Offener Brief an den Bundespräsidenten

04.01.12
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von Jürgen Noffz

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

wenn auch vielleicht von Ihnen aus dieser Richtung nicht erwartet, ein dringender Appell von einem linksorientierten Bürger dieses Landes: Herr Bundespräsident, treten Sie nicht zurück!

Ich verstehe die gesamte öffentliche Aufregung über Ihr Verhalten als ehemaliger Ministerpräsident und derzeitigen Bundespräsidenten nicht, bzw. sie irritiert mich immer stärker. Was wird Ihnen denn vorgeworfen?

Ein gewisser Freundes- bzw. Bekanntenkreis, der u.a. auch aus Personen besteht die Ihre Millionen mit zumindest fragwürdigen Finanzberatungen erzielt haben? Das Sie aufgrund Ihres Bekanntheitsgrades und vielleicht auch aufgrund Ihrer politischen Ämter nicht nein sagen konnten, als Ihnen ausgesprochen günstige Immobilienfinanzierungen geradezu aufgedrängt wurden?

Daß Sie versucht haben, für Sie ungünstige Presseartikel bei Ihnen ansonsten wohlwollenden Organen zu verhindern? Herr Bundespräsident, was Ihnen vorgeworfen wird, es sind Peanuts.

Finanzielle und/oder berufliche Vorteile aus der politischen Tätigkeit zu erzielen, und zwar in erheblich höherem Maße als Ihnen vorgeworfen, hat ja schon Tradition in unserer Republik. Politiker aller Parteien, die z.B. Menschen durch Gesetze wie Hartz IV, Rentenkürzungen, massive Einschnitte in das Gesundheitssystem in die Armut treiben, erhalten teilweise sofort nach Ausscheiden aus Ihren Ämtern ausgesprochen gut dotierte Beraterverträge oder Aufsichtsratsposten mit Honoraren von denen der allergrößte Teil der Bevölkerung nur träumen kann.

Freundschaften und enge Bekanntschaften zwischen Personen aus der Politik und der Wirtschaft  stellten schon immer die Basis des politischen Alltags in unserem Staat dar. Das immer wieder gerne Einfluss genommen wird, kritische Presseartikel zu verhindern, hat ja eine lange Tradition, vielleicht wurde nicht allzu naiv gehandelt wie von Ihnen, dafür manchmal aber effektiver. 

Wir als linksorientierte Personen haben da durchaus unsere Erfahrungen gemacht. Also Herr Bundespräsident, dass was Ihnen vorgeworfen wird, war und ist nichts Ungewöhnliches, sondern es ist die politische Normalität unseres Systems.

Ich bitte Sie daher dringend, treten Sie nicht zurück. Ihre Person und Ihr Verhalten in der Ausübung politischer Ämter ist nicht die Ausnahme, sondern die Realität. Was eigentlich immer vorhanden war und ist, allerdings meistens nicht so publik gemacht wurde wie in Ihrem Fall, wird durch das Verbleiben Ihrer Person im Amt des Bundespräsidenten nun auch zum Symbol für die betriebene Politik in unserem demokratischen, freiheitlichen und sozialen System.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, falls Sie sich doch noch zu einem Rücktritt entschließen würden, werden Sie nicht gleich in ein schwarzes Loch fallen. Ich habe der Presse entnommen, dass Ihnen eine lebenslange Pension von 200.000 Euro jährlich zusteht. Ich denke nach Abzug der Raten für die Immobilienfinanzierung,  bleibt Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin noch immer eine kleine Summe für die notwendige Finanzierung des Lebensunterhalts.  

Beste Grüße auch an Ihre Frau Gemahlin
Jürgen Noffz


VON: JÜRGEN NOFFZ






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