Bericht Faschismusseminar SoKo am 24. August


Bildmontage: HF nach Motiv von J. Heartfield

26.08.13
AntifaschismusAntifaschismus, SoKo, Netzwerk, NRW, TopNews 

 

Von Horst Hilse

Das Soko-Seminar in Krefeld  war von einer breiten Auseinandersetzung mit dem Thema Faschismus sowie dem Widerstand dagegen geprägt. Dabei wurden Vergleiche und Parallelen sowie Differenzen zwischen dem historischen Faschismus und dem heutigen Neofaschismus gezogen.

In 4 Themenblöcken wurde mit Referenten und Medieneinsatz wurde das Thema behandelt.

 Ein Überblick über die heutige Naziszene in N R W  zeigte, wie mobil und bunt diese Szene geworden ist, seit die NPD sich von dem „Traditionsfaschistentum“ gelöst hat und verschiedene Formen faschistischer Aktivitäten fördert. Die rechte Szene versucht heute auf „jeden Trend aufzuspringen“ bringt es aber meist nicht weiter, als zu einige spektakulären Schlagzeilen. Trotzdem steigt damit der Bekanntheitsgrad rechtsradikaler Organisationen in verschiedenen Teilen der Bevölkerung.

 Ein Vergleich mit der Situation der 30er Jahre und dem damals zermürbenden Straßenterror gegen Einrichtungen der Linken und der Arbeiterbewegung zeigt, dass Europa derzeit von solch einer Situation weit entfernt ist. Allerdings gibt es die Ausnahme Griechenland, wo die Troikapolitik eine Situation herbeigeführt hat, die das Land in eine extreme Polarisierung stürzte und den Aufstieg einer faschistischen Massenorganisation stark begünstigte.

Unklar ist allerdings, ob eine Radikalisierung der Arbeiterbewegung bei gleichzeitig vertiefter Krisenfolge auf dem gesamten Kontinent zu solch einem rasanten Aufstieg einer faschistischen Massenbewegung beitragen kann.

Anhand von typischen Einzelfällen der in den letzten Jahren von Faschisten in Deutschland  ermordeten Menschen wurden Opfergruppen vorgestellt.

 Diese Opfer standen in einem krassen Gegensatz zur idealisierten „Wir – Gruppe“ für dessen „Lebensrecht“ rassistische und faschistische Fanatiker kämpfen. Diese idealisierten und oft romantisch verklärten Bilder können nationalistisch, kulturell-religiös, biologisch oder rassistisch bestimmt sein. Sie dienen in der Naziszene als Anlass und Motivation zur „Beseitigung“ der als Bedrohung ausgemachten und zu Opfern erklärten Mitmenschen.

Einen großen Raum nahm bei dem Seminar die Frage ein, wie der Faschismus zu bekämpfen ist. Die völlig falsche Politik der KPD vor 1933 wurde diskutiert, als jede Politik der Repression mit Todesfolgen für die Anhänger der Linken mit dem „Faschismus“ gekoppelt wurden. Die KPD meinte damals, dass die SPD mit ihrer bedingungslosen Verteidigung des Staatsapparates nur eine „sanftere Faschismusvariante“ darstelle und schloss eine Zusammenarbeit gegen den Faschismus aus.

Ein Referent machte an mehreren lokalen Beispielen im Ruhrgebiet deutlich, dass es auch in der KPD Gruppen gab, die im Kampf gegen den Faschismus mit anderen zusammenarbeiten wollten. Sie wurden jedoch damals aus der Partei ausgeschlossen.

Die Seminarteilnehmer/innen waren sich darüber einig, dass die bedingungslose Zusammenarbeit im antifaschistischen Kampf eine wichtige Lehre aus dieser Erfahrung darstellt.

In einem Seminarblock über den Zusammenhang von Terrorismus und Faschismus wurde

über den europäischen Rassismus diskutiert, der jenseits der  Nationalstaaten agiert. Heute formieren sich unter dem Namen „Falange“ in Europa derartige Gruppen und propagieren den europäischen Bürgerkrieg sowie die Schaffung eines rassisch motivierten europäischen Wirtschaftsraums.Der Attentäter Breivik gehört zu dieser Strömung.

Diese gewaltbereiten und meist gewalttrainierten Gruppen sind für Geheimdienste ein bevorzugtes Objekt, da sie versuchen, diese Gruppen zu steuern. Die „stay behind“ Einheiten der Nato beispielsweise agieren weiterhin auf dem europäischen Kontinent als Geheimarmee und es ist kaum möglich, ihren Einfluss auf die rechte Szene zu bestimmen.

Seit dem ersten Auftreten des Faschismus wurde auch die Theorie über Faschismus befördert und es gibt hervorragende Analysen, die leider weder damals, noch heute in den antifaschistischen Bewegungen zu breiten Debatten führen. Der Zusammenhang zwischen den Normen des normalen „kapitalistischen Wahnsinns“ mit seinem Konkurrenzprinzip und seiner „Verwertung“ menschlicher Arbeitsleistungen und den faschistischen menschenverachtenden Hierarchieidealen bleibt meist ausgeblendet. Ebenso verhält es sich mit dem Griff zur „faschistischen Notbremse“ durch den Kapitalismus im Krisenfalle.

Die Seminarteilnehmer/innen sind sich einig, dass die Vertiefung der Thematik in ihrer weiteren antifaschistischen Arbeit erforderlich ist.

h.hilse (SoKo Köln)







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