Nach Hamburg - Von wem und was ich mich distanziere


Bildmontage: HF

12.07.17
DebatteDebatte, Bewegungen 

 

Von Max Brym

Justizminister Heiko Maas will „Rock gegen Links“ Events. Die Bild Zeitung fandet nach Tätern. Der G 20 Gipfel, sowie die Ereignisse im Schanzenviertel werden zum Anlass genommen, die Linke generell zu kriminalisieren. Die „Braven“ sollen sich von jeglicher Gewalt distanzieren. Dietmar Bartsch – Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag dankt der Polizei für ihren Einsatz. Jeder militante, aber auch nichtmilitante Widerstand gegen Staat und Kapital soll unterbleiben. Legale Linke sollen im Büßergewand herumlaufen, sich distanzieren und sich absolut mit der herrschenden Klasse gemein machen. Seit Tagen wird mir in München immer wieder die Frage gestellt ob ich mich von Gewalt distanziere. Dazu eine thesenhafte Antwort.

Die Gewalt des kapitalistisch imperialistischen Systems ist absolut abzulehnen. Dazu gehören Kriege Hungersnöte Ausbeutung und Rassismus. Demzufolge distanziere ich mich von diesem auf Gewalt und Profit beruhenden System auf das entschiedenste. Der Staat ist im „wesentlichen eine Formation bewaffneter Menschen“ ( Friedrich Engels) mit dem Ziel die herrschenden Produktionsverhältnisse abzusichern. Demzufolge ist der Staat nichts anders als das repressive Organ der herrschenden Klasse. Repression und Gewalt ist demzufolge systemimmanent und war in Hamburg klassisch zu beobachten. Jede Distanzierung von diesem Repressionsorgan ist absolut notwendig. Widerstand gegen den Staat ist gerechtfertigt. Demzufolge ist progressive Gewalt gegen den staatlich reaktionären Gewaltapparat des Staates legitim. Wer Widerstand gegen die Gewalt des bürgerlichen Staates ablehnt macht sich mit der herrschenden Klasse gemein. Es geht darum sich von den bürgerlich- kleinbürgerlichen Distanzierern zu distanzieren.

Das kapitalistische System produziert auch sinnentleerte Gewalt in Form von Plünderungen, sowie das Abfackeln von Kleinautomobilen. Das System verwandelt alles in Warenform. Der Mensch hat zu funktionieren auf der Basis der verallgemeinerten Konkurrenz. Der von Freud beschriebene Todestrieb befördert durch die Irrationalität der Verhältnisse feierte an einem Tag in Hamburg bestimmte Triumphe. Dieser Exzess selbst spiegelt den Kapitalismus wieder. Der Kapitalismus befördert Irrationalität und Dummheit. Kleine Ladeninhaber aus der Schanze schrieben: „Dass die Verrohung aber auch die Konsequenz einer Gesellschaft ist, in der jeglicher abweichende politische Ausdruck pauschal kriminalisiert und mit Sondergesetzen und militarisierten Einheiten polizeilich bekämpft wird, darf dabei nicht unberücksichtigt bleiben.“ Wenn das alleine nicht ausreicht werden staatliche Agenten und verkleidete Neonazis mit ins Spiel gebracht um die gewünschten Bilder zu produzieren. Schuld an dem Exzess ist der Kapitalismus und der staatliche Gewaltapparat. Davon gilt es sich zu distanzieren. Kein sogenannter „ Gewalttäter“ darf dem bürgerlichen Staat ausgeliefert werden. Der Größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant. Wer die Polizei lobt, wer sich von Gewalt als solcher distanziert, akzeptiert letztendlich die herrschende Klasse. Auch wenn er sich als Linker geriert. Von diesen Linken gilt es sich entschieden zu distanzieren. Es geht darum linke Zentren zu verteidigen. In München wurde dem„ Haus mit der Roten Fahne“ bereits vor einigen Monaten der Pachtvertrag nicht verlängert. Das geschah nach jahrzehntelanger Nutzung mit einer antikommunistischen Begründung. Jetzt soll die Flora in Hamburg, genau wie in München das Haus in der Tulbeckstr. gegen den Willen der Anwohner platt gemacht werden. Davon gilt es sich zu distanzieren. Keine Distanzierung von militanten Linken, aber ernsthafte Debatten über die passende linke Strategie und Taktik. Dieser notwendige Diskurs geht die bürgerlichen Reaktionäre nichts an.




Leserbrief von A. Holberg zu: Max Brym: Nach Hamburg - Von wem und was ich mich distanziere - 13-07-17 14:01




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