Die konservative Wende in Ostdeutschland


Bildmontage: HF

26.05.18
DebatteDebatte 

 

Von Reinhold Schramm

»Zeitgeschichte. Kohls Lüge von den blühenden Landschaften. Helmut Kohl glaubte nicht, was er versprach: Er habe von "blühenden Landschaften" gesprochen, aber die "miese Lage" im Osten gekannt. Vertrauten nannte er nach SPIEGEL-Informationen einen Grund für seine Lüge. –  Von Klaus Wiegrefe.«

Vgl. Spiegel-Online *

Kommentar

Deutsche Geschichte und die rechtskonservative Wende in Ostdeutschland 1989/1990

Es bedarf der Aufklärung über Deutsche Geschichte!

Auf der anderen Seite der Wahrheit kann man die Mehrheit der Ostdeutschen nicht freisprechen von ihrer emotionalen Naivität und Leichtgläubigkeit. Dabei in einem Umfang, wie er wohl selbst in Westdeutschland nicht existierte. Wohl aber auch beim Empfang von Franz Josef Strauß in der West-Berliner Deutschlandhalle, am Anfang der 1970er Jahre, auf einer Veranstaltung der vom Antikommunismus besoffenen CDU-Führung und deren eingeschworenen antikommunistischen Basis der kalten Krieger. Allenfalls hier finden sich Parallelen der geistigen Übereinstimmung und ideologischen Verwirrung der Ostdeutschen in der Wende zur gesamtgesellschaftlichen, sowohl ökonomischen, ökologischen und ideologisch-psychologischen Implosion des Realsozialismus.

Dabei darf man aber auch nicht leugnen, dass dieser Mangel an psychischer Stabilität keineswegs auf das Bildungssystem der DDR alleine zurückzuführen wäre. Eine Ursache liegt wohl auch darin begründet, dass es sowohl in Ostdeutschland, ebenso wie in Westdeutschland, bis dahin, keine ernsthafte Auseinandersetzung der Mehrheit der Erwachsenenbevölkerung, nach 1945, mit dem NS-Faschismus gegeben hatte. In Westdeutschland wurde dieser Mangel an geistiger Bearbeitung des NS-Faschismus vom Konsumismus verdeckt und erschlagen. In Ostdeutschland war es der Minderheit der Sozialisten, Sozialdemokraten, Kommunisten, bürgerlichen Humanisten und Antifaschisten, nicht gelungen, vor und nach Gründung der DDR, eine Mehrheit der Erwachsenenbevölkerung und auch nicht große Teile der Jugend, vom Antifaschismus und Antikapitalismus zu überzeugen. Eine mitverantwortliche Ursache liegt wohl auch in den Verbrechen begründet, bei der Befreiung vom NS-Faschismus Europas, durch die Rote Armee: Massenvergewaltigungen und andere Verbrechen.

Zudem hatte die antifaschistische KPD keine Massenbasis in Deutschland und wurde auch nicht in ihrem antifaschistischen Kampf vor 1945, aber auch nicht nach der äußeren Befreiung vom NS-Faschismus, von der SPD-Führung unterstützt. Im Gegenteil, die deutsche Sozialdemokratie konzentrierte sich -nach dem zweiten Weltkrieg- auf ihren ideologischen und gesellschaftspolitischen Hauptgegner, die KPD und SED, und nicht auf die NS-Verantwortlichen für den Kapitalfaschismus -von 1933 bis 1945- in Deutschland.

Für diese euphorische und hündische Liebedienerei, der Ostdeutschen, gegenüber den rechts-politischen Konservativen und deren Parteien, in den Wendejahren, schon vor 1989 und auch noch über 1990 hinaus, trägt auch die SPD eine schwere historische Verantwortung.

Es bedarf auch heute noch einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem deutschen Kapitalfaschismus, von vor 1945 und seinen weiteren Folgen, vor und nach 1990, in ganz Deutschland.

 

* Vgl. Spiegel-Online am 26.05.2018: Zeitgeschichte Kohls Lüge von den blühenden Landschaften. Helmut Kohl glaubte nicht, was er versprach: Er habe von "blühenden Landschaften" gesprochen, aber die "miese Lage" im Osten gekannt. Vertrauten nannte er nach SPIEGEL-Informationen einen Grund für seine Lüge.  Von Klaus Wiegrefe.

www.spiegel.de/politik/deutschland/helmut-kohl-seine-luege-von-den-bluehenden-landschaften-a-1209558.html

 

Nachtrag

 

Die Volkskammerwahl zur bürgerlichen Wende am 18. März 1990

 

Die insgesamt 12,4 Millionen wahlberechtigten Bürger in der DDR konnten sich am 18. März 1990 zwischen 19 Parteien und fünf Listenverbindungen entscheiden. Die Wahlbeteiligung lag bei 93,4 Prozent. Es votierten 48 Prozent der Wähler für die "Allianz für Deutschland", bestehend aus der Ost-CDU, dem Demokratischen Aufbruch (DA) und der Deutschen Sozialen Union (DSU). Das Wahlbündnis war unter dem Motto "Freiheit und Wohlstand – Nie wieder Sozialismus" zur Wahl angetreten.

 

Die SPD wurde zweitstärkste Kraft mit 21,9 Prozent der Stimmen. Die zur PDS umbenannte SED übernahm mit 16,4 Prozent die Rolle der größten Oppositionspartei. Der "Bund Freier Demokraten", das liberale Wahlbündnis der drei Parteien Deutsche Forumpartei (DFP), Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDP) und Freie Demokratische Partei (F.D.P) erhielt 5,3 Prozent der Stimmen.

 

"Neues Forum", "Demokratie Jetzt" und die "Initiative Frieden und Menschenrechte" hatten sich noch im Februar zum "Bündnis 90" zusammengeschlossen. Es kam auf 2,9 Prozent der abgegebenen Stimmen. - Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung: Volkskammerwahl am 18. März 1990.

 

26.05.2018, Reinhold Schramm







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