Deutschlands Zahnärztestand im Faschismus


10.11.11
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von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Medizin unterm Hakenkreuz
[Auszug]

>Die Zahnärzte waren in vieler Hinsicht dem Einfluss nationalsozialistischer Ideologie gegenüber offen. Sozialdarwinistische Gedankengänge waren ihnen nicht fremd, [1/3] der für die Zahnheilkunde bedeutungsvolle Prophylaxegedanke war gut mit der gesundheitspolitischen Terminologie im Faschismus in Übereinstimmung zu bringen, und schließlich schien die faschistische Mittelstandspolitik einen Ausweg aus der wirtschaftlichen Krise darzustellen.

Für die Faschisten waren die Zahnärzte von Interesse, da sie wesentlichen Einfluss auf den Stand der oralen Gesundheit der Bevölkerung hatten. War dieser in Friedenszeiten hauptsächlich eine den Staatshaushalt belastende Kostenfrage, [2/4] gewann er im Zusammenhang mit militärischen aggressiven Bestrebungen noch mehr an Bedeutung. Außerdem stellten die mehr als 10.000 akademisch gebildeten Zahnärzte, da sie im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit regelmäßigen individuellen Kontakt mit der Mehrheit der Bevölkerung hatten, einen nicht zu vernachlässigenden Faktor in der öffentlichen Meinungsbildung dar.

Der Zahnärztestand

Die meisten Zahnärzte übten ihre Tätigkeit als einen »freien« Beruf aus. Ihre Praxis war ein im bürgerlichen Sinn »unabhängiges« Unternehmen, dessen Gewinn von der Inanspruchnahme durch selbstzahlende oder Kassenpatienten abhing und Konjunkturschwankungen mit erheblichen sozialen Unsicherheiten ausgesetzt blieb. Um ihre Interessen öffentlich wirksam vertreten zu können, hatten sich die Zahnärzte, wie auch andere »freie« Berufe, in einer Standesorganisation zusammengeschlossen. Anfang der 30er Jahre waren von den auf dem Gebiet des Deutschen Reiches erfassten mehr als 10.000 approbierten Zahnärzten [3/5] ungefähr 90 % Mitglieder des »Reichsverbandes der Zahnärzte Deutschlands e.V.« (RV). [4/6]

Eine Vielzahl wissenschaftlicher Erkenntnisse auf dem Gebiet der Zahnheilkunde hatte bewirkt, dass diese im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts »... ein vollwertiges und unlösbares Teilgebiet der Gesamtmedizin ...« geworden war. [5/7] Der damalige Direktor des zahnärztlichen Instituts der Universität Bonn, Alfred Kantorowicz, hatte einen eindrucksvollen Beweis für die praktische Bedeutung der Durchführung prophylaktischer Maßnahmen auf wissenschaftlicher Grundlage gegeben. Als Erfolg der von ihm organisierten Schulzahnpflege und der zahnärztlichen Überwachungsarbeit war Bonn die einzige Stadt der Welt, in der unter Kindern keine Rachitis mehr auftrat. Außerdem hatte er erreicht, dass 90 % der Achtzehnjährigen über ein absolut gesundes und widerstandsfähiges Gebiss verfügten. Das war aber nur ein Beispiel für Erreichbares. Kantorowicz bemerkte kritisch, dass im großen und ganzen noch ein grundfalsches System der Zahnbehandlung betrieben würde. Die Urasche dafür sah er im Missverhältnis zwischen dem hohen Aufwand der notwendigen Zahnbehandlung und der unzureichenden Vergütung dieser Leistungen durch die Krankenkassen, die durch die Beteiligungen der Dentisten an der Zahnbehandlung ermöglicht würde. Deutschland wäre dadurch sogar Russland gegenüber rückständig, weil die Zahnbehandlung dort ausschließlich dem Zahnarzt vorbehalten sei. [6/8]

Für die Mehrzahl der Zahnärzte bedeutete die kassenärztliche Tätigkeit die Haupterwerbsquelle, weil auf Grund der wirtschaftlichen Krise der Anteil der Privatpraxis ständig abnahm. [7/9] Durch die Verschiebung zugunsten der Kassenpraxis verminderte sich das Einkommen der Zahnärzte, denn die nach der Preußischen Gebührenordnung (Preugo) festgelegten Sätze für die Kassenbehandlung (sog. Preugo Teil IV) waren bis zu 40 % niedriger als die für Privatbehandlung (Preugo Teil III). Bei den in der Standespresse veröffentlichten Berechnungen des durchschnittlichen Einkommens eines Zahnarztes muss man zwar berücksichtigen, dass sie das Bild noch etwas düsterer zeichnen sollten, als die Wirklichkeit war; [8/10] die wirtschaftliche Not war aber immerhin so beträchtlich, dass 16,2 % der preußischen Zahnärzte keinen Kammerbeitrag entrichten mussten, weil ihr Jahreseinkommen unter 3.000 RM lag. [9/11]

Entsprechend der Leistungsvergütung unterschied sich auch der Inhalt der Kassenbehandlung deutlich von dem der Privatpraxis. Sanierungsmaßnahmen unter Einschluss des Prinzips der Behandlung des kleinen Loches und der prophylaktischen Verhütung von Folgeschäden wurden von den Kassen nicht honoriert. Und so würde »... erst die wiederholt sich selbst vorgelegte Frage: Was ist notwendig? . . . dem Zahnarzt allmählich die in der Sozialpraxis nötige Einschränkung nach und nach als selbstverständlich zur Gewohnheit werden lassen.« [10/12] Von vier Seiten sahen sich die Zahnärzte in ihren Existenzbedingungen bedroht.

Erstens entzogen die Krankenkassen mit ihren vielerorts errichteten Kassenzahnkliniken der freien Praxis den Teil der Kassenpatienten, denen der sogenannte »Klinikzwang« auferlegt war. [11/13]

Zweitens konkurrierten die Zahnärzte mit einer wachsenden Zahl von Dentisten.

Drittens trafen die Kürzungen des Sozialetats infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise die soziale Zahnheilkunde und gerade ihr Kernstück, die Schulzahnpflege, besonders hart.

Viertens war die Zahl von Studierenden der Zahnheilkunde so hoch, dass mit einer Überfüllung des Berufsstandes und weiteren Einkommensverlusten gerechnet werden musste. [12/14]

Die Kassenzahnkliniken

Einer der Gründe für die politische Annäherung eines großen Teils der Zahnärzte an die faschistische Bewegung war deren entschiedene Ablehnung der Kassenzahnkliniken.

Die Eröffnung der ersten Schulzahnklinik im Jahre 1902 stellte eine Pionierleistung im öffentlichen Gesundheitswesen dar. Die Krankenkassen griffen die Anregung auf und gründeten noch vor dem ersten Weltkrieg 22 Zahnkliniken; 1931 gab es bereits 126 Zahnkliniken, in denen 528 fest angestellte Zahnärzte tätig waren (vgl. Leibfried 1983, S. 68). [13/15]

Von seiten der Zahnärzte wurde gegen die Kliniken in ähnlicher Weise argumentiert wie durch den Hartmann-Bund gegen die Ambulatorien. Die Schlagworte waren: Unwirtschaftlichkeit, Anonymität und »kalte Sozialisierung« (vgl. ebenda, S.69). Die Vertreter der Krankenkassen selbst werteten die Kassenzahnkliniken nicht als Sozialisierungsversuch des Gesundheitswesens. Weil der juristische und kulturelle Überbau nur in einer Wirtschaft nach sozialistischen Prinzipien sozialistisch organisiert sein könne, stelle eine Kassenzahnklinik in einer kapitalistischen Wirtschaft lediglich »... eine Zweckeinrichtung mit dem Ziele einer besseren und preiswerteren Versorgung der Versicherten, aber kein politisches Prinzip ...« dar. [14/16] Die eigentliche Überlegung der Klinik bestünde darin, dass der Zahnarzt vom Patienten wirtschaftlich unabhängig wäre, und dass wegen fehlender Konkurrenz höhere Wissenschaftlichkeit möglich sei. [15/17]

Das zahnärztliche Standesblatt veröffentlichte regelmäßig die Liste aller »Zwangskliniken« unter der Überschrift »Cavete collegae!«. Ein Zahnarzt, der eine Stellung in einer der angegebenen Kliniken annahm, wurde vom RV ausgeschlossen. Zwar waren die Kassenzahnkliniken weit davon entfernt, die freien Zahnärzte endgültig aus ihren Positionen zu verdrängen, [16/18] jedoch sollen sie Anfang der 30er Jahre bereits für einen Patientenkreis von 6 Millionen Versicherten verantwortlich gewesen sein. [17/19]

Die Zahnkliniken wie auch die Ambulatorien stellten trotz der Grenzen, die ihnen durch die kapitalistischen Verhältnisse auferlegt waren, fortschrittliche Einrichtungen dar. Sie hätten bei entsprechenden gesellschaftlichen Voraussetzungen die Grundlage der Organisation eines sozialistischen Gesundheitswesens werden können. Diesen beiden Aspekten trug die Kommunistische Partei Rechnung, als sie 1930 im Reichstag den Antrag einbrachte, allgemeine Kassenambulatorien einzuführen, der bestehenden Wirtschaftsform in Deutschland entsprechend aber den Versicherten die Möglichkeit der Behandlung bei einem frei praktizierenden Arzt ihrer Wahl zu gewährleisten.

Im Kampf gegen die Kassenzahnkliniken verbanden sich die wirtschaftlichen Interessen der Zahnärzte mit den politischen Bestrebungen der Reaktion. Nachdem sich schon die Notverordnung Anfang der 30er Jahre gegen die Zahnklinikbewegung gerichtet hatte, [18/20] wurden sämtliche Zahnkliniken in den ersten Monaten nach der faschistischen Machtergreifung liquidiert.

Diese Maßnahme wurde vom RV nachdrücklich begrüßt: »(Die Zahnärzteschaft) ... sieht in den Eigenbetrieben nicht allein eine ungeeignete Art der zahnärztlichen Versorgung, sondern sie bekämpft sie auch als Schrittmacher einer marxistischen Politik. ... Die nationalsozialistische Bewegung als Träger des neuen Staates konnte daher an den Eigenbetrieben der Krankenkassen nicht vorübergehen, in denen sie Exponenten marxistischer Vergangenheit sah. Im Verlaufe dieses Jahres ist die Eigenbetriebswirtschaft denn auch weitgehendst abgebaut worden. Wenn hierbei zuweilen überstürzt vorgegangen ist, ist es auf das Konto der revolutionären Umwälzung zu setzen.« [19/21]

{...} [Siehe: Die Dentisten. Die Schulzahnpflege. Quelle: S. 310/11)]

Die Neuorganisation und faschistische Ausrichtung des Zahnärztestandes ab 1933

Die faschistische Machtergreifung traf den zahnärztlichen Berufsstand nicht unvorbereitet. Weil schon vor 1933 etwa 12 % der Zahnärzte der NSDAP angehörten (vgl. Guggenbichler 1986, S. 19) und diese einen weiten Kreis von Sympathisanten beeinflussten, konnte die »Umstellung« des RV rasch vollzogen werden. Offenbar musste man aber doch mit Protest aus den Reihen des immerhin demokratisch organisierten RV rechnen, denn die Einsetzung des neuen Vorstandes mit dem Leipziger Zahnarzt Ernst Stuck an der Spitze macht ganz den Eindruck eines Handstreiches. In einer späteren Darstellung durch das Standesblatt heißt es zwar, dass am 24. März 1933 eine Hauptversammlung des RV unter »... dem erhebenden Eindruck der nationalsozialistischen Revolution ...« stattgefunden hätte, auf der Pg. Stuck in aller Form zum Vorsitzenden gewählt worden wäre ; [20/33] dem widerspricht aber das Fehlen der sonst üblichen Ankündigung der Hauptversammlung in den »Zahnärztlichen Mitteilungen« und die Formulierung in einem verspäteten Kommentar, der über den Hergang der Hauptversammlung keinen Aufschluss gibt, wonach der größte Teil der Kollegen über die vollzogene Umstellung des RV durch die Tagespresse Mitteilung erhalten hätte. Auch die kurzfristig für den 27. März 1933 angesetzte Versammlung der Berliner Zahnärzte im Hotel »Atlas« zum Zweck der Information über die Umstellung wäre überflüssig gewesen, wenn eine Hauptversammlung stattgefunden hätte. Vor Kritik an der Maßnahme wurde nachdrücklich gewarnt, denn die Umstellung wäre »... keine Überlistung, sondern der Ausdruck des heißen Sehnens der bisher in unseren Verbänden nicht gepflegten Gesinnung!« [21/34]

Zum Zweck der »Gleichschaltung« ordnete Stuck am 23. Mai 1933 an, dass jedem Landesverband und jeder Bezirksgruppe ein politischer Beauftragter zuzuordnen sei, der dem NSDÄB oder wenigstens der NSDAP angehören müsste. Außerdem erhielt der RV eine neue Satzung. Am 2. Oktober 1933 erkannte der Reichsminister des Innern diese an und bestellte Stuck zum Reichszahnärzteführer. Damit war das »Führerprinzip« im RV durchgesetzt.

Schon aus den ersten von Stuck verkündeten Zielen des neuen RV wird deutlich, wie die Zahnärzte dazu gebracht werden sollten, sich an die faschistische Gesundheitspolitik zu gewöhnen und diese selbst im Fall von finanziellen Einbußen zu unterstützen (vgl. Guggenbichler 1986, S. 22). Indem der Reichszahnärzteführer die wesentlichen standespolitischen Forderungen aus der Zeit der Weimarer Republik beibehielt, beugte er jeder Stimmung gegen vollzogene und kommende Veränderungen vor. [22/35]

Um auch diejenigen für die Politik des Nationalsozialismus zu gewinnen, die immer noch in Skepsis verharrten, wurde im Januar 1934 mit einer Großveranstaltung in Berlin ein »Propagandafeldzug zur Aktivierung der deutschen Zahnärzte im nationalsozialistischen Sinn« eröffnet. Durch eine Anordnung des Reichsärzteführers wurde mit dem 1. Oktober 1934 außerdem eine sogenannte »Standesdienstpflicht« für noch nicht selbständige Zahnärzte eingeführt. Ein achtwöchiger Kurs sollte dem angehenden nationalsozialistischen Zahnarzt die »... endgültig weltanschauliche, wehrsportliche und berufsständische ... Formung« geben [23/36] und galt auch als Voraussetzung für die Kassenzulassung.

Weil der Nationalsozialismus »... die praktische Überwindung des Materialismus ...« bedeutete, sollte auch die Praxis der Zahnheilkunde eine neue Richtung nehmen. [24/37] Die Zahnärzte müßten vom »völkischen Gesichtspunkt« darauf bedacht sein, dass ihr »... berufliches Wissen und Können in weitestem Maße prophylaktisch in den Dienst der Volksgesundheit gestellt wird.« [25/38] Es wären neue Wege für die Arbeitsgebiete Schul- und Wohlfahrtszahnpflege notwendig, damit diese ». . . durch geschickte Organisation und straffe berufliche Standesdisziplin, mit allergeringsten wirtschaftlichen Forderungen an die Allgemeinheit, ohne Schaffung von Beamtenstellen, ja sogar durch Aufhebung bestehender, einen großen volkshygienischen Effekt erzielen.« [26/39] Aus dieser Umschreibung wird deutlich, dass nicht etwa wissenschaftlich begründete Prophylaxe, sondern Billigmedizin gefordert wurde.

Auf Grund einer solchen Entwicklung hielt auch Reiter, der Präsident des Reichsgesundheitsamtes, die »deutsche Zahnheilkunde« für eine »... bedeutsame Säule der allgemeinen Heilkunst ...«. [27/40] Wegen der engen Verbindung zur Medizin sollten sich die Zahnärzte nicht nur mit dem Ideal des Arztes im Sinne von »Arzt sein heißt der Stärkere sein« anfreunden, sie sollten auch die enge Verknüpfung ihres Arbeitsgebiets mit der Vererbungslehre, Entwicklungsgeschichte, Ernährungslehre, Konstitutionspathologie usw. beachten. [28/41] Vielleicht gerade weil eine Verbindung zwischen der für den Faschismus so bedeutsamen Rassen- und Vererbungstheorie und der Zahnheilkunde nicht leicht herzustellen war, wurden in der ersten Zeit nach der Machtübernahme mehrere dahingehende Versuche unternommen. Röse hatte sich schon 1906 ausdrücklich zur »nordischen Rasse« bekannt, [29/42] aber es schien dem Standesblatt wichtig zu sein, noch einmal darauf hinzuweisen, »... dass alle großen Gesittungen, über die die Geschichte zu berichten weiß, vom Geiste nordischer Rassen geschaffen waren.« [30/43] Aus diesem Grunde wäre eine »nordische Bewegung« nötig mit dem Ziel, die »... erreichbaren erbgesunden, vorwiegend nordischen Geschlechter, zunächst aller deutschen Stämme, dem allgemeinen abendländischen Geburtenrückgang nach Möglichkeit zu entreißen.« [31/44] Zusätzlich sollte auch die Vererbung »entarteter Erbstämme nordischer Rasse« gehemmt und verhindert werden.

Der Sterilisierung kam im Rahmen der Rassenhygiene eine besondere Bedeutung zu. Auch jeder Zahnarzt, der Träger einer erblichen Krankheit war, sollte sich als »ganzer Kerl« freiwillig einer Sterilisierung unterziehen, um so nicht zur Gefahr für Rasse und Erbgesundheit zu werden. War aber erbgesunder Nachwuchs zu erwarten, hatte er sich nur die Frage zu stellen: »Willst du also, dass dein Volk stirbt oder willst du, dass es lebt? Und dann weißt du, was du als Nationalsozialist zu tun hast.« [32/45] Die Familienvergrößerung bei »rassischem Wert« sollte sogar Bestandteil des Standesethos sein.

Kam den Ärzten ein wesentlicher Anteil bei der Umsetzung der faschistischen Erb- und Rassetheorie in die Praxis zu, so schätzten doch auch die Zahnärzte ihre Möglichkeiten auf diesem Gebiet nicht gering. Man glaubte z. B. bei einigen »erblich belasteten Idioten«, die natürlich durch Zwangssterilisierung an der Weitergabe der »geschwächten Erbsubstanz« gehindert werden müßten, die zum Krankheitsbild gehörenden Symptome durch eine Oberkieferdehnung vermeiden zu können (vgl. Ruberg 1977, S. 177f.). Es wurde auch in Erwägung gezogen, zusammen mit der zahnärztlichen Befunderhebung regelmäßig bestimmte anthropometrische Messungen des Kopfbereiches durchzuführen und damit ein umfangreiches statistisches Material zu gewinnen, denn: »Die rassenpflegerische Arbeit ist ... das Kernstück unserer Aufgaben und sie soll sich nicht in platonischen Erörterungen totlaufen, sondern sofort in ihrem ganzen Umfang praktisch angegriffen und bahnbrechend durchgeführt werden.« [33/46] Der RV wies seine Mitglieder ausdrücklich darauf hin, dass die Anzeigepflicht im Zusammenhang mit dem Erbgesundheitsgesetz auch für jeden Zahnarzt gelte.

Während des Studiums sollte das grundlegende Wissen für eine spätere Beteiligung der Zahnärzte an der Rassenpflege vermittelt werden. So hielt z. B. Staemmler schon seit Oktober 1933 Vorlesungen über angewandte Vererbungslehre und Rassenpflege an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. 1939 wurden Rassenhygiene und menschliche Erblehre an allen Universitäten zu Pflichtfächern erklärt, die mit einer Prüfung abzuschließen waren. Auch die am 5. April 1934 vollzogene Änderung der Prüfungsordnung hatte nichts mit der lange geforderten Reform des Zahnheilkundestudiums zu tun. Durch sie wurde lediglich die Erteilung der Approbation von der »nationalen und moralischen Zuverlässigkeit des Antragstellers« und seiner »rassischen« Herkunft abhängig gemacht (vgl. Bruhn 1974, S. 179ff.).

 Die auf dem 7. Deutschen Zahnärztetag 1935 gegründete »Deutsche Zahnärzteschaft« (DZ) trat an die Stelle des alten RV. Es handelte sich dabei nicht um die bloße Änderung des Namens der Standesorganisation, sondern um die Durchsetzung des »Arierprinzips«.

Mit der »Lösung der Judenfrage« für den Zahnärztestand wurde aber bereits 1933 begonnen. Eine neue Zulassungsordnung sprach einem großen Teil der als Juden geltenden Zahnärzte das Recht auf Ausübung einer Kassenpraxis ab und entzog ihnen damit die wirtschaftliche Existenzgrundlage. [34/47] -

In den Jahren darauf wurde die Neuzulassung jüdischer Zahnärzte zur Kassenpraxis gesetzlich unterbunden. Aber auch diese Regelung schien der Standesführung noch unbefriedigend zu sein. Durch die »Achte Verordnung zum Reichsbürgergesetz« wurde schließlich allen jüdischen Zahnärzten die Bestellung entzogen. [35/48] -

Reichszahnärzteführer Stuck kommentierte diese Maßnahme: »Hiermit ist eine Entwicklung zum Abschluss gekommen, die unmittelbar nach der Machtübernahme einsetzte und die zum Ziel hatte, den deutschen Menschen nur vom deutschen Arzt betreuen zu lassen. Diese Entwicklung konnte nur schrittweise vorangebracht werden. Um sie zu ihrem endgültigen Ziel zu bringen, über das niemals ein Zweifel herrschen konnte, mußten vor allem auch gewisse psychologische Voraussetzungen in den breiten Kreisen des Volkes geschaffen werden. ... Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass heute das gesamte deutsche Volk die endgültige Ausschaltung der Juden aus der Heilkunde begrüßt.« [36/49] <

[Ein Auszug.]

{...} [Siehe Quelle: Die »Akademie für zahnärztliche Fortbildung«. Zahnärzte und Dentisten. 12.3. Die Wandlung der zahnheilkundlichen Prophylaxe zur Zeit des Faschismus. 12.3.1. Schulzahnpflege und nationalsozialistische Gesundheitsführung. 12.3.2. Biologische Zahnheilkunde. 12.3.3. Zahnärztliches Engagement in Ernährungsfragen. 12.4. Zahnheilkunde während des zweiten Weltkrieges.]

Anmerkungen

1/3 Vgl. Röse, C.: Beiträge zur europäischen Rassenkunde und die Beziehungen zwischen Rasse und Zahnverderbnis. - {...}

2/4 Im Jahre 1930 betrugen die Aufwendungen der Krankenkassen allein für die Zahnbehandlung 80. Mio. RM. Vgl. Salomon, F.: Neujahrsbetrachtung zum Ausbau unserer Rechtsstellung. - In: Zahnärztl. Mitt. - 24 (1933) {...}

3/5 Die Gesamtzahl 10.277 lässt sich noch aufgliedern in: 9.692 approbierte Zahnärzte (davon 567 weiblich) und 585 doppelt approbierte Zahnärzte (davon 10 weiblich). Von den 10.277 waren 1.210 nicht selbständig: 553 in Kassenzahnkliniken angestellte Zahnärzte, 217 beamtete Schulzahnärzte und 440 »Sonstige« (Assistenten?) {...}

4/6 Vgl. Salomon, F. Umschau. - In: Ebenda. - 22 (1931) {...}

5/7 Euler, H.: Zahnheilkunde und Allgemeinmedizin. - In: Mitteilungen der Zahnärztekammer für Preußen. - 7 (1930) {...}

6/8 Vgl. Erfolge auf dem Gebiete der Zahnheilkunde. Aber viele Probleme harren noch der Lösung. (Unterredung mit Professor Dr. Kantorowicz, Ordinarius für Zahnheilkunde und Direktor des zahnärztlichen Instituts an der Universität Bonn). - In: Zahnärztl. Mitt. 23 (1932) 36. - Sp. 923f. (Übernahme aus dem »Lichtenberger Anzeiger« vom 16. August 1932).

7/9 Nach der Berufsstatistik des deutschen Reiches (Stichtag 31. Dezember 1929) waren von 8.965 Zahnärzte etwa 8.200 zur Kassenbehandlung zugelassen. Sie konkurrierten mit 17.373 Zahntechnikern, von denen etwa 8.800 eine Zulassung durch die Kassen besassen. Vgl. Bunge, H.: Akademiker ohne Raum. - In: Ebenda. - 22 (1931) 10. - Sp. 255-259. 1931 wurde als Beispiel der Folgen des wirtschaftlichen Rückgangs für die Zahnheilkunde von einem Zahnarzt ermittelt, dass im Verlauf von 4-6 Monaten die Privatpraxis um 85 %, die Kassenpraxis dagegen nur um 17 bis 30 % zurückgegangen wäre. Vgl. Caspari, W.: Der Rückgang der Volkswirtschaft und seine Folgen für die zahnärztliche Praxis - In: Ebenda. - (1931) {...}

8/10 In einer solchen Berechnung beträgt z. B. die durchschnittliche Bruttoeinnahme 1.200 RM, von denen noch 40 % für Spesen und Fixkosten abgezogen werden müssen (vgl. Reiter, O.: Zahnarzt und Krankenkassen. - In: Ebenda. - 22 (1931) 2. Sp. 35-38), in einer anderen wird für 60 % der Zahnärzte ein jährlicher Durchschnittsumsatz von 5.000 - 12.000 RM angegeben, für 15 % sogar unter 5.000 RM, von denen jeweils noch 45-55 % Werbekosten abzuziehen sind (vgl. Bunge, H.: Vgl. Anm. 9.).

9/11 Vgl. Gonter: Die zahnärztliche Einkommensverhältnisse im Lichte der gegenwärtigen Krankenkassengebühren. - In: Ebenda. - 23 (1932) 38. - Sp. 967 - 974. - bes. Sp. 972. Gonter ermittelte einen Unterschied in den Verdienstmöglichkeiten im Jahr 1932 gegenüber 1914 von ca. 58 %. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass am 23. Februar 1932 die Sätze der Preugo bindende Richtlinie für jegliche Behandlung in der Privatpraxis wurden. Die Anwendung der Preugo Teil IV wurde auf die Behandlung von Fürsorgeberechtigten ausgedehnt. Vgl. Hoffmann: Änderung der Preußischen Gebührenordnung. Erlass des Preissenkungskommissars. - In: Ebenda. - (1932) 10. {...}

10/12 Witt, F. H.: Vertrag mit dem Verbande kaufmännischer Berufskassen (Ersatzkassen). - In: Ebenda. - 22 (1931)1. {...}

11/13 »Klinikzwang« bedeutet, dass den Sozialversicherten im Einzugsgebiet bestimmter Kassenzahnkliniken eine Behandlung zu Lasten der Versicherung nur in diesen Einrichtungen zugestanden wurde. Damit war die freie Wahl eines Zahnarztes erheblich eingeschränkt.

12/14 1930 soll es nach einer Angabe 4.000 - 5.000 Studenten der Zahnheilkunde an den Universitäten gegeben haben. Zur Erhaltung der Zahl praktizierender Zahnärzte wären aber nur 300 Absolventen jährlich notwendig gewesen (vgl. Walter-Worm: Noch immer keine Warnung. - In: Ebenda. - 21 (1930) 3. - Sp. 57-59). Kantorowicz gab an, dass 1929 1.752 Studenten das Studium der Zahnheilkunde begonnen hätten, zur Rekrutierung des zahnärztlichen Standes aber nur 800 notwendig gewesen wären. Der letzten Zahl waren dabei schon 20.000 praktizierende Zahnärzte zugrunde gelegt, also fast doppelt so viel, als im Jahre 1930 registriert wurden. Kantorowicz schlug vor, während der Vorklinik eine Auswahl unter den Studenten nach ihren entsprechenden Fähigkeiten zu treffen (vgl. Kantorowicz, A.: Zur Überfüllung des zahnärztlichen Standes im Jahre 1933. - In: Ebenda. - 21 (1930) 10. - Sp. 247-252.

13/15 Dem steht eine Angabe aus der Standespresse gegenüber. Demnach sollen in 172 von insgesamt 210 Zahnkliniken durchschnittlich nur 1 - 2 Zahnärzte tätig gewesen sein (vgl. Die Innungskassen über die Zahnkliniken. In: Ebenda. - 22 (1931) 7. - Sp. 196f.)

14/16 Lehmann, H.: Zum Kampf gegen die Zahnkliniken. - In: Deutsche Krankenkasse. - (1932) 46. - S. 1273 - 1278 (zit. nach Leibfried 1983, S. 69).

15/17 Es wäre zu untersuchen, ob und in welchen Umfang die Kassen den Zahnkliniken die Durchführung prophylaktischer Maßnahmen zugestanden haben. Denn diese wären im Sinne der Wirtschaftlichkeit in der Praxis nötig gewesen.

16/18 Gegen die von Wuttke-Groneberg aufgestellte Behauptung, dass die 176 bis 1931 in Deutschland existierenden Zahnkliniken »... den wesentlichen Teil der zahnmedizinischen Versorgung übernommen hatten ...«, und dass niedergelassene Zahnärzte dagegen nur eine »untergeordnete Rolle« gespielt hätten (Wuttke-Groneberg 1983, S. 14), spricht, dass von 10.277 Zahnärzten im Jahre 1931 nur 553 in Zahnkliniken beschäftigt waren (vgl. Anm. 5).

17/19 Vgl. Berliner Kundgebung gegen Rechtsunsicherheit und Willkür. - In: Zahnärztl. Mitt. - 23 (1932) 47. - Sp. 1233f. Bei 553 Klinikzahnärzten (vgl. Anm. 5) hätte das einem Versorgungsgrad von 1 : 10.850 entsprochen. Andere Angaben zeichnen das Bild ähnlich ungünstig. So hätten z. B. die 9 Zahnärzte der Zahnklinik der AOK Charlottenburg 80.000 Versicherte versorgen müssen, die ebenfalls 9 Zahnärzte der Zahnklinik der AOK Schöneberg ca. 47.000 Versicherte. Aus der Tatsache, dass die Zahnklinik während des Jahres 1930 im ersten Fall nur von 31 % der Versicherten und im zweiten von ca. 40 % der Versicherten aufgesucht wurde, schloss man, dass die von den Zahnkliniken zum Beweis ihrer Wirtschaftlichkeit abgerechneten Einsparungen dadurch zustande gekommen wären, dass sich die Mehrzahl der Versicherten bei privaten Zahnärzten behandeln ließ (vgl. Irrwege der Zahnklinikbewegung. - In: Ebenda. - 23 (1932) 2. - Sp. 29-34). Es bleibt ungeklärt, wie sich dieses Argument von seiten des Standes mit der durch die wirtschaftliche Krise gesunkenen Kaufkraft der Bevölkerung vereinbaren ließ.

18/20 In den mit der Notverordnung vom 26. Juli 1930 eingeführten Bestimmungen über die Krankenversicherung war festgelegt, dass die Neueinrichtung von Kassenzahnkliniken nur mit Genehmigung des Reichsversicherungsamtes erfolgen dürfte (vgl. Die Notverordnung vom 26. Juli 1930 und die Reform der Krankenversicherung. - In: Ebenda. - 23 (1930) 31. - Sp. 801-812).

19/21 Hoffmann, L.: Zahnarzt und Kassenzahnkliniken. - In: Die Deutsche Ortskrankenkasse. - (1933) 28. - S. 950 (zit. nach Leibfried 1983, S. 69f.).{...}

20/33 Deutsche Zahnärzteschaft im Aufbau. Ein Rückblick über 10 Jahre Arbeit. - In: Zahnärztl. Mitt. - 34 (1943) 11/12. - S. 93-104, zit. S. 94.

21/34 Papendorf: Zur Lage. - In: Ebenda. - 24 (1933) 15. - Sp. 407f., zit. Sp. 408.

22/35 So sollte die unumschränkte Kurierfreiheit aufgehoben werden, die Behandlung der Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten den akademisch gebildeten Zahnärzten vorbehalten sein und mit Hilfe planwirtschaftlicher Anordnungen einer zu schaffenden Reichszahnärztekammer für die Unterbringung des zahnärztlichen Nachwuchses Sorge getragen werden (vgl. Stuck, E.: Nationale Revolution und Reichsverband. - In: Zahnärztl. Mitt. - 24 (1933) 12. - Sp. 313-316). Als Zeichen dafür, dass die faschistischen Machthaber willens waren, ihre standespolitischen Forderungen zu erfüllen, werteten die Zahnärzte die Gründung der »Kassenzahnärztlichen Vereinigung Deutschlands« (KZVD). Sie galt als Körperschaft öffentlichen Rechts und stärkte die Position der freiberuflichen Zahnärzte gegenüber den Kassen. Die Leitung der KZVD erfolgte bis in die Untergliederungen in Personalunion mit der Führung des RV (vgl. Verordnung über die Kassenzahnärztliche Vereinigung Deutschlands vom 27. Juli 1933. - In: RGBl. I. - 1933. - S. 540f.).

23/36 Stuck, E.: Weltanschauliche Schulung und Berufsstandesdienstpflicht der deutschen Zahnärzteschaft. - In: Zahnärztl. Mitt. - 25 (1934) 41. - Sp. 1625-1632, zit. Sp. 1628. Die Kurse fanden im Referendarlager »Hanns Kerrl« in Jüterbog statt, das auf ersuchen des Reichszahnärzteführers von Reichsjustizminister Gürtner und Staatssekretär Freisler zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt worden war.

24/37 Noll: Die Zahnärzte im Dienst des Dritten Reiches. - In: Ebenda. - 24 (1933) 19. - Sp. 509-512, zit. Sp. 510 (Übernahme aus »Ziel und Weg« (1933) 3/4).

25/38 Ebenda. - Sp. 512.

26/39 Ebenda.

27/40 Hellmuth, O.: Zahnärzte und nationalsozialistische Weltanschauung. - In: Zahnärztl. Mitt. - 25 (1934) Sondernummer. - Sp. 7-10, zit. Sp. 8.

28/41 Vgl. Klussmann: Über die Grundlagen der Wissenschaft und der Heilkunde und über die Stellung der Zahnheilkunde im Rahmen der Gesamtwissenschaft. - In: Ebenda. - 25 (1934) 1. - Sp. 45-52; 2. - Sp. 81-87; 3. - Sp. 111-118.

29/42 Vgl. Röse, C.: Beiträge zur europäischen Rassenkunde und die Beziehungen zwischen Rasse und Zahnverderbnis. - Dresden: Centralstelle für Zahnhygiene, o. J. (1906). {...}

30/43 Schultze, W.: Der nordische Gedanke. - In: Zahnärztl. Mitt. - 25 (1934) I. - Sp. 11-16, zit. Sp. 11.

31/44 Ebenda. - Sp. 12.

32/45 Staemmler, M.: Das Bekenntnis der Rasse. - In: Ebenda. - 25 (1934) 4. - Sp. 149-154, zit. Sp. 150.

33/46 Steiner, O.: Gesundheitsstatistik, Sozial-Hygiene, Konstitutionslehre, Erbbiologie, Rassenforschung und die deutsche Zahnärzteschaft. - In: Ebenda. - 24 (1933) 49. - Sp. 1367-1372, zit. Sp. 1372.

34/47 Vgl. Verordnung über die Zulassung von Zahnärzten und Zahntechnikern zur Tätigkeit bei den Krankenkassen vom 27. Juli 1933. - In: RGBl. I. - 1933. - S. 541-548.

35/48 Vgl. Achte Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 17. Januar 1939. - In: RGBl. I. - Nr. 9 vom 18.1.1939. - S. 47f.

36/49 Stuck, E.: Die Ausschaltung der Juden aus der deutschen Zahnheilkunde. In: Zahnärztl. Mitt. - 30 (1939) 5. - S. 84. Der Artikel enthält auch folgende statistische Angaben:

• am 1.1.1934 waren von insgesamt 11.332 Zahnärzten 1.064 Juden, die zum größten Teil eine Zulassung zur Kassenpraxis hatten.

• am 1.1.1938 gab es noch 579 jüdische Zahnärzte im gesamten Reichsgebiet, und

• am 1.1.1939 hatten von 372 jüdischen Zahnärzten noch 250 eine Kassenzulassung (vgl. ebenda).

Insgesamt gab es in Deutschland Ende 1937 16.319 Zahnärzte, von denen 10.120 für die Kassenbehandlung zugelassen waren, 2.337 nicht zugelassen, 290 nur privat praktizierend, 251 beamtet und 3.321 Assistenzzahnärzte (vgl. Stand der Zahnärzte Ende 1937. - In: Ebenda. - 29 (1938) 47. - S. 935). Obwohl sich also die Zahl der Zahnärzte seit Anfang der 30er Jahre wesentlich erhöht hatte (vgl. Anm. 5), konnte doch nicht von einer Überfüllung des Berufsstandes gesprochen werden. Die Arbeitslosenziffer unter den Zahnärzten betrug immer noch 0,8 %, wobei aber schon erste Schwierigkeiten bei der Besetzung freier Stellen auftraten (vgl. Die Arbeitsmarktlage verbessert sich für unseren Nachwuchs. - In: Ebenda. - 29 (1938). - S. 560f.). Die zahlenmäßige Regulierung des Standes war sicher kein unerheblicher »Nebenbefund« der Verdrängung von »Juden« aus dem Zahnmedizinstudium und aus der Praxis.

Quelle: Medizin unterm Hakenkreuz. VEB Verlag Volk und Gesundheit 1989. Herausgegeben von Achim Thom und Genadij Ivanovič Caregorodcev.

Vgl. Die Auswirkungen der faschistischen Ideologie und Gesundheitspolitik auf einzelne Fachgebiete der Medizin. 12. Zur Entwicklung der Zahnheilkunde in Deutschland von 1933 bis 1945 (Autoren: T. Nickol; S. Schenkel) (S. 307-336.).

Empfehlung:

Von Benz, Wolfgang: Heilen und „Sieg Heil“ - der Antisemitismus bei den Heilberufen während der NS-Zeit. (Vortrag in der kassenärztlichen Vereinigung Bayern am 30.1.2009 in München)

I. Das Schicksal des Gustav Bloch.

II. Die Ausgrenzung der Juden.

III. Die Ausgrenzung jüdischer Zahnärzte und Dentisten.

IV. Heilen und „Sieg Heil“. Die Zahnärzteschaft im Dritten Reich.

V. Unterwerfung und Anpassung.

VI. Das Schicksal des Dr. Julius Loewy.

http://www.kzvb.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=fileadmin/user_upload/Presse/Pressemeldungen/pdf/

Vortrag_Prof_Benz.pdf&hash=10be960a80el3042d462a5c78dla7d

 







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