AfD MdB Schneider kommt aus Hamburger Burschenschaft


Bildmontage: HF

10.08.18
AntifaschismusAntifaschismus, NRW, Hamburg 

 

Von Hamburger Bündnis gegen Rechts

Bei bisherigen Recherchen zu extrem rechten Vernetzungen der AfD-Fraktion im Bundestag blieb der Abgeordnete Jörg Schneider bisher weitgehend unbeachtet. Dabei gehört er seit 1989 der Hamburger Burschenschaft Germania an und diese wurde 2013 erstmals vom Hamburger Inlandsgeheimdienst als Verdachtsfall rechtsextremistischer Bestrebungen geführt, seit 2014 findet sie sich mit einem eigenen Kapitel im öffentlichen Hamburger Verfassungsschutzbericht wieder.

Über die schlagende Verbindung von Herrn Schneider kann man im aktuellen VS-Bericht lesen: „„Die `HB! Germania` formuliert ihre generelle Ablehnung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse sowie ihre Verachtung gegenüber Medien und gesellschaftlichen Eliten explizit in ihrer Selbstdarstellung im Internet.“ Wie sich diese Ablehnung und Verachtung mit der Tätigkeit als Volksvertreter oder auch als Lehrer, Schneiders letzte berufliche Tätigkeit, vereinbaren lässt, kann wohl nur er selbst erklären. Jedenfalls dürfte der Alte Herr der völkischen Burschenschaft wohl den zweifelhaften Verdienst haben, der erste MdB einer rechtsextremistischen Organisation zu sein, seit sich Anfang der 1950er Jahre einige Abgeordnete der Deutsche Reichspartei (DRP) angeschlossen hatten. Die NPD, Republikaner und DVU schafften es bekanntlich nie in den Deutschen Bundestag, mit AfD-Ticket ist es nun aber möglich.

Aktiv im völkischen Sumpf

Schneider, heute in Gelsenkirchen wohnhaft, studierte ab 1988 Maschinenbau an der Hamburger Bundeswehruniversität und im Wintersemester 1988/89 trat er auch der Hamburger Burschenschaft Germania bei. Damals war die Germania dabei sich weiter nach rechts zu radikalisieren, es war die Zeit der Wiedervereinigung und nicht wenige völkische Intellektuelle witterten damals Morgenluft. Als Fux bzw. aktiver Bursche ist man in einer Verbindung bis zum Status eines Alten Herren eng in die organisatorische und politische Arbeit eingebunden, es gehört zur Pflicht an internen und externen Terminen des Bundes teilzunehmen um überhaupt burschenschaftliche Karriere machen zu können.

Die meisten Aktiven wohnen auch bis zum Ende des Studiums im Verbindungshaus.

„1989/90 rückten Teile der Verbindungsszene in Hamburg in den Blickpunkt des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz“, schrieben die Geheimen schon 1993 - allerdings nur in einem bis heute unter Verschluss gehaltenem Bericht, der uns jedoch vorliegt. Die Germania gehörte zu Schneiders Aktiven-Zeit zu den zentralen Akteuren neofaschistischer Umtriebe und war sogar in Wehrsport involviert.

1989 und 1990 marschierte ein „Bürgerforum für deutsche Einheit“ in Hamburg auf. Dieser Organisation waren damals alle relevanten Kräfte der extremen Rechten in Hamburg angeschlossen: REP, NPD/JN, DVU, FAP, Nationale Liste, Schüler- und Studentenverbindungen sowie die akademische „Gruppe 146“, Redner einer der Aufmärsche war Jürgen Rieger, wie der VS in seinem vertraulichen Bericht auf Seite 10 schrieb. „Die Vorbereitungstreffen für diese beiden Aufzüge, an denen sich etwa 50 bzw. im Februar 150 - 200 Personen beteiligten, fanden im Verbindungshaus der Burschenschaft Germania in der Sierichstraße statt.“ Schneiders Burschenbruder war 1991 der damalige Landesvorsitzende der

1995 verbotenen „Freiheitliche Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP), der mit „Heil Euch, Kameradinnen und Kameraden“ zu Treffen lud und das Germanenhaus als Kontakt angab. Über das Klima Anfang der 90er Jahre in Schneiders Aktivitas schrieb das Landesamt: „ „Nationalistisches, rassistisches und antisemitisches Gedankengut ist ... innerhalb der aktiven Teile der Burschenschaft weit verbreitet. Auf den Semesterkneipen der ‚Germania’ wird z.T. nationalsozialistisches Liedgut gesungen und in eigenen Liedtexten das NS-Regime verherrlicht. Aus ihrer Ablehnung der Demokratie und ihrer Befürwortung des ‚Führerprinzips’ machen viele ‚Germanen’ keinen Hehl.“

War Offizier Schneider beim Nazi-Wehrsport?

Noch brisanter war jedoch der Verweis der Schlapphüte auf Wehrsportübungen welche damals von Burschenschaftern, darunter die Germanen, und Neonazis aus Hamburg und den angrenzenden Bundesländern veranstaltet wurden. Sie fanden seit 1991 mehrmals mit „25 – 40 Personen – darunter überwiegend studierende Reservisten“ in der „Nähe des Truppenübungsplatzes Munster“ statt. Viele Burschenschafter seien Mitglieder von Schützenvereinen gewesen, „die meisten von ihnen besitzen selbst scharfe Waffen“, schrieb der VS. Zu dem an „Ausbildungsstandards der Bundeswehr orientierenden Wehrsportübungen“ gehörten „Orientierungsmärsche, Gefechtsübungen mit Einsatz von Übungs-und Leuchtspurmunition, Feuerwerkskörpern und sog. Gotcha-Waffen sowie der Kampf Mann gegen Mann.“ Bei den Lagern würden auch ausrangierte Bundeswehr-LKWs eingesetzt. „Um den Wehrübungen den Charakter von ‚offiziellen’ Bundeswehrreserveübungen zu verleihen und um die Möglichkeiten der freiwilligen Wehrausbildung zu erweitern, wurde von den Übungsleitern im März 1992 das ‚Komitee für freiwillige Reservistenarbeit-Nord’ (KON) gegründet. Gedacht wird insbesondere an Schießwettbewerbe mit der Bundeswehr oder die Teilnahme an Fallschirmspringerlehrgängen“, schrieb der VS vertraulich.

Der AfD-Abgeordnete Schneider war von 1983 bis 1995 bei der Bundeswehr tätig, zuletzt als Jugendoffizier. Ob und wie weit er in die Wehrsportübungen des KON involviert war, dürften nur der VS oder der Militärische Abschirmdienst (MAD) beantworten können, wenn sie denn wollen. Dass Schneider gar nichts von der damaligen Radikalisierung seiner braunen Burschenschaft mitbekommen hat, wäre äußerst unglaubwürdig.

In jedem Fall hat die AfD jedoch ein weiteres Problem:

Nicht nur verschiedene parlamentarische Mitarbeiter der Fraktion haben einen rechtsextremistischen Hintergrund, sondern auch einer ihrer Abgeordneten im Bundestag.

 

Hamburger Bündnis gegen Rechts







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