Bauwagenplatz Osterinsel zur geplanten Bebauung durch Pandion

21.11.18
BewegungenBewegungen, NRW, Köln, News 

 

Von Bauwagenplatz Osterinsel

Bewohner*innen des Wagenplatzes und die Bürgerinitiative Alsdorfer Straße fordern Bürger*innenbeteiligung Modell 3

Baupläne von Großinvestor Pandion AG in Köln Ehrenfeld übergehen die Bedürfnisse der Anwohner*innen und dem Bauwagenplatz Osterinsel.

Die Baupläne von der Pandion AG sehen vor, einen gigantischen Wohnkomplex auf der Fläche des jetzigen Bauwagenplatzes und dem brachliegenden alten Schrottplatz an der Alsdorfer Straße zu errichten.

Gemeinsam mit der neu gegründeten „Nachbarschaftsinitiative Alsdorfer Straße“ ist der Wagenplatz Osterinsel besorgt über die drohende Umsetzung des Großprojektes und die mäßigen Aussichten auf eine angemessene Möglichkeit der Bürger*innenbeteiligung. Die Nachbarschaftsinitiative befürchtet in den engen umliegenden Straßen ein stark ansteigendes Verkehrsaufkommen und den Verlust der Grünanlagen.

„Bisweilen hat weder die Stadt noch Pandion uns und unseren Lebensraum mitbedacht, geschweige denn Kontakt zu uns aufgenommen, um uns und unsere Bedürfnisse in ihre Bauplanungen zu integrieren. Bei dem jetzigen Vorhaben der Stadt und Pandion wird eine ausgewiesene Grünfläche bebaut und wir verlieren unser Zuhause und unseren Kulturort“, so Mathilde Setzer, Bewohnerin der Osterinsel.

Der Bauwagenplatz Osterinsel wurde vor 15 Jahren auf der Grenze der Kölner Stadtteile Ehrenfeld und Braunsfeld gegründet und ist seitdem zu einem alternativen Lebensraum für 40 Personen, sowie zu einem lebendigen, unkommerziellen Ort der Kultur erwachsen, an dem u. A. Lesungen, Konzerte, Vorträge, Film und Theatervorführungen stattfinden und diverse Werkstätten entstanden sind. Die Einfahrt zum Wagenplatz ist einer der letzten Orte, wo Graffitisprayer geduldet ihre Kunst praktizieren können. Die Bewohner*innen haben sich entschieden generationsübergreifend, ökologisch bewusst und ressourcenschonend als Gemeinschaft miteinander zu leben.

Ende September wurde klar, dass ein Großteil der Fläche des Bauwagenplatzes einer Wohnblockbebauung weichen soll. Informationen gab es weder von dem Grundstückseigentümer, der REWE Group, noch von dem Investor, der Pandion AG.

Osterinsel beteiligte sich schon frühzeitig

Das Immobilienunternehmen „Pandion AG“ plant den Bau von 300 hochwertigen Wohneinheiten auf dem Grundstück des ehemaligen Schrottplatzes an der Alsdorfer Straße, dem Gelände Firma Ketten Theiss, sowie auf einem seit langer Zeit durch die Bauwagenplatzbewohner der Osterinsel genutztem REWE Grundstück. Die Bauwagenplatzbewohner der Osterinsel hatten sich bereits im Jahr 2004 an der Verhandlung über den Rahmensanierungsplan Braunsfeld/Ehrenfeld beteiligt. Die Grundstücke, auf welchen sich die Osterinsel ausdehnt, umfassen die sogenannte Gleisharfe, die als erhaltenswerte Grünfläche festgelegt wurde. Laut Rahmenplan sind diese Flächen nicht als Wohnbebauung vorgesehen und die übrigen, bebaubaren Grundstücke sind auf 200 Wohnheiten festgeschrieben.(Rahmenplanung:https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/ stadtentwicklung/rahmenplanung-braunsfeldmuengersdorfehrenfeld)

Da keine Veränderung des Rahmenplanes mit Beteiligung der Bürger*innen stattgefunden hat, ist diese Planungsänderung aus Sicht der Osterinsel unzulässig. Die Informationen über die geplanten Veränderungen sind durch die Eigeninitiative von betroffenen Anwohner*innen ans Licht gekommen.

Stadt möchte geringe Bürger*innenbeteiligung und weniger Kultur

Für das Planungsamt ist es am bequemsten die Bürgerbeteiligungsstufe 1 zu wählen, welche darin besteht, dass die Bürger*innen sich über öffentlich ausliegende Beschlüsse informieren können. Die Nachbarschaftsinitiative und der Wagenplatz fordern eine Bürgerbeteiligungsstufe 3, welche eine aktive Beteiligung in Form runder Tische vorsieht. Der Wagenplatz möchte in diesem Verfahren ausarbeiten, wie eine integrative Bebauung von Wohnkomplex und Wagenplatz aussehen kann. Die Nachbarschaftsinitiative möchte unter anderem eine alternative Erschließung des Wohngebietes erwirken. Die Nachbarschaftsinitiative und die Osterinsel planen eine Petition für das Bürger*innenbeteiligungs-Modell 3.

Die Bewohner*innen der Osterinsel versuchen indessen mit Politikern und der Stadtverwaltung ins Gespräch zu kommen, um nach Lösungen für den Erhalt des Wagenplatzes zu suchen.

„Angesprochen auf die Wichtigkeit und den Wert von alternativen, kulturellen Orten für Köln, bemerkte der Leiter des Liegenschaftsamts, Herr Fritz, dass der Erhalt von Kulturstätten zur Folge hätte, dass die Stadt attraktiver für Bewohner*innen würde, und dies in Zeiten der Wohnungsnot die Situation verschärfen würde. Woraus er also den Schluss zog, dass Kölns Kultur nicht erhaltenswert sei“, so Mathilde Setzer nach einem Gespräch mit Herrn Fritz.

Solche Sichtweisen und die Verdrängung kultureller Räume, gerade in Ehrenfeld, rücken die Causa Osterinsel in dasgleiche Licht wie das Ende des Undergrounds, Jack In The Box oder Bel Air und die Bedrohung der Kolbhallen sowie des Allerweltshauses.

„Wir verurteilen die Verdrängung der kulturellen Orte und den Verlust von Lebensqualität abseits von Kommerz durch eine rücksichtslose, profitorientierte und intransparente Stadtplanung. In ganz Köln sind alternative Kulturprojekte durch Verkauf und Verdrängung bedroht, darunter die Wagenplätze 'Schöner Wohnen' und 'Wem gehört die Welt' sowie das Autonome Zentrum. Wir sind solidarisch mit allen Freiräumen und werden uns nicht aus Köln verdrängen lassen!“, erklärt Mathilde Setzer.

 

 







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