Anmerkungen zu 'Adopt a Revolution' muss zur Gewaltfrage Farbe bekennen

21.04.12
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von Anton Holberg

Bürgerkriegspatenschaft?*


Für die "Friedensbewegung" mag der bewaffnete Kampf in Syrien und sonstwo ein grundsätzliches Problem sein. Die historischen Erfahrungen lehren jedoch, dass er allzu oft die unverzichtbare Voraussetzung für den Erfolg ist.

"Erfolg" heißt hier allerdings zunächst einmal nur die Herbeiführung der Niederlage des jeweiligen Feindes. Das syrische Regime ist wie die in den übrigen arabische Ländern eine blutige Diktatur, und es gibt keinen ernsthaften Hinweis darauf, dass es ohne auch bewaffneten Widerstand die Segel streichen würde.

Deshalb ist der bewaffnete Widerstand der ausgebeuteten und unterdrückten Massen grundsätzlich legitim. Die ausschlaggebenden Fragen für potentielle Unterstützer im Ausland sollte m.E. jedoch eine ganz andere sein: was sind die konkreten Auswirkungen dieses bewaffneten Kampfes - hier der "Freien Syrischen Armee" - auf den Widerstand?

Hier scheint mir die Antwort ziemlich offensichtlich zu sein. Angesichts der ideologischen und materiellen Schwäche einer im weitesten Sinne "linken" internationalen Solidaritätsbewegung, die irgendwelche "Revolutionen" "adoptieren" möchte (die Nichtexistenz der UdSSR unabhängig von der Einschätzung ihres soziökonomischen Charakters ist hier stets ein historisch überaus relevanter Faktor), bedeutet der Übergang zum bewaffneten Kampf notwendigerweise die Stärkung der Kräfte innerhalb Syriens, die die politische und materielle Unterstützung (Geld, Waffen, eventuell ausgebildete Freischärler) der dazu fähigen Staaten genießen, und zwar ihre Stärkung gegenüber den politisch relativ amorphen Massen, die bisher oder gleichzeitig ihren legitimen Protest gegen das herrschende Regime in friedlichen Demonstrationen zum Ausdruck bringen.

Diese Massen haben bislang offensichtlich kein politisches Programm, das wesentlich über die Forderung nach bürgerlicher Demokratie und Verbesserung ihrer ökonomischen Lage im Rahmen der bestehenden Wirtschaftsordnung hinausgeht. Damit sind sie gegenüber den Kräften innerhalb der Opposition, die nicht nur konkretere Vorstellungen haben - z.B. reaktionäre islamistische wie die "Muslimbrüder", um von aus dem Irak reimportieren "Al-Qaida"-nahen Jihadisten gar nicht zu sprechen - , sondern die für die - notwendigerweise repressive - Durchsetzung dieser Ziele auch die Unterstützung der ebenso demokratiefeindlichen Golfmonarchien genießen, relativ hilflos. Sie dienen leider als Rammbock für die Machtübernahme anderer als der z.Z. herrschenden Fraktionen des syrischen Bourgeoisie und zwar noch reaktionärer und sunnitisch-konfessionalistischer.

Der bewaffnete Kampf, der - jedenfalls in Syrien - notwendigerweise auf äußere Unterstützung (Waffen, Geld, Rückzugsgebiete) angewiesen ist, entmachtet automatisch alle innersyrischen Oppositionskräfte, die den externen Unterstützern (westliche imperialistische Staaten, Golfmonarchien, Türkei) nicht in den Kram passen.

Da die "friedensbewegte" internationale Bewegung keine ausreichenden Mittel hat, dem ernsthaft etwas entgegen zu setzen, täte sie gut daran, die Finger von irgendwelchen "Adoptions"-Versuchen zu lassen - gleich ob im Bund mit proimperialistischen syrischen Exilkräften wie den im Beitrag erwähnen, oder nicht - und stattdessen inhaltliche Auflärungsarbeit über Charakter und gesellschaftliche Persektiven der im syrischen Bürgerkrieg (und um einen solchen und keineswegs nur um den Kampf "des syrischen Volkes" gegen die "Assad-Diktatur" handelt es sich) aktiven Kräfte zu leisten und natürlich gegen jede Einmischung ihres je eigenen imperialistischen Staates einzutreten.

* http://www.scharf-links.de/44.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=23936&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=aa8e6b97f0  

 


VON: ANTON HOLBERG


Bürgerkriegspatenschaft? - 20-04-12 22:03




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