Abitur abgebrochen aus Klimaangst - Bundesregierung versagt Zukunft junger Menschen zu schützen

09.03.22
BewegungenBewegungen, Umwelt, Berlin, TopNews 

 

Berlin: Jakob Pförtner (20), Teil der letzten Generation, hat heute nicht an seiner Abiturprüfung teilgenommen. Um 17 Uhr teilte er seinen Prüfer:innen mit, er könne, aufgrund der aktuellen Situation, nicht an der Abiturprüfung teilnehmen. Er erläuterte die dramatischen, todbringenden Folgen des Nichthandelns der Bundesregierung in der Klimakrise, und bat sein Lehrer:innen ebenfalls, die Krise anzuerkennen, ihre eigene Rolle zu hinterfragen und Widerstand zu leisten. Im Januar hatte bereits Lina Eichler (19) ihr Abitur als Folge des Versagens der Regierung abgebrochen und Schüler:innen zu einem unbefristeten Schulstreik aufgerufen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“Das bestehende System zerstört unsere Lebensgrundlagen und damit meine Chancen auf ein glückliches Leben. Nachdem ich alles legal mögliche probiert habe, ist es meine moralische Pflicht gewaltfrei Widerstand zu leisten, um die Bundesregierung von ihrem todbringenden Kurs abzulenken”, sagt Jakob Pförtner als er den Prüfungsraum verlässt. “Meine Familie und Freunde sagen “Ich werfe meine Zukunft weg”. Aber wie soll ich meine Zukunft wegwerfen, wenn die Regierung diese mit ihrem fossilen Weiter-so sowieso ruiniert?”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jakob Pförtner verlässt, wie auch Lina Eichler, die Schule damit ohne Abschluss. Mit ihren Ängsten vor den Folgen der Klimakrise sind sie keineswegs alleine. Laut einer wissenschaftlichen Studie zu “Klimaangst” bei jungen Menschen haben fast sechs von zehn (59%) jungen Menschen im Altern von 16 bis 25 Jahren große oder extreme Sorgen über den Klimawandel [1].

“Wir haben nur noch wenige Jahre - wenn nicht Monate- um das Ruder herumzureißen.  Es ergibt keinen Sinn, auch nur einen Tag weiter dem normalen Alltag nachzugehen. Stattdessen widme ich mich jetzt voll und ganz dem Widerstand gegen das fossile System”, erklärt Lina Eichler, (19) und bricht damit die Schule nur wenige Monate vor ihren Abiturprüfungen ab. Sie zeigt damit deutlich, dass es ohne effektiven Klimaschutz keine Zukunft für ihre Generation gibt. 

Seit Anfang Januar sind Lina und Jakob mit der “Letzten Generation” bundesweit aktiv und fordern, mit Bürger:innen aller Altersklassen, angemessene Maßnahmen der Bundesregierung im Klimanotfall. Lina Eichler hatte im September 2021 bundesweit Aufsehen erregt als sie vor der Bundestagswahl in einen unbefristeten Hungerstreik trat. Da der neue Kanzler Olaf Scholz, trotz öffentlichem Gespräch über die Leid bringenden Konsequenzen einer 2, 3, 4 Grad heißeren Welt im November, mit Henning Jeschke und Lea Bonasera nicht bereit ist umzulenken, blockierten Lina und Jakob über sechs Wochen Autobahnen und zuletzt Häfen und Flughäfen. 

“Im April 2022 werden wir mit weit mehr Menschen wiederkommen um den fossilen Wahnsinn zu stoppen. Wir alle sind die letzten Generation, die den Klimakollaps noch abwenden kann. Nicht das fehlende Abitur, sondern die Klimakrise und das Versagen der Regierung macht mich perspektivlos! Ich bin bereit, die Menschen wachzurütteln, auch wenn ich dafür ins Gefängnis komme”, sagt Jakob Pförtner entschlossen.


Forderungen: Stoppt den fossilen Wahnsinn

1. Alle deutsche Unterstützung, Finanzierung und Ausbau von zukünftiger Infrastruktur für fossiles Öl, Kohle und Gas weltweit sofort einstellen.

2. Wir brauchen eine solidarische Krisenwirtschaft – demokratisch, sozial und global gerecht.
So können wir das System umgestalten, bevor es zusammenbricht. Wir brauchen:
- Erneuerbare Energien
- nachhaltige Fortbewegung
- Wärmedämmung unserer Häuser
- Stopp bei der Flächenversiegelung
- Wertschätzung unserer Ernährung

Unsere Vision ist mehr Demokratie und mehr soziale und globale Gerechtigkeit.
- In gelosten Bürger:innenräten sollen Menschen selbst entscheiden, welcher Weg eingeschlagen wird. Dort wären alle vertreten – unabhängig von Hautfarbe oder Einkommen.
- Die Kosten des gesellschaftlichen Umbaus dürfen nicht zugunsten der Reichen auf der arbeitenden Bevölkerung abgeladen werden.
- Politische Entscheidungen dürfen nicht auf Kosten ärmerer und betroffenerer Bevölkerung im Globalen Süden gehen.

Es gibt viel zu tun. Es ist keine Zeit für langes Trödeln. Wir erwarten von der Regierung, dass sie ihren Job macht und uns nicht weiter Richtung Abgrund schiebt.


Quellen
[1] Young People’s Voices on Climate Anxiety, Government Betrayal and Moral Injury: A Global Phenomenon papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3918955







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