„Mehr von uns ist besser für alle“

13.07.13
BewegungenBewegungen, Soziales, Wirtschaft, Berlin, TopNews 

 

von Sascha Stanicic via sozialismus-info

Bündnis „Berlinerinnen und Berliner für mehr Personal im Krankenhaus“ gegründet

Mit circa einhundert Anwesenden sprengte die Beteiligung am Gründungstreffen des Bündnisses „Berlinerinnen und Berlin für mehr Personal im Krankenhaus“ alle Erwar- tungen.

Der Versammlungsraum in der ver.di Bundeszentrale war brechend voll, als Dana Lützkendorf für die ver.di-Betriebsgruppe am Universitätsklinikum Charité die Anwesenden begrüßte und darlegte, dass es um die Schaffung eines Mitmach-Bündnisses geht.

Hintergrund der Bündnis-Gründung sind die Tarifverhandlungen an der Charité. Hier fordert die Gewerkschaft ver.di einen Tarifvertrag zur Mindestbesetzung. Die Kolleg- Innen an Europas größter Universitätsklinik wollen nicht warten, bis es (möglicherweise) zu einer gesetzlich festgelegten Personalbemessung kommt und marschieren voran, um eine tarifliche Regelung zu erkämpfen. Damit wollen sie gleichzeitig Beispiel für andere Krankenhausbelegschaften sein und den politischen Kampf für eine gesetzliche Regelung stärken.

Die Beteiligung an der Veranstaltung war breit aufgestellt. Neben Beschäftigten der Charité und vom 'Charité Facility Management' (CFM) waren, eine Reihe von ver.di-Mitgliedern aus verschiedenen Fachbereichen und Mitgliedern der Partei DIE LINKE, eine Vertreterin der jungen GEW Berlin und andere GewerkschafterInnen anwesend, Aktive aus dem Solidaritätskomitee für die CFM-Beschäftigten und vom Forum Betriebe, Ge- werkschaften und soziale Bewegungen, eine Gruppe von Medizin-Studierenden, linke Gruppen, weitere Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen. Sogar Jusos, 'Gewerk- schaftsgrüne' und Christliche Arbeitnehmerschaft hatten VertreterInnen geschickt.

Stephan Gummert, Personalrat und Gewerkschaftsvertreter an der Charité, nannte die Entwicklung für Beschäftigte eine „Brutalisierung der Ar- beitsbedingungen“ und legte ausführlich und eindrucksvoll die inakzeptable Personalsituation in den Charité-Kliniken dar. 300 Vollzeitstellen fehlen dort, was für die Beschäftigten oftmals unerträgliche Arbeitsbelastungen bedeutet. Basierend auf internationalen Studien legte er dar, dass „Unterbesetzung tötet“, weil die Mortalitätsrate mit sinkendem Personalstand in Krank- enhäusern steigt. Seine Schlussfolgerung: das Gesundheitssystem versagt!

Conny Koop von der ver.di Betriebsgruppe trug dann eine Reihe von konkreten Beispie- len aus den verschiedenen Stationen und Funktionsbereichen für die Überlastung der KollegInnen vor, die unter den Anwesenden zu ungläubigem Kopfschütteln und großen Augen führten. Eine Kollegin einer Entbindungsstation fasste ihre Erfahrungen mit dem Begriff „gefährliche Pflege“ zusammen.

Ver.di fordert für das Pflegepersonal eine Quote von einer Pflegekraft auf fünf Patient- Innen auf einer Normalstation, ein Verhältnis von 1:2 auf Intensivstationen und „keine Nacht allein“ für Pflegekräfte in der Nachtschicht. Die Leiterin des zuständigen Fachbe- reichs 3 von ver.di Berlin/Brandenburg, Meike Jäger, wies darauf hin, dass Krankenhaus- beschäftigte bundesweit auf die Auseinandersetzung in Berlin schauen und diese einen Beispielcharakter hat.

Das Bündnis wird mit einem Massenflugblatt und Unterschriftenlisten in den nächsten Wochen auf die Straßen und Plätze ziehen, um die Forderungen der Charité-Beschäf- tigten bekannt zu machen und Unterstützung zu mobilisieren. Eine Webseite wird ein- gerichtet und Veranstaltungen sind geplant. In vier Arbeitsgruppen wurden Ideen ge- sammelt und Pläne geschmiedet. Das Thema soll in die anderen ver.di Fachbereiche, DGB-Gewerkschaften und Parteien getragen werden. Der Bundestagswahlkampf soll genutzt werden, um den Druck auf die politisch Verantwortlichen zu erhöhen. Eine Ver- knüpfung mit den Arbeitskämpfen im Einzelhandel und der Berliner LehrerInnen wurde ebenso angeregt, wie der Aufbau von Verbindungen zu Patientenvertretungen.

Die Versammlung war ein gelungener Auftakt für die Organisierung breiter gesellschaft- licher Unterstützung für die Tarifforderungen von ver.di an der Charité.

Kontakt zum Bündnis:
charite.buendnis@gmail.com

www.facebook.com/ver.di.charite.buendnis

Unterschriftenliste und Infoflyer:

2013-07-11-Charitesoli Unterschriftenliste
2013-07-11-Charitesoli_unterschriftenliste.pdf

601.7 KiB
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Details...

2013-07-11-Charitesoli Flugi
2013-07-11-Charitesoli_flugi.pdf

1.1 MiB
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www.sozialismus.info/2013/07/mehr-von-uns-ist-besser-fuer-alle

 


VON: SASCHA STANICIC VIA SOZIALISMUS-INFO






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