Wende im Fall Assange: FBI-Zeuge fällt um

07.07.21
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Von Hannes Sies

Island. Ein Schlüssel-Zeuge gegen Assange widerruft seine Aussagen: Der unter anderem wegen Fälschung, Betrug und Unterschlagung verurteilte Isländer Sigurdur Ingi Thordarson (28) packte aus. Seine Aussagen, die Assange erheblich belasten und ein Eckpfeiler der aufgebauschten Anklage sind, waren falsch, so STUNDIN.

Die US-Justiz könnte eigentlich aufgeben, wenn es denn ein echter Strafprozess wäre und keine politische Hexenjagd. Der Medienmainstream verschwieg den erneuten US-Geheimdienst- und Justiz-Skandal. Man versteckte die Meldungen in Feuilleton-Artikeln zu „Assange feierte seinen 50.Geburtstag hinter Gittern und will trotzdem heiraten“ usw. Wer diesen Klatsch überhaupt weiter gelesen hatte fand irgendwo eingestreute Alibi-Erwähnungen der heißesten Justiz-Skandalstory der Woche, dem Geständnis von Thordarson. Die übliche, erbärmliche Nachrichten-Simulation. Von den größeren Medien berichtete allein TELEPOLIS mit einschlägiger Headline.

Welche Rolle spielte Thordarson für das FBI?

Die im Prozess in London von den US-Vertretern vorgelegten Gerichtsdokumente bezeichnen Thordarson als „Teenager“ (ein Hinweis auf sein damaliges Alter: im Jahr 2010 war er 18) und Island als „NATO-Land 1“. Die Dokumente bzw. US-Ankläger behaupten zu zeigen, dass Assange Thordarson angewiesen hat, Computereinbrüche oder Hackerangriffe in Island zu begehen. Das Ziel dieser Ergänzung der Anklage war, so die isländische Magazin STUNDIN, bei Thordarson sein Geständnis in einem Interview ablegte, klar: Die Anklage wegen Verschwörung gegen Assange in Bezug auf seine Interaktionen mit Chelsea Manning zu stützen und zu unterstützen. FBI-Agenten wollten Assange offenbar dran kriegen, indem sie behaupten, er sei in illegale Aktivitäten verwickelt. Dies sollte Versuche beinhalten, in die Computer von isländischen Abgeordneten einzudringen und ihre Gespräche aufzuzeichnen

Was hatte Siggi Thordarson nun zu gestehen? Allerhand: Er habe sich 2010-11 bei Wikileaks eingeschlichen als Julian Assange dort sein Hauptquartier hatte, um seine kriminelle Karriere als angeblicher Hacker zu starten. Der 18jährige Thordarson managte damals einen Wikileaks-Chatroom und gab sich insgeheim gegenüber Dritten als Wikileaks-Bevollmächtigter und sogar als Assange selbst aus, unterschlug am Ende unter anderem 50.000 Dollar indem er auf eigene Rechnung Wikileaks-T-Shirts verkaufte.

Sexueller Missbrauch und Finanzbetrug, gedeckt vom FBI?

Thordarson wurde wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen und weitreichenden Finanzbetrugs von der isländischen Justiz als Soziopath eingestuft. Das FBI warb ihn gegen Wikileaks an, versprach ihm Straffreiheit. Nun soll Thordarson gegenüber dem isländischen Magazin Stundin zugegeben haben, dass er vom FBI zu Falschaussagen gegen Assange motiviert wurde. Jetzt widerrief er belastende Angaben und bekennt, dass Assange ihn nie gebeten hat, Telefonaufzeichnungen von Abgeordneten zu hacken oder darauf zuzugreifen. Vielmehr hatte er, Thordarson, die US-Behörden mit Internas von Wikileaks versorgt.

Wikileaks hatte sich durch Enthüllungen zu Bankenkorruption in der Finanzmetropole Island im skandinavischen Inselstaat einen Namen gemacht. Mit einheimischen Aktivisten bereitete Assange dort die bahnbrechende Publikation von „Collateral Murder“ vor, das Wikileaks 2010 erstmals ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit bringen sollte. Während ein Vulkan Island vom Flugverkehr abgeschnitten hatte, versuchte das FBI (und vermutlich CIA und andere US-Geheimdienste) gegen die Enthüllungs-Journalisten zu konspirieren. Man wollte die Enthüllungen verhindern, indem man Islands Behörden gegen Assange aufhetzte, so ist zu vermuten, und man wollte evtl. für spätere Anklagen in den USA gefälschte Beweise für ihm angehängte Straftaten vorbereiten -wie jetzt geschehen. Der Schauprozess, den ich hier -im Gegensatz zum Mainstream- ausführlich begleitete, geht derzeit in die nächste Instanz. Es droht weiterhin unmenschliche Haft von 175 Jahren für gar nicht -und die grausame Folterhaft in London wird rechtswidrig aufrecht erhalten. Es ist und bleibt der Justiz-Skandal des Jahrhunderts.

Siehe au

 







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