Wenn eine linke Zeitung zensiert und Debatten verhindert...


Bildmontage: HF

07.09.15
DebatteDebatte, Kultur, Antifaschismus, TopNews 

 

Von Doris Pumphrey

"Wer Fortschrittliche, wer Linke und Linksliberale beeindrucken und zu einer Meinungsveränderung bringen will, muss Träger der Parolen aus eben diesem Lager finden und nutzen." Albrecht Müller http://www.nachdenkseiten.de/?p=27377#more-27377

Folgende Zusammenstellung von Doris Pumphrey:

Als im April des Jahres die junge Welt eine Erwiderung von Rainer Rupp auf Beiträge von Monty Schädel und Sebastian Carlens verhinderte, schrieb Rainer Rupp: "In Sorge um den weiteren Weg der jungen Welt hat die erneute Attacke auf die 'neue' Friedensbewegung inzwischen weite Kreise gezogen. Sowohl für organisierte als nicht organisierte Linke und Friedensbewegte ist die jW viel zu wichtig, um über die oben erwähnten beiden Beiträge schweigend hinwegzusehen, zumal die Redaktion der Zeitung – wenig souverän – verhindert hat, dass eine Debatte darüber in der jW stattfinden kann. Deshalb muss dies nun über andere Kanäle geschehen. Dessen ungeachtet versteht es sich von selbst, dass die nachfolgende Kritik als eine mit der Zeitung solidarische ist." https://de-de.facebook.com/KenFM.de/posts/10152704784331583:0

Wie schon bei ihrer fortgesetzten Kampagne gegen Mahnwachen/Friedenswinter, verhindert die junge Welt weiterhin systematisch die Auseinandersetzung über von ihr verbreitete unqualifizierte Positionen und Diffamierungen von Personen. Um die notwendige Debatte dennoch zu ermöglichen, erscheinen die von der jW zensierten Meinungen vermehrt auf Internetseiten.

Vor kurzem veröffentlichte die junge Welt eine "Buchbesprechung" des Redakteurs Daniel Bratanovic über Wolfgang Gehrckes Buch "Rufmord. Die Antisemitismus-Kampagne gegen links" https://www.jungewelt.de/2015/08-03/015.php.

Walter Schumacher, der seine Kritik an Bratanovic und am Umgang der jW mit den Mahnwachen auf der Internetseite scharf-links veröffentlichte "Rufmord - das geht auch als Buchbesprechung" http://www.scharf-links.de/48.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=52732&cHash=327cd2710c schrieb abschließend: "Die junge Welt soll nicht zensieren, sie soll das Denken und Verstehen fördern!" (…) Die junge Welt ist außerordentlich wichtig für die inner-linke Herausbildung neuer Kräfte gegen diesen Staat. Es gibt viele Artikel, die einer neuen Generation von linken Akteuren helfen. Aber es gibt offenbar auch Strömungen, die diese Entwicklung neuer und weiterer KämpferInnen behindern wollen. Ich bitte alle linken Kräfte, die entsprechende Debatte zu eröffnen und die Redaktion, diese Debatte öffentlich zu machen."

Klaus Hartmann endet seine Kritik an Daniel Bratanovic, veröffentlicht in der NRHZ "In einem sanften Coup an sich gerissen?" http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21984 :"Es wäre unerträglich, wenn eine großartige und für Linke unverzichtbare Zeitung wie die 'junge Welt', die mit dem leider verstorbenen Werner Pirker einen Kommentator von einsamer Klasse hatte, die auch heute brillanten Journalismus und Analyse liefert, wofür stellvertretend Arnold Schölzel steht, ihre Rolle und Bedeutung verliert, weil sie auf den Bratanovic kommt."

Christel Buchingers ausführliche Kritik am Kurs der jungen Welt wurde von der rationalgalerie veröffentlicht: http://www.rationalgalerie.de/schmock/das-versagen-der-jungen-welt.html .Weil die junge Welt "eine wichtige Zeitung" ist, fordert Uli Gellermann, der Betreiber der rationalgalerie, zum "offenen Gespräch", denn nicht wenige der jW-Autoren "sind für die linke Öffentlichkeit unverzichtbar. Bei anderen wiederum - zu denen gehören Sebastian Carlens und Daniel Bratanovic - muss die Frage gestellt werden, was denn für sie links ist. Christel Buchinger hat diese und andere Fragen in einem Essay gestellt, das über den junge Welt Komplex hinausgeht."

Der von der jW unterdrückte Leserbrief (u.a.) von Helmut Dunkhase wurde im Palästina-Portal veröffentlicht http://www.palaestina-portal.eu/2015%2008%2012.html und ist hier wiedergegeben:

Leserbrief an die jW von Helmut Dunkhase

Mit dem Artikel „Aus der Defensive“ von Daniel Bratanovic nimmt die jW ihre unselige Reihe von Attacken gegen die Teile der Friedensbewegung wieder auf, die sich der Zusammenarbeit mit Gruppen oder Personen der so genannten neuen Friedensbewegung nicht grundsätzlich verweigern. Das Objekt ist diesmal Wolfgang Gehrcke, der sich mit seiner Schrift „Rufmord. Die Antisemitismus-Kampagne gegen links“ gegen Antisemitismusvorwürfe in der Linken zur Wehr setzt.

Bratanovic geht die Attacke gegen Gehrcke in einem solchen Eifer an, dass er darüber vergisst, was eigentlich eine Buchbesprechung sein soll, nämlich darüber zu informieren, was drin steht. Stattdessen kapriziert er sich darauf, die Antisemitisvorwürfe als nicht ganz grundlos darzustellen. Sehen wir uns die „empirischen Nachweise“ - die er bei Gehrcke doch so vermisst – an. Er muss lange gesucht haben, bis er eine Äußerung von Diether Dehm aus dem Jahr 2009 fand: „Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben.“ Nun kann man in einer Liedansage keine wissenschaftliche Definition erwarten. Aber was ist an einer unzureichenden Definition des Antisemitismus antisemitisch? Dehm dient Bratanovic denn auch nur als Brücke, die dahin führt, wo alle Angriffe der jW in dieser Frage münden - Ken Jebsen. „Das Volk ohne Raum, das auserwählte Volk, agiert mittels Mossad, der sich, welche Ironie, auch mit SS schreibt, nach den Methoden der Nazis.“ Diese Aussage enthält drei überprüfbare Tatsachen und eine Bewertung. In Kurzfassung: „Volk ohne Raum“: siehe Siedlungs- und Biopolitik gegenüber der arabischen Bevölkerung. „Das auserwählte Volk“: Israel versteht sich als jüdischer Staat und Juden verstehen sich selbst als auserwähltes Volk. Tatsachen können keine Ideologie begründen. Schließlich: „Methoden der Nazis“: eine Bewertung, die wie jede Bewertung, strittig ist, aber die sich auf die vorher genannten Tatsachen bezieht. Kein vorteilhaftes Urteil über Israel, aber was hat das mit Antisemitismus zu tun?

Wenn solch dünne Bretter gebohrt werden, wundert es nicht, wenn die jW in dieser Frage erklärtermaßen keine Diskussion zulässt. Dies ist gerade ein Kennzeichen einer Kampagne – zumal die Angegriffenen in der Regel auch zu den eifrigen jW-Leserinnen gehören. Sie steht im Einklang mit den Angriffen der ganz Rechten in der Linkspartei auf Leute wie Gehrcke sowie den Verleumdungen aus antideutscher Ecke, deren Protagonisten längst die entsprechenden Posten in den „Leitmedien“ eingenommen haben. Dass Bratanovic eine solche Kampagne bestreitet, mag der Blindheit desjenigen geschuldet sein, der selbst ein Teil von ihr ist, macht die Sache aber nicht entschuldbarer.







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