Zukunft der Beschäftigung: kommt nach prekär nur noch Sklaverei und Schuldknechtschaft?


Bildmontage: HF

15.06.19
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Von Gewerkschaftsforum Dortmund

Für die Sicherheit der reichen Menschen, die abgeschirmt in eigenen Trutzburgen in den Stadtteilen leben, muss immer mehr Aufwand getrieben werden, damit die „überflüssigen“ Menschen, deren Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird, ihnen nicht zu nahekommen. Doch wird es immer schwieriger, sie in Schach zu halten.

Gleichzeitig versuchen die Menschen aus ihrer prekären Lage herauszukommen.  In immer zahlreicher werdenden Regionen des globalen Südens versuchen die Menschen mit Hilfe von Verschuldung ihre Situation zu verbessern und nehmen Kredite auf. Diese Verschuldung ist mittlerweile der erste Schritt in die Sklaverei geworden.

Die Schuldknechtschaft ist der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt, sie stellt heute aber die am weitest verbreitete Methode zur Versklavung von Menschen dar.

Die globale Ökonomie hat eine weltweite Nachfrage geschaffen, bei der die Unternehmen den Globus nach unregulierten Arbeitsmärkten absuchen, um von den niedrigsten Löhnen profitieren zu können.

Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gehen derzeit von weltweit 21 Millionen Sklaven und die Anti-Slavey-International gar von 27 Millionen betroffenen Menschen aus. Diese moderne Sklaverei, die verschönert als Menschenhandel bezeichnet wird, hat größere Ausmaße erreicht, als zur Hochzeit des atlantischen Sklavenhandels, in der über 350 Jahre 13,5 Millionen Menschen aus Afrika geraubt wurden, was bedeutet, dass es heute doppelt so viele versklavte Menschen gibt.

Die meisten Sklaven werden in irgendeiner Form von ortsgebundener Leibeigenschaft, z. B. in der vererbten Schuldknechtschaft gehalten, bei der die Schulden der Eltern auf ihre Kinder übertragen werden. Rund 20 Prozent der versklavten Menschen wurden mit Gewalt oder List von Menschenhändlern entführt und in die Prostitution oder Zwangsarbeit gezwungen.

Mittlerweile ist der Menschenhandel zu einem florierenden Wirtschaftszweig geworden, der mit modernsten Kommunikations-  und Logistiktechniken ausgestattet ist.

Wie verschiedenartig sich dieser global arbeitende Wirtschaftszweig zeigt, sollen ein paar Beispiele zeigen:

  • In den zerfallenden nordafrikanischen Staaten, auch im Mittleren Osten inklusive im Libanon ist die Präsenz von Sklaven sicht- und erfahrbar.
  • Im nordkoreanischen System von Arbeitslagern verrichten knapp 200.000 Menschen Zwangsarbeit.
  • In einigen Regionen in Afrika, z. B. in Mauretanien existiert immer noch eine auf der Abstammung beruhende Sklaverei, bei der die Kinder der Sklaven an die Kinder der Sklavenhalter weitergegeben werden.
  • In Äthiopien/Eritrea gibt es die zeitlich unbegrenzte Wehrpflicht, bei der die  Männer Zwangsarbeit leisten müssen und derer sie sich nur durch Flucht ins Ausland entziehen können.
  • Nach dem schweren Erdbeben in Haiti Anfang 2010 wurden massenhaft Kinder für die die Prostitution und Zwangsarbeit versklavt.
  • Folter, Vergewaltigungen und Sklaverei – das sind die Zustände, in denen viele Geflüchtete in libyschen Lagern festgehalten werden. Wie viele es genau sind, weiß man nicht. Aber ihre Zahl steigt, seit die sogenannte libysche Küstenwache Flüchtlingsboote im europäischen Auftrag abfängt und die Menschen nach Libyen zurückbringt.
  • In der Mischung von traditioneller Ausbeutung und den Auswirkungen der kapitalistischen Globalisierung sind in Südasien rund 85 Prozent der Leibeigenen zu finden, fast alle gehören der unteren Klassen und Kasten an. Sie können nur mit Hilfe immer neuer Kredite überhaupt existieren. Selbst wenn ihre Schulden beglichen wurden, werden sie mangels Alternativen nicht aus der Schuldknechtschaft entlassen.
  • Usbekistan bietet ein Beispiel, in dem der Staat als zentraler Akteur bei der saisonalen Zwangsarbeit agiert. Jedes Jahr werden Millionen Usbeken zur Ernte auf den Bauwollfeldern gezwungen, etwa 1,5 Millionen Kinder müssen unter den härtesten Bedingungen die Ernte einbringen.
  • In Ungarn wurde ein Zwangsarbeitssystem für arbeitslose Roma eingeführt, das auch die Kasernierung und polizeiliche Überwachung der langzeitarbeitslosen Menschen garantiert. Nach einer Frist von einem halben Jahr, können sie ungarnweit zum Arbeitseinsatz behördlich angewiesen werden. Jedem erwerbslosen Menschen, der diese Art der Arbeit, die wie bei uns „gemeinnützig“ bezeichnet wird, verweigert, dem wird die Sozialhilfe ersatzlos gestrichen. Die deutsche Hartz-Gesetzgebung stand bei den ungarischen Maßnahmen für die Roma Pate.
  • Die hiesige Hartz-Gesetzgebung sorgt schon seit 14 Jahre dafür, dass z.B. bei den Arbeitsgelegenheiten kein geschütztes Arbeitsverhältnis eingegangen, die Menschen Existenz zerstörenden Sanktionen ausgesetzt werden und für sie das Grundrecht auf freie Berufswahl nicht gilt. Um nicht vorgesehene, lebensnotwendige Ausgaben tätigen zu können müssen Darlehen beim Jobcenter aufgenommen werden, die vom kargen Regelsatz zurückgezahlt werden müssen.
  • Europaweit arbeiten LKW-Fahrer von den Philippinen unter unmenschlichen Bedingungen. Zu zweit müssen in einer Fahrerkabine arbeiten, schlafen, kochen und leben. Für einen Hungerlohn, null Tage Urlaub und zwei Jahre von der Familie getrennt. Ein normales Bett werden sie in Europa nicht sehen.

Zwangsarbeit findet den Beispielen nach nicht nur in den Elendsgebieten der Welt statt, sie ist auch in Europa, gleich nebenan anzutreffen.

Derzeit verbreitet sich diese Form der Ausbeutung  enorm, spätestens bei dem nächsten Krisenschub wird sie sich in einen riesigen Wachstumsbereich verwandeln und sich nicht mehr vorrangig auf den globalen Süden beschränken.

Quelle: „The Atlantic“,Thomasz Konicz

https://www.gewerkschaftsforum-do.de/zukunft-der-beschaeftigung-kommt-nach-prekaer-nur-noch-sklaverei-und-schuldknechtschaft/







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