Auf den Tsunami der Veränderungen vorbereiten

08.09.20
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Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Covidioten nennen Briten Leute, die mit Verschwörungsmythen und aberwitzigen Erklärungen gegen die Schutzmaßnahmen in der aktuelle Corona-Pandemie grölend durch die Straßen ziehen und dabei andere und sich selbst gefährden. Wäre es nicht viel sinnvoller, die uns alle treffende Zwangspause zum Nachdenken darüber zu nutzen, wie wir uns auf den Tsunami der mit Sicherheit auf uns zukommenden Veränderungen vorbereiten?

Einstein folgend sollten wir dabei von der realistischen Warte ausgehen: „Je mehr ich weiß, um so mehr weiß ich, das ich nicht(s) weiß“. Keine/r braucht sich also zu schämen, dass sie/er bei Corona nicht durchblickt. Hüten sollte man sich aber davor, seine eigene Unwissenheit zum Maßstab seines Handelns zu machen, und noch weniger der anderen. Das könnte hochgefährlich sein. Erstaunlich ist doch vielmehr, wie geradezu hilflos wir bei all unserem heutigen Wissen mit diesem neuen Viruswinzling umgehen. Die Asiaten mit aus ihrer Tradition bekannten Maßnahmen (Masken und Abstand), die europäische Zivilisation mit Geld und Versuchen, die USA mit schierem Chaos, der Rest der Welt erratisch oder gar nicht. Da sollten wir doch eher dankbar dafür sein, wie wir bisher in unserem Land doch relativ glimpflich davongekommen sind und das Virus unter Kontrolle dann haben, wenn wir uns alle vernünftig verhalten. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass es sich um eine globale Seuche handelt, in der nationale oder regionale Erfolge sehr labil sein können.

Bedenkt man ferner, dass wir Menschen ohne Viren und Bakterien überhaupt nicht lebensfähig sind, erkennt man schnell, dass wir uns konstruktiv mit diesem neuen Virus auseinandersetzen müssen, denn auf absehbare Zeit werden wir es nicht los. Anstatt also mit viel Zeit und Geld in kakofonen Demonstrationen zu vergeuden, sollten wir die spezifischen Schutzmaßnahme Spezialisten überlassen und selbst  über die möglichen Ursachen nachdenken. Dabei geht es nicht um die Übertragungskette an sich, sondern um deren Ursachen. Und dabei kommen wir nolens volens zu der Erkenntnis, dass vor allem wir selbst Grund des Übels sind: mit unserem egoistischen Konsumverhalten, rüdes Ausbeuten der Natur und Menschen, klimaschädlichen und renditegetriebenen Gebaren, fehlendem Respekt vor allen Menschen dieser Erde. Die Japaner haben für eine solche Fülle von Problemen den Begriff des Tsunami geprägt, eine Riesenwelle, die unaufhaltsam über uns kommt.

Da hilft es nichts, viel zu schreien und doch nichts Zielführendes zu sagen, die Wahrheit selbstgerecht für sich in Anspruch zu nehmen, ohne dazu legitimiert zu sein. Natürlich ist Demonstrieren ein demokratisches Recht, aber eben nur soweit die Rechte anderer nicht verletzt werden. Also, nicht grölen, sondern nachdenken, nicht nur kritisieren, sondern konstruktive Vorschläge machen. Und dazu braucht es Sachverstand und Bildung, Empathie und Sozialverantwortung, Gemeinwohl vor Eigenwohl, denn nur dort kann sich jeder nach seinen Begabungen und in Harmonie mit der Welt entwickeln. So könnte der Tsunami eine Reinigungswelle werden.







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