Systemrelevanz


Bildmontage: HF

01.04.20
DebatteDebatte, Soziales, TopNews 

 

Kommentar von Helmut Malmes

In dieser weltweiten Krise liegen nicht nur die besonders betroffenen Opfer des Coronavirus um ihr Überleben kämpfend an den Beatmungsgeräten. Nein, auch unsere Wirtschaft muss „beatmet“ werden.

Auf dem Höhepunkt der Krise müssen möglicherweise, so wie es in unseren Nachbarländern bereits geschieht, Menschen triagiert werden. Dies bedeutet, dass sie zum Tode durch unterlassene oder eingestellte Hilfeleistung verurteilt werden. Verurteilt wegen eines ohnmächtigen Gesundheits-systems,  das unter der Maxime von Wettbewerb und Gewinnoptimierung bereits vor der Krise an die Grenze seiner Belastbarkeit gebracht wurde. In diesen Zeiten, in denen es um das Ganze, um das Überleben geht, sind Kooperation und Solidarität gefragt. Wettbewerb und Profitmaximierung sind kontraproduktiv.

Wenn eine überlebenswichtige Atemmaske auf dem heiß umkämpften freien Markt mittlerweile über 13 Euro kostet (vor Corona übrigens wenige Cent), dann ist dies nichts weiter als die Umwandlung krimineller Energie in maximal gewinnbringende Geschäftstätigkeit.

Übrigens, Tod bringende Marktmechanismen gibt es schon lange. Denken wir beispielsweise an die erfolgreiche Geschäftstätigkeit von Börsen, Rüstungsindustrie, industrieller Nahrungsmittel-produktion, die millionenfachen Tod in fernen Ländern verursachen. Aber da war und ist uns der Tod eben nicht so nah.

Nutzen wir also die virusbedingt reichlich vorhandene Zeit zum Blick in die Zukunft. Machen wir endlich Schluss mit neoliberalem Wahnsinn, mit ungezügeltem Wachstum und Wohlstand. Besinnung wir uns auf das, was wir zu einem guten Leben und (auch weltweitem) Überleben unbedingt brauchen.

Zurzeit staunen wir über das unglaubliche Blau des Himmels und können den Frühling wieder riechen, weil Luft ist rein ist. Tagtäglich erleben wir an vielen Orten die tröstende und ermutigende Auferstehung (Ostern!) von Empathie und Solidarität. Und in dieser Zeit der offenen Fragen wissen wir mittlerweile sehr sicher, dass die überlebensnotwendige Systemrelevanz ganz überwiegend unterbezahlt und weiblich ist.







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