Mordsache


Rosa Luxemburg + Karl Liebknecht - Bildmontage: HF

01.01.15
DebatteDebatte, Antifaschismus, Kultur 

 

von Karl Wild

Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Die Geschichte der Arbeiterbewegung im Kapi- talismus ist reich an schmerzhaften Niederlagen, Terror und Unterdrückung, von der Pariser Com- mune bis hin zu den KZ's der Nazis.

Daran zu erinnern, das Vergangene lebendig zu halten, ist die Aufgabe der Bewegung, denn ohne historisches Bewußtsein ist die Gegenwart nicht zu meistern. Ist die Bewegung schwach und liegt danieder, wie gegenwärtig, verkommt auch die Erinnerungsarbeit nur zu leicht zu sektiererischer Verklärung des Geschehens.

Und die Novemberrevolution in Deutschland, ein singuläres Ereignis in der deutschen Geschichte am Ausgang des Ersten Weltkrieges, welches mithalf, diesen zu beenden und eine letztendlich zum Scheitern verurteilte demokratische Entwicklung beförderte, den Acht-Stunden-Tag ebenso erkämpfte, wie das Wahlrecht für die Frauen, blieb un- vollendet und endete für den revolutionären Teil der deutschen Arbeiterbewegung mit einer historischen Niederlage.

Gesellschaftliche Niederlagen finden nicht (nur) am Schreibtisch statt, auf der „Straße“ entscheidet sich oft in Blut getränkt das Geschehen. Und die revolutionäre Arbeiter- bewegung in Deutschland zahlte bei der Niederschlagung der Novemberrevolution einen tausendfachen Blutpreis.

In der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, den anerkannten Führern der jungen KPD, gipfelte der „weiße Terror“. Wer waren die Täter und was waren die Folgen dieser Morde?

Vordergründig und unmittelbar waren die Mörder Teil einer Soldateska, die aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges entmenscht handelten. Wer den Mordbefehl gab, ist historisch noch immer strittig, unbezweifelbarer Fakt ist jedoch das Bündnis aus rechter Mehrheitssozialdemokratie mit der alten Reichswehr, dem reaktionärsten Teil der alten Gesellschaft des Kaiserreichs, zur Niederschlagung der so verhassten sozialen Revolu- tion.

Die Sozialdemokratie, schon mit Erfahrung an der Aufgabe linker Positionen, man beden- ke nur die Bewilligung der Kriegskredite und die aktive Parteinahme für die deutschen räuberischen Kriegsziele, wollte nicht an die Seite der Bolschewiki treten und die inter- nationale Revolution bestärken.

Ganz im Gegenteil! Ebert, Scheidemann, Noske und Co. verbündeten sich lieber mit dem „Klassenfeind“, als dass man den „Pöbel“ auf den Straßen gewähren ließ.

Und die Folgen?

Die 'Weimarer Republik' betrat blutgetränkt ohne „Demokraten“ die öffentliche Bühne und die Spaltung der deutschen (und internationalen) Arbeiterbewegung steigerte sich bis zum offenen gegenseitigen Hass, der selbst die Angst vorm Faschismus übertraf. 

Revoluzzer und Sozis
fanden sich erst wieder vereint in den KZ's der siegreichen Nazis, die ohne die mörderische Spaltung der Arbeiterbewegung wohl nicht die Macht hätten erringen können.

Der Mord an Luxemburg und Liebknecht ist das Menetekel einer gewalttätigen Zeit mit historischer Langzeitwirkung.

Karl Wild 
http://projekt3kw.wordpress.com


VON: KARL WILD






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