Stimmen aus Tierrechts-, Umwelt- und Friedensbewegung fordern: Tönnies-Schlachtfabrik dauerhaft schließen

18.06.20
BewegungenBewegungen, Umwelt, OWL, NRW, TopNews 

 

Von ARIWA Bielefeld, EX BIELEFELD, VENGA Bielefeld, FAIRLEBEN Gütersloh, FRIEDENSINITIATIVE OWL, BÜNDNIS GEGEN DIE TÖNNIES ERWEITERUNG, ANIMAL SAVE Bielefeld

Zivilgesellschaftliche Organisationen aus OWL kommentieren die vorübergehende Schließung des Tönnies-Hauptstandortes nach dem jüngsten, umfangreichen Corona-Ausbruch. Die Gefahren in der Schlachtindustrie sind und waren bekannt – auch bei Wiedereröffnung bleibt Tönnies ein untragbarer Krisenherd. Mehrere Protestveranstaltungen sind geplant.

Aktuelle Veranstaltungen:

Freitag, 19.6. 16-18h STOP DAS ZUKUNFTSVERACHTENDE SYSTEM TÖNNIES, BI, Alter Markt

Samstag 20.6. 12-14h MAHNWACHE VOR TÖNNIES von ANIMAL SAVE

Der Ursprung von Covid-19 ist nicht abschließend geklärt. Das erste bekannte Auftreten auf einem Wildtiermarkt deutet auf den Handel mit Tieren hin, Virologe Drosten brachte die Pelzindustrie als wahrscheinliche Quelle ins Spiel. Fest steht: Bei 75 % aller neu auftretenden Infektionskrankheiten, die für den Menschen gefährlich sind, kommen die Erreger von Tieren, die der Mensch aus ihren Lebensräumen verdrängt, gejagt oder in der Intensivtierhaltung gezüchtet hat. [1] Seit Wochen werden immer wieder Schlachthäuser zu Corona-Hotspots, als neuester Fall nun das Tönnies-Gelände in Rheda-Wiedenbrück. Die schnelle Ausbreitung in den Schlachtfabriken geht zwar in erster Linie auf die unwürdigen Arbeitsbedingungen in den Betrieben zurück. Das aber, so prangert ein Bündnis aus verschiedenen Bewegungen an, ist nur ein Teil des Gesamtbilds. Der Ursprung und die Verbreitung von Epidemien haben demnach eines gemeinsam: Die weltweite Tierindustrie spielt die Hauptrolle.

Seit Jahren weisen Organisationen wie Animal Rights Watch e.V. (ARIWA) darauf hin, dass die Zucht, Nutzung, Mast und Schlachtung von Tieren nicht zukunftsfähig ist. Zu den katastrophalsten ökologischen Folgen der Tierproduktion gehört die anhaltende Brandrodung des Amazonasregenwaldes, die zu über 90 % für Futtersoja und Weideflächen erfolgt. Der Verein geht davon aus, dass allein 20–30 % der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase und ein Großteil des Artensterbens auf die menschliche Nutzung von Tieren zurückzuführen sind. [2] Gesundheitliche Gefahren liegen zudem nicht nur in der Entstehung von Epidemien, auch an der Verbreitung von Zivilisationskrankheiten sind Tierprodukte erheblich beteiligt und der hohe Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung führt zur Entstehung multiresistenter Keime, durch die in Zukunft harmlose Krankheiten wieder bedrohlich werden könnten. „Die ökologische Krise wie auch die aktuelle Gesundheitskrise machen deutlich sichtbar, dass wir nicht weitermachen können wie bisher“, so Achim Stammberger, Vorstandsbeauftragter von ARIWA. „Wir leben im Überfluss und sollten uns fragen, mit welchem vernünftigen Grund wir Tiere für unseren Konsum züchten, mästen und töten, wo doch heute schon Millionen Menschen vegan leben und vormachen, dass Tierkonsum nicht notwendig ist – und dass Schlachthöfe damit nicht systemrelevant sein können.“

In Bielefeld demonstriert am Freitag die Organisation Extinction Rebellion gegen das „tier-, menschen- und zukunftsverachtende System Tönnies“. Vor dem Schlachtgelände in Rheda ist für Samstag eine Protestveranstaltung der Lokalgruppe des Save Movement geplant. Sprecherin Katharina Friess erklärt dazu: „Die Schädlichkeit der Tierindustrie könnte offensichtlicher nicht mehr sein. Wie fatal ist es, dass wir trotzdem noch Lösungen in der Gewalt gegen Tiere suchen und an ihnen experimentieren, um Medikamente und Impfstoffe zu finden – anstatt auch nur die Mastanlagen und Schlachthöfe dauerhaft zu schließen, welche die Ausbreitung verstärken und neue Krankheiten schaffen. Lieber schließen wir Schulen. Wie groß war der Aufschrei, als Schüler*innen für ihre Zukunft demonstrierten statt zur Schule zu gehen. Jetzt sind die Schulen zu und eine Perspektive für eine lebenswerte Zukunft fehlt weiter. Wir brauchen dringend eine Wende im Konsumverhalten und in der Landwirtschaft. Biovegane Landwirtschaft ist ein zukunftsweisendes Konzept, das auf politischer Ebene dringend unterstützt werden muss.“ Über die Grundlagen der bioveganen Landwirtschaft informiert auch das Klimabündnis Dortmund in einem öffentlichen Onlinevortrag am Freitag. [3]

Die Unterzeichnenden fordern stellvertretend die dauerhafte Schließung des Tönnies-Standortes sowie den systematischen Ausstieg aus der Tierproduktion und -schlachtung. Die jährliche Demonstrationsreihe „für die Schließung aller Schlachthäuser“, die dieses Jahr in Gütersloh begann, wird am 18. Juli in Dortmund und am 25. Juli in Bielefeld fortgesetzt. [4]

Simon Anhut, Animal Rights Watch e.V., Ortsgruppe Ostwestfalen-Lippe

Camila Cirlini, Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung

Ute Esselmann, VENGA – Aktiv für Tierrechte

Katharina Friess, The Save Movement, Ortsgruppe Bielefeld

Margrit Dorn, Oliver Groteheide, Fairleben e.V.

Uschi Kappeler, Friedensinitiative OWL

TOM MEYER, JULIAN HAINER, Extinction Rebellion, Ortsgruppe Bielefeld

[1] www.ariwa.org/zoonosen

[2] www.ariwa.org/klima

[3] www.klimabuendnis-dortmund.de/events/online-vortrag-biozyklisch-veganer-anbau-alsalternative-in-der-landwirtschaft

[4] www.schlachthaeuser-schliessen.de







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