Neues Schiff für die Seenotrettung: Humanity 1 heute getauft

19.08.22
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Von SOS Humanity

Die zivile Seenotrettungsorganisation SOS Humanity hat heute Vormittag im spanischen Vinaròs ihr neues Rettungsschiff Humanity 1 getauft. Es handelt sich um die bisherige Sea-Watch 4, die die Organisation Sea-Watch nach mehr als zwei Jahren erfolgreicher Rettungseinsätze an SOS Humanity übergeben hat. Initiiert und finanziert wurde der Erwerb des ehemaligen Forschungsschiffs Poseidon aus Kiel Anfang 2020 durch das zivilgesellschaftliche Bündnis United4Rescue. Die Humanity 1 soll noch im August in den Rettungseinsatz im zentralen Mittelmeer starten.

“Als Person mit Fluchtgeschichte bewegt mich das Schicksal der Menschen, die über das Mittelmeer ihren Weg nach Europa suchen, sehr“, sagte die Taufpatin der Humanity 1, die Journalistin und Moderatorin Hadnet Tesfai, heute Vormittag am Quai des Hafens von Vinaròs, bevor sie die Sektflasche an den Schiffsrumpf warf. „Ich kenne ihre Träume und verstehe, was sie dafür zurücklassen und unterwegs durchmachen. Deshalb freue ich mich sehr, SOS?Humanity?bei der Taufe der?Humanity?1 unterstützen zu dürfen - in der Hoffnung, dass dieses Schiff möglichst viele Menschen rettet." 

Laura Gorriahn, Vorstandsvorsitzende von SOS Humanity betont angesichts der Taufe: “Kern unseres Handelns ist Leben retten. Die aktuelle Praxis Europas, Menschen in Not nicht umgehend zu helfen und somit Flüchtende auf dem Mittelmeer ertrinken zu lassen, verbietet sich. Wir handeln menschlich und retten sie aus Seenot. Jedes einzelne Leben zählt.”

Weil jedoch die Rettungsleitstellen der Mittelmeeranrainer Such- und Rettungseinsätze oft nicht koordinieren und die Informationen nicht an zivile Schiffe weitergeben, startet SOS Humanity heute eine Petition. Sie fordert die deutsche Bundesregierung und konkret Bundesinnenministerin Nancy Faeser darin auf, die im Koalitionsvertrag angekündigten Verbesserungen in der Seenotrettung im Mittelmeer umzusetzen.   

In Berlin erinnert auch Nora Bomke, Vorstandsmitglied von Sea-Watch, Europa anlässlich der Schiffstaufe an seine Pflicht zur Seenotrettung: "Jede Seemeile, die das Schiff auch in Zukunft zurücklegen muss, sollte Europa eine Mahnung sein. Mitgliedsstaaten müssen endlich ihrer Verantwortung nachkommen und ein Seenotrettungsprogramm im Mittelmeer etablieren. Statt bloßem Gerede müssen Taten folgen. Denn schöne Worte retten keine Menschenleben.“ Die zivile Rettungsorganisation Sea-Watch hatte ihr ehemaliges Rettungsschiff als Teil der zivilen Rettungsflotte im zentralen Mittelmeer solidarisch an SOS Humanity weitergegeben. Denn die seit Januar eigenständig als SOS Humanity arbeitende, ehemalige SOS Mediterranee Deutschland war auf der Suche nach einem eigenen Rettungsschiff.

Das Bündnisschiff von United4Rescue, das jetzt Humanity 1 heißt, war zuvor in einer spanischen Werft überholt, gewartet und in den Farben von SOS Humanity umlackiert worden. „Die heutige Taufe ist ein weiterer Meilenstein in der Geschichte unseres ersten Bündnisschiffes“, sagt Liza Pflaum, stellvertretende Vorsitzende von United4Rescue. „Hinter diesem Schiff stehen Tausende Menschen und 800 Organisationen, die eine klare Botschaft haben: Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt. Wir als Zivilgesellschaft handeln dort, wo die Politik versagt.”

Die neue internationale Crew der Humanity 1, die rund zur Hälfte aus Ehrenamtlichen besteht und zu mehr als einem Drittel aus Frauen, ist bereits für eine Quarantänezeit an Bord. Ende August wird die Humanity 1 in das zentrale Mittelmeer aufbrechen, eine der tödlichsten Fluchtrouten der Welt. Dort sind in diesem Jahr bereits über 900 Menschen auf der Flucht ertrunken. 







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