach „Unbeleihbarkeit des Bodens“[97] ), die in Abhängigkeit der deutschen Bauern und in Folge „zum Untergang des ganzen Volkes und somit der germanischen Rasse führe“.[98] Nachdem der, nach der Gegenargumentation der Bauern, verlachte „Hauptlehrer“ den Rückzug angetreten hat, wird das Problem des engen Raumes noch einmal von den Bauern betont und gleichsam die Dringlichkeit einer Lösung angemahnt: „ (D)ie Höfe (sind) immer kleiner geworden, und in vierzig oder fünfzig Jahren ist es (…) mit richtiger Bauernschaft ganz zu Ende.[99]

Die Frage nach Arbeit auf eigenem Grund und Boden wird im Anschluss an die Diskussion als Herzensangelegenheit gezeigt, wodurch sich in Grimms Argumentationsweise eine direkte Verbindung von Blut und Boden ergibt: „Indessen, wenn die Schicksalsgewalt der Arbeit solcher Art (Fabrikarbeit, M.L.) das ganze deutsche Volk unterjocht, daß kaum einer noch wählen darf nach seinem Herzen und nach dem Rufe seiner Natur, was wird dann aus den Herzen? (…) Blut läuft einen beharrlichen Weg, und wo sie es stauen, wird es gewiß krank und böse. (…) (D)er Bauer […] darf nicht in der Stube schaffen müssen, sonst verdirbt er durchaus.[100]

Besonders drastisch zeigt Grimm gegen Ende von „Volk ohne Raum“ die Verbindung von „Blut und Boden“ auf, als er schildert, wie ein deutscher Bauer, der wegen des verlorenen Krieges aus Südafrika ausgewiesen werden soll, Selbstmord begeht: „(U)nd sein Körper blieb.“[101]

„Zu wenig Raum für das deutsche Volk“ führt nach Grimm auch zu Feindschaft mit England, das sich als Welthandelsmacht ungeliebter Konkurrenz ausgesetzt sieht, wenn Deutschland sich als Handelsnation etablieren muss: „Die Engländer sind nicht mehr allein auf den sieben Meeren, sie haben Zuschauer gefunden, der Deutsche geht um. Der Deutsche hat selbst aufgehört auf seinem geringen Stück Erde Brot genug zu finden, seine neue Fabriken allein helfen auch nicht, sondern er muß zusehen, daß so viele Käufer und Verkäufer zwischen Osten und Westen und Norden und Süden erhalten bleiben, als nur sein kann.“[102]

 

Hanns Johsts „Schlageter“: „der erste Soldat des Dritten Reiches"

Mit seinem Drama „Schlageter“ aus dem Jahre 1933 wurde Hanns Johst zum führender Exponenten einer literarischen Mythen- und Legendenbildung, durch die ein ehemaliger Frontkämpfer zum Nationalhelden stilisiert wird. Mit seinem Stück erreichte dieser gleich nach dem Ende des ersten Weltkrieges einsetzende Prozess seinen absoluten Höhepunkt. Durch Johsts Drama verbreitete sich das Schlagwort vom „ersten Soldat des Dritten Reiches“, das dem von den Nationalsozialisten betriebenen Militärkult enormen Auftrieb verlieh.[103] Der Autor hatte seine literarische Laufbahn mit expressionistischen Dramen begonnen und war schon in den zwanziger Jahren ein anerkannter und wiederholt aufgeführter Dramatiker gewesen. Mit Beginn der Weimarer Republik hatte er den Expressionismus hinter sich gelassen und war auf einen immer stärker völkisch und nationalistisch ausgerichteten Kurs eingeschwenkt, der ihn schließlich zu einem überzeugten Nationalsozialisten und zu einem der erfolgreichsten Kulturfunktionäre des Dritten Reiches werden ließ. Die Krönung seiner politischen Karriere war das Amt des Joseph Goebbels direkt unterstellten Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, das er von 1935 bis 1945 innehatte.

Dass Johst als Dramatiker ursprünglich im Stil des Expressionismus geschrieben hatte, erkennt man zum Beispiel daran, dass der Protagonist Leo Schlageter - ähnlich dem eines expressionistischen Wandlungs- und Verkündigungsdramas - sich vom zögernden Zweifler am Sinn seines Tuns zum überzeugten Verfechter des aktiven Widerstands gegen die französische Besetzung des Rheinlandes im Jahre 1923 entwickelt. Damit wird er für seine „Kameraden“ zur vorbildlichen Führerfigur und für seine Förderer und Sympathisanten nach seiner Verhaftung und Hinrichtung durch die französischen Besetzer zum „nationalen Märtyrer“.[104] Die Botschaft zum Schluss des Dramas ist keinesfalls die eines gescheiterten Partisanenkämpfers, sondern im Gegenteil die eines „erfolgreichen Patrioten“, dessen Opfer nicht umsonst gewesen ist. Aufrechten Hauptes und mit pathetischen Durchhalteappellen an seine „Kameraden und alle deutschen Volksgenossen“ geht er im Stil eines expressionistischen Welterneuerers triumphierend in den Tod - überzeugt, dass sein Kampf eines Tages siegreich zu Ende geführt werden wird. Für den ideologischen Einpeitscher des Nationalsozialismus Joseph Goebbels befand sich Deutschland im Erscheinungsjahr des Johstschen Dramas und zehn Jahre nach der beispielgebenden Heldentat Schlageters an der Schwelle zu der von Schlageter verkündeten Wiedergeburt eines einstmals mächtigen Reiches, das nun den Weg zu neuer nationaler Größe angetreten hatte.

Aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen stammend und zur Zeit des Dramengeschehens 29 Jahre alt, gehörte die historische Figur des Albert Leo Schlageter nicht zur Schicht der Gebildeten, Adligen oder sonst wie Privilegierten im Deutschland jener Tage. Er eignete sich hervorragend für den aus dem Volk aufsteigenden und sich für sein Volk hingebenden Typus eines nationalen Helden und passte so recht in das von den Nationalsozialisten erzeugte und propagierte Weltbild, in dem ein fest mit „seinem Volk verwachsenes“ Individuum, das die „besten Kräfte des Volkes“ in sich vereint, eine Führungsrolle übernimmt und es aus kollektiver Misere zu nationalem Triumph führt.[105] Der im Drama wiederholt verwendete Begriff der „Kameradschaft“ unterstreicht symbolisch das Zusammengehörigkeitsgefühl der ehemaligen Frontkämpfer in ihrem unerschütterlichen Glauben,  das Richtige zu tun.

Die Uraufführung des Dramas, das der Autor Hanns Johst „seinem Führer Adolf Hitler in liebender Verehrung und unwandelbarer Treue“[106] persönlich gewidmet hatte, fand am 20. April 1933 zu Hitlers erstem Geburtstag als Reichskanzler im Staatlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin in Anwesenheit Hitlers statt und wurde ein großer Erfolg. Umjubelt von tosendem Applaus bestieg der Autor selbst die Bühne und grüßte Hitler und die versammelte Nazi-Prominenz mit ausgestrecktem rechten Arm, während das begeisterte Publikum das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied anstimmte. Mit diesem Aufführungserfolg verabschiedete sich Hanns Johst von seiner Tätigkeit als Dramenautor und widmete sich nunmehr ganz seiner Karriere als nationalsozialistischer Kulturfunktionär. Allerdings hegte er hochfahrende Pläne, dereinst die Saga der deutschen Eroberungsfeldzüge im Osten zu schreiben und auf diese Weise zur literarischen „Verewigung des Germanentums“ beizutragen.[107]

Nach diesem triumphalen Aufführungserfolg meldeten sich nur wenige kritische Stimmen  wie die Golo Manns oder Johannes R. Bechers  zu Wort und zeigten sich empört über die im Stück verbreiteten Feindseligkeiten gegenüber pazifistisch eingestellten Bevölkerungskreisen und den aggressiven Zynismus, der sich zum Beispiel in Äußerungen des Schlageter-Kumpanen Friedrich Thiemann offenbart, wenn der Autor ihn sagen lässt: „Wenn ich Kultur höre ... entsichere ich meinen Browning!“ Hierin spiegele sich - so Becher - die zynische Geisteshaltung, mit der die Nazis im Mai 1933 die Bücherverbrennung betrieben haben. In Äußerungen wie dieser kündige sich eine Mentalität an, durch die echte deutsche Kulturwerte mit Füßen getreten wurden. Auf diese Weise werde aus Schwarz Weiß gemacht.“ Mit solchen und ähnlichen Passagen entlarve sich das Stück als ein einziges „Bekenntnis zur Barbarei“.[108]  Auch ehemalige Frontkämpfer und spätere NS-Gefolgsleute bekannten ihren Unmut mit der im Drama konstruierten Pseudo-Wirklichkeit einer verschworenen Gemeinschaft unverbesserlicher Saboteure und warfen - wie beispielsweise Paul Fechter in einem persönlichen Schreiben an den Autor - Johst vor, er ersetze einen zivilisierten „klassischen“ durch einen „barbarischen“ und zutiefst menschenfeindlichen Kulturbegriff.[109]

Bei Thomas Mann stieß die Verherrlichung der Schlageter-Figur in Johsts Drama, wie überhaupt die Tendenz der nationalsozialistischen Kultur- und Literaturpolitik zur Mythen- und Legendenbildung, auf entschiedene Ablehnung. Missbilligend kommentierte er sie als „der deutsche Wille zur Legende, zum Mythos, zu dem, was nicht wahr, aber 'schöpferisch' ist, ein Wille gegen die Wahrheit, gegen die geistige Reinlichkeit“.[110] Für ihn waren die gewaltverherrlichenden nationalsozialistischen Mythen massenwirksame Steuerungsinstrumente, durch die Wahrheit und Fiktion untrennbar miteinander vermengt wurden und später erfolgte „barbarische“ Akte wie die der Judenverfolgung gerechtfertigt erscheinen sollten.

Als Dramaturg hatte Hanns Johst in den zwanziger Jahren die Idee eines völkischen Kulttheaters entwickelt, in dem Akteure und Zuschauer zu einer Erlebnisgemeinschaft verschmelzen sollten. Diese Gedanken hatte er in seiner Schrift mit dem bezeichnenden Titel "Ich glaube! Bekenntnisse von Hanns Johst" (1928) niedergelegt. Darin war davon die Rede, dass das neue wie einst das griechische Drama völkisch und national werden müsse und es auf diese Weise zur „Wiedergeburt einer Glaubensgemeinschaft" kommen würde.“ Statt einer "vernunftmäßigen" forderte er eine "gefühlsmäßige Dramaturgie".[111]

Oberstes Ziel sei es, die Menschen zu der Erfahrung zu führen, dass sie „ein Volk und eine Schicksalsgemeinschaft“ seien.[112] Johsts Bemühungen um ein neues Theater zielten aber nicht nur darauf ab, zwischen Bühne und Zuschauern eine Erlebnisgemeinschaft herzustellen, sondern waren vor allem Ausdruck seiner bedingungslosen Bereitschaft, die Literatur überhaupt in den Dienst des totalitären Staates zu stellen, sie für dessen Ziele zu instrumentalisieren und durch seine Verstaatlichung eine Gleichschaltung des gesamten Theaterlebens herbeizuführen. Um die Überwältigung der Zuschauer durch das dargestellte Geschehen zu gewährleisten, mussten sie zur „Gefolgschaft erzogen“ werden. Das Publikum wurde als ungestaltete Masse betrachtet, die durch ein propagandistisches Theater erst zur Gemeinschaft geformt wurde - analog zu einer staatlichen Führungsfigur, die die Massen der Bevölkerung zur „Volksgemeinschaft“ zusammenschweißen würde. Damit wurde zugleich der pseudo-sakrale Charakter des Theaters betont. Das Theater sollte zum Kult, zum Religionsersatz und zu einem Ereignis umgestaltet werden, das in den Worten des Propagandaministers Joseph Goebbels die Funktion eines „nationalen Gottesdienstes“ erhält.

Auch im „Schlageter“-Drama soll das Publikum aufgerüttelt und überwältigt werden. Diese Funktion kommt besonders stark in der Schlussszene zum Tragen, wo der Protagonist sich unmittelbar vor seiner Hinrichtung mit pathetischer Gebärde an das Publikum wendet und im Angesicht des Todes „zu nationaler Einheit und zum Kampf gegen die Unterdrücker des Vaterlandes“ aufruft. Es ist klar, dass er nicht nur als Märtyrer erscheinen, sondern vor allem die Rolle einer nationalen Führungsfigur übernehmen soll, die „seinem Volk aus der Misere hilft“.[113] In der Terminologie der Nationalsozialisten wird sein Tod als „Fanal“ inszeniert, um „dem deutschen Volk den Weg zur nationalen Wiedergeburt“ zu weisen.[114]

 

Antisemitische Propaganda in der Literatur

Im Jahr 1935 erschien im Stürmer-Verlag Julius Streichers in Nürnberg ein Buch, das massenhaft Propaganda gegen die Juden verbreitete. Sein Titel lautet: „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid - Ein Bilderbuch für Groß und Klein“. Der erste Teil dieses Buchtitels ist unter 5 der insgesamt 21 Gedichte als „Warnung“ an die Leser vor den Juden gedruckt. Damit ist gemeint: „Dem Juden könnte man nicht trauen, wenn er Eid auf Hypokrates  (Ärzte) oder auf Justitia (Juristen) geschworen hat.“[115] Autorin und Zeichnerin soll die damals 18jährige Elvira Bauer gewesen sein, wobei über ihr Alter verschiedene Angaben existieren und auch ihre Autorschaft nicht sicher ist.

Die Juden werden als „ehrloses Volk“ dargestellt, das nur dem Talmud unterworfen ist, nicht aber einem Eid, den einzelne seiner Mitglieder durch ihren Beruf bedingt leisten mussten. Daher ist auf dem Titelblatt des Buches in der rechten oberen Ecke das Bild eines Juden zu sehen, der seine Finger beim Schwur kreuzt und dabei hinterhältig grinst. Nicht weniger verschlagen soll der in der linken unteren Ecke abgebildete Fuchs erscheinen, der seit dem Altertum Hinterlist und Falschheit verkörpert.[116]

Die Verschlagenheit des Fuchses findet sich in unzähligen Geschichten und Fabeln. Im mittelalterlichen Werk „Reinhart Fuchs“ zeigt er sich als böser Verführer, der die anderen Tiere mit List und Tücke ins Unglück stürzt. Einige verlieren dabei ihre Gliedmaßen, sehr viele tierische Protagonisten müssen jedoch für ihre Gutgläubigkeit und Vertrauensseligkeit mit dem Leben bezahlen, wie das Finale zeigt. Hier wird Reinhart Fuchs vor den Löwen Vrevel, den König der Tiere, geführt, wo er wegen seiner zahlreichen Verbrechen angeklagt werden soll. Da der Fuchs allerdings weiß, dass ihn die Todesstrafe erwartet, bedient er sich einer List, um sein Fell und somit sein Leben zu retten. Er nutzt die Leichtgläubigkeit und die Selbstgefälligkeit Vrevels aus, indem er sich ihm als Gesandter eines berühmten Arztes vorstellt und ihm anbietet, ihn von seinen Leiden zu befreien. Reinhart Fuchs greift zu mehreren Listen, um alle seine tierischen Widersacher auszuschalten, damit sie ihm auch später nicht mehr schaden können. Er verlangt von vielen seiner Kontrahenten ein diese das Leben kostendes Opfer, angeblich für die Genesung König Vrevels. Alle anderen werden von Reinhart Fuchs betrogen und selbst König Vrevel entkommt seiner Hinterlist nicht und büßt seine Arglosigkeit mit dem Leben. Auch als Ehebrecher zeigt sich Reinhart Fuchs, indem er mit der Wölfin Hersant, Isengrins Frau, den Beischlaf vollzieht. Er wird in dem gesamten Werk als böses und gewissenloses Wesen dargestellt, dem das Leben und die Befindlichkeit anderer Lebewesen völlig gleichgültig und das nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.

Dies ist ebenfalls die Intention des Buches „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid …“. Hier wird allerdings der Fuchs durch die Person des Juden ersetzt. Die Attitüden, die dem Fuchs in der mittelalterlichen Fabel unterstellt werden, sind hier bewusst auf die Juden übertragen worden, um sie negativ zu charakterisieren und ihre Vernichtung zu rechtfertigen. Die Schulbehörden hatten dieses Buch nicht für den Unterricht freigegeben und sogar vielen Funktionären des Nationalsozialismus war es zu geschmacklos und primitiv. Damit war es jedoch ganz nach Julius Streichers Sinn, denn er galt zu seiner Zeit sogar unter seinen Parteigenossen als einer der hetzerischsten Antisemiten und wurde von einigen wegen seiner „pervers-neurotischen Zwangsvorstellungen“ gemieden.[117]

Das Buch ist in zwei thematische Teile untergliedert. Der erste Teil befasst sich mit den Vorwürfen und Unterstellungen gegen die Juden und im zweiten Teil werden die nationalsozialistischen Gegenmaßnahmen beschrieben. Diese äußern sich in der Verherrlichung Julius Streichers und seiner Wochenzeitschrift „Der Stürmer“, dem Boykott jüdischer Händler, hier eines jüdischen Kaufhausbetreibers, dem Ausschluss der jüdischen Schüler und Lehrer aus deutschen Schulen bis hin zur Ausgrenzung von Juden aus Erholungsgebieten. Das positive Gegenbild zu den Juden stellt die Zeichnung einer Gruppe von Hitlerjungen vor einer alpinen Kulisse dar. Das zugehörige Gedicht enthält folgende Zeilen: „Den deutschen Führer lieben sie. Den Gott im Himmel fürchten sie. Die Juden, die verachten sie. Die sind nicht ihresgleichen; Drum müssen sie auch weichen!“[118]

Hier ist erkennbar, dass sich eine Sprachabgrenzung zur Darstellung der Gefühle der Hitlerjungen, stellvertretend für das „deutsche Volk“, vollzieht: Liebe - Furcht - Verachtung. Damit wird ein Spektrum intensiver Gefühle angesprochen.

Mit dem gezielten Ansprechen dieser Gefühle der Verachtung und des Hasses versucht Elvira Bauer, durch den Text und die farbenfrohen Zeichnungen die Leserschaft gegen die Juden aufzuwiegeln und die Vertreibung des gesamten jüdischen Volkes aus Deutschland voranzutreiben und zu rechtfertigen. Besonders das letzte Bild des Buches, auf dem einige der zuvor dargestellten Juden dem Schild „Einbahnstraße“ folgen und mit leichtem Gepäck griesgrämig ihres Weges ziehen, stellt das Ziel dieses Buches dar: Dass alle Juden gehen und nie wieder zurückkehren.

Der Schriftzug „Die Juden sind unser Unglück!“ auf dem von einem Jungen gehaltenen Schild soll eindringlich zeigen, wie wichtig der Weggang der Juden für das deutsche Volk ist. Dieser Satz stand auch in jeder Ausgabe des „Stürmer“. Dieser bewarb das Buch „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid …“ intensiv, wie an diesen beiden Ausschnitten erkennbar ist:„(…) Das Wissen vom Juden aber ist das Wissen vom Teufel. Ein Volk, dass von Geschlecht zu Geschlecht das Wissen vom teuflischen Treiben des Volkes Juda weitervererbt, bleibt davor bewahrt, auf's neue der Schlange (und damit dem Teufel!) zu glauben und sein Glück für immer zu verlieren. Solch unverlierbares Wissen von den Gefahren, die den nichtjüdischen Völkern vom Juden drohen, wird nur dann einem Volke werden, wenn Herz und Hirn schon in frühester Jugend (und damit in empfänglichster Zeit!) dafür in Anspruch genommen werden. Die Eindrücke, die man schon in frühester Kindheit empfängt, bleiben unverlierbar durchs ganze Leben. (...) Das Bilderbuch: ,Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid’, das in diesen Tagen in die deutschen Lande hinausgeht, will mithelfen mit freudigen Farben und verständlichen Versen der deutschen Jugend schon in ihrer Frühzeit Vermittlerin ernsten Wissens zu sein. Aber nicht bloß für die kleinen Kinder hat Elvira Bauer dieses einzigartige Bilderbuch geschaffen. Auch für Große ist es bestimmt (...). Wer zu großen und kleinen Kindern sprechen will, muß die Sprache des Kindes und seine Aufnahmefähigkeit kennen. Elvira Bauer weiß, wie man es dem großen und kleinen Kinde sagen muß. Und Groß und Klein werden es ihr danken, daß sie das erste und beste Bilderbuch schuf, das man im neuen Reich mit seinem neuen Volk auf jeden Weihnachtstisch legen soll.“[119]

Diese euphorische Werbung fand noch in derselben sowie in weiteren Ausgaben des „Stürmer“ seine Fortsetzung durch die Werbeanzeige mit dem Wortlaut: „(…) Meisterhaft versteht die Verfasserin, die Jugend in ein Wissensgebiet einzuführen, daß nur Wenigen bekannt geworden ist. In anschaulicher Weise wird hier mit Bildern und Versen gesagt, wer der Teufel der Welt ist. Hier wird der Jude gezeigt, wie er leibt und lebt. Deutsche Eltern! Legt dieses Bilderbuch in die Hand eurer Kinder. Ihr macht ihnen damit eine große Freude und helft mit, sie zu erziehen, daß sie im späte- ren Leben mit offenen Augen sehen, wer der große Feind der Menschheit ist. Das kleine Meisterwerk ist im Stürmer-Verlag, Nürnberg erschienen (...).“[120]

Der Text ist in Sütterlin gesetzt. Besondere Hervorhebungen erfahren einzelne Worte und ganze Sätze durch Druck in roter Farbe. Dies geschieht mit den Textteilen, die Negativattribute der Juden und Parolen zur Hetze gegen diese enthalten.

 


[1] Zimmermann, C.: Medien im Nationalsozialismus. Deutschland 1933–1945, Italien 1922–1943, Spanien 1936–1951, Wien u. a. 2007, S. 14

[2] Wolnik, G.: Mittelalter und NS-Propaganda: Mittelalterbilder in den Print-, Ton- und Bildmedien des Dritten Reiches, Münster 2004, S. 20

[3] Paul, G.  Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933, Bonn 1990, S. 27

[4] Zimmermann, C.: Medien im Nationalsozialismus. Deutschland 1933–1945, Italien 1922–1943, Spanien 1936–1951, Wien u. a. 2007, S. 19

[5] Paul, G.  Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933, Bonn 1990, S. 67

[6] Zimmermann, C.: Medien im Nationalsozialismus. Deutschland 1933–1945, Italien 1922–1943, Spanien 1936–1951, Wien u. a. 2007, S. 89

[7] Paul, G.  Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933, Bonn 1990, S. 102

[8] Zimmermann, C.: Medien im Nationalsozialismus. Deutschland 1933–1945, Italien 1922–1943, Spanien 1936–1951, Wien u. a. 2007, S. 62

[9] Skor, H.: „Brücken über den Rhein“. Frankreich in der Wahrnehmung und Propaganda des Dritten Reiches, 1933–1939, Essen 2011, S. 89

[10] Marks, S.: Warum folgten sie Hitler? Die Psychologie des Nationalsozialismus, Düsseldorf 2007, S. 28

[11] Wolnik, G.: Mittelalter und NS-Propaganda: Mittelalterbilder in den Print-, Ton- und Bildmedien des Dritten Reiches, Münster 2004, S. 67

[12] Skor, H.: „Brücken über den Rhein“. Frankreich in der Wahrnehmung und Propaganda des Dritten Reiches, 1933–1939, Essen 2011, S. 68

[13] Paul, G.  Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933, Bonn 1990, S. 57

[14] Ebd.

[15] Wolnik, G.: Mittelalter und NS-Propaganda: Mittelalterbilder in den Print-, Ton- und Bildmedien des Dritten Reiches, Münster 2004, S. 18

[16] Sywottek, J.: Mobilmachung für den totalen Krieg. Die propagandistische Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den Zweiten Weltkrieg, Opladen 1976, S. 25

[17] Zimmermann, C.: Medien im Nationalsozialismus. Deutschland 1933–1945, Italien 1922–1943, Spanien 1936–1951, Wien u. a. 2007, S. 65

[18] Longerich, P.: Goebbels. Biographie, München 2010,  S. 120

[19] Skor, H.: „Brücken über den Rhein“. Frankreich in der Wahrnehmung und Propaganda des Dritten Reiches, 1933–1939, Essen 2011, S. 136

[20] Skor, H.: „Brücken über den Rhein“. Frankreich in der Wahrnehmung und Propaganda des Dritten Reiches, 1933–1939, Essen 2011, S. 139

[21] Marks, S.: Warum folgten sie Hitler? Die Psychologie des Nationalsozialismus, Düsseldorf 2007, S. 72

[22] Sywottek, J.: Mobilmachung für den totalen Krieg. Die propagandistische Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den Zweiten Weltkrieg, Opladen 1976, S. 39

[23] Longerich, P.: Goebbels. Biographie, München 2010, S. 120

[24] Paul, G.  Aufstand der Bilder. Die NS-Propaganda vor 1933, Bonn 1990, S. 122

[25] Sywottek, J.: Mobilmachung für den totalen Krieg. Die propagandistische Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den Zweiten Weltkrieg, Opladen 1976, S. 73

[26] Marks, S.: Warum folgten sie Hitler? Die Psychologie des Nationalsozialismus, Düsseldorf 2007, S. 90

[27] Lohner, E.: Passion und Intellekt. Die Lyrik Gottfried Benns, Frankfurt a. M., 1986, S. 28ff

[28] Lohner, E.: Passion und Intellekt. Die Lyrik Gottfried Benns, Frankfurt a. M., 1986, S. 90

[29] Holthusen, H. E.: Gottfried Benn: Leben, Werk, Widerspruch. 1886–1922, Stuttgart  1986, S. 65

[30] Schröder, J.: Gottfried Benn und die Deutschen. Studien zu Person, Werk und Zeitgeschichte, Tübingen 1986, S. 36

[31] Schröder, J.: Gottfried Benn und die Deutschen. Studien zu Person, Werk und Zeitgeschichte, Tübingen 1986, S. 102

[32] Holthusen, H. E.: Gottfried Benn: Leben, Werk, Widerspruch. 1886–1922, Stuttgart  1986, S. 76

[33] Schröder, J.: Gottfried Benn und die Deutschen. Studien zu Person, Werk und Zeitgeschichte, Tübingen 1986, S. 122

[34] Rossade, K.-D.: „Dem Zeitgeist erlegen“. Benno von Wiese und der Nationalsozialismus, Heidelberg 2007, S. 34ff

[35] Sarkowicz, H./ Mentzer, A.: Vorwort, in: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biografisches Lexikon, Hamburg 2002, S. 5

[36] Haefs, W-: Einleitung, in: Nationalsozialismus und Exil 1933-1945, München, Wien 2009, S 7f

[37] Euringer, R.: Thingspielthesen I, in: Völkischer Beobachter (20.06.1934), Abdruck in: Wulf, J.: Theater und Film im Dritten Reich. Eine Dokumentation, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1983, S. 183ff

[38] Miegel, A.: Dem Führer!, in: Plenzat, K. (Hrsg.) Ich hörte ein Heldenlied sagen und singen. Deutsche Geschichte in Balladen und Liedern, Breslau 1938, S. 372.

[39] Berens-Totenohl, J.: Liebesfeier, in: Berens-Totenohl, J.: Das schlafende Brot. Gedichte. Jena 1936, S. 14.

[40] Loewy, E.: Literatur unterm Hakenkreuz. Das Dritte Reich und seine Dichtung. Eine Dokumentation, Frankfurt am Main 1990, S. 113

[41] Ucicky, G.: Heimkehr (1941), in: Erwin Leiser: Deutschland erwache. Film als Propaganda im NS-Staat Münster 1967/68

[42] Zentner, C.: Adolf Hitlers Mein Kampf. Eine kommentierte Auswahl, Berlin 2006, S. 9f.,

[43] Harand, I.: „Sein Kampf“. Antwort an Hitler, Wien 1936, S. 7.

[44] Trevor-Roper, H.R.: Hitlers Kriegsziele, in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 8 (2/1960), S. 121

[45] Weinberg, G.L. (Hrsg.) Hitler, Adolf: (ohne Titel), in: Hitlers Zweites Buch. Ein Dokument aus dem Jahr 1928,  Stuttgart 1961, S. 43-224.

[46] Vgl. Weinberg, G. L.: Einleitung, in: Hitlers Zweites Buch. Ein Dokument aus dem Jahr 1928, Stuttgart 1961, S. 15,

[47] Wasser, B.: Himmlers Raumplanung im Osten. Der Generalplan Ost in Polen, Basel, Berlin, Boston 1996, S. 8.

[48] Ebd., S. 13

[49] Ebd., S. 7

[50] Benz, W.: Generalplan Ost, in: Benz, W./Graml, H./Weiß, H.  Enzyklopädie des Nationalsozialismus,  München 1997, S. 485f.

[51] Zehnpfennig, Barbara: Adolf Hitler: Mein Kampf. Studienkommentar, München 2011, S. 70

[52] Ebd., S. 143f

[53] Ebd., S. 144

[54] Ebd., S. 148

[55] Ebd., S. 151

[56] Ebd.

[57] Hitler, A.: Parteiamtliche Kundgebung über die Stellung der N.S.D.A.P. zum Landvolk und zur Landwirtschaft (06.03.1930), in: Das Programm der N.S.D.A.P. und seine weltanschaulichen Grundgedanken, München 1934, S. 9

[58] Ebd.

[59] Zehnpfennig, Barbara: Adolf Hitler: Mein Kampf. Studienkommentar, München 2011, S. 16.

[60] Feder, Gottfried: An Alle, Alle! Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft, Diessen vor München 1919,  S. 5

[61] Ebd., S. 7

[62] Hitler, A.: Parteiamtliche Kundgebung über die Stellung der N.S.D.A.P. zum Landvolk und zur Landwirtschaft (06.03.1930), in: Das Programm der N.S.D.A.P. und seine weltanschaulichen Grundgedanken, München 1934, S. 9

[63] Zehnpfennig, Barbara: Adolf Hitler: Mein Kampf. Studienkommentar, München 2011, S. 151

[64] Ebd., S. 152

[65] Hitler, A.: Parteiamtliche Kundgebung über die Stellung der N.S.D.A.P. zum Landvolk und zur Landwirtschaft (06.03.1930), in: Das Programm der N.S.D.A.P. und seine weltanschaulichen Grundgedanken, München 1934, S. 12

[66] Feder, Gottfried: An Alle, Alle! Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft, Diessen vor München 1919,  S. 12

[67] Feder, Gottfried: Die Programmforderungen im Einzelnen, in: Das Programm der N.S.D.A.P. und seine weltanschaulichen Grundgedanken,  München 1934, S. 31

[68] Ebd., S. 38.

[69] Trevor-Roper, H. R.: Hitlers Kriegsziele, in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 8 (2/1960), S. 122

[70] Zehnpfennig, Barbara: Adolf Hitler: Mein Kampf. Studienkommentar, München 2011, S. 734

[71] Ebd., S. 736

[72] Wetzel, E.: Stellungnahme und Gedanken zum Generalplan Ost des Reichsführers SS (27.4.1942) (Abdruck in: Heiber, Helmut: Generalplan Ost. Dokumentation, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 6 (3/1958), S. 297-324), S. 298 und 305.

[73] Zehnpfennig, Barbara: Adolf Hitler: Mein Kampf. Studienkommentar, München 2011, S. 742

[74] Zehnpfennig, Barbara: Adolf Hitler: Mein Kampf. Studienkommentar, München 2011, S. 742

[75] Heiber, Helmut: Der Generalplan Ost. Vorbemerkung, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 6 (3/1958), S. 292

[76] Wetzel, E.: Stellungnahme und Gedanken zum Generalplan Ost des Reichsführers SS (27.4.1942) (Abdruck in: Heiber, Helmut: Generalplan Ost. Dokumentation, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 6 (3/1958), S. 297-324), S. 301

[77] Baur, E./ Fischer, E./ Lenz, F.: Menschliche Erblichkeitslehre und Rassenhygiene. Band II: Menschliche Auslese und Rassenhygiene (Eugenik), München 1931, S. 217

[78] Horn, E.: Literatur und Krieg, in: Haefs, W. (Hrsg.) Nationalsozialismus und Exil 1933-1945, München, Wien 2009, S, 289

[79] Sarkowicz, H./ Mentzer, A.: Grimm, Hans (Emil Wilhelm), in: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biografisches Lexikon, Hamburg 2002, S. 194f

[80] Grimm, H.: Volk ohne Raum. Ungekürzte Ausgabe in einem Band, München 1933

[81] Ebd., S. 16

[82] Ebd., S. 146

[83] Ebd., S. 27f

[84] Ebd., S. 139

[85] Ebd., S. 1291

[86] Ebd., S. 28

[87] Ebd., S. 1248

[88] Ebd., S. 513

[89] Kirsch, Edgar: Hans Grimm und der nordische Mensch, München 1938, S. 97

[90] Grimm, H.: Volk ohne Raum. Ungekürzte Ausgabe in einem Band, München 1933, S. 604

[91] Ebd., S. 802

[92] Hitler, Mein Kampf, S. 255

[93] Grimm, H.: Volk ohne Raum. Ungekürzte Ausgabe in einem Band, München 1933, S. 1259

[94] Hitler, Mein Kampf, S. 146.

[95] Grimm, H.: Volk ohne Raum. Ungekürzte Ausgabe in einem Band, München 1933, S. 608

[96] Ebd., S. 140

[97] Feder, G.: Die Programmforderungen im Einzelnen, in: Das Programm der N.S.D.A.P. und seine weltanschaulichen Grundgedanken,  München 1934, S. 33

[98] Hitler: Mein Kampf, S. 430f.

[99] Grimm, H.: Volk ohne Raum. Ungekürzte Ausgabe in einem Band, München 1933, S. 609

[100] Ebd., S. 144

[101] Ebd., S. 1162

[102] Ebd., S. 190

[103] Pabst, K.: Der Ruhrkampf. In: Walter Först (Hrsg.): Zwischen Ruhrkampf und Wiederaufbau, Köln/Berlin 1972, S. 11–50, hier S. 22

[104] Zwicker, S.: „Nationale Märtyrer“: Albert Leo Schlageter und Julius Fu?ík. Heldenkult, Propaganda und Erinnerungskultur, Paderborn 2006, S. 78

[105] Pabst, K.: Der Ruhrkampf. In: Walter Först (Hrsg.): Zwischen Ruhrkampf und Wiederaufbau, Köln/Berlin 1972, S. 11–50, hier S. 23

[106] Düsterberg, R. (Hrsg.): Dichter für das »Dritte Reich«. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie, Bielefeld 2009, S. 76

[107] Düsterberg, R. (Hrsg.): Dichter für das »Dritte Reich«. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie, Bielefeld 2009, S. 74

[108] Zwicker, S.: „Nationale Märtyrer“: Albert Leo Schlageter und Julius Fu?ík. Heldenkult, Propaganda und Erinnerungskultur, Paderborn 2006, S. 90

[109] Düsterberg, R. (Hrsg.): Dichter für das »Dritte Reich«. Biografische Studien zum Verhältnis von Literatur und Ideologie, Bielefeld 2009, S. 77

[110] Sprenger, S.: Landsknechte auf dem Weg ins Dritte Reich? Zu Genese und Wandel des Freikorpsmythos, Paderborn u. a. 2008, S. 93

[111] Düsterberg, R.: Hanns Johst: Der Barde der SS. Karrieren eines deutschen Dichters, Paderborn 2004, S. 101

[112] Sprenger, S.: Landsknechte auf dem Weg ins Dritte Reich? Zu Genese und Wandel des Freikorpsmythos, Paderborn u. a. 2008,.S. 89

[113] Zwicker, S.: „Nationale Märtyrer“: Albert Leo Schlageter und Julius Fu?ík. Heldenkult, Propaganda und Erinnerungskultur, Paderborn 2006, S. 45

[114] Düsterberg, R.: Hanns Johst: Der Barde der SS. Karrieren eines deutschen Dichters, Paderborn 2004, S. 117

[115] Bauer, E. „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid - Ein Bilderbuch für Groß und Klein“, Nürnberg 1935, S. 4

[116] Ebd.

[117] Roos, D.: Julius Streicher und „Der Stürmer“ 1923–1945, Paderborn 2014, S. 105

[118] Bauer, E. „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid - Ein Bilderbuch für Groß und Klein“, Nürnberg 1935, S. 40

[119] Roos, D.: Julius Streicher und „Der Stürmer“ 1923–1945, Paderborn 2014, S. 124

[120] Ebd., S. 125







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