Oligarchen oder Kapitalisten?

16.03.22
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BILD nennt die Kapitalisten in Russland

deshalb „Oligarchen“ und nicht Kapitalisten,

damit BILD-Besitzerin Frau Springer

morgens beruhigt in den Spiegel schauen kann.

Was tun bei Thyssenkrupp Steel


Von RIR

Jeden Tag schreiben die bürgerlichen Medien von den Oligarchen, die Russland beherrschen. Schlimm genug, dass Linke den Begriff kritiklos übernehmen.

Im achten Buch seiner Politeia (Der Staat) lässt der griechische Philosoph Platon den Philosophen Sokrates auf die Frage antworten: „Welche Staatsordnung, fragte er, verstehst du denn unter dem Namen Oligarchie? Ich antwortete: Die auf geschätztem Vermögen gegründete Staatsverfassung, in der nur die Reichen das Ruder führen und den Armen kein Anteil an der Regierung zukommt“1.

Obwohl die Zeilen rund 2400 Jahre alt sind, könnte es sich in genialer Voraussicht um eine Kritik des Bundestages und der Regierung SPD-FDP-Grüne handeln. Denn Bezieherinnen von HartzIV oder Verkäuferinnen, Schweißer oder Stahlkocher sind im Bundestag nicht zu finden.

Die bürgerliche Kritik meint nicht einmal mit Platon „die Reichen“, sondern versteht unter ´Oligarchen` die Milliardäre nur in Osteuropa, die „Land oder Besitztümer, die vorher dem Staat gehörten, (…) stehlen (L. Goodrich). Wikipedia definiert als ´Oligarchen` einen „Großunternehmer mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 1 Milliarde US-Dollar, der durch Korruption auch politische Macht über ein Land oder eine Region erlangt hat“. Selbst diese Kritik wird in der herrschenden Medienkampagne gegen den Angriff Russlands auf die Ukraine stark relativiert, da sie aus offensichtlichen Gründen alle ukrainischen ´Oligarchen` ausspart.

Es ist ja nicht nur die Korruption, die einem Trump und einem Berlusconi nachgesagt wird oder in die der Konzern Thyssenkrupp beim Verkauf von U-Booten an Griechenland und Israel verwickelt sein soll. Die Reichtümer des (Früh)kapitalismus beruhten generell auf Raub. Eduardo Galeano zählt in „Die offenen Adern Lateinamerikas“ 185 000 kg Gold und 16 Millionen kg Silber auf, die zwischen 1503 und 1660 von Lateinamerika nach Spanien verfrachtet wurden2. Ernest Mandel schreibt in seiner „Marxistischen Wirtschaftstheorie“, dass sich die ursprüngliche Akkumulation des Kaufmanns- und des Handelskapitals „durch Raub und Seeräuberei vollzogen“ hat. Die englischen Piraten, die die spanischen Gold- und Silberflotten angriffen, waren nicht zufällig in der Form von Aktiengesellschaften organisiert3.

Unter dem Druck des bürgerlichen Medienrummels benutzen jedoch auch Linke den Begriff ´Oligarchen`. Dabei haben der russische Stahlproduzent Mordaschow, der ukrainische Stahlproduzent Achmetow und der deutsche Stahlproduzent Thyssenkrupp gemeinsam, dass der von ihren Arbeitskräften produzierte Wert nicht gleich den Unterhaltskosten dieser Arbeitskräfte ist. Die Differenz zwischen produziertem Wert und Unterhaltskosten ist der Mehrwert, der in Kapital verwandelt wird. Mordaschow oder Achmetow oder Thyssenkrupp sind stinknormale Kapitalisten. Dass die Bild-Zeitung die tatsächlichen Ausbeutungsverhältnisse verschleiert, ist nicht neu. Wir müssen ihr nicht noch dabei helfen.

Revolutionäre Initiative Ruhrgebiet, Duisburg, 16.03.2022

www.riruhr.org

 

1 Platon, Politeia, 8. Buch, Edition Opera-Platonis, o. Seitenangabe.

2 Eduardo Galeano, Die offenen Adern Lateinamerikas, Wuppertal 1991, S. 33.

3 Ernest Mandel, Marxistische Wirtschaftstheorie, Bd. 1, 4. Aufl., Frankfurt/M. 1976, S. 125.







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