Klimakiller Erdgas – Nein Danke!

23.04.21
BewegungenBewegungen, Umwelt, Baden-Württemberg, TopNews 

 

Von Robin Wood

ROBIN WOOD-Aktivist*innen protestieren vor EnBW-Kraftwerk in Stuttgart-Münster

Mit einer Kletteraktion haben Aktivist*innen der Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD heute Vormittag gegen die Pläne des Energiekonzerns EnBW protestiert, das Kraftwerk Stuttgart-Münster auf den Betrieb mit Erdgas umzurüsten. In Sichtweite des Kraftwerks spannten die Aktivist*innen ein Banner mit der Aufschrift „Klimakiller Erdgas – Nein Danke!“ über eine Fußgängerbrücke. Die Aktion findet anlässlich der heute digital abgehaltenen Besprechung des Regierungspräsidiums Stuttgart zu den Umrüstungsplänen des Energieversorgers statt. ROBIN WOOD fordert das Regierungspräsidium und die Stadt Stuttgart auf, sich gegen die Umrüstung auszusprechen und kündigt weitere Proteste an.
 
Im Kraftwerk Stuttgart-Münster wird aktuell Steinkohle und  Restmüll verbrannt, um sowohl Strom als auch Fernwärme zu produzieren. Im Zuge des Kohleausstiegs sollen die Steinkohlekessel bis 2025 durch neu zu bauende, mit Erdgas bzw. Erdgas und Heizöl betriebene Turbinen ersetzt werden. ROBIN WOOD kritisiert, dass damit unter dem Deckmantel des Klimaschutzes weitere fossile Infrastruktur geschaffen und der Umstieg auf eine erneuerbare Wärme- und Stromversorgung blockiert wird.

„Es ist eine Frechheit: Die EnBW will einen fossilen Klimakiller durch einen anderen ersetzen und uns das auch noch als Klimaschutz verkaufen! Um die Klimakrise zu bekämpfen, müssen wir in Stuttgart und bundesweit schnellstmöglich aus allen fossilen Energieträgern aussteigen. Weiterhin in Erdgas-Infrastruktur zu investieren, ist klimapolitisch absolut kontraproduktiv. Hier wird die Fortsetzung des eigenen fossilen Geschäftsmodells knallhart über den Schutz des Klimas gestellt“, sagt Eberhard Linckh von ROBIN WOOD Stuttgart.

Anders als EnBW in ihrer Öffentlichkeitsarbeit behauptet, ist Erdgas alles andere als klimafreundlich. Sowohl das bei der Verbrennung entstehende CO2 als auch das bei der Produktion und dem Transport von Erdgas entweichende Methan heizen die Klimakrise an. Je nach Ort und Methode der Gasförderung können Gaskraftwerke damit sogar klimaschädlicher sein als herkömmliche Kohlekraftwerke. Dazu kommt, dass die Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Gas ein zentralisiertes, verbrennungsbasiertes Energiesystem zementiert und Investitionsmittel bindet, die für eine klimafreundliche Energiewende dringend benötigt werden. Dennoch hat die Bundesregierung im Rahmen des Kohleausstiegs ein Förderprogramm für die Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Gas angekündigt.

„Statt  in eine Technologie zu investieren, die uns auf Jahrzehnte an einen fossilen Energieträger fesselt, müssen Politik und Wirtschaft jetzt auf einen konsequenten Umbau hin zu einer erneuerbaren, dezentralen und sozialen Strom- und Wärmeversorgung setzen. Viele der technischen Lösungen dafür gibt es schon lange – was fehlt, ist der Wille!“, ergänzt Ronja Heise, ROBIN WOOD-Energiereferentin.

Die Erzählung, dass neue Gasinfrastruktur wie die Turbinen in Stuttgart-Münster schon in absehbarer Zeit nachhaltig mit sogenannten grünen Gasen betrieben werden könne, ist aus Sicht von ROBIN WOOD irreführend. Zum einen fehlt dafür der benötigte überschüssige, erneuerbare Strom. Zum anderen ist die Herstellung von beispielsweise regenerativem Wasserstoff extrem ineffizient. 

Die Stadt Stuttgart hatte die Pläne von EnBW schon im März dieses Jahres in einer Pressemitteilung begrüßt. Eberhard Linckh von ROBIN WOOD hält dagegen: „Nach dem Kohleausstieg muss der Gasausstieg kommen! Gemeinsam mit vielen Akteur*innen der Klimagerechtigkeitsbewegung werden wir uns bundesweit und auch hier in Stuttgart gegen den Klimakiller Erdgas stark machen!“

ROBIN WOOD fordert eine hundertprozentige Versorgung mit erneuerbarem Strom und Wärme sowie mehr Anstrengungen für Energieeinsparung und -effizienz, insbesondere im Gebäude- und im Verkehrssektor.







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