Gegen Kuba-Kitsch und Repression!

14.08.21
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Replik zum Artikel von "Netzwerk Kuba", 10.8.2021:

1.: Es ist lächerlich, nach 60 Jahren "Sozialismus"(?) noch sämtliche Probleme des Landes alleine auf die US-Blockade schieben zu wollen. Hätte Kuba eine eigene Industrie entwickelt, könnte es jetzt auch dringend benötigte Medikamente selbst herstellen. Die DDR lieferte denen früher manche Maschinen, die dann im Sand unter der feuchten Tropensonne verrotteten, weil die Spezialisten fehlten, um diese aufzubauen. Aber Kuba war immer gross darin jede Kritik an irgendetwas als USA-gesteuert zu denunzieren. Als in den 1970iger Jahren etliche westliche Linksintellektuelle die Inhaftierung des Schriftstellers Herberto Padillo kritisierten, darunter Sartre sowie Rossana Rossanda (ex-ZK der ital. KP, später "Il Manifesto") da verbot Fidel Castro denen den weiteren Besuch Kuba´s und verleumdete die als CIA-Agenten!

2. In dieselbe Kerbe haut bis heute die Kuba-Solidarität, wenn, wie auch im vorliegenden Artikel "Gewalt gegen Menschen" den Demonstrierenden angelastet wird, während "polizeiliche Maßnahmen gegen Gewaltausbrüche" ergriffen worden seien. In Wirklichkeit ging die Gewalt alleine von der Polizei gegen friedliche, unbewaffnete Demonstranten aus; die im übrigen nach tausenden zählten und keinesfalls "nur ein paar hundert US-Anhänger" waren wie die DKP schrieb. In unzähligen Videos im Net sind sehr eindeutige Szenen festgehalten, die zeigen wie Polizisten wahllos Demonstranten zusammenschlagen, übrigens überwiegend Schwarze. Auch gab es keine pro-US-Banner zu sehen, aber zahlreiche Transparente die sagten "Sozialismus ja, Repression Nein". Doch gerade aus diesen linken Kreisen heraus, unter "abweichenden" Marxisten wie vom "Blog Communistas", aber sogar Parteimitglieder darunter (Frank Hernandez), gab es die meisten Verhafteten! Insgesamt hunderte; natürlich etliche Künstler sowie LGBT-Leute darunter. Diese grundlos Inhaftierten -sogar etliche Minderjährige darunter!- durften von ihren Verfassungsmässigen Rechten -wie dem Recht auf einen Anwalt- nicht Gebrauch machen und sind teilweise bereits zu einem Jahr verurteilt wurden ohne etwas getan zu haben. Darunter auch Anwohner, die zufällig in die Nähe der Demo gerieten. Alles dies kann in sozialen Netwerken bei unzähligen kubanischen Blogs und Profilen mit Belegen nachgelesen werden. Aber ich glaube ich ahne schon die nächste Stellungnahme des "Netzwerks": "alle Aufnahmen sind Fälschungen von der CIA und vom Mossad"- oder so. Nicht wahr? Doch zunehmende Repression des Staates könnte tatsächlich noch mehr Menschen zu Illusionen über die USA verhelfen- dazu bedarf es keiner CIA, dazu genügt die Realität Kubas! Nur mehr Freiheit und Demokratie in Kuba wird die Regierung vor ihrem Sturz bewahren können.

3. Die Stellungnahme des Netzwerks ist der letzte untergehende Versuch dieses romantisch verklärten Kuba-Bildes von der sozialistischen Insel die alleine von den USA an der Glückseligkeit gehindert wird, das noch nie gestimmt hat. In Kuba herrscht dieselbe stalinistische Bürokratie mit allgegenwärtiger Geheimpolizei, die in Osteuropa zusammenbrach- so ganz ohne US-Einmischung. Kuba´s berühmtester internationaler Bestseller-Autor Leonardo Padura, im eigenen Land nicht gedruckt, (meine Rezension von dessen Buch über seine Gespräche mit Trotzkimörder Ramon Mercader in Kuba, "Der Mann der Hunde liebte" ist noch hier in www.scharf-links.de einzusehen) beschrieb in seinem letzten Buch "Die Durchlässigkeit der Zeit" von 2019 u.a. auch eine neue Bourgeoisie in Kuba, die -während die Massen darben- in genauso unermesslichem Luxus schwelgt wie die westlichen Bourgeois; darunter gibt es z.B. Kunsthändler die Euro-oder Dollarmillioäre sind. Für die gibt es auch die Restaurants und denen vorbehaltene Läden in denen alles vorhanden ist (wie einst in der DDR die Sonderversorgung für die Funktionäre in Wandlitz auf Staatskosten.)

4. Ich füge hier nochmal meine ebenfalls hier 2014 veröffentlichte Buchrezension "Die Kommission der Tränen" an über die "internationalistischen" Verbrechen von Kuba in Angola. Den Autor, Portugals größter Romancier und ex-KP-Mitglied Antonio Lobo-Antunes wird das Netzwerk Kubasolidarität zu derem Pech wohl kaum als Lügner denunzieren können, denn der war damals selbst als Arzt und Psychiater in Angola stationiert und Augenzeuge. Wer das gelesen hat, versteht besser,warum das Volk in Kuba nicht mehr für den dortigen Staatskapitalismus gewonnen werden kann, und warum in Europa die Massen so schwer gegen den Kapitalismus zu mobilisieren sind. Da haben nämlich einige so einiges vom "realen Sozialismus" der keiner war, mitgekriegt, was dem Netzwerk alles entgangen zu sein scheint:

DIE INNERPARTEILICHEN MASSAKER IN DER MPLA (ANGOLA)



02.11.14



von Günter Meisinger

Ein kaum bekanntes stalinistisches Verbrechen der siebziger Jahre

- Buchrezension -

Antonio Lobo-Antunes, Portugals großer Romancier, den international viele Kritiker seit langem für den weltbesten Autor halten, wurde selbst als Arzt &Psychiater vom Militär eingezogen und in Angola stationiert.
In mehreren Büchern setzte er sich hart mit den portugiesischen Kolonialverbrechen in Afrika auseinander.

In seinem neuesten Werk "Kommission der Tränen" beschäftigt sich das ehemalige KP-Mitglied mit den innerparteilichen Auseinandersetzungen in der siegreichen Befreiungsbewegung MPLA von 1977-1979. Diese kosteten Zehntausende(!) Genoss(inn)en das Leben - ziemlich viel für ein Land, dessen Einwohnerzahl damals deutlich unter 20 Millionen lag.

Innerparteiliche Kritiker wurden oft grausam gefoltert, oder es wurden ein paar Handgranaten in einen Raum mit Gefangenen geworfen. Verantwortlich für die Massaker war niemand anders als der im Ostblock als großer Humanist verklärte Präsident Agosthino Neto, der 1979 in Moskau verstarb.

Die Anschuldigungen gegen Oppositionelle lauteten abwechselnd und wahllos darauf, das Land an die Sowjets, die Chinesen, die Kubaner, die USA, die südafrikanische Apartheid oder sonstwen ausliefern zu wollen.

Das Bizarre also ist, daß es trotz einer maoistischen Minderheit in der MPLA nicht um handfeste ideologische Differenzen oder unterschiedliche Konzepte ging:
Neto`s innerparteilicher Rivale Nito Alves und seine Anhänger waren genauso Moskautreu wie Neto selbst. Deren Forderung nach dem Ausschalten der Maoisten hätte eigentlich Wasser auf die Mühlen von Neto sein müssen.

HIER BEKÄMPFTEN SICH ZWEI MOSKAUTREUE FRAKTIONEN (!) und irgendwann ließ Neto seine innerparteilichen Kritiker skrupellos aus dem Weg räumen. Die in Angola stationierten kubanischen Soldaten halfen ihm dabei.

Dies läßt natürlich den oft gefeierten "kubanischen Internationalismus" in einem anderen Licht erscheinen und erinnert mich an die kubanische Unterstützung für das damalige äthiopische Militärregime DERG (Mengistu) im Kampf gegen die eritreische Befreiungsfront EPLF (Eritrea war von Äthiopien annektiert).

Ist es Zufall, daß 1989 aus Angola heimgekehrte führende Offiziere - die vielleicht zuviel wußten - in Kuba hingerichtet wurden? Die Schauprozesse hatten mit den Geständnissen der Angeklagten, ihre Forderung hingerichtet zu werden, ihren Treuebekundungen für Castro alle Ingredenzien der Moskauer Schauprozesse der dreißiger Jahre.

"Kommission der Tränen" hieß im angolanischen Volksmund jene Regierungsbehörde, die für die Anklagen und Verhöre zuständig war.

Noch besser konnte man den angeblichen Sozialismus in der Bevölkerung kaum diskreditieren, - in's Krankenhaus eindringen und auf Kranke schießen, Beine mit Eisenstangen brechen - ....:
'"das Mädchen das nicht aufhörte zu singen, während es geschlagen wurde, sie zogen es an einem Haken hoch, ließen es fallen, hörten sein Zahnfleisch auf dem Zement, und es sang mit dem Zahnfleisch, eine Kugel in den Bauch, und es sang, eine Kugel in die Brust, und es sang, sogar ohne Nase und ohne Zunge; sie glaubten es mit einer Pistolenkugel ins Herz zum Schweigen zu bringen." -
Da kann man noch lange diskutieren, warum die Massen nicht besser gegen den Kapitalismus mobilisierbar sind....

"Die Kommission der Tränen"
von Antonio Lobo-Antunes
Erschienen: 27.10.2014
Luchterhand Verlag
384 Seiten, gebunden, 22,99 Euro







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