Antwort auf einen real existierenden Sozialdemokraten in der Partei DIE LINKE.NRW

10.10.08
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Von Wolfgang Huste

Nur mal so zwischendurch, als Replik auf den Genossen mit dem Namen "Recht(er) - als üblich (?) - in der Partei". Pardon: ich beziehe mich hier auf den Genossen Alexander Recht (Vorstandsmitglied der Partei DIE LINKE in Köln), der nicht zur Demo vor der Düsseldorfer Börse aufrufen will.

Herrje, das sind die konkreten Auswirkungen eines falsch verstandenen Pluralismus: die Pluralität, die Vielfalt- aber nur in der Einfalt! Einmal Sozialdemokrat- immer Sozialdemokrat! (Bei den Katholiken sieht's ähnlich aus). Ihre geminsamen "Geschäfte": abwiegeln, Reförmchen backen, die kleinen Schritte im "Hier und Jetzt" - wo sonst? realisieren, "realistisch" sein und bleiben, keinem zu sehr auf die Füße treten- besonders nicht dem Kapital, das man "schont" - besonders in Krisenzeiten - und wo man lieber überholte "Reparaturanleitungen"  gegen Krisen liest (Keynes)- obwohl man Schrott vor sich hat; so schlimm ist vieles doch gar nicht- und vieles ist noch viel komplizierter- und deshalb ist die richtige Medizin gegen die Krankheit Kapitalismus die Parole "führt den Sozialismus ein!" zu simpel- für einen typischen, braven, treuen Sozialdemokraten - versteht sich. Klassenkampf? Ha, das sind Relikte aus alten, längst vergangenen Zeiten, spricht der Ursozialdemokrat- wir sind ja eh alle zu aller erst Urgermanen, SozialpartnerInnen, also Menschen - so wie du und ich - deshalb müssen wir in Krisenzeiten auch maß halten, nicht so hoher Tarifforderungen stellen- wegen des Exportes, um konkurrenzfähig zu bleiben- gegenüber der Arbeiterklasse der anderen Länder- wir leben vom Export! Da ist wieder das nationale "Wir-Gefühl" angesagt (da passt viel abgestandenes, schales Bier rein, in diese Maas- von der Memel wird nicht mehr öffentlich geredet, und auch nicht von einem systemüberwindenden, schmackhaften Rotwein). Reförmchenbacker aller Länder- geht in den Sandkasten spielen, schmeißt da mit geistigem Sand herum, der andere nur schläfrig oder wütend macht - je nach Temperament und politischem, ideologischen background, oder geht an den Strand- selbstverständlich ganz brav ohne Pflastersteine - und wartet geduldig auf die nächste Sturmflut, die euch vielleicht - ohne dass man das vorher als gutgläubiger, staunender Sozialdemokrat ahnen konnte- so einfach wegfegt - oder, die deutlich bessere Alternative: lest die Werke von Marx, Engels, R. Luxemburg..."Schnee von gestern oder vorgestern", spricht der klassische Sozialdemokrat. "Wir leben in modernen, anderen Zeiten" - seine tiefschürfende Antwort auf diese modernen Zeiten mit ihren (gleichen) Krisen. Zur allgemeinen Erbauung das ganz unten aufgeführte Spottgedicht von Erich Mühsam über die Sozialdemokratie. Zuvor gestattet mir die allgemeine Frage:

Auf welcher Barrikade des (sozialdemokratischen) Klassenkampfes steht dieser Genosse? Vom Hausbesetzer zum Hausbesitzer- sein symbolisches Programm, seine Alternative zur kapitalistischen Dauerkrise? Ein Auto, ein Reihenhäuschen für alle? Zurück in die 70er- und das uns als Fortschritt verkaufen? Essen genug? Das war's dann (fast) schon? Ist da nicht noch ein bisschen mehr drin? Der Kuchenkrümel, der Kuchen- oder die gesamte Bäckerei? Was darf' es denn sein,  was soll es sein?

"Lieber das Erste, das ist realistisch", das entspricht den Möglichkeiten (wer bestimmt diese Möglichkeiten, wer begrenzt uns da?)-  all’ das spricht der Sozialdemokrat! Erst die Einheit, dann der Inhalt? Oder: Einheit ohne Inhalt? Also nur "Einheit über alles!"? Wir sind das Volk oder die Bevölkerung? Ich kenne nur die Partei- keine Strömungen? Decke über alles - Hauptsache, man sieht die Widersprüche nicht mehr so deutlich? An der Sprache könnt ihr sie erkennen! Die geistigen Brüche- die nicht nur bei Sozialdemokraten vorkommen. Liebe Genossinnen und Genossen von der LAG "Innerparteiliche Bildungsarbeit" - ihr habt noch Schwerstarbeit vor euch- und ihr macht das in einer fast selbstkasteischen, politmasochistischen Manier alles ehrenamtlich (wie ich!)- Hut ab vor eurer Ausdauer und der Tatsache, dass ihr nicht verzweifelt! Ich verzweifle hier, manchmal- nicht wegen des "konkreten Falles", nein: ob der Tatsache, dass wir immer mehr zu einer zahn- und kraftlosen, sozialdemokratischen "Wischi-Waschi- Partei" mutieren, wie es uns die Grünen gnadenlos vormachen - wenn wir vorher nicht scharf - links die Notbremse ziehen. Meine Parole lautet: "Klasse und Inhalt geht vor Kasse! "- also: eher auf Qualität achten, statt auf Quantitäten (obwohl viele Quantitäten führen eventuell zu einer neuen Qualität- laut Marx. Es sollten aber die „echten“ Qualitäten sein!) - und das gilt auch für die Höhe der Mitgliederzahl unserer Partei, das sollte nicht unbedingt der wichtigste Maßstab für uns sein- und selbstverständlich gilt das auch für alle unsere Wahlprogramme und Wahlkämpfe!

Der Genosse Recht (um ihn nicht ganz aus den Augen zu verlieren) sollte sich mal auf ein längeres Gespräch mit "echten" Linken einlassen- vielleicht bleibt da was hängen, und langweilig ist das bestimmt  nicht. Auch hier ist es wie mit den Katholiken: sie wollen gerne glauben- es aber nicht unbedingt so genau wissen- deshalb wird auch nicht tiefer geforscht. Theorie ist grau - für einen echten Sozialdemokraten - keinesfalls tief rot. Die Katholiken möchten ins Paradies, die SozialdemokratInnen in eine "etwas bessere" Gesellschaftsformation - besonders, wenn es nicht so viel kostet und wenn „man“ seine innerlich und äußerlich gelebten Widersprüche nicht ganz aufgeben muss, und wenn's da auch Aktiendepots gibt, die einen Salonlinken ernähren können: sie, Katholiken und SozialdemokratInnen, wollen aber beide nicht sofort dorthin, ins Paradies- vielleicht später- und wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst sind: möglichst gar nicht, oder zumindest ganz, ganz anders. Dann gehen sie dahin- von uns fort, mit viel Musik, Tam Tam und Unterhaltung- aber es dürfen da nur die leisen Töne gespielt werden, keinesfalls die garstigen Lieder, die vom Klassenkampf erzählen, vom Kapitalismus, von der Vergesellschaftung, von der nicht Reformierbarkeit eines Wirtschaftssystems, was keine Fehler produziert- sondern bekanntlich derselbe ist. 

Wolfgang Huste

 

 

Erich Mühsam: Der Revoluzzer
Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet
War einmal ein Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: 'Ich revolüzze!'
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo er sonst unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
Rupft man die Gaslaternen
Aus dem Straßenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer Schrie:
'Ich bin der Lampenputzer
Diesen guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn' das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehen, ich bitt!
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!'

Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich wie man revoluzzt
Und dabei noch Lampen putzt.

Ein Kommentar zu diesem Spottgedicht findet ihr im Internt, und zwar hier:

http://www.trend.infopartisan.net/trd0199/t120199.html







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