Ein ausgetrockneter Fluss - das Vollmannforum - ein Ort der Gewalt

14.02.09
DebatteDebatte, Rheinland-Pfalz, Linksparteidebatte, TopNews 

 

In diesem Forum zeigen Beiträge zuweilen deutlich an, dass ihre Verfasser den Zweck eines Parteiforums verfehlen, oder gänzlich anders verstehen.

Von BeWi

(Für nicht mit den Interna vertrauten, das besagte Forum ist angeblich das Forum der Partei DIE LINKE.RLP. In disem Beitrag geht es um das Thema "Virtuelle Partei", deen Möglichkeiten und Folgewirkungen.)

Ich meine, ein solches Forum kann der politischen Meinungsbildung und der Information dienen. Es ist eine Möglichkeit, gerade auch angesichts der geringen Zahl der Parteimitglieder in einem Flächenland wie RLP, zudem verbunden mit Lebensumständen, die Mitglieder in ihrer Mobilität begrenzen, einen Gedankenaustausch zu ermöglichen. Ein solches Forum gäbe uns die Chance, uns in der Argumentationsfähigkeit und in der einander wertschätzenden Kommunikation zu üben. Ein solches Forum wäre auch eine Chance, um in einer pluralen Partei unterschiedliche, kontroverse Sichtweisen sichtbar zu machen. Das könnte hilfreich für die politische Führungstätigkeit sein und könnte die Herausbildung einer Praxis des von einander Lernens befördern.

Weniger geeignet ist der rasche Klick auf den Sendenbutton, wenn es um die Bearbeitung von Konflikten geht, hier ist die virtuelle Kommunikation regelmäßig überfordert. Dem könnten auch Moderatoren, die Willens sind vereinbarte Regeln konsistent anzuwenden, nicht abhelfen.

Mir scheint jedoch, dieses Forum soll nach ganz andere Bedürfnisse und Interessen befriedigen. In ihm spiegeln sich die Praxen unsolidarischen Umgangs, des Missbrauchs informeller Macht mittels der Ignoranz gegenüber unerwünschten Meinungen, der Lächerlichmachung, der Diffamierung, durch Unterdrückung erzeugte Aggressionen brechen sich Bahn. Das sind destruktive Verhaltensweisen, für Machtkämpfe praktizierte Ausgrenzung, politische Diskriminierung. Feindbilder geben Halt und stiften Gruppenzusammenhang, kompensieren politische Erfolglosigkeit und erfahrene Marginalität.

Häufig haben die Moderatoren einen solchen Missbrauch des Forums geduldet oder sich selbst absichtsvoll maßgeblich daran beteiligt. Das Forum ist offenbar für konstruktiv linke Ziele in den falschen Händen, es bewirkt Spaltung und Desinformation der Partei. Die Dokumentation der Beiträge dieses Forums beweisen seinen fortgesetzten Missbrauch, in ihm wird sichtbar wie tief einzelne Persönlichkeiten von der neoliberalen Destruktion geprägt sind. In ihnen kommt ein Menschenbild, geprägt von Inhumanität und Konkurrenzdenken ohne Skrupel, zum Ausdruck.

Maßgebliche Verantwortung für diese Praxen trägt der Betreiber, der einen fortgesetzten Gebrauch seiner psychologischen Fachkenntnisse für die Mitgliedermanipulation (nicht nur) im Forum vorführt. Dieser Genosse wirkt leider mit seinen Beiträgen Normen setzend. Sie sind dazu geeignet, die Partei zu zersetzen und zu demoralisieren. Zugleich trägt dieses Forum dazu bei, jene Menschen zur Gefolgschaft zu verleiten, die sich noch nicht von ihrer ausgeprägten Orientierung an Oben und Unten zu lösen vermögen. Die "Radfahrerhaltung", nach oben buckeln, nach unten treten, ist eine typische Verhaltensweise der Mitte im Kapitalismus.

Die Kultur dieses Forum trägt nicht dazu bei Prozesse der Emanzipation, der Selbstbefreiung von innerer Abhängigkeit von "Obrigkeiten" und "Mächtigen" zu befördern. Im Gegenteil, in diesem Forum werden wesentliche Destruktionsmechanismen der neoliberalen Gesellschaft reproduziert und verstärkt. Dieses Forum ermutigt nicht zum selbständigen Denken und zu Wortmeldungen, von denen deren Schreiber wissen, dass sie nicht den erwünschten Meinungen entsprechen. Im Gegenteil, aus Ohnmacht werden Feindbilder, ja Hass und dann wird in den Erwiderungen dem Drang nach Verletzenwollen nachgegeben. Ein Gefühl von Freiheit und elementarer Lebensfreude kommt so nicht auf.

Ich schlage nicht vor, dieses Forum "zu stören" - sondern - ich schlage vor, dieses Forum seinen Liebhabern zu überlassen. Wir sollten die GenossInnen dort "unter sich" lassen. Sie haben ein Recht auf einen eigenen Spielplatz und können sich mit ihren Schießübungen ebenso gut aneinander erproben.

Die antiautoritären, die emanzipatorischen Menschen in der Landespartei und diejenigen, die sich als in der Gesellschaft entmächtigte Menschen erleben und die in diesem Parteiforum noch einmal als "Fußabtreter" behandelt werden, für die gibt es andere - menschlichere, ermutigende - Plätze der elektronischen und der realen Kommunikation. Auch dort gibt es Konflikte, Entgleisungen, Ausbrüche von Aggressionen verletzter Menschen, Wut, Zorn - aber es gibt den guten Willen nach neuen Wegen des solidarisch Menschen werden zu suchen und diese Gruppen sind nicht zersetzt vom Gerangel um Pöstchen und Posten.

Eine wesentliche Funktion des hier betrieben Forums ist es Menschen zu stigmatisieren, auszugrenzen, zu Unpersonen zu machen. Oft tragen Beiträge alle Merkmale der Hetze. Für deren Macher ist dieses Forum ein elektronischer Pranger und ein Platz der Selbstbeweihräucherung, ihres Narzismus. Dieses Forum verfestigt das Lagerdenken, die Spaltung der Partei und es dient dazu blinde "Anhänger" zu formieren. Zugleich ist es ein Tummelplatz für Karrieristen, die hier wohl ihr virtuell-verbales Eintrittsgeld zahlen, um das Gefühl zu haben, endlich zu etwas Wichtigen, Bedeutenden, Mächtigen dazu zu gehören. Wortreich versucht Dr. Vollmann in seinen Beiträgen diese Absichten zu verschleiern, die anderen Ortes auch schon strategisch im Geheimen von ihm geplant und angeleitet wurden. Auch die Landesvorsitzende verwendet ihren Verstand nicht nur in Ludwigshafen dazu, die Brandstifter und Hetzer, die eigentlichen Parteizersetzer zu unterstützen, zu beraten und zu schützen und die Kräfte der demokratischen Kritik als "Zersetzende(n) und destruktive(n) Kräfte(n)" anzuprangern - willkommen in Orwells Reich. Die aktive Teilzerstörung der Partei und der Antritt für ein Bundestagsmanadat gehen bei unseren Spitzen Hand in Hand, billiger scheint ihnen der Job nicht zu haben zu sein. Der Landesvorsitzende hat in den vergangenen Monaten in der Sudelküche dieses Forums sichtbar und erfolgreich mitgewirkt, zugleich werden die Landesvorstandssitzungen den Blicken der Parteiöffentlichkeit mehrfach entzogen.

Ein Parteiforum sollte ein Ort der gegenseitigen Bereicherung, der Offenheit, der Selbstreflexion und der Kritik zum Vorteil für die Entwicklung jedes Einzelnen und der Partei sein. Ein Parteiforum sollte ein Ort sein, wo wir uns auf die Argumentation in der Partei und der Öffentlichkeit vorbereiten, um die besten Argumente ringend, Erfahrungen austauschen und uns achtungsvoll darin unterstützen, unsere Schwächen zu überwinden, unsere Stärken zu entwickeln.

Dieses Forum ist Spiegelbild einer Landespartei, die den Weg des demokratischen Gründungskonsens radikal verfehlt hat, die auf dem Wege ist zu einem bürgerlichen Wahlverein mit linker Phraseologie zu verkommen, eine Partei deren Attraktivität und Kampagnenfähigkeit stagniert oder rückläufig ist, in der menschliche Leben ins Leere laufen. Die Erwartungen in Teilen der Bevölkerung an uns sind groß, die Zahl der erwarteten WählerInnen und deren Hoffnungen stehen im krassem Missverhältnis zu unserer qualitativen und quantitativen ausgeprägten Schwäche. Wir stehen auf tönernen Füßen, darüber helfen auch die Sudelspektakel in diesem Forum nicht hinweg.

Die Beteiligung an diesem Forum zieht menschliche Energien vom Einzelnen und aus dem linken Projekt fortdauernd ab. Der Geist in diesem Forum ist weder solidarisch, noch getragen von sozialer und politischer Fantasie. Es gleicht einem ausgetrockneten Fluss.

Deshalb plädiere ich dafür dieses Tal des Todes zu verlassen und viele Inseln des Lebens zu schaffen. Es gilt, nicht die Partei zu verlassen, aber ihre destruktiven Strukturen und Projekte. Die Zukunft auf eine solidarische Gesellschaft hin wird nicht von den Partei-und Fraktionsapparaten abhängen, sondern von der Reife, dem Elan und der Kampfentschlossenheit der ArbeitnehmerInnen, der von der Krise des Kapitalismus bedrängten BürgerInnen, bis weit in die Mitte der Gesellschaft.

Dafür brauchen wir integere, außerhalb der Partei als Linke bekannte, anerkannte und geachtete Menschen. Gerade jetzt öffnen sich die Ohren und Herzen im Lande, Menschen suchen nach Orientierung, suchen danach, welche Alternativen es für ein gelingendes Leben gibt - kapitalismuskritische und sozialistische Antworten stellen sich jedoch nicht von allein ein, sie wollen partnerschaftlich, dialogisch erarbeitet sein. Genau das kann Frau und Mann in diesem "Partei"-Forum nicht lernen - im Gegenteil.

Gandhi: "Zuerst ignorieren sie uns, dann machen sie uns lächerlich, dann verleumden sie uns, dann bekämpfen sie uns und dann - haben wir gewonnen."

Solidarische Linke haben ihre eigenen Orte, Themen und Formen der politischen Arbeit zu entwickeln. Das schaffen wir, lassen wir uns nicht ablenken. Venceremos.

Bewi, Ludwigshafen, 08.02. 2009

http://www.gpa-fsg.at/lieder/arbeiterlieder/Venceremos/lied.htm


Moderatoren des Forums: Bülow, Domeyer, Theisinger-Hinkel, Wiegel, Kanmaz (Annette)







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