Hausbesetzung Zülpicher Str. nach Vertragsunterzeichnung aufgelöst – Repression gegen Besetzer*innen


Bildmontage: HF

13.07.16
BewegungenBewegungen, Soziales, Köln, NRW, TopNews 

 

Von Wohnraum für Alle, Köln

Genau 7 Monate lang wurden die Häuser der Zülpicher Str. 290 und der Josef-StelzmannStr. 2a besetzt. Gestern dem 11.07.2016 wurde nach Abschluss eines Vertrages, zwischen dem Verein der Besetzer*innen und der Stadt Köln,welcher die zukünftige Anmietung der Josef-Stelzmann Str. 2a durch einen Verein regelt, die Hausbesetzung selbstständig aufgelöst.

Die Aktivist*innen gehen davon aus, dass die Sanierung durch Hausverwalter Egon Joisten zeitnah erfolgt. Bis zur Fertigstellung wird den wohnungslosen Besetzer*innen von der Stadt Ersatzwohnraum zur Verfügung gestellt.Nach der Sanierung wird die Josef-Stelzmann Str. 2a ein selbestverwaltetes Wohnprojekt mit eigenem Ladenlokal für unkommerzielle, nachbarschaftliche und politische Angebote. Der Mietpreis für die Josef-Stelzmann Str. beträgt 6,25€/m² und die Vertragslaufzeit 30 Jahre. In der Zülpicher Str. 290 werden 16 Wohnungen für Geflüchtete und eine Beratungsstelle entstehen. Das größte Ladenlokal wird an eine Pommesbude vermietet. Die Hausbesetzung war ein wichtiger Erfolg, im Kampf gegen die Wohnungsnot in Köln.

Zugleich erreichten Briefe der Staatsanwaltschaft einige der Aktivist*innen aus der Hausbesetzung Kartäuserwall 14. Wir gehen davon aus das in der nächsten Zeit weitere Schreiben verschickt werden.

Nicht nur in Anbetracht der erfolgreichen Hausbesetzung in der Zülpicher Str. (welche von Vertretern der Politik und Stadt als „effektiver Weg“ den Leerstand zu beenden gelobt wurde), ist die Kriminalisierung dieser politischen Aktionsform absurd. Wo früher im Kartäuserwall14, günstiger Wohnraum und 27 Jahre das geliebte Zuhause einer Familie war, klafft bis heute eine Baulücke. Auch in der Rolshoverstr. 98 (am 02.10.2015 durch Aktivist*innen besetzt) wurde günstiger Wohnraum vernichtet. Seit Anfang März ist die Baustelle von den Behörden still gelegt.

Die Repression von Polizei und Justiz richtet sich gegen jene Menschen, welche für günstigen Wohnraum kämpfen, anstatt gegen die, welche ihn aus Profitgründen vernichten.

Um an die Geschichte der Vertreibung einer Familie aus ihrem Zuhause und der anschließenden Besetzung zu  erinnern, inszenieren wir ein selbstorganisiertes Laien Theaterstück. Dieses wird am 24.07.2016, um 15:00 Uhr, vor der Brache des Kartäuserwall 14 aufgeführt.

Hintergrund:

Der jetzige Erfolg ist der bisherige Höhepunkt der Stadtbewegung, welchefür günstigen Wohnraum und gegen die Verdrängung von Mieter*innenaus ihren Veedeln kämpft. Zuvor wurde am 02.09.2015 der Kartäuserwall 14 in der Südstadt besetzt. Hier kündigte die Hüsten Gewerbepark GmbH der dort lebenden Familie, mit der Begründung, daß sie ein „ein Hindernis für die angemessene wirtschaftliche Verwertung“ darstellt. Am 01.10.2015 wurde das Haus durch die Polizei geräumt und kurze Zeit später abgerissen. Bis heute ist dort eine Brache. Am 02.10.2015 wurde die Rolshover Str. 98 besetzt, nachdem den Bewohner*innen zum 30.09.2015 gekündigt wurde, um Platz für die geplante Luxussanierung zu machen.

Das sind keine Einzelfälle. Köln hat bereits die teuersten Mieten in NRW, die Spekulation mit Grundstücken und Häusern nimmt immer weiter zu.

Es ist trauriger Alltag das Menschen aus ihren Veedeln vertrieben werden, immer mehr vom Einkommen für die Miete draufgeht, während Geflüchtete in prekären Massenunterkünften leben müssen. Konkurrenzkampf um die wenigen erschwinglichen Wohnungen nimmt immer weiter zu. Gleichzeitig werden große Flächen für Luxus-Siedlungen verwendet. 

Wir erleben, wie die soziale Spaltung, immer tiefere Gräben in die Gesellschaft reißt und zu einer fortschreitenden Entsolidarisierung führt. Es sind die gleichen Risse in Köln, welche auch Deutschland, Europa und der Welt erzittern lassen.

Die Hausbesetzung und deren erfolgreicher Abschluss zeigt, dass es auch anders gehen kann. Wohnraum muss nicht der Profitmaximierung dienen.

Wohnraum für alle!

Soli-Grüße an den bedrohten Wagenplatz „Wem gehört die Welt“, dem Hambacher Forst, das LIZ Bonn, das OM10 in Göttingen, das KoZe in Hamburg, das alte Sportamt in Bremen, die Rigaer Str. 94, M99 und Potse in Berlin und alle anderen selbstverwalteten Projekte!

Wir machen weiter! Solidarische Räume errichten und verteidigen!







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