Todesurteil für Pferd bei Olympia: Wir brauchen ein Umdenken beim sogenannten Reitsport

06.08.21
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Von Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio musste ein Pferd nach einem Sturz beim Vielseitigkeits-Parcours eingeschläfert werden. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte kritisiert die Ausbeutung von Tieren für den Leistungssport und fordert ein Umdenken. 

Beim Vielseitigkeitswettbewerb verletzte sich das 14-jährige Pferd „Jet Set“ des Schweitzer Reiters Robin Godel am 1. August so schwer, dass Tierärzte und Verantwortliche entschieden, das Tier einzuschläfern. Der Bänderriss wäre irreparabel und  „Jet Set” hätte nie mehr richtig laufen können. Der Reiter zeigte sich zwar betroffen, doch gerade beim Vielseitigkeitsreiten ereignen sich häufig Unfälle, da die Pferde dabei unter anderem über feste Holzhindernisse und tiefe Gräben springen müssen. Über 6.000 Pferde werden jedes Jahr aufgrund von „Sportverletzungen“ oder zur Fleischgewinnung getötet (1). 

Verletzungsrisiko zu groß und die Folgen meist fatal
Der Bundesverband Menschen für Tierrechte fordert ein Umdenken und Einlenken bezüglich des Pferdesports. Das Verletzungsrisiko ist einfach zu groß und die Folgen meist fatal. Gefahr besteht dabei nicht nur für Pferd und Reiter, sondern auch für das Publikum. Bei Turnieren kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, beispielsweise 2018 bei der CHIO in Aachen, als der englische Reiter Oliver Townend vom Pferd stürzte, dieses in den Zuschauerbereich geriet und drei Personen verletzte (2).

Pferde zu widernatürlichen Höchstleistungen gezwungen
„Dieser traurige Vorfall zeigt deutlich den Preis, den die Tiere für den Sport- und Wettbewerbsdrang der Menschen zahlen müssen. Ein menschlicher Athlet, der sich beim Sprinten, Hürdenlaufen oder bei der Akrobatik verletzt, bezahlt diesen Unfall in der Regel nicht mit seinem Leben. Für ein Pferd bedeutet ein Bänderriss jedoch oft den Tod. Dies wirft ein Schlaglicht auf den Reitsport generell. Zu diesen widernatürlichen Höchstleistungen werden die Pferde oft mit umstrittenen Trainingsmethoden, Zwangsmitteln, Doping, Schmerzen und Angst getrieben, die nicht selten mit ihrem Tod auf der Rennbahn oder dem Hindernisparcours enden. Sportlicher Wettbewerb ist in Ordnung, aber nicht, wenn Tiere für ein Millionengeschäft ausgebeutet werden und den Wettkampf mit ihrem Leben bezahlen“, kritisiert Carolin Spicher, Biologin und Fachreferentin beim Bundesverband Menschen für Tierrechte. 

Stress durch lange Flüge und ständige Ortswechsel
Kritikwürdig sind nicht nur Verletzungen als Folge von Stürzen, auch das plötzliche Zusammenbrechen mit Todesfolge durch einen Riss der Hauptschlagader (Aorta) tritt bei Pferden im Leistungssport häufig auf. Erst im April verstarb die 17-jährige Stute „Rock and Rose“ der Olympiasiegerin Dorothee Schneider beim Angaloppieren zur Ehrenrunde bei einem Turnier in Pforzheim. Außerdem leiden die Pferde bei weltweiten Turnieren auch durch den Stress der Reisen durch die langen Flüge und die ständigen Ortswechsel. Oft werden die hochsozialen Tiere für die Turniere isoliert gehalten. Im schlimmsten Fall fristen sie ihr Dasein in engen Boxen, die sie nur zu Trainingszwecken verlassen, da Weidegang oder Kontakt zu Artgenossen ein Verletzungs- und Krankheitsrisiko für die wertvollen Pferde darstellen. Dabei sind Pferde Herdentiere, die den Kontakt zu Artgenossen und viel Bewegung brauchen.  

 

(1) Margit H. Zeitler-Feicht (2001): Handbuch Pferdeverhalten, S. 74 

(2) https://www.aachener-nachrichten.de/sport/chio-aachen/pferd-in-den-zuschauerbereich-geraten-drei-besucher-verletzt_aid-24578859, zuletzt eingesehen am 06.08.2021







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