Das souveräne Individuum

09.01.21
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Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Die eher seltsame Diskussion in Großbritannien zur Rückeroberung der Souveränitat nach der Episode der Unterwerfung in der EU wirft die Frage auf, woher dieser "Krampf" rührt. Bei der Suche danach taucht unerwartet ein bislang  unbeachtetes Buch "The Sovereign Individual" von Lord William Rees-Mogg und James Dale Davidson, einem US-Privatinvestor und Berater für Reiche zum Profitmachen bei Wirtschaftszusammenbrüchen, auf. 1997 hatten sie ihre Zukunftsvision beschrieben, in der es im Wesentlichen um Souveräniät geht. Also nicht wunderlich, dass Sohn Jacob Rees-Mogg als Politiker der Tories eben dieses Souveränitätsfanal seit 2016 hochhält und sich heute rühmt, mit dem BREXIT endlich die Souveränität seines Landes zurückerobert zu haben. Aber was bedeutet diese Souveränität wirklich?

Das Buch, von dem niemand etwas gehört hat, zeigt wahre Abgründe auf, die sich tief in die Denke der Tories, der Gentry und der Superreichen eingegraben haben. Sein Untertitel:“Mastering the Transition to the Information Age” (den Übergang ins Informationszeitalter meistern) erleichtert das Verständnis für die vorgetragenen Thesen. Nach Rees-Mogg et al lebt es sich nämlich am besten in einer Welt ohne Ordnung, denn dann hat das Souveräne Individuum die Möglichkeit, sich über lästige Zwänge wie Steuern, Regularien, Regierung, Politik ja Demokratie hinwegzusetzen, die das niedere Volk als gegeben hinnimmt. Für sie ist klar, dass die Revolution der Informationstechnologie Nationalstaaten unterlaufen oder gar zerstören werde, um ganz neue Formen sozialer Organisationen zu schaffen, und das so schnell wie noch nie zuvor. Gemeinwohl ist für sie etwas, was die Reichen für die weniger klugen, erfolgreichen und ehrgeizigen Leute zwangsweise leisten müssen, während der echte Erfolg darin besteht, seine Angelegenheiten autonom und unabhängig vom Staat und gesellschaftlichen Verpflichtungen zu organisieren. Für sie ist Steuerflucht das Gebot der Zukunft im Cyberspace. Cyberspace ist für sie der ultimative Offshore-Raum. Und prompt artikuliert sich die Idee zahlreicher Freihäfen in England, von denen aus ungeniert gehandelt werden kann. Ungeniert verschiebt auch Jacob Rees-Mogg große Teile seines Vermögens nach Irland, weil die Verheissungen des BREXIT ja wohl erst in 50 Jahren eintreten. Und Sir Dyson verlagert seine Staubsaugerfirma flugs nach Singapur in einen scheinbar sicheren Hafen. Generell wird Neuseeland als Traumland der souveränen Individuen angepriesen. Insegsamt eine grauenhafte Vision eines souverän auf uns zukommenden Turbo-Kapitalismus.

In den westlichen Demokratien wird unter  Souveränität die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit eines Volkes oder einer Person verstanden. Insofern ist Souveränität positiv besetzt und nicht an Reichtum gebunden. Schon Roussea hatte festfestellt: "Das englische Volk ist nur während der Wahl der Parlamentsmitglieder frei; sind diese gewählt, ist es Sklave, ist es nichts". Rees-Mogg et al haben also den vertrauten Begriff "Souveränität" missbraucht, um nach ihrer Wahl damit einen Zweck zu verfolgen, der mit der Souveränität des Volkes nichts zu tun hat. Es geht nämlich nur um ihr Geld und ihren Vorteil und wie man die der Kontrolle des Volkes entzieht. Dazu nutzen sie schamlos alle Möglichkeiten von Cyberspace und Kapitalflucht. Wir alle sind aufgerufen, solchen Anfängen und Entwicklunegn zu wehren. Mit dem Post-Brexit-Vertrag hat die EU ein Werkzeug zum rechtzeitigen, rigurosen Einschreiten dagegen, bevor diese pervertierte Souveränität über den Kanal schwappt.







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